Legendendarstellung in frühneuzeitlichen Berichten

Kolumbus` Schiffstagebuch, Marcos von Nizzas Beschreibung der sieben Städte von Cibola, Auf der Suche nach dem El Dorado. Eine vergleichende Quellenuntersuchung.


Diplomarbeit, 2006
96 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Vorbetrachtungen
1.1 Stand der Forschung
1.2 Zur Quellenlage und dem historischen Umfeld der Frühphase kolonialer Expansion in Amerika
1.3 Legende vs. Mythos - Differenzierung der Begriffe

2. Grundkonstanten für die Entstehung von Legenden in der Neuen Welt
2.1 Komponentenschema

3. Exemplarischer Quellenvergleich: Schiffstagebuch – Die Sieben Goldenen Städte von Cibola – El Dorado
3.1 Auf der Suche nach Cipango – Die Asienrezeption im Schiffstagebuch des Kolumbus
3.2 Die Sieben Goldenen Städte von Cibola – Visionen eines Geistlichen?
3.3 Spanische und oberdeutsche Expeditionen – Die Suche nach dem El Dorado in den Weiten Südamerikas

4. Zusammenfassung der Teilanalysen
4.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Quellen im Vergleich
4.2 Die singulären Ergebnisse im Komponentenschema

5. Schlussbetrachtung

Anhang

Quellen
Literatur
Abbildungen und Karten

Einleitung

Die Legenden der Neuen Welt, welche seit der Wiederentdeckung Amerikas im Jahr 1492 durch Christoph Kolumbus im Entstehen waren, zeigten wie sehr die Europäer an Visionen von Goldländern, reichen Kulturen und ein irdisches Paradies glaubten. Die daraus entstehenden Mythen konstituierten sich in einem Kontext der sukzessiven Eroberung einer vorerst neuen Welt. Was zunächst als ein irdisches Paradies in einen asiatischen Zusammenhang nur schemenhaft hineingedeutet wurde, gewann mit fortschreitender Expansion an Konturen. Schnell wurde klar, dass es sich bei der Landmasse um einen neuen Kontinent handelte. Trotz oder gerade deshalb gewannen Mythen und fantastische Erzählungen an Bedeutung. Abenteuerliche Geschichten von Jungbrunnen, reichen Völkern, goldenen Städten sowie kriegerischen Stämmen mit unvorstellbaren Kräften prägten die frühneuzeitliche Berichterstattung. Glücksritter, machtbesessene Konquistadoren, Hasardeure und Desperados folgten diesen Legenden und abenteuerlichen Geschichten, um in der Neuen Welt ihr Glück zu finden.

Einer anfangs sporadischen Suche nach Reichtum folgten sehr schnell Unternehmungen, die eine königliche Planung zu Grunde hatten und somit auch professioneller waren. Das Auffinden großer, reicher Zivilisationen, der Azteken, Inka und der Muisca[1]sowie deren Unterwerfung durch die Spanier Cortes und Pizarro, ließ die Fantasie der Eroberer höher schlagen, wurden doch mit jenen Beutezügen Realitäten geschaffen. Gold und schneller Reichtum schienen fortan keine Illusion, sondern in greifbare Nähe gerückt. Beflügelt durch indigene Sagen und Überlieferungen, welche am Rande der Eroberungen erfasst wurden, entstanden Legenden von sagenhaften Goldländern, reichen Völkern und paradiesischen Orten. Insbesondere zu einer Zeit, in der riesige Vermögen ausblieben, gewannen Mythen schnell an Substanz. Die Konquistadoren ließen sich von jenen fabelhaften Geschichten inspirieren, beeinflussen und folgten ihnen. Ohne es zu wissen, wirkten sie jedoch bei ihrer Verbreitung und Überarbeitung entscheidend mit, sodass die Legenden ein gewisses Maß von Eigenständigkeit entwickelten.

In der Abschlussarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt am Gymnasium „Legendendarstellung in frühneuzeitlichen Berichten. Kolumbus` Schiffstagebuch, Marcos von Nizzas Beschreibung der sieben Städte von Cibola, Auf der Suche nach dem El Dorado. Eine vergleichende Quellenuntersuchung.“soll auf den Entstehungskontext von Legenden in den Anfangsjahren der kolonialen Expansion (1492 bis 1550) eingegangen werden. Im Mittelpunkt stehen hierbei u. a. die Fragen, welche generellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Quellen auszumachen sind. Gibt es Elemente, die auf das europäische Mittelalter verweisen und was stellt sich als neu dar? Ein weiterer Punkt ist der Grad des europäischen Einflusses. Wie schlägt sich dieser in den hier untersuchten Berichten nieder und warum entstand besonders während der Anfangszeit der (europäischen) kolonialen Expansion eine Vielzahl von Legenden?

Im Zentrum der Betrachtungen stehen Kolumbus` Suche nach Cipango in seinem Schiffstagebuch, der Bericht des Franziskanermönches Marcos von Nizza über die Sieben Städte von Cibola, die Briefe Philipp von Huttens und die Tagebuchaufzeichnungen Gaspar de Carvajals, welche der Legende um El Dorado nachgingen.[2]

Kolumbus, der auf der Suche nach dem asiatischen Kontinent war, prägte mit seiner Berichterstattung im Schiffstagebuch den Mythos einer reichen Insel im westlichen Atlantik – Cipango. Das Reich des Großkhans war in den Augen der Europäer das Sinnbild für Gewürze und Gold. Die Legende um die Sieben Städte von Cibola, welche sich um 1539 konstituierte, ist im heutigen New Mexico zu lokalisieren. In der Vorstellung der Konquistadoren symbolisierten diese sieben Städte das Vorhandensein eines mächtigen Reiches mit verzierten Bauten aus Gold, Türkis und anderen Edelsteinen. Nachforschungen der Europäer sollten jedoch rasch zeigen, dass es sich bei den Sieben Städten von Cibola um ein Fantasiegebäude handelte. Bis weit in das 18. Jahrhundert konnte sich dagegen der Mythos um El Dorado halten. Auf ihren Streifzügen durch Mittel- und Südamerika erhielten die europäischen Eroberer Hinweise aus der indigenen Bevölkerung über eine Indianerkultur, in welcher sich der Häuptling mit Goldstaub anmalen ließ und diesen anschließend in einer Zeremonie in einem See abwusch. Parallel dazu fanden Opfergaben an die Götter statt. Hierbei wurden begleitend zum Ritual des Häuptlings Schätze (Gefäße, Edelsteine, Skulpturen etc.) in den See geworfen.

Die Grundlagen für das Entstehen dieser unglaublichen Beschreibungen sind einerseits im Mittelalter des frühneuzeitlichen Europas, andererseits in den Erzählungen amerikanischer Ureinwohner auszumachen: Kolumbus` Ausführungen in seinem Bordbuch, welche zu Beginn der Erschließung der Neuen Welt entstanden, waren noch stark von mittelalterlichen Illusionen geprägt. Während die Vorstellungen von den Sieben Goldenen Städten im Westen noch auf europäische Urquellen bzw. mittelalterliche Texte zurückgingen, stellte die Sage um den goldenen Mann oder El Dorado einen Typus dar, der seine Ursprünge fast ausschließlich in Amerika hatte. Als Kolumbus die Tatsachen der Neuen Welt in einen stark christlich – asiatischen Kontext interpretierte, die Sieben Goldenen Städte von Cibola ihre Ursprünge auch in der europäischen Literatur des Mittelalters fanden, entstand die Legende von El Dorado vorwiegend ohne europäische Grundlagentexte. Vielmehr konstruierten die kolonialen Eroberer diesen Mythos mit bewusster oder unbewusster Unterstützung der indigenen Bevölkerung selbst.

Zunächst werden der Stand der Forschung sowie die Quellenlage (allgemein und speziell) zum Bereich der frühen Phase der kolonialen Expansion in Amerika betrachtet. In den Vorbetrachtungen soll zudem kurz auf den Terminus Legende und Mythos eingegangen werden. Dies dient im Vorfeld dazu zu verdeutlichen, warum in Bezug auf Kolumbus` Cipango, die Sieben Städte von Cibola sowie El Dorado von Legenden gesprochen werden kann.[3]Daneben erfolgt eine chronologische Übersicht, welche den Entstehungszeitraum der in dieser Darstellung analysierten Quellen verdeutlicht. In der vergleichenden Quellenanalyse sollen frühneuzeitliche Berichte (Bordbuch des Kolumbus, Marcos von Nizzas Beschreibungen der Sieben Städte von Cibola und die Briefe Philipp von Huttens über den El Dorado) untersucht werden. Erste Teilergebnisse und Zusammenhänge sollen unmittelbar nach der jeweiligen Analyse dargestellt werden. Die Arbeitsergebnisse und Erkenntnisse werden dann auf ein Komponentenschema übertragen, welches am Ende der vorliegenden Arbeit aufgegriffen wird. Die Gesamtergebnisse der vergleichenden Quellenuntersuchung finden anschließend eine Zusammenfassung in einem ausführlichen Schlusskapitel.

