Die Arbeit untersucht exemplarisch, inwieweit Legenden der Neuen Welt untereinander zusammenhängen oder Bezüge aufweisen: Hierzu werden das Schiffstagebuch, die Siebenstädtelegende sowie der El Dorado-Komplex untersucht. Die drei Quellen werden miteinander verglichen. Zentraler Bestandteil dieser Analyse ist die Ausarbeitung von christlichen Einflüssen, Dogmen und Stereotypen. Ferner soll auch die mögliche Einwirkung der indigenen Bevölkerung bei der Entstehung von Legenden untersucht werden. Die Darstellung will überdies den Versuch unternehmen, eventuelle Urquellen zu finden, um damit zu zeigen, dass wesentliche Ideen bereits ihren Ursprung in Europa hatten und in der Neuen Welt um- bzw. überformt wurden. In diesem Zusammenhang wird auch die mittelalterliche Mirabilienbildung angesprochen.
Die Arbeit stellt eine wichtige Basis für die nachfolgende Dissertation (Die Genese von Legenden in der Neuen Welt im Spannungsfeld antiker, mittelalterlicher und indigener Einflüsse Ansätze eines kulturellen Austausches oder Wissenstransformation
von Europa auf Amerika?) zum selben Themenkomplex dar.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Vorbetrachtungen
1. 1 Stand der Forschung
1.2 Zur Quellenlage und dem historischen Umfeld der Frühphase kolonialer Expansion in Amerika
1.3 Legende vs. Mythos - Differenzierung der Begriffe
2. Grundkonstanten für die Entstehung von Legenden in der Neuen Welt
2.1 Komponentenschema
3. Exemplarischer Quellenvergleich: Schiffstagebuch – Die Sieben Goldenen Städte von Cibola – El Dorado
3.1 Auf der Suche nach Cipango – Die Asienrezeption im Schiffstagebuch des Kolumbus
3.2 Die Sieben Goldenen Städte von Cibola – Visionen eines Geistlichen?
3.3 Spanische und oberdeutsche Expeditionen – Die Suche nach dem El Dorado in den Weiten Südamerikas
4. Zusammenfassung der Teilanalysen
4.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Quellen im Vergleich
4.2 Die singulären Ergebnisse im Komponentenschema
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Entstehungskontext von Legenden während der frühen kolonialen Expansion in Amerika (1492–1550). Dabei wird analysiert, wie europäische Vorstellungen, ökonomischer Erfolgsdruck und indigene Einflüsse das Bild von sagenhaften Orten und Goldländern prägten und welche Rolle dabei die mittelalterliche Mirabilienbildung spielte.
- Vergleichende Analyse frühneuzeitlicher Berichte (Kolumbus, Marcos von Nizza, Philipp von Hutten, Gaspar de Carvajal).
- Untersuchung der Transformation mittelalterlicher Mythen in den Kontext der "Neuen Welt".
- Einfluss der indigenen Bevölkerung auf die Legendenbildung und das Handeln der Konquistadoren.
- Rolle des politischen und ökonomischen Drucks auf die Verfasser von Reiseberichten.
- Erstellung eines Komponentenschemas zur theoretischen Erfassung der Legendenentstehung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Auf der Suche nach Cipango – Die Asienrezeption im Schiffstagebuch des Kolumbus
Das Schiffstagebuch enthält die ersten primären Informationen über die Neue Welt. Die Beschreibungen, die Kolumbus lieferte, decken den Zeitraum vom 3. August des Jahres 1492 bis zum 15. März 1493 ab.
Während die Niña, die Pinta und die Santa Maria durch die heutige karibische Inselwelt segelten, verfasste der Kapitän und Leiter der Expedition Christoph Kolumbus sein Schiffstagebuch. Abgeschirmt von der europäischen Kommunikation vom August des Jahres 1492 bis zum März 1493 war die Expedition, die das Ziel hatte, Asien auf dem Westweg zu erschließen, ohne Einflüsse aus Europa gewesen. Im Vorfeld der Reise wurde die iberische Halbinsel von der maurischen Herrschaft befreit – Granada, die letzte Bastion der islamischen Herrschaft, bildete in einem spanischen Befreiungskampf einen Schlusspunkt, der im Januar 1492 in eben besagter Stadt sein Ende fand. Die siegreiche Beendigung des Krieges gegen die Mauren bot nun ideale Voraussetzungen, sich in Übersee zu engagieren. Die Portugiesen hatten bereits zahlreiche Reisen nach Süden unternommen und die Peripherie Afrikas erkundet. Spanien musste, um mit dem portugiesischen Rivalen im Handel mithalten zu können, ebenfalls Expeditionen durchführen und Ergebnisse erzielen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Mythenbildung in der Neuen Welt und Skizzierung der untersuchten Quellen sowie Forschungsfragen.
