Zu Strickers "Daniel von dem Blühenden Tal"

Ein parodistischer Artusroman?


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Höfische Epik

3. Der Artusroman

4. InhaltDaniel von dem blühenden Tal

5. Das Parodistische im Roman
5.1. Stand der Forschung
5.2. Indizien für einen parodistischen Roman
5.2.1. Die Riesenvaterepisode imDaniel von dem blühenden Tal

6. Fazit

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll die Parodisierung des Artusromans in StrickersDaniel von dem blühenden Talthematisiert und untersucht werden. Erst seit kurzer Zeit geht die Forschung der Frage nach, inwiefern Strickers Daniel von dem Blühenden Tal ein dezidiert komischer Text sei, in dem die Artusrunde in einer Parodie der Lächerlichkeit dargestellt wird[1]. Einige Zeit blieb das Werk gänzlich unbeachtet. Bezüglich der Frage, ob sich aus der Verkettung der Situationskomik im Daniel ein kritisch-parodistischer Grundzug der gesamten Erzählung ableiten lasse, stehen sich zwei Fraktionen gegenüber. Zum einen wird im Daniel eine affirmierte Weiterentwicklung der Gattung Artusroman gesehen, zum anderen scheint das Werk eine satirische Entlarvung der Artuswelt mit ihren überkommenen Regeln und Geboten zu sein[2].

Der Held des Werkes bewährt sich im Kampf zwar wie ein Gawein, Parzival oder Iwein, besteht dieaventiurenjedoch nur mit Hilfe äußerst kluger und oft listiger Verhaltensweise. Die eine Fraktion derDaniel-Interpretation scheint dies eine Weiterentwicklung des herkömmlichen Artusromans Hartmannscher Prägung zu sein, die der Gattung einen stärkeren Wirklichkeitsbezug und damit verbundener Lebensfähigkeit verleihe. Die andere Seite bewertetet dieses Motiv des listig-klugen Helden, der den Musterkönig Artus retten muss, als Anknüpfungspunkt, um das überkommene Artusmodell offenzulegen und es so lächerlich zu machen.[3]

Zunächst wird in einer kurzen Abhandlung auf die höfische Epik und den Artusroman im 13. Jahrhundert eingegangen. Danach soll der Inhalt StrickersDanielkurz dargestellt werden. Im Hauptteil folgt eine Darlegung der bisherigen Forschungsergebnisse zum Thema der Parodisierung in StrickersDaniel. Die Arbeit zeigt daraufhin Indizien für einen parodistischen Roman auf, die im Speziellen an der Riesenvaterepisode gezeigt werden sollen.

2. Höfische Epik

Die höfische Epik des 13. Jahrhunderts war beeinflusst von den Werken aus der Zeit um 1200. ich die Epiker einen der alten Dichter zum Vorbild, so dass sich im 13. Jahrhundert eine Hartmannschule, eine Wolframschule und eine Gottfriedschule entwickelten. An der frühhöfischen Epik wurde ebenfalls weiter gedichtet, allerdings nicht aus einer Haltung der Verehrung heraus, sondern mit der Absicht der Korrektur, vor allem im Hinblick auf die unvollkommene Reim- und Verstechnik der älteren Epen. So ist beispielsweise das Rolandslied von Stricker modernisiert worden. Interessante Verschiebungen zeigen sich sich in der Stoffwahl. Der Artusroman blieb im 13. Jahrhundert ein Schwerpunkt der Epik. Daneben gab es eine Vielzahl neuer Stoffe. Frankreich blieb Bezugspunkt für Themen, wie auch lateinische Quellen.[4]Für die Mehrzahl der Epen lässt sich jedoch keine bestimmte Vorlage mehr angeben. Die Dichter haben die Handlung ihrer Romane selber modelliert, unter ausgiebiger Verwendung von allem, was die literarische Tradition ihnen bereitstellte. Dabei lässt sich zum einen der Hang zum Märchen- und Phantasiehaften erkennen, andererseits die Tendenz zu mehr historischer Wirklichkeit. Nach wie vor erwartet man von den Epikern eine ausführliche Darstellung der höfischen Gesellschaftsstruktur. Die langen Beschreibungen von Hoffesten, Turnieren, Empfängen, Mahlzeiten, Waffen, Kleidern und Pferden durften auch weiterhin in keinem Epos fehlen. Dabei liegt der Akzent auf der Pracht der materiellen Ausstattung und auf dem höfischen Protokoll der gesellschaftlichen Umgangsformen. Im Mittelpunkt steht das Ideal höfischer Vollkommenheit, das durch den jeweiligen Held der Geschichte verkörpert wird. Je reiner diese Vorbildlichkeit sich zeigt, desto deutlicher wird der ideologische Grundzug der höfischen Unterhaltungsliteratur: sie will dem adligen Publikum die Gewissheit vermitteln, dass ihre eigene Gesellschaftsform durch das höfische Ideal veredelt und gerechtfertigt wird. Umso deutlicher fallen jedoch auch Brüche in dieser Tradition auf, wie sie durch Stricker scheinbar bewusst gesetzt wurden. Dies wird im nachfolgenden besprochen.[5]

3. Der Artusroman

Die Artusromane des 13. Jahrhunderts waren besonders eng der Tradition verhaftet. Für die späteren Dichter wurden der Iwein als auch der Parzival zur wichtigsten Quelle der Inspiration. Die Stoffe sind zum Teil wieder französischen Vorlagen entnommen. Allerdings fehlen entweder die Vorlagen oder die deutsche Bearbeitung ist nur noch bruchstückhaft vorhanden. Die Mehrzahl der späteren Artusromane ist ohne französische Quelle gedichtet.