Christlich konnotierte Mythen spielten während der Frühphase der kolonialen Expansion eine tragende Rolle. Insbesondere jene erste Phase, welche für den Zeitraum von 1492 bis 1550 anzusetzen ist, war geprägt durch die Mischung christlicher Stoffe und Erzählungen mit denen der einheimischen Bevölkerung. Die christlichen Elemente wurden mit der realen Situation in Amerika verknüpft. Die Ursachen hierfür sind nicht zuletzt in der Mirabilienbildung des Spätmittelalters zu suchen.[4]So verfügten die Eroberer der Neuen Welt über eine rudimentäre Bildung, welche sowohl ein gewisses Maß an Grundkenntnissen (Lesen, Schreiben, Rechnen) sowie das Wissen um Wundergeschichten christlicher Art in sich einschloss. Gleichermaßen galten merkwürdige Dinge und Vorstellungen über Asien auch für die Neue Welt.

Das Aufleben dieser Legenden in Amerika war gekoppelt an den Erfolg der Konquistadoren: Solange Reichtümer erschlossen wurden, war die Zahl der fantastischen Geschichten eher gering. Erst als die Eroberung der großen Zivilisationen (Maya, Azteken, Inka und auch Chibcha) abgeschlossen war, stieg die Zahl der Legenden in der Neuen Welt wieder an. Die christlichen Topoi wurden herangezogen, um die Wirklichkeit zu er- und verklären. Zudem sollten diese die europäischen Geldgeber dazu bewegen, weitere finanzielle Mittel für die Eroberer und deren Unternehmungen[5]bereitzustellen. Die der vorliegenden Darstellung zu Grunde liegende Arbeitshypothese geht davon aus, dass die Legende um die Sieben Städte von Cibola sowie die Beschreibungen des Kolumbus eineTransformationder mittelalterlichen Mirabilienbildung erlebten. Die Legende von El Dorado stellte hingegen den erstenintraamerikanischenMythos, welcher vor dem Hintergrund der Vermischung indigener Geschichten und phantastischer Vorstellungen der Eroberer selbst zu Stande kam, dar. Es wird deutlich, dass neben dem vorherrschenden Goldmotiv, was bei der Eroberung zweifellos eine tragende Rolle spielte, auch andere Komponenten, welche die Entstehung von wundersamen Geschichten begünstigten, einen gewichtigen Bereich darstellen. Weiterhin soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit die drei Quellen über Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede verfügen. Lassen sich in den Berichten der frühen Neuzeit Verbindungen aufzeigen, die in allen drei untersuchten Quellen vorkommen? Welche Elemente lassen das europäische Mittelalter erkennen und in welchen Punkten wird etwas völlig Neuartiges aufgeworfen? Ferner soll untersucht werden, wie hoch das Maß europäischer Einflussnahme (politischer, wirtschaftlicher Druck; Bildung) auf die Quellen war. Hierbei stellt sich die Frage, wie sich dieser Grad des Einflusses in den Berichten niederschlägt.

Neben dem Goldmotiv standen die Konquistadoren auch unter einem gewissen Erfolgsdruck. Maßgeblich hing ihre Karriere vom Wohlwollen des Monarchen – für Spanien Isabella und Ferdinand und später Karl V. – ab. Sie bestimmten, ob es weitere Unternehmungen geben sollte oder nicht. Somit waren die Nachrichten von entscheidender Bedeutung bei der Planung neuer Expeditionen. In Anbetracht der Tatsache, dass Amerika bis 1520 kaum eine zentrale Rolle in der europäischen Berichterstattung und Darstellung erfuhr, weil Asien und insbesondere Indien weitaus mehr Gewinne versprach, bestätigt paradoxerweise die Annahme, dass die überzogenen Ausführungen eines Kolumbus durchaus das Ziel hatten, für Begeisterung oder Zustimmung zu sorgen, um „sein Asien“, was durch Cipango symbolisiert wurde, gegen die überseeischen Erfolge Portugals abzugrenzen. Somit soll auch die Frage aufgeworfen werden, warum gerade in der Anfangszeit der kolonialen Expansion in Amerika zahlreiche Legenden entstanden sind.

Ziel der nachfolgenden Darstellung ist es, diese drei verschiedenen Quellen miteinander zu vergleichen und sie in Hinblick auf ihr historisches Entstehungsumfeld und ihren Ursprung zu untersuchen. Zentraler Bestandteil dieses Komplexes ist die Ausarbeitung von christlichen Einflüssen, Dogmen und Stereotypen. Ferner soll auch die mögliche Einwirkung der indigenen Bevölkerung bei der Entstehung von Legenden untersucht werden. Die Darstellung will überdies den Versuch unternehmen, eventuelle Urquellen zu finden, um damit zu zeigen, dass wesentliche Ideen bereits ihren Ursprung in Europa hatten und in der Neuen Welt um- bzw. überformt wurden. In diesem Zusammenhang wird auch die mittelalterliche Mirabilienbildung angesprochen.

Die Quellen werden nach sieben Kriterien untersucht: Zunächst soll das historische Umfeld bzw. der Entstehungskontext des Textes rekonstruiert werden. Hierbei wird auch die Frage aufgeworfen, welche Leistungen der Verfasser der Quelle für seine Auftraggeber bisher erbracht hat. Anschließend wird das Abhängigkeitsverhältnis des Schreibers eines Textes zum Auftraggeber betrachtet. Die Analyse in diesem Punkt wird zudem auch das Maß der europäischen Einflüsse verdeutlichen.

Ein dritter, allgemeiner Bereich soll mögliche Absichten und Motive des Schreibers aufdecken, einen bestimmten Text zu verfassen. Es sollen mögliche Gründe ermittelt werden, warum gerade mythische Stoffe Niederschlag in der Quelle fanden.

Gerade in Bezug auf die Entstehung frühneuzeitlicher Mythen, die in einem gewissen Grad stark von der europäischen Bildung und Vorstellung geprägt waren, soll in einem weiteren vierten Punkt herausgestellt werden, inwieweit christliche Einflüsse deutlich wurden und ob Bezüge zum europäischen Mittelalter herstellbar sind. In diesem Analyseschwerpunkt steht das Aufdecken möglicher Stereotypen sowie gewisser Erwartungshaltungen im Vordergrund.

Überdies müssen bei der vergleichenden Quellenuntersuchung auch Einflüsse der indigenen Bevölkerung Berücksichtigung finden. Sie spielte bei der Verbreitung und Modifikation bestimmter Aussagen eine tragende Rolle. So gaben Indigenas den Konquistadoren Hinweise und erzählten ihnen einerseits Dinge, die sie hören wollten[6], andererseits teilten sie aber auch Grundzüge ihrer Kultur mit. In diesem Zusammenhang muss jedoch auf die schwierige Quellenlage verwiesen werden: Chronisten bzw. Begleiter der Expeditionen vermerkten in ihren Niederschriften, dass sie bestimmte Informationen von einem Ureinwohner – auch als Kazike bezeichnet – (Indio, Indianeretc.) bekommen hätten. Über derartige Aussagen gibt es also nur wenige Quellen, was die Betrachtung in diesem Punkt sehr einseitig erscheinen lässt.

Schließlich soll der Versuch unternommen werden, mögliche Urquellen bzw. Ausgangsquellen auszumachen, der dem jeweiligen Text als eventuelle Basis hätten dienen können. Es soll untersucht werden, ob einerseits intertextuelle Bezüge zu zeitgenössischen Quellen, anderseits zu mittelalterlichen Kirchen- oder Legendendarstellungen hergestellt werden können. In einem abschließenden siebten Analyseschwerpunkt werden die dargestellten Informationen in Bezug auf ihre Glaubwürdigkeit kritisch untersucht.

Die vorliegende Arbeit will daher den Versuch unternehmen, eine vergleichende Quellenuntersuchung dreier bekannter Berichterstattungen zum Thema Legendenbildung der Frühphase kolonialen Strebens in der Neuen Welt durchzuführen. Weiterhin konzentriert sich ebenfalls Schmitt mit der Legende um El Dorado (vor allem in Bezug auf die Suche durch Philipp von Hutten[7]) auf einen Mythos, der weit bis ins 16. Jahrhundert eine wichtige Rolle in der Neuen Welt spielte. Ausgewählte Briefe von Huttens werden kommentiert und in einen historischen Kontext gebracht. Diese Zusammenstellung von Quellen, welche zudem kommentiert werden, kann als eine der aktuellsten Darstellungen angesehen werden. Um die drei Quellen, welche in der Analyse ausführlich besprochen werden, zeitlich einzuordnen, wird zunächst eine Übersicht vorgestellt. Hierbei wird ein grober chronologischer Überblick entwickelt, der es ermöglichen soll, die Ausführungen von Kolumbus, Philipp von Hutten und Fray Marcos einordnen zu können. Diese zeitliche Widerspiegelung der Ereignisse in der Neuen Welt dient u. a. auch dazu, den historischen Kontext der Quellen zu beleuchten. Zudem wird mit einem weiteren (Komponenten-) Schema aufgezeigt, welche äußeren Faktoren, die ein Entstehen von Mythen bzw. Legenden überhaupt begünstigten, vorherrschten.

