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Empirische Längsschnittstudie zur phonologischen Entwicklung bei sukzessiver Zweisprachigkeit von serbischen Vorschulkindern

Title: Empirische Längsschnittstudie zur phonologischen Entwicklung bei sukzessiver Zweisprachigkeit von serbischen Vorschulkindern

Thesis (M.A.) , 2003 , 129 Pages , Grade: 1,65

Autor:in: Anja Pfaff (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Im Gebiet des Erwerbs von Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit kann bereits auf einige Jahrzehnte intensiver wissenschaftlicher Auseinandersetzung zurückgegriffen werden. Die Literatur reicht von ersten Arbeiten Mitte der 30er Jahre bis zu zahlreichen Veröffentlichungen in der jetzigen Zeit, die ein zunehmendes Interesse an diesem Forschungsbereich erkennen lassen. In Deutschland etablierte sich die Forschungsrichtung zur mehrsprachigen Sprachentwicklung aufgrund der wachsenden Zahl von Gastarbeitern, deren sprachliche Problematik eine bildungspolitische, pädagogische und soziale Herausforderung darstellte.

Heutzutage ist die Auseinandersetzung mit dem Thema der Zweisprachigkeit von Kindern, wie es auch in dieser Arbeit der Fall ist, hauptsächlich durch den Aspekt der wachsenden Immigration nach Deutschland geprägt. Äußerst deutlich wird dieser Wandel in den institutionalisierten Einrichtungen, d.h. in Kindergarten, Vorschule und Schule, deren Klientel längst nicht nur deutsche, sondern Kinder unterschiedlichster Nationalitäten umfasst. Meist sprechen die Kinder kaum Deutsch, bevor sie in eine dieser Einrichtungen eintreten, wodurch die Erzieher und Lehrer vor eine außergewöhnliche Aufgabe gestellt werden, sofern es sich nicht zufällig um muttersprachliche Pädagogen handelt. Mittlerweile treffen wir nicht nur in den Regelkindergärten und –schulen auf ausländische Kinder, sondern auch vermehrt in Schulen für Behinderte (u.a. an Sprachheilschulen) und sprachheilpädagogischen Praxen.

Diese besonderen Anforderungen, denen Pädagogen, Therapeuten und Eltern gegenüberstehen, verlangen von der professionellen Seite, somit auch von der Sprachheilpädagogik, eine fundierte Grundlagenforschung auf dem Gebiet der kindlichen Zweisprachigkeit und dessen Erwerbsmechanismen, da sie für eine Rechtfertigung didaktischer bzw. therapeutischer Konzepte und Modelle unabdingbar ist.

Mit Hilfe von teils selbsterstellten Diagnostikmaterialien wurde in einem Forschungsprojekt die phonetisch-phonologische Entwicklung von serbischen Kindern, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, untersucht. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Beitrag zur Erhellung von Zweitspracherwerbsprozessen und deren Entwicklung, insbesondere beim Erwerb des Lautsystems, zu leisten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN

1. Was ist Zweisprachigkeit?

1.1 Terminologie und Begriffsbestimmung

1.1.1 Die Begriffsvielfalt

1.1.2 Definitionsansätze

1.2 Typologien der Zweisprachigkeit nach verschiedenen Kriterien

1.2.1 Bedingungen beim Spracherwerb

1.2.2 Linguistische Kriterien

1.2.3 Psycho- bzw. soziolinguistische Kriterien

2. Theorien zum Erwerb von Zweisprachigkeit

2.1 Die Kontrastivhypothese

2.2 Die Identitätshypothese

2.3 Die Interlanguage-Hypothese

2.4 Die Interdependenz-Hypothese

2.5 Aktuelle Diskussion zum Zweitspracherwerb

3. Der Erwerb des Lautsystems innerhalb der Sprachentwicklung

3.1 Unterscheidung Phonetik / Phonologie

3.2 Die Phonologische Entwicklung

3.2.1 Theorien und Ansätze

3.2.2 Die Phonologische Entwicklung im Erstspracherwerb

3.2.3 Die Phonologische Entwicklung im Zweitspracherwerb

4. Kontrastive Analyse des serbischen und deutschen Phonemsystems

4.1 Das serbische Konsonantensystem

4.2 Das deutsche Konsonantensystem

4.3 Kontrastive Analyse beider Konsonantensysteme

EMPIRISCHE LÄNGSSCHNITTSTUDIE

5. Entwicklung der Fragestellungen

5.1 Fragestellungen zur quantitativen Analyse

5.1.1 Hypothese 1

5.1.2 Hypothese 2

5.2 Fragestellungen zur qualitativen Analyse

5.2.1 Fragestellung 1

5.2.2 Fragestellung 2

5.2.3 Fragestellung 3

6. Methodische Vorgehensweise

6.1 Beschreibung der Stichprobe

6.1.1 Alter und Geschlecht

6.1.2 Nationalität der Eltern

6.1.3 Geburtsland und Sprachgebrauch in der häuslichen Umgebung

6.1.4 Dauer des Kindergartenaufenthalts

6.1.5 Form der Zweisprachigkeit

6.2 Vorstellung des Untersuchungsmaterials

6.2.1 Screening–Verfahren zur Ausspracheuntersuchung (SVA)

6.2.2 Konstruktion einer serbischen Variante des SVA

6.3 Durchführung der Untersuchung

6.4 Auswertung

7. Darstellung der Ergebnisse

7.1 Ergebnisse der quantitativen Analyse

7.1.1 Voraussetzungen

7.1.2 Überprüfung der Hypothese 1

7.1.3 Überprüfung der Hypothese 2

7.2 Ergebnisse der qualitativen Analyse

7.2.1 Ergebnisse zu Fragestellung 1

7.2.2 Ergebnisse zu Fragestellung 2

7.2.3 Ergebnisse zu Fragestellung 3

8. Diskussion der Ergebnisse

8.1 Die Beziehung zwischen Erst- und Zweitsprache

8.2. Die Phonologischen Prozesse

8.3. Die phonologische Entwicklung in der Zweitsprache Deutsch

8.4. Bezug zu den Ergebnissen der phonetischen Entwicklung

9. Methodenkritik

10. Ausblick

Zielsetzung & Forschungsthemen

Die vorliegende Arbeit untersucht die phonologische Entwicklung von serbischen Vorschulkindern, die sukzessiv Deutsch als Zweitsprache erwerben. Das primäre Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen den sprachlichen Fähigkeiten in der Erstsprache und der Zweitsprache aufzudecken, um Erkenntnisse über Zweitspracherwerbsprozesse und deren Einflussfaktoren zu gewinnen.

  • Analyse der phonologischen Entwicklung bei sukzessiver Zweisprachigkeit.
  • Untersuchung der Interdependenz zwischen Erst- und Zweitsprachentwicklung.
  • Identifikation und Kategorisierung phonologischer Prozesse.
  • Kontrastive Analyse des serbischen und deutschen Konsonantensystems.
  • Diskussion des Einflusses soziokultureller Faktoren auf den Spracherwerb.

Auszug aus dem Buch

Die Identitätshypothese

Mit dieser Hypothese verbindet man hauptsächlich die Namen Dulay und Burt. Ein wesentlicher Unterschied zur Kontrastivhypothese ist der veränderte Blickwinkel, in dem Spracherwerbsprozesse betrachtet werden (Bausch & Kasper, 1979). Diese Hypothese entstand im Zuge einer allgemeinen Wende Anfang der 70er Jahre, in der man sich von behavioristischen Ideen abwandte und kognitive bzw. nativistische Erklärungsansätze verfolgte.

Vertreter der Identitätshypothese oder auch L1 = L2 – Hypothese (Felix, 1978) gehen davon aus, dass der Erwerb der Zweitsprache (L2) auf denselben Prozessen bzw. Mechanismen beruht, die beim Erwerb dieser Sprache als Erstsprache (L1) ablaufen. Demzufolge wird der L2-Erwerb nicht durch die Struktur der L1 gesteuert, wie es die Kontrastivhypothese voraussagt, sondern durch die Struktur der L2. Auftretende „Fehler“, die in der Kontrastivhypothese als Interferenzen gedeutet werden, entstehen ebenso wie im L1-Erwerb aufgrund der Struktur der Zweitsprache. Grundsprachlicher Transfer wird von Dulay und Burt als Spracherwerbsprozess ausgeschlossen (Bausch & Kasper, 1979), andere Vertreter dieses Ansatzes sprechen den Interferenzen keine bzw. eine geringe Rolle beim Zweitspracherwerb zu (Wode, 1993).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Was ist Zweisprachigkeit?: Dieses Kapitel beleuchtet die komplexe Begriffsvielfalt und theoretische Einordnung von Zweisprachigkeit aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven.