In den Epen des 13. Jahrhunderts erscheinen immer wieder Personen, Motivreihen und Konstellationen, die dem Leser auch bei Hartmann und Wolfram begegnet sind. Die Bauform jedoch, wie beispielsweise das Doppelweg-Modell oder die Zuordnung der Abenteuer zum Läuterungsprozess des Helden ist von den späteren Dichtern nicht übernommen worden. Im Aufbau der Handlung hat man sich eher an Vorlagen wie den Wigalois gehalten, wo der Held von Anfang an als vollkommener Ritter erscheint und die Handlung so angelegt ist, dass sich seine Überlegenheit in den verschiedenen Situationen bestätigen kann. Die Anlehnung an Wigalois lässt sich auch in der inhaltlichen Ausgestaltung beobachten.[6]Die Kämpfe und Proben, die die Helden zu bestehen haben, werden nicht nur immer zahlreicher und gefährlicher, sondern nehmen oft einen ausgesprochenen zauberhaften und übernatürlichen Charakter an[7]. Die Abenteurerwelt erscheint in manchen Werken so unwirklich und fantastisch, dass die Frage entsteht, ob der Unterhaltungswert des Textes gesteigert werden soll oder ob ein parodierendes Spiel mit der Gattungstradition am Werk war. Bumke hält gerade Strickers Daniel von dem blühenden Tal für ein solches parodistisches Werk[8].

4. Inhalt Daniel von dem blühenden Tal

Daniel von dem blühenden Tal reist zum Hof von König Artus. Auf dem Weg dorthin begegnet ihm Keiî, ein Ritter aus König Artus Tafelrunde. Daniel besiegt ihn im Zweikampf und fordert Keiî auf, ihn an Artus‘ Hof zu melden. Daraufhin erscheinen andere Artusritter und fordern Daniel zum Kampf heraus. Bis auf drei Gegner, Gawein, Iwein und Parzival, besiegt Daniel jeden und wird daraufhin in die Runde der Artusritter aufgenommen.

Am Artushof erscheint daraufhin ein Bote des Königs Matur von Cluse, der Artus´ Unterwerfung fordert. Die Nachricht wird durch einen Riesen überbracht. König Artus geht zum Schein auf die Herausforderung ein, beschließt aber nach reiflicher Überlegung und auf Gaweins Rat hin, einen Feldzug gegen Matur zu unternehmen. Daniel, der nun Mitglied der Tafelrunde ist, bricht jedoch vorher heimlich auf, um den Kampf alleine zu bestehen. Er reitet voraus und gerät in zahlreiche Abenteuersequenzen. Zunächst muss er das Fräulein vom Trüben Berg aus den Händen des Zwergs Juran befreien. Juran ist ein eigentlich unbesiegbares Wesen mit einem extrem scharfen Schwert. Daniel besiegt Juran und erkämpft sich so das Wunderschwert. Daraufhin gelangt Daniel zur Gräfin vom Lichten Brunnen. Diese befindet sich in der Gewalt der Bauchlosen, die aus dem Meer kamen und mittels eines Georgenhauptes jeden töten können, der von vorn in dieses blickt. Auch hier entschließt sich der Held zu helfen, wendet den Spiegeltrick an und tötet so die Bauchlosen. Daniel entsorgt das Medusenhaupt daraufhin.

Als Daniel das Reich Cluse erreicht, tritt er gegen den Bruder des Riesenboten an und tötet diesen mit Hilfe des Zauberschwertes des Zwerges Juran. Hier trifft Daniel dann auf Artus und sein Heer. Gemeinsam wird in der folgenden ersten Schlacht des Werkes das Heer Maturs niedergeschlagen und der König selbst im Zweikampf mit Artus getötet. Daniel besiegt im weiteren auch den Riesenboten.

[...]


[1] Vgl., Wandhoff, 1999, Seite 47.

[2] Vgl., Ebd., Seite 48f.

[3] Vgl., Ebd., Seite 49.

[4] Vgl., Bumke, 1990, Seite 213.

[5] Vgl., Ebd., Seite 214.

[6] Vgl., Bumke, 1990, Seite 213.

[7] Bumke, 1990, Seite 216f.

[8] Ebd., Seite 217.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Zu Strickers "Daniel von dem Blühenden Tal"
Untertitel
Ein parodistischer Artusroman?
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V159969
ISBN (eBook)
9783640779796
ISBN (Buch)
9783640780525
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stricker, Hausarbeit, Blühenden, Artusroman
Arbeit zitieren
Julia Haase (Autor), 2010, Zu Strickers "Daniel von dem Blühenden Tal", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159969

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