1. Vorbetrachtungen

In dem folgenden Kapitel wird einerseits auf den Stand der Forschung, andererseits auf die Quellenlage eingegangen. Nach einer kurzen Erläuterung zentraler Thesen und Positionen, stehen die allgemeinen Quellen zum Themengebiet der kolonialen Expansion sowie die genutzten und in der Darstellung analysierten Quellen (Schiffstagebuch, Sieben Städte von Cibola und El Dorado) im Zentrum der Betrachtung. Die in der vorliegenden Arbeit verwandten Hauptquellen, welche aus drei verschiedenen Kontexten[8]stammen, werden ebenfalls im Kapitel 1. 2 vorgestellt. Mögliche Schwierigkeiten, etwaige Beziehungen untereinander aber auch zu erwartende Ergebnisse sollen bereits angesprochen werden.

1.1 Stand der Forschung

Die europäische Expansion begann nicht erst mit der Wiederentdeckung Amerikas im Jahr 1492. Schon seit der Antike gab es Bestrebungen, attraktive Handelsplätze und strategische Punkte, welche an der Peripherie eines Reiches lagen zu erobern oder zu kontrollieren. Kulturtransfer, Handel und Eroberung waren maßgeblich für diesen Komplex. Das ausgehende europäische Mittelalter kannte sowohl die kolonialen Bestrebungen im Mittelmeerraum durch die Kreuzfahrer im 11. und 12. Jahrhundert als auch das Engagement Portugals im 15. Jahrhundert, welches bereits erste Handelsstationen in Afrika aufbaute und fortwährend den östlichen Seeweg nach Indien suchte. Spanien versuchte ebenfalls, nachdem die Muslime besiegt worden waren, in den kolonialen Handel vorzugsweise mit Asien einzugreifen. Durch die Westfahrt von Kolumbus wurde ein neuer Kontinent (wieder-) entdeckt und Spanien begann im Gegensatz zum Konkurrenten Portugal, was eine Punktkolonisation betrieb, mit einer flächenmäßigen Kolonisation. In diesen Kontext musste die amerikanische Urbevölkerung eingebunden werden, um die Kolonien wirtschaftlich nutzen zu können – in Folge dessen entstanden modifizierte Abhängigkeitsformen (Encomienda- System), was dazu führte, dass große Teile der indigenen Bevölkerung für die europäischen Eroberer Dienste leisten mussten.

In der Forschung entstanden aus diesem Kontext heraus zwei (extreme) Grundpositionen: dieleyenda negraund dieleyenda rosa.[9]Während die Anhänger der leyenda rosa die Ereignisse der Europäer in der Neuen Welt als positive und besondere zivilisatorische Leistung herausstellen und Gräueltaten als Einzelphänomene ansehen, stellen Befürworter der leyenda negra jene Idealisierung der Spanier in Frage. Vor diesem Hintergrund fand und findet die Quelleninterpretation statt. Zu jenen Verfechtern der leyenda negra kann im weitesten Sinne Bitterli[10]gezählt werden, der in seiner Darstellung vor allem die Formen jener frühneuzeitlichen Berichterstattung kritisch analysiert und den Versuch unternimmt, den Kulturkontakt von beiden Seiten (Eroberer und Ureinwohner) zu betrachten. Die Untersuchung von Legenden wie Cibola[11]oder El Dorado[12]ist insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren vorgenommen worden. Interpretationen zu den Ausführungen im Schiffstagebuch Kolumbus` finden u. a. bei Simek[13]und Dreyer-Eimbcke.[14]In diesem Zusammenhang wird auch oft auf einen asiatischen und mittelalterlichen Kontext verwiesen, was vor allem in der (kritischen) Quellensammlung bei Hennig[15]und der Abhandlung von Elliott[16]nachzuvollziehen ist. Zu den neueren Darstellungen, die sich mit dem Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit befassen, kann u. a. Reichert[17]gezählt, der sich mit den Kulturkontakten des europäischen Spätmittelalters auseinandersetzt. Ein kompaktes und umfassendes Werk über den historischen Verlauf der Eroberung des amerikanischen Kontinents mit einem Schwerpunkt in Hinblick auf ökonomische Zusammenhänge findet sich bei Reinhard, der mit seiner Abhandlung bereits als grundlegend anzusehen ist.[18]

Schmitt verweist in seiner Darstellung darauf, dass die Wunderwesen und Legenden in der Neuen Welt die Konquistadoren mental in einer großen Weise beeinflusst haben. Er betont jedoch weiterhin, dass eine vergleichende Quellenuntersuchung über diesen Bereich bisher kaum angestellt wurde.[19]Sowohl die Mirabilienbildung des Mittelalters als auch das Anhören indigener Wundergeschichten oder Berichte trug wesentlich zur Entstehung jener wundersamen Erzählung wie Cibola und El Dorado bei. Darüber hinaus finden sich in neueren Darstellungen Einzelkapitel bzw. Unterkapitel, die sich allgemein mit Kolumbus` Schiffstagebuch, der Entstehung der Legende um El Dorado und der Suche nach den Sieben Goldenen Städten befassen.[20]Hierbei werden Interpretationen der jeweiligen Einzelquelle durchgeführt bzw. herangeführt – eine vergleichende Betrachtung ist jedoch auch hier nicht auszumachen. Vielmehr werden die drei Ereignisse oder Erscheinungen streng geografisch bzw. chronologisch voneinander getrennt analysiert. Festzuhalten bleibt, dass das Themengebiet Mythen in der Neuen Welt zwar untersucht ist, der Schwerpunkt der Forschung jedoch vor allem in den 1980er Jahren anzusetzen ist. Neuere bzw. aktuellere Darstellungen zum Thema sind indes weniger auszumachen. Dies gilt insbesondere für den amerikanischen Raum, während sich die Kolonialgeschichte in Asien auch im Zuge eines gewissen Trends in der Gesellschaft sowohl einer größeren Beliebtheit als auch einer verstärkten Forschung und Rezeption erfreuen kann.

1.2 Zur Quellenlage und dem historischen Umfeld der Frühphase kolonialer Expansion in Amerika

Die Verbreitung der Schriftkultur, der Mirabilienbildung, welche für die niederen Schichten des Adels maßgeblich war, sowie der Drucktechniken am Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts sorgte nicht zuletzt dafür, dass eine Vielzahl von Quellen zum Komplex der kolonialen Expansion in der Neuen Welt vorhanden ist. Die Korrespondenz der Konquistadoren mit dem Mutterland (v. a. Spanien) hatte zur Folge, dass eine Vielzahl von Briefen und Berichten entstanden war, auf die heute zurückgegriffen werden kann. Zudem nahmen an den Eroberungszügen und Expeditionen auch Geistliche teil. Sie berichteten über die Ereignisse und gaben somit wichtige Informationen über die Bereiche Militärwesen, Politik, Bevölkerungsstruktur und auch Legenden weiter. So beteiligte sich u. a. der Augustinermönch Fray Celso Garcia an der Eroberung Perus[21], der Erzbischof von Lima Gaspar de Carvajal[22]an der Expedition Orellanas durch Amazonien sowie Pater Fray Marcos de Nizza in Peru an den Feldzügen in der Neuen Welt. Daneben sind die Ausführungen Kolumbus` in Form seines Schiffstagebuches[23]erhalten geblieben, welche wertvolle Informationen über das Geschehen in den ersten Wochen in der Neuen Welt beinhalten.

Neben Hinweisen auf die politisch-militärischen Angelegenheiten finden sich auch Hintergrundinformationen zur Lage der indigenen Bevölkerung, ihrer Lebensweise und Kultur. Insbesondere Bartholome de las Casas berichtete eingehend über den Zustand der amerikanischen Urbevölkerung.[24]Außerdem findet sich eine Vielzahl von schriftlichen Zeugnissen über die Organisationsstruktur und den Alltag in der Neuen Welt. Verträge und der Briefwechsel der spanischen Kronen mit den westindischen Inseln runden das Bild ab.[25]

Die Quellenlage für den exemplarischen Quellenvergleich, welcher in der vorliegenden Arbeit vorgenommen werden soll, ist als gut einzuschätzen. Die Anfangsphase der europäischen Bestrebungen in Amerika ist besonders bei Kolumbus dokumentiert. Für die Folgezeit sind zahlreiche Briefe und Chroniken erhalten. Die Chroniken können jedoch aus quellenkritischer Sicht nur als Sekundärquellen angesehen werden, da sie oftmals in einem größeren Abstand zum eigentlichen historischen Ereignis entstanden sind und sich zudem auf andere Quellen stützen.[26]Da das Goldmotiv zu Beginn der Eroberung jener neuen Landmasse von zentraler Bedeutung war, finden sich Hinweise zu möglichen Goldländern, Goldstädten bzw. reichen Kulturen in vielen Punkten. Insbesondere der Komplex El Dorado verfügt über eine besonders breite Berichterstattung, welche von Randnotizen bis zu kompletten Orts- und Reisebeschreibungen führt.[27]

In der vorliegenden Darstellung werden das Schiffstagebuch des Kolumbus, die Legende um die Sieben Städte von Cibola, berichtet durch den Franziskanermönch Marcos de Nizza sowie der El Dorado Mythos, welcher sich in den Briefen Philipp von Hutten widerspiegelt.