2. Theorien zum Erwerb von Zweisprachigkeit: Hier werden vier zentrale Hypothesen des Zweitspracherwerbs (Kontrastiv-, Identitäts-, Interlanguage- und Interdependenzhypothese) kritisch diskutiert.

3. Der Erwerb des Lautsystems innerhalb der Sprachentwicklung: Dieser Abschnitt erläutert die Grundlagen der phonetischen und phonologischen Entwicklung sowohl im Erst- als auch im Zweitspracherwerb.

4. Kontrastive Analyse des serbischen und deutschen Phonemsystems: Ein systematischer Vergleich beider Konsonantensysteme dient der Identifikation potenzieller Interferenzquellen.

5. Entwicklung der Fragestellungen: Basierend auf theoretischen Vorüberlegungen werden konkrete quantitative und qualitative Hypothesen für die Längsschnittstudie formuliert.

6. Methodische Vorgehensweise: Das Kapitel beschreibt die Auswahl der Stichprobe sowie die Konzeption und Durchführung der empirischen Datenerhebung.

7. Darstellung der Ergebnisse: Die erhobenen Daten werden quantitativ und qualitativ ausgewertet, um die Fragestellungen der Arbeit zu beantworten.

8. Diskussion der Ergebnisse: Die empirischen Befunde werden mit den theoretischen Ansätzen verknüpft und kritisch reflektiert.

9. Methodenkritik: Eine kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Umsetzung der Pilotstudie wird vorgenommen.

10. Ausblick: Der abschließende Teil skizziert die Bedeutung der Ergebnisse für die zukünftige sprachheilpädagogische Forschung und Praxis.

Schlüsselwörter

Zweisprachigkeit, Bilingualismus, Zweitspracherwerb, Phonologie, Phonetik, Konsonantensystem, Interdependenzhypothese, Interlanguage, Phonologische Prozesse, Serbisch, Deutsch, Längsschnittstudie, Spracherwerbsmechanismen, Sprachheilpädagogik, Migration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der phonologischen Entwicklung von serbischen Vorschulkindern, die in Deutschland zweisprachig aufwachsen und Deutsch als Zweitsprache erlernen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Zweisprachigkeit, Theorien des Zweitspracherwerbs, phonologische Entwicklungsprozesse sowie eine kontrastive Analyse des serbischen und deutschen Lautsystems.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel ist es, zu erhellen, wie bilinguale Kinder ihr Lautsystem in der Zweitsprache entwickeln und ob dabei Interdependenzen zur Erstsprache bestehen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine empirische Längsschnittstudie mit zwei Messzeitpunkten, in der die phonologische Produktion von 25 Kindern mittels eines standardisierten Screening-Verfahrens analysiert wurde.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Zweisprachigkeit und Lautentwicklung sowie einen praktischen Teil, in dem die Studie methodisch beschrieben und die Ergebnisse quantitativ und qualitativ dargestellt werden.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Zweisprachigkeit, Zweitspracherwerb, phonologische Prozesse, Interdependenzhypothese und Interlanguage.

Inwiefern beeinflusst die Erstsprache Serbisch den Erwerb des Deutschen?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die phonologische Kompetenz in der Erstsprache eine Rolle spielt und dass transferbedingte Strategien (z.B. bei der Lautproduktion) existieren, wenngleich diese nicht isoliert von allgemeinen Erwerbsprozessen betrachtet werden können.

Gibt es Unterschiede in der Entwicklung zwischen jüngeren und älteren Kindern?

Ja, die Studie zeigt, dass jüngere Kinder andere Erwerbsstrategien und Prozesshäufigkeiten aufweisen als ältere Kinder, was auf eine altersabhängige Entwicklung und unterschiedliche Konsolidierungsphasen des phonologischen Systems hinweist.

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Details

Title
Empirische Längsschnittstudie zur phonologischen Entwicklung bei sukzessiver Zweisprachigkeit von serbischen Vorschulkindern
College
LMU Munich  (Sonderpädagogik)
Grade
1,65
Author
Anja Pfaff (Author)
Publication Year
2003
Pages
129
Catalog Number
V16004
ISBN (eBook)
9783638209656
ISBN (Book)
9783638699426
Language
German
Tags
Empirische Längsschnittstudie Entwicklung Zweisprachigkeit Vorschulkindern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anja Pfaff (Author), 2003, Empirische Längsschnittstudie zur phonologischen Entwicklung bei sukzessiver Zweisprachigkeit von serbischen Vorschulkindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16004
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