1. Vorbetrachtungen: Darstellung des Forschungsstandes und der quellenkritischen Grundlagen sowie definitorische Abgrenzung der Begriffe Legende und Mythos.
2. Grundkonstanten für die Entstehung von Legenden in der Neuen Welt: Vorstellung eines theoretischen Modells (Komponentenschema), das Faktoren wie Bildung, Politik und Fantasie zur Legendenentstehung zusammenführt.
3. Exemplarischer Quellenvergleich: Schiffstagebuch – Die Sieben Goldenen Städte von Cibola – El Dorado: Detaillierte quellenkritische Analyse der drei Fallbeispiele hinsichtlich ihres Entstehungskontexts und Einflusses.
4. Zusammenfassung der Teilanalysen: Synthese der Einzelergebnisse und Diskussion der gemeinsamen sowie unterschiedlichen Muster in den untersuchten Berichten.
5. Schlussbetrachtung: Abschließende Reflexion über die Bedeutung der Legendenbildung als Konstruktionsprozess im Rahmen der kolonialen Expansion.
Schlüsselwörter
Koloniale Expansion, Konquistadoren, Legendenbildung, Schiffstagebuch, Christoph Kolumbus, Marcos von Nizza, Philipp von Hutten, El Dorado, Cibola, Cipango, Mirabilien, Indigene Bevölkerung, Mythos, Neue Welt, Goldsuche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung von Mythen und Legenden wie El Dorado oder die Sieben Goldenen Städte von Cibola während der frühen europäischen Expansion in Amerika zwischen 1492 und 1550.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Mittelpunkt stehen die Berichte von Entdeckern und Konquistadoren, der Einfluss europäischer mittelalterlicher Wissensbestände sowie die Auswirkungen der indigenen Erzählungen auf die Wahrnehmung der Realität in der Neuen Welt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist der Vergleich dreier verschiedener Quellenkontexte, um zu verstehen, wie Legenden durch ein Zusammenspiel von europäischer Bildung, ökonomischem Erfolgsdruck und indigener Kommunikation entstanden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor wendet eine vergleichende Quellenanalyse an, gestützt auf sieben festgelegte Kriterien, darunter das historische Umfeld, das Abhängigkeitsverhältnis der Schreiber und die Untersuchung auf intertextuelle Bezüge.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung (Komponentenschema) und eine detaillierte Analyse der Einzelberichte, wobei Kolumbus, Marcos von Nizza und Philipp von Hutten als zentrale Fallbeispiele dienen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Mirabilienbildung, Konquistadoren, Erfolgsdruck, Transformation, Intertextualität, Goldmotiv und das wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen Krone und Expeditionsteilnehmern.
Warum spielt das Schiffstagebuch von Kolumbus eine so zentrale Rolle?
Es dient als Ausgangspunkt für die Transformation mittelalterlicher Mirabilienbildung, da Kolumbus versuchte, die neu entdeckten karibischen Inseln in einen asiatischen Kontext einzuordnen, um seinen Geldgebern Erfolg zu suggerieren.
Welche Bedeutung hat das Komponentenschema für die Analyse?
Das Schema visualisiert die verschiedenen Einflussfaktoren – von der persönlichen Gier nach Gold bis hin zur politischen Notwendigkeit, der Krone gegenüber Rechenschaft abzulegen – die gemeinsam den Nährboden für die Mythenbildung bildeten.
Was sagen die Quellen über das Verhalten der Indigenen aus?
Die Arbeit verdeutlicht, dass indigene Völker oft gezielt Informationen an die Spanier weitergaben oder bestätigten, um diese durch das Verweisen auf fernere Orte oder Goldgruben zur Weiterreise zu bewegen und sich so vor den Konquistadoren zu schützen.
Warum konnte sich der Mythos El Dorado so lange halten?
Da der Beweis der Nichtexistenz lange Zeit nicht erbracht werden konnte und der frühe Tod vieler Abenteurer die Hoffnung auf den Reichtum am Leben hielt, blieb El Dorado bis ins 17. Jahrhundert hinein ein mächtiger Antrieb für Expeditionen.
- Citation du texte
- Dr. Thomas Mrotzek (Auteur), 2006, Legendendarstellung in frühneuzeitlichen Berichten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159963