Der Quellenvergleich soll mit diesem kleinen Spektrum frühneuzeitlicher Berichte durchgeführt werden. Für den Komplex der mittelalterlichen Transformation soll das Schiffstagebuch[28]des Kolumbus herangezogen werden. Es handelt sich um eine Übersetzung aus dem Spanischen. Das Schiffstagebuch wurde mehrfach abgeschrieben. Die der Darstellung zu Grunde liegende Ausführung wurde von Bartholomè de las Casas kopiert. Gelegentlich wird daher von Kolumbus in der dritten Person gesprochen, was den Charakter einer Biografie, die Las Casas über ihn auch später verfasste, gelegentlich nahe kommt. Kolumbus schrieb noch während seiner Reise zu den westindischen Inseln seine Beobachtungen, aber auch Interpretationen in seinem Bordbuch nieder. Von diesem sind im Laufe der Zeit zahlreiche Abschriften getätigt worden. Weiterhin ist diese Quelle in viele Sprachen übersetzt, was insbesondere bei der Betrachtung von Details zu Problemen (mangelhafte Übersetzung etc.) führen kann. Für das Jahr 1492/1493 können die Ausführungen von Kolumbus jedoch als die zentrale Quelle[29]angesehen werden. Weiterführendes Material für zum Zeitraum 1492/1493 ist kaum auszumachen.

Der Bereich El Dorado verfügt über eine sehr beträchtliche Anzahl von schriftlichen Quellen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Kupferstiche[30], die über jenes Goldland Bericht erstatten. Einerseits sollen die Tagebucheinträge des Gaspar de Carvajal betrachtet werden.[31]Dieser befand sich bei der Entstehung der Legende um El Dorado faktisch im Entstehungszentrum – dem heutigen Ecuador. Francisco de Orellana begann im Jahr 1541 mit seinem Zug über die Anden hinab ins Amazonastiefland, um nach dem sagenhaften Goldland, was auch als Zimtland bezeichnet wurde, zu suchen. Der Geistliche Gaspar de Carvajal, der bereits Erzbischof von Lima war, begleitete Orellana auf seinem Zug nach Osten. Die Eroberung Perus, maßgeblich von Francisco Pizarro geleitet, war zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen und die Konquistadoren hörten von den Ureinwohnern von einem Goldland im Osten. In diesem Kontext der abgeschlossen Eroberung einer Zivilisation entstand wahrscheinlich die Legende von El Dorado.[32]Andererseits sollen - ergänzend zur Berichtserstattung - die Briefe des Generalkapitäns Philipp von Hutten herangezogen werden.[33]Von Hutten war auf der Suche nach dem El Dorado. In seinen Briefen gibt er einerseits Informationen zum Entstehungskontext der Legende, andererseits stellt er Vermutungen über eine mögliche Lage des Goldreiches an. Zudem gibt von Hutten Einblicke in die geopolitischen Vorgänge in Südamerika und kann somit ergänzend für das Komponentenschema[34]herangezogen werden. Ferner wird auch ein Verweis des Chronisten Pedro Simon aus dem 17. Jahrhunderts angeführt, um das Quellenspektrum zu ergänzen.[35]

Äußerst gering gestaltet sich die Quellenlage um die Sieben Städte von Cibola. Da sich dieser Mythos nur eine kurze Zeit in der Geschichte halten konnte und überdies schnell als eben solcher enttarnt wurde. Die Spanier erhielten Kenntnis von dieser Legende durch die indigene Bevölkerung im Norden des heutigen Mexiko. In den 1540er Jahren galt dieses Gebiet zudem als unerforscht und bot daher einen Nährboden für das Entstehen von Gerüchten. Für die nachfolgende Darstellung soll daher der Bericht des Fray Marcos/ Marcos de Nizza eine zentrale Rolle spielen. Entstanden sind die Ausführungen des Missionars im Jahre 1539. Sein Reisebericht über den Sieben Goldenen Städten beflügelte Vasquez de Coronado, eine Expedition nach Norden durchzuführen. In Anbetracht der Tatsache, dass Fray Marcos in seinem Bericht maßlos übertrieben und falsche Erwartungen geweckt hatte[36]und die Realität sich überdies als völlig anders herausstellte, verloren sowohl der Mythos als auch die Region um das besagte Cibola an Bedeutung.[37]Die Idee von einer Insel im Westen mit Sieben Städten bzw. im Atlantik war jedoch nicht neu. Bereits seit der Antike gab es Überlegungen, die in diese Richtung tendierten. Im Mittelalter wurden derartige Ideen mit der kirchlichen Missionierung in Verbindung gebracht. So prägten Vorstellungen von sieben Inseln im Atlantik (verschiedenartig ausgeschmückt) eine zentrale Rolle in der Kartografie[38]und in der Bildung allgemein. Für den Komplex Cibola lässt sich somit im Vorfeld schon ein Korpus von Texten ausmachen, welche an der Bildung dieser Legenden durchaus einen hohen Anteil hatten. Quellen zu den Sieben Städten von Cibola in den 1540er Jahren sind bis auf die Ausführungen von Fray Marcos kaum auszumachen.

Die in der Darstellung analysierten Quellen sind in der Frühphase der kolonialen Expansion in Amerika entstanden. Dieser Zeitraum umfasst in etwa 60 Jahre (1492 bis 1550). Hierbei wurde die (mit ihren zahlreichen indigenen Kulturen) Neue Welt, welche zunächst für Asien gehalten worden war, sukzessive erforscht, unterworfen und besiedelt.

Das Schiffstagebuch des Kolumbus entstand während seiner Reise zu den westindischen Inseln in den Jahren von 1492 bis 1493. Spanien gestattete und finanzierte dem Genuesen die Fahrt nach Westen. Dieser bereitete sich intensiv auf seine Reise vor, außerdem verfügte er über ein breites nautisches Wissen, was Kolumbus vor seiner Fahrt nach Westen erworben hatte. Dazu gehörte das freie Navigieren, die Arbeit mit Quadrant, Astrolab sowie Tabellen zum Errechnen der Gestirne.[39]Wichtig für die Betrachtungen des Schifftagebuches ist auch Kolumbus` biografischer Hintergrund. So ist überliefert, dass Kolumbus in seinen Jugendjahren elementare Fähigkeiten in den Bereichen Lesen, Schreiben, Rechnen, Kartenzeichnen sowie Grundlagen in der lateinischen Sprache erworben hatte.[40] Reichert bemerkt in diesem Zusammenhang auch, dass Kolumbus sich auf den Gebieten der „ihm zugänglichen kosmographischen, erd- und völkerkundlichen oder sonst belehrenden Literatur“[41]weiterbildete, um nicht zuletzt auch die spanische Krone von seinem Vorhaben zu überzeugen. Mögliche Grundlagen hätte er in der Mirabilienliteratur des Spätmittelalters finden können. Diese verband oftmals religiöse Themen mit unerklärlichen Begebenheiten. Schmitt kommt zu dem Schluss, dass Mythik und Religion miteinander verschmolzen und diese zur jeweils nächsten Generation weitergegeben worden sind.[42]

Es ist eine gewisse Anzahl von Werken, die Kolumbus gelesen hatte, erhalten geblieben. Diese befinden sich heute in der Biblioteca Capitular y Colombina in Sevilla. Dabei handelt es sich um die Beschreibungen Marco Polos, welche in die lateinische Sprache übersetzt und 1485 in Antwerpen gedruckt wurden. Weiterhin ist zu rekonstruieren, dass Kolumbus antike Autoren wie Plutarchs Parallelbiografien in katalanischer Sprache und dieNaturalis historiavon Plinius dem Älteren gelesen hat. Ferner besaß der Genuese Kenntnisse von derImago mundides Kardinals Pierre d`Ailly sowie von den Ephemeriden des deutschen Astronomen Johannes Müller. Weitere Werke, welche er wahrscheinlich gelesen hatte, waren Texte von John Mandeville, Isidor von Sevilla, dazu eine Vielzahl theologischer Schriften von Augustinus, Nicolaus von Lyra und Ludolf von Sachsen.[43]Dieses breite Spektrum an Literatur, welches er in Vorbereitung auf seine Reise gelesen hatte, macht deutlich, dass der Bildungsschwerpunkt vor allem auf dem religiösen Bereich lag. Diese eben beschriebenen Punkte bilden den geistigen Hintergrund des Kolumbus. Weiterhin spielten vor allem wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Der Genuese folgte den mittelalterlichen Vorstellungen über die Beschaffenheit des Westatlantiks nicht ohne wirtschaftliche Hintergründe. Die spanischen Monarchen Isabella und Ferdinand erhofften sich durch die Erschließung Asiens auf dem Westweg Reichtümer durch das Auffinden großer Zivilisationen bzw. hohe Gewinne im Gewürzhandel.

Die zunächst ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolge in der Neuen Welt veranschaulichen, dass den großen Finanziers in Europa etwas geboten werden musste, um weitere Expeditionen zu bezahlen. Besonders deutlich zeigen sich die ablehnenden Tendenzen in der Berichterstattung über den neu entdeckten Kontinent. Pieper führt in diesem Zusammenhang den oberdeutschen Christoph Scheurl an, der „den Expeditionen und Erkenntnissen in Indien und Asien größere Bedeutung“ zumaß „als den Ereignissen in der Neuen Welt“.[44]Kolumbus` erste Ergebnisse haben gezeigt, dass die entdeckte Inselwelt, welche Asien zugehörig sein sollte, nur wenig Profit versprach. Seide und Gewürze, jene erstrebten Güter konnte Kolumbus nicht liefern. Vielmehr nährte er weiter die Hoffnung, Asien auf dem westlichen Wege entdeckt zu haben. Ob es sich bei seiner Berichterstattung um ein bewusstes Hinauszögern der Erkenntnisse handelte, kann nicht vollständig rekonstruiert werden. In Anbetracht seiner mittelalterlichen Grundlagenbildung ist jedoch davon auszugehen, dass Kolumbus es einfach nicht hätte anders wissen und erklären können. Um seine Beweisführung, in Asien gelandet zu sein, fortzusetzen, musste er die Wirklichkeit fantastisch ausmalen. Somit konnte er sich der weiteren Unterstützung der spanischen Könige sicher sein. Das Interesse an Amerika nahm erst mit größeren bzw. greifbareren Ergebnissen zu. Den ersten Anlass dafür gab Hernan Cortèz, der es schaffte, innerhalb von zwei Jahren eine Zivilisation zu erobern und überdies eine Vielzahl von Goldschätzen nach Europa brachte. Doch zunächst sollte die Entdeckung der neuen Landmasse im Westen in Spanien für ein gewisses Prestige bei Spanien sorgen, stand es doch in einer Konkurrenz mit Portugal. Im Jahr 1493 folgte die zweite Reise des Kolumbus zu den westindischen Inseln.[45]Diese war, wie auch die nachfolgenden, aus wirtschaftlicher Sicht ein Misserfolg.[46]Weder Cipango, noch vergleichbare Kulturen wurden entdeckt – Kolumbus war mit seiner Idee, Reichtümer durch das Segeln nach Westen zu erlangen, vorerst gescheitert. Die Neue Welt schien weniger Gewinn versprechend als angenommen. Dagegen sollten die Erfolge Portugals in Indien die entdeckungsgeschichtliche Leistung Kolumbus zunächst in den Schatten stellen. Amerika sollte erst durch die Eroberungszüge von Cortèz in Mexiko und Pizarro in Peru zu einem Objekt der Begierde werden.

Die Eroberungen von Cortèz und Pizarro hatten eines gemeinsam: Einerseits verdeutlichten sie einen großen Reichtum, der in der Neuen Welt vorhanden war. Andererseits zeigte ihr Engagement auch, dass nur wenige Investitionen nötig waren und eine geschickte Bündnispolitik[47]mit den Ureinwohnern betrieben werden musste, um jene großen Leistungen zu vollbringen. Obwohl Cortèz und Pizarro erstmals Realitäten (in Form von einer großen Anzahl von Gold- und Silberschätzen) schufen, gaben sie gleichzeitig auch den Anlass für weitere Spekulationen.

Hernan Cortèz leitete mit seiner Expansion die Eroberung des amerikanischen Festlandes ein.[48]Im Jahr 1519 segelte dieser mit einer gut ausgerüsteten Militärstreitmacht bis zur Halbinsel Yukatan. Dort erfolgte die Gründung von Veracruz, einer Stadt, die wesentlich den Nachschub für die Streitkräfte sichern sollte. Während Cortèz im Begriff war, die Lage zu sondieren, bekam er Hinweise aus der indigenen Bevölkerung, dass sich ein mächtiges Reich im Westen befände, dessen Herrscher Montezuma II. absolut in Tenochtitlan herrschte.[49]

In geschickten Feldzügen und unter Ausnutzung regionaler Konflikte im aztekischen Bündnissystem gelang es ihm, das Reich zu unterwerfen – Spanien erhielt erstmals größere Mengen an Gold und Kunstschätzen aus der Neuen Welt.

Bereits 1531 sollte einer der spektakulärsten Eroberungszüge auf dem südamerikanischen Kontinent eingeleitet werden. Francisco Pizarro ging Hinweisen nach, wonach sich eine reiche Kultur im Süden des Kontinents befinden sollte.[50]Angetrieben von Ehrgeiz und der Aussicht, Beute zu machen, kämpften sich die Konquistadoren unter Pizarros Führung durch das Inkareich. Ähnlich wie Cortèz nutzte Pizarro innenpolitische Spannungen zwischen Atahualpa und seinem Bruder Huascar aus, die sich um die Nachfolge des Inkakönigs Huayna-Capacs stritten, um die große Zivilisation schrittweise zu erobern.[51]Nach einigen Kämpfen wurde Atahualpa festgenommen und für seine Freilassung eine Goldsumme gefordert.

Die Untertanen des Inkaherrschers brachten große Mengen an Gold und Silber. Berichten zu Folge wurde ein ganzer Raum mit Gold ausgefüllt, um den Inkakönig zu befreien. Im Jahr 1541 war die Eroberung abgeschlossen und wieder zeigte sich, dass eine kleine Gruppe von Spaniern in der Lage war, Reichtümer zu beschaffen und die Leistung des Hernan Cortèz noch zu übertreffen. Während der Eroberungszüge, sowohl in Mexiko als auch in Peru, entstanden kaum Legenden. Die äußerst positiven Ergebnisse der Konquistadoren machten diese auch nicht notwendig, erbrachten sie doch Schätze, die bisher nur in Fabelgeschichten und Märchen auftauchten – Träume wurden plötzlich zur Realität. Nachdem die Eroberungen abgeschlossen waren, wurden sich unter ehemaligen Teilnehmern von Expeditionszügen und europäischen Auswanderern Gerüchte über Goldländer etc. erzählt, die während der Feldzüge gegen die Azteken und Inka entstanden waren. Vor diesem Hintergrund begann in Süd- und Nordamerika ein Wettlauf zu jenen reichen Landstrichen. Ohne auch nur den geringsten Zweifel gingen die goldhungrigen Europäer allen Gerüchten und Geschichten nach, alles in der Hoffnung, die Taten Cortèz` und Pizarros zu wiederholen oder gar zu übertrumpfen. Am Rande der Unterwerfung des Inkareiches entstand die Legende vom El Dorado. Ihr sollten Goldjäger bis weit in das 16. Jahrhundert folgen. Auch Nordamerika konnte in jenen Jahren nach Beendigung des Mexikofeldzuges mit dem Mythos um die Sieben Goldenen Städte von Cibola Abenteurer anziehen.

1.3 Legende vs. Mythos - Differenzierung der Begriffe

Die Ereignisse in der Neuen Welt stellten für die europäischen Eroberer nicht selten einen Zustand dar, der nur schwer oder kaum erfasst werden konnte. Neuartige Landschaften mit einer teilweise fremdartigen Vegetation faszinierte die Konquistadoren einerseits. Andererseits war dieses terra incognita ein völlig anderer Raum mit einer Vielzahl von Kulturen. Um diese in irgendeiner Weise (geistig) begreifen zu können, erinnerten und orientierten sich die Eroberer an Sagen und Erklärungen aus dem Mittelalter. Diese teilweise mystischen Vorgänge aus dem 7. bis 9. Jahrhundert[52]bildeten somit eine Grundlage, neben weiteren bis zur Antike reichenden Stoffen, die Neue Welt zu erklären, waren sie doch durch die Mirabilienbildung vertraut. Legenden, welche im Zeitraum zwischen 1492 und 1545 in der Neuen Welt entstanden, verbanden also europäisch – mittelalterliche Erzählungen oder Vorstellungen mit der Wirklichkeit der neu entdeckten und noch zu erforschenden Landmasse. Im Kontext frühneuzeitlicher Berichte kann davon gesprochen werden, dass eine Legende somit ein Muster darstellte, welches für die Auslegung einer neuen Situation herangezogen wurde und überdies etwas Unerreichbares darstellte.

Die Abgrenzung zum Mythos ist in diesem Zusammenhang schwierig. Jones und Molyneux sehen in den Mythen eher eine simple Sammlung von Geschichten, die in einem spirituellen Kontext zum Tragen kommt und stärker die Rolle des Menschen in Bezug auf seine Umwelt thematisiert.[53]Das Schöpferische und eine Herleitung rücken hierbei stärker in den Vordergrund als die Erklärung und Interpretation von Erlebnissen. Es wird deutlich, dass sich beide Begriffe nicht streng voneinander trennen lassen und sich überschneiden. In der Forschung besteht ebenfalls keine eindeutige Trennung beider Termini. So sieht auch Reinhard in den Mythen eine Form der ganzheitlichen Weltdeutung „mit einem umfassenden Sinnangebot, die von empirischem Wissen nie eingeholt werden können“.[54]Desgleichen spricht Duviols bei den Sieben Städten von Cibola und dem El Dorado von Mythen, die zur Landnahme motivierten.[55]

In der vorliegenden Darstellung soll daher eher mit dem Begriff Legende gearbeitet werden, da hierbei stärker die europäische Prägung und das erklärende Element hervorgehoben ist, welche nicht dazu dienen, das Verhältnis von Mensch – Welt – Religion zu charakterisieren, sondern auf marginale historische Bezüge verweist.

Chronologische Übersicht zum Entstehungskontext der analysierten Quellen für den Zeitraum von 1492 bis 1545 unter Berücksichtigung zentraler Ereignisse in der Neuen Welt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Grundkonstanten für die Entstehung von Legenden in der Neuen Welt

Die Entstehung frühneuzeitlicher Legenden in der Neuen Welt ist nicht nur auf Einzelpersonen zurückzuführen. Vielmehr konstituierten sich diese aus einer Anzahl unterschiedlicher Anforderungen an die Eroberer und die historischen Gesamtumstände. Neben der mittelalterlichen Mirabilienbildung und einem gewissen Erfolgsdruck, der von den europäischen Monarchen ausgeübt wurde, gab es überdies weitere Komponenten, die das Entstehen eben jener Legenden zur Folge hatten. In diesem Abschnitt der Darstellung sollen diese umrissen und in ein Schema eingeordnet werden. Nach einer vergleichenden Analyse des Bordbuches, dem Bericht Marcos von Nizzas über die Sieben Städte von Cibola und Philipp von Huttens Briefe zum Bereich El Dorado, sollen zentrale Ergebnisse am Schluss der Darstellung in das Schema übertragen werden. Somit wird der Versuch unternommen, die Vielschichtigkeit bzw. die verschiedenen Elemente, welche zur Entstehung von Legenden beitrugen, aufzuzeigen. In gewissen Punkten kann es zu Überschneidungen kommen, da sich diese zum Teil in einer Interdependenz befinden oder aber über die gleiche Basis verfügen.

2.1 Komponentenschema

Eine Legende bildet sich zumeist aus einem gewissen Kontext heraus. Für die Mythenbildung in der frühen Neuzeit können sechs Grundkonstanten bzw. Komponenten ausgemacht werden.

Einerseits handelt es sich hierbei um den Komplex der Bildung. Diese spielt bei der Entstehung von Legenden eine gewichtige Rolle. Da die meisten Konquistadoren dem spanischen Niederadel[56]entstammten, kann davon ausgegangen werden, dass sie eine marginale Bildung genossen haben. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen standen einerseits Bibeltexte sowie Kirchentexte frühmittelalterlicher Autoren[57]auf dem Lehrplan, andererseits war die eingangs schon erwähnte Mirabilienliteratur des Spätmittelalters[58]bedeutungstragend. Die Kenntnis zentraler Texte, die von wundersamen Wesen oder Königreichen in Asien sprechen, war mit großer Wahrscheinlichkeit bei den meisten Konquistadoren und Seefahrern vorhanden.[59]

Mit der Entdeckung der neuen Landmasse im Westen konnten im Grunde zwei Erwartungshaltungen bedient werden: Während Verfechter der Idee, Asien auf dem Westweg erreicht zu haben, alle Dinge in einen asiatischen Kontext interpretieren konnten, nutzten Anhänger der Vorstellung, einen neuen Kontinent entdeckt zu haben, das mittelalterliche Wissen, um die Dinge in der Neuen Welt erklären zu können. So lösten Berichte der indigenen Bevölkerung oder zunächst bizarre Erscheinungen[60]Gedanken aus, bereits in Europa davon gehört zu haben.[61]

Daran schließt sich die praktische Komponente an. In der Frühphase der kolonialen Expansion, als eine verlässliche Kartografie noch im Begriff war zu entstehen, wurden mögliche Vorstellungen von der Neuen Welt durch die Reisen bestätigt. Die indigene Bevölkerung Amerikas nimmt in diesem Aspekt eine zentrale Position ein. Ihre Berichte schienen vielfach die Annahmen der Eroberer zu bestätigen. Die Indigenas erzählten den Spaniern, was sie hören wollten, um möglichen Bestrafungen zu entgehen.[62]Auch wenn sich diese Angaben im Nachhinein als Falschaussage ergaben, konnte sich aus wenigen Hinweisen (zu Goldländern etc.) eine lokale Legende bilden, die sich bei entsprechender Ausschmückung und Faszination zu einer regionalen entwickeln konnte. Demgegenüber standen die Eroberungen von Cortèz und Pizarro. Sie schufen mit der Unterwerfung großer Hochkulturen Realitäten. Gold, Silber, Edelsteine und Kunstgegenstände wurden scheinbar leicht und mit wenigen Anstrengungen erbeutet. Jene Unternehmungen fanden immer wieder Nachahmer, welche die vorangegangenen Leistungen noch übertreffen wollten. Ausgehend von Legenden, die während der Eroberungen am Rande von den Indigenas vermittelt und von den Teilnehmern selbst erfunden wurden, galten als Ausgangspunkt weiterer, jedoch erfolgloser Unternehmungen.

Weiterhin kann die Fantasie der Eroberer als eine weitere interpretatorische Komponente herangezogen werden. In diesem Zusammenhang muss auch die Frage aufgeworfen werden, inwieweit einzelne Personen eine Transformation bzw. eine christliche Überformung zuließen. Vor dem Hintergrund eines wahren Goldrausches, der durch die Eroberung des Azteken- und Inkareiches ausgelöst worden war, kann davon ausgegangen werden, dass die Eroberer in der Neuen Welt sich zu sehr von diesen Tatsachen haben täuschen lassen. Bereitwillig und in Erwartung großer Gewinne wurden Fragmente wundersamer Geschichten aufgenommen und modifiziert, bis sie auf die jeweilige geografische Begebenheit synchronisiert bzw. interpretiert werden konnten.

Auch dem Streben nach Macht und Gold zur Befriedigung eigener Interessen kann eine gewisse Tragweite zugemessen werden. Diese findet in einer persönlich-subjektiven Komponente ihren Niederschlag. So assoziierten einige Konquistadoren mit den entstehenden Legenden Macht und unerschöpfbaren Reichtum, nach dem sie streben wollten. In Anbetracht dieser auftretenden Gier nach Gold wurden nicht selten die Augen vor der Realität geschlossen und die Abenteurer begaben sich in das Heer der Machthungrigen. In diesem Kontext kann auch die persönliche Profilierung angeschnitten werden: Mit noch spektakuläreren Entdeckungen wollten sich einige Eroberer bei der Krone in positive Erinnerung rufen, nachdem sie in Ungnade[63]gefallen waren. Einen weiteren Aspekt bildet die Fortführung des europäischen Mittelalters. Mit der Wiederentdeckung Amerikas und der Reconquista auf der iberischen Halbinsel ist in der europäischen Geschichte die Konstruktion einer Zäsur durchaus zulässig. Diese kann jedoch nicht mit dem Datum 1492 festgeschrieben werden. Vielmehr handelt es sich um einen fließenden Übergang, der die feudalen Strukturen langsam verschwinden ließ. Vor diesem Hintergrund kann insbesondere bei der kolonialen Expansion in Amerika von einer Fortführung des europäischen Mittelalters gesprochen werden. Der Glaube an ein irdisches Paradies im Osten, der Priesterkönig Johannes in Asien (klassische Topoi des Mittelalters) waren weiterhin präsent. Daher soll in diesem Komplex von einer geistlichen Komponente gesprochen werden, die vor allem dazu genutzt wurde, die (ersten) Entdeckungen in der Neuen Welt zu erfassen. Neben den vorwiegend personenbezogenen Elementen gilt es auch, den Druck, welcher von den Geldgebern bzw. den Monarchen auf die Konquistadoren ausgeübt wurde, zu berücksichtigen. Dieser findet als politische Komponente Eingang in das Schema.

Eine Erkundung, der sich in der Regel eine Eroberung anschloss, war im Vorfeld von der Krone durch eine Capitulaciòn vorbereitet worden. Die Krone erteilte dabei das Privileg, in einem bestimmten Gebiet eine Expedition durchführen zu können.[64]Bei zu erwartenden Gütern erhielt sie einen bestimmten festgelegten Anteil von der Beute. Die Konquistadoren hingegen mussten versuchen, möglichst schnell einen großen Erfolg aufzuweisen. Einerseits um die in sie gesetzten Erwartungen zum Wohle der spanischen Krone zu erfüllen, andererseits sahen sie sich vor die Tatsache gestellt, ihre Untergebenen bzw. die Expeditionsteilnehmer mit Erträgen zu belohnen, da sonst die Möglichkeit einer Auflehnung wegen Erfolglosigkeit bestand. Fantastische Berichte konnten so herangezogen und modifiziert werden, um die angeschlossenen Teilnehmer, unter denen sich auch königliche Chronisten, Schreiber etc. befanden, zu besänftigen. Anhand des nachfolgenden Schemas wird zunächst der Versuch unternommen, die Komponenten für das Entstehen frühneuzeitlicher Legenden in der Neuen Welt theoretisch zu erfassen. Am Ende der vergleichenden Quellenanalyse sollen die Arbeitsergebnisse auf das Schema übertragen werden.

[...]


[1] Die Muisca, die auch Chibcha genannt wurden, waren ein Volk im kolumbianischen Raum um das

heutige Bogotà herum. Sie galten ebenfalls als eine große Zivilisation, da sie Landwirtschaft mit der

Hilfe umfangreicher Bewässerung betrieben hatten. Zudem verfügten sie über gute Fertigkeiten in der

Goldverarbeitung, vgl. dazu: Warwick, Bray: El Dorado. Der Traum vom Gold, Hannover 1979, S. 53-

54.

[2] ChristobalColòn, Diario de Navegaciòn, Publicaciòn de la Comision Nacional Cubana de la

UNESCO, La Habana 1961, (Schiffstagebuch) übers. von Roland Erb, Dresden 1980.

Marcos deNizzaberichtet über die Sieben Städte von Cibola (1539), in: Schmitt, Eberhard: Dokumente

zur europäischen Expansion (Bd. 3 Der Aufbau der Kolonialreiche), München 1987, S. 143 -145.

Philipp vonHutten: Briefe, in: Schmitt, Eberhard/ Hutten, Friedrich Karl von: Das Gold der Neuen

Welt. Die Papiere des Welser – Konquistadors und Generalkapitäns von Venezuela Philipp von Hutten 1534 – 1541, Hildburghausen 1996, S. 47 -144.

Fray Gaspar deCarvajal: Die Fahrt des Francisco de Orellana über den Amazonas, in: Grün, Robert (Hrsg.): Mit Pizarro in Peru, Tübingen/ Basel 1973, S. 237 – 278.

[3] Eine Analyse wird in diesem Kapitel jedoch nicht vorgenommen, da die spezielle Betrachtung der Texte

separat erfolgt und hierbei deutlich wird, was bzw. welche Elemente als legendenartig bezeichnet werden können.

[4] Schmitt, Eberhard: Die Anfänge der europäischen Expansion, (Reihe: Historisches Seminar, Bd. 2 hrsg.

von Armin Reese und Uwe Uffelmann), Idstein 1991, S. 44 – 45.

[5] Zwar waren die meisten Unternehmungen privat finanziert, jedoch hatten Erfolge in der Neuen Welt

oftmals Ämter (Gouverneur, Provinzstatthalter etc.) Belohnungen durch die Krone zur Folge. Vgl. dazu Pietschmann, Horst: Die Conquista Amerikas: Ein historischer Abriß, in: Die beiden Amerika. Kolumbus und ihre Folgen. (Reihe Wissenschaft und Philosophie. Interdisziplinäre Studien, Bd. 9, hrsg. von Venanz Schubert), München 1995, S. 73 und Edelmayer, Friedrich: Spanien und die Neue Welt, in: Edelmayer, Friedrich; Hausberger, Bernd; Weinzierl, Michael (Hrsg.): Die beiden Amerikas. Die Neue Welt unter kolonialer Herrschaft (Historische Sozialkunde 7), Frankfurt am Main 1999, S. 49.

[6] Bitterli, Urs: Die Entdeckung Amerikas, Von Kolumbus bis Alexander von Humboldt, Müchen4 1991,

S. 273.

[7] Schmitt, Eberhard/ Hutten, Friedrich Karl von: Das Gold der Neuen Welt. Die Papiere des Welser –

Konquistadors und Generalkapitäns von Venezuela Philipp von Hutten 1534 – 1541, Hildburghausen 1996 (Kommentar nachfolgend: Schmitt, Das Gold der Neuen Welt, abgekürzt; die Quellenangabe der Briefe Philipp von Huttens wird nachfolgend: von Hutten, Briefe, angegeben).

[8] Diese drei Kontexte gliedern sich folgendermaßen: Kolumbus` Schiffstagebuch entstand in den Jahren

1492/ 1493 und galt vor allem für die westindischen Inseln. Die Berichterstattungen zu El Dorado

betreffen vornehmlich den südamerikanischen Raum (heutiges Ecuador, Kolumbien, Venezuela und

Guyana), während die Quelle zu den Sieben Goldenen Städten für das nordamerikanische Gebiet (heutiges New Mexico/ USA) gilt. Die verschiedenen Kontexte, aber auch mögliche Überschneidungen werden im Rahmen der vergleichenden Quellenanalyse betrachtet.

[9] Edelmayer, Friedrich: Hispanoamerika im 16. Jahrhundert, in: Edelmayer, Friedrich/ Hausberger, Bernd

et al.: Die Neue Welt. Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche, Wien, 2001, S. 61.

[10] Bitterli, Urs: `Die Wilden` und die `Zivilisierten`. Grundzüge einer Geistes- und Kulturgeschichte der

europäisch - überseeischen Begegnung, München 1991.

[11] Reff, Daniel T.: Anthropological Analyses of Exploration Texts: Cultural Discourse and the

Ethnological Import of Fray Marcos de Niza`s Journey to Cibola, in: William K. Storey: Scientific Aspects of European Expansion (An Expanding World. The European Impact on World History 1450-1800) Volume 6), Hampshire 1996, S. 140–159. Daneben gibt es eine deutsche Übersetzung von Ceram, C.W.: Der erste Amerikaner. Das Rätsel des vor – kolumbianischen Indianers, Frankfurt am Main et al. 1972.

[12] Hagen, Victor von: Auf der Suche nach dem Goldenen Mann. Die Geschichte von El Dorado, Hamburg

1974.

[13] Simek, Rudolf: Erde und Kosmos im Mittelalter. Das Weltbild vor Kolumbus, München 1992.

[14] Dreyer-Eimbcke, Oswald: Kolumbus. Entdeckungen und Irrtümer in der deutschen Kartographie,

Frankfurt am Main 1991.

[15] Hennig, Richard: Terrae Incognitae. Eine Zusammenstellung und kritische Bewertung der wichtigsten

vorcolumbischen Entdeckungsreisen an Hand der darüber vorliegenden Originalberichte, Leiden2 1956.

[16] Elliott sieht im neu entdeckten Kontinent Amerika eine immerwährende Quelle von Überraschungen,

vgl. dazu Elliott, John H.: The Old World and the New 1492 – 1650. Cambridge 1992, S. 18–27.

[17] Reichert, Folker: Erfahrung der Welt. Reisen und Kulturbegegnung im späten Mittelalter, Stuttgart

2002.

[18] Reinhard, Wolfgang: Geschichte der europäischen Expansion (Bd. 2 Die Neue Welt), Stuttgart et al.

1985.

[19] Schmitt, Eberhard: Die Anfänge der europäischen Expansion, S. 45.

[20] Bitterli, Urs: Die Entdeckung Amerikas. Eine weitere aktuelle und kritische Ausgabe zur

amerikanischen Geschichte ist in spanischer Sprache vorhanden. Carmagnani, Marcello/ Hernàndez Chavez, Alicia/ Romano, Ruggiero: Para una historia de Amèrica I. Las estructuras (Fideicomismo Historia De Las Americas. Serie Amèricas: Coordinada por Alicia Hernàndez Chavez), Mexico 1999.

[21] Fray Celso Garcia verfasste ein Tagebuch, während der Eroberung Perus. Vgl. Fray Celso Garcia: Die

Entdeckung und Eroberung von Perus, in: Grün, Robert (Hrsg.): Mit Pizarro in Peru, Tübingen/ Basel 1973, S. 7 – 233.

[22] Fray Gaspar de Carvajal schrieb einen Reisebericht über die Expedition des Orellana. Vgl. Fray Gaspar

de Carvajal: Die Fahrt des Francisco de Orellana über den Amazonas, in: Grün, Robert (Hrsg.): Mit Pizarro in Peru, Tübingen/ Basel 1973, S. 237 – 278 (nachfolgend Carvajal, Die Fahrt des Orellana über den Amazonas, abgekürzt).

[23] Christobal Colòn, Diario de Navegaciòn, Publicaciòn de la Comision Nacional Cubana de la UNESCO,

La Habana 1961, (Schiffstagebuch) übers. von Roland Erb, Dresden 1980.

[24] Bartholome de Las Casas: Werksauswahl, hrsg. von Mariano Delgado, Bd. 1 und Bd.3,

Missionstheologische Schriften (Bd.1) und Sozialethnische und Staatsrechtliche Schriften (Bd.3), Studien von Horst Pietschmann und Michael Suvennich. Übers. von Bruno Pockrandt und Henrik Wels, Paderborn, München, Wien, Zürich 1994.

[25] Eine Auswahl von schriftlichen Quellen zu den Anfängen der kolonialen Expansion findet sich u. a. bei

Schmitt. Vgl. Schmitt, Eberhard: Die Anfänge der europäischen Expansion, 1991.

[26] Zu diesen Quellen ist auch die Chronik des Pedro Simon aus dem Jahr 1626 zu zählen. Die

angegebenen Informationen sind für diese Betrachtung wertvoll, können jedoch nur begrenzt genutzt werden, da der Chronik mehrere andere Quellen zu Grunde liegen. Vgl. dazu: Auf der Suche nach dem Goldland El Dorado, in: Schmitt, Eberhard: Dokumente zur europäischen Expansion (Bd. 3 Der Aufbau der Kolonialreiche), München 1987, S. 30 – 33.

[27] In diesem Zusammenhang sind vor allem die Briefe Philipp von Huttens zu nennen, der sich während

seines Aufenthaltes in Südamerika ganz der Suche nach dem Goldenen Mann verschrieben hatte. Abgedruckt, kommentiert und mit einer Einführung versehen, sind die noch erhaltenen Briefe und Brieffragmente bei Schmitt, Das Gold der Neuen Welt, S. 47-144. Da die Sprache Philipp von Huttens Frühneuhochdeutsch ist, werden orthografische Fehler/ Abweichungen nicht gesondert gekennzeichnet.

[28] Christobal Colòn, Diario de Navegaciòn, Publicaciòn de la Comision Nacional Cubana de la UNESCO,

La Habana 1961, (Schiffstagebuch) übers. von Roland Erb, Dresden 1980. (nachfolgend Kolumbus,

Schiffstagebuch abgekürzt)

[29] Bitterli, Die Entdeckung Amerikas, S. 57.

[30] Zu den wohl bekanntesten Darstellungen kann wohl Theodor de Bry gezählt werden, der eine Vielzahl

von Kupferstichen über die indigene Bevölkerung etc. entwarf. Abgedruckt ist das Ritual von El

Dorado, welches von Theodor de Bry dargestellt wurde u. a. bei von Hagen: Auf der Suche nach dem Goldenen Mann, S. 96. Zudem findet sich die Abbildung im Anhang.

[31] Fray Gaspar de Carvajal: Die Fahrt des Francisco de Orellana über den Amazonas, in: Grün, Robert

(Hrsg.): Mit Pizarro in Peru, Tübingen/ Basel 1973, S. 237 – 278.

[32] Auf die genauen Hintergründe zur Entstehung der Legende soll jedoch in einem gesonderten Kapitel

eingegangen werden (Kap. 3.3).

[33] Schmitt, Das Gold der Neuen Welt, S. 47 – 144.

[34] In Kapitel 2.1 soll ein Komponentenschema vorgestellt und in einem Kapitel am Ende der

vergleichenden Quellenuntersuchung mit Quellenangaben erweitert werden.

[35] Pedro Simon: Auf der Suche nach dem Goldland El Dorado , in: Schmitt, Eberhard: Dokumente zur

europäischen Expansion (Bd. 3 Der Aufbau der Kolonialreiche), München 1987, S. 30 – 33.

[36] Bitterli, Die Entdeckung Amerikas, S. 345.

[37] Ebenda, S. 348.

[38] Dreyer – Eimbcke, Oswald: Mythisches, Irrtümliches und Merkwürdiges im Kartenbild Lateinamerikas

während der Entdeckungszeit, in: Kohl, Karl-Heinz (Hrsg.): Mythen der Neuen Welt. Zur Entdeckungsgeschichte Lateinamerikas, Berlin 1982, S. 121 und S. 122.

[39] Reichert, Erfahrung der Welt, S. 208.

[40] Ebenda, S. 208.

[41] Ebenda, S. 209.

[42] Schmitt, Eberhard (Hrsg.): Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion (Bd. 1 Die

mittelalterlichen Ursprünge der europäischen Expansion), München 1986, S. 1.

[43] Reichert, Erfahrung der Welt, S.209 und S. 210.

[44] Pieper, Renate: Die Vermittlung einer Neuen Welt. Amerika im Nachrichtennetz des habsburgischen

Imperiums 1493-1598. Mainz 2000, S. 128. Daneben unterstreicht auch Reinhard, dass

die Neue Welt eine mangelnde Rentabilität aufwies, vgl. Reinhard, Geschichte der europäischen Expansion, S. 48.

[45] Bitterli, Die Entdeckung Amerikas, 1999, S. 67.

[46] Gewürze und größere Mengen an Gold blieben aus. Vgl. dazu auch Simek, Erde und Kosmos im

Mittelalter, S. 147.

[47] Die ausgeklügelte Bündnispolitik von Cortèz und Pizarro war entscheidend für den Erfolg. Zu dieser

Einschätzung gelangt der französische Historiker Bennassar in seiner neuen Biografie über Cortèz. Bennassar, Bartolomè: Cortèz der Konquistador. Die Eroberung des Aztekenreiches, Düsseldorf 2002, S. 336 - 337

[48] Bitterli, Die Entdeckung Amerikas, S. 212.

[49] Ebenda, S. 216.

[50] Hinweise zu Reichtümern finden sich u. a. bei Fray Celso Garcia, der Pizarro auf seinem Zug durch

das Inkareich begleitete und ein Tagebuch führte, vgl. dazu: Das Tagebuch des Fray Celso Garcia. Die Entdeckung und Eroberung von Peru, in: Die Entdeckung und Eroberung von Perus, in: Grün, Robert (Hrsg.): Mit Pizarro in Peru, Tübingen/ Basel 1973, S. 13,14 und S. 17.

[51] Bitterli, Die Entdeckung Amerikas, S. 242

[52] Pietschmann, Horst: Die iberische Expansion im Atlantik und die kastilisch - spanische Entdeckung und

Eroberung Amerikas, in: Handbuch der Geschichte Lateinamerikas, hrsg. von Walther L. Bernecker, Raymond Th. Buve, John R. Fisher, Horst Pietschmann, Hans Werner Tobler (Bd. 1 Mittel-, Südamerika und die Karibik bis 1760), Stuttgart 1994, S. 209.

[53] Jones, David M./ Molyneux, Brian L.: Die Mythologie der Neuen Welt. Die Enzyklopädie über Götter,

Geister und mythische Stätten in Nord-, Meso- und Südamerika, Reichelsheim 2002, S. 7.

[54] Reinhard, Wolfgang: Mythen und Anti-Mythen der atlantischen Schicksalsgemeinschaft, in: Nord und

Süd in Amerika. Gemeinsamkeiten. Gegensätze. Europäischer Hintergrund, hrsg. von Wolfgang Reinhard und Peter Waldmann (Rombach Wissenschaft. Reihe Historiae, Bd. 1), Freiburg 1992, S. 17.

[55] Duviols, Jean Paul: Iberoamerika im frühneuzeitlichen Denken Europas, in: Handbuch der Geschichte

Lateinamerikas, hrsg. von Walther L. Bernecker, Raymond Th. Buve, John R. Fisher, Horst Pietschmann, Hans Werner Tobler (Bd. 1 Mittel-, Südamerika und die Karibik bis 1760), Stuttgart 1994, S. 881.

[56] Edelmayer, Friedrich: Spanien und die Neue Welt, in: Edelmayer, Friedrich/ Hausberger, Bernd/

Weinzierl, Michael (Hrsg.): Die beiden Amerikas. Die Neue Welt unter kolonialer Herrschaft (Historische Sozialkunde 7), Frankfurt am Main 1999, S. 50.

[57] Zu den frühmittelalterlichen Autoren können Isidor von Sevilla, der Heilige Bredan und Beda gezählt

werden.

[58] Schmitt, Die Anfänge der europäischen Expansion, S. 45.

[59] Reinhard sieht darüber hinaus in den Ritterromanen eine weitere Triebfeder für das Entstehen und die

Weiterverbreitung mythischer Stoffe durch die Konquistadoren. Reinhard, Geschichte der europäischen

Expansion, S. 49.

[60] Zu den bizarren Erscheinungen können große Flüsse, Gebirge etc. gezählt werden.

[61] Schmitt, Die Anfänge der europäischen Expansion, S. 45.

[62] Bitterli, Die Entdeckung Amerikas, S. 273.

[63] Einer der bekanntesten Fälle ist der des Nuñez Balboa, der bei der Krone in Ungnade fiel und seine

Unabkömmlichkeit durch eine Expedition unter Beweis stellen wollte.

[64] Edelmayer, Friedrich: Spanien und die Neue Welt, in: Edelmayer, Friedrich/ Hausberger, Bernd/

Weinzierl, Michael (Hrsg.): Die beiden Amerikas. Die Neue Welt unter kolonialer Herrschaft (Historische Sozialkunde 7), Frankfurt am Main 1999, S. 49.

Ende der Leseprobe aus 96 Seiten

Details

Titel
Legendendarstellung in frühneuzeitlichen Berichten
Untertitel
Kolumbus` Schiffstagebuch, Marcos von Nizzas Beschreibung der sieben Städte von Cibola, Auf der Suche nach dem El Dorado. Eine vergleichende Quellenuntersuchung.
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Note
1,2
Autor
Jahr
2006
Seiten
96
Katalognummer
V159963
ISBN (eBook)
9783640735044
ISBN (Buch)
9783640735143
Dateigröße
10001 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Darstellung untersucht historische Quellen: Hierzu werden das Schiffstagebuch, die Siebenstädtelegende sowie der El Dorado-Komplex untersucht. Zentraler Bestandteil dieser Analyse ist die Ausarbeitung von christlichen Einflüssen, Dogmen und Stereotypen. Ferner soll auch die mögliche Einwirkung der indigenen Bevölkerung bei der Entstehung von Legenden untersucht werden. Die Darstellung will überdies den Versuch unternehmen, eventuelle Urquellen zu finden, um damit zu zeigen, dass wesentliche Ideen bereits ihren Ursprung in Europa hatten und in der Neuen Welt um- bzw. überformt wurden.
Schlagworte
Legendendarstellung, Berichten, Kolumbus`, Schiffstagebuch, Marcos, Nizzas, Beschreibung, Städte, Cibola, Suche, Dorado, Eine, Quellenuntersuchung
Arbeit zitieren
Dr. Thomas Mrotzek (Autor), 2006, Legendendarstellung in frühneuzeitlichen Berichten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159963

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