17 Jahre Kirchenspaltung - Die Schuldfrage beim Schisma von 1160


Seminararbeit, 2008

11 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2 . Der Vertrag von Konstanz

3. Friedrichs erster Italienzug
3.1 Die Kaiserkrönung
3.2 Der Normannenfeldzug

4. Der Vertrag von Benevent

5. Ereignisse bis zur Doppelwahl 1159
5.1 Der Eklat von Besancon
5.2 Weitere Ereignisse

6. Die Doppelwahl und das Konzil von Pavia

7. Schlussbetrachtung und Fazit

Quellen –und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit soll klären, ob dem Kaisertum, in Gestalt von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, oder der Kurie, in Person von Papst Hadrian IV., die überwiegende Schuld am Schisma von 1160 zuzurechnen ist. Die Kirchenspaltung, die ein gesamteuropäisches Phänomen darstellte und das Abendland 17 Jahre lang, bis zum Frieden von Venedig 1177, prägte, hat ihren Ausbruch durch die zwiespältige Papstwahl des Jahres 1159 erfahren, die Wurzeln für das Schisma reichen jedoch tiefer in die Vergangenheit zurück.

Auf Basis des Konstanzer Vertrages von 1153, der die Beziehungen von Papsttum und Kaisertum definierte, wird in chronologischer Reihenfolge die Ausführung (oder Nichtausführung) der jeweiligen Vertragspunkte seitens der Heiligen Stuhls und des Kaisers aufgezeigt. Weiterhin werden dann Konfliktsituationen zwischen Friedrich Barbarossa und der Kurie bis zur Doppelwahl von 1159 und der Synode von Pavia 1160, mit der die Kirchenspaltung ihren Anfang nimmt, aufgezeigt und kritisch betrachtet.

In der Schlussfolgerung wird schließlich aus den beleuchteten Ereignissen zusammengefasst, welcher Partei die Hauptschuld am Schisma zuzusprechen ist (oder ob es überhaupt auf eine Partei vollständig abgewälzt werden kann).

Als Hauptquelle wurde dieGesta Friderici[1]des Otto von Freising, der Chronist Friedrich Barbarossas, herangezogen. Da Friedrich der Neffe Ottos war und er ihm diverse Passagen diktiert hat, ist die Authenzität und Neutralität der Quelle nicht immer gegeben.2

2. Der Vertrag von Konstanz

Nachdem Friedrich I. Barbarossa am 9.3. 1152 in Frankfurt/Main zum König gekrönt worden war, stellte der Konstanzer Vertrag vom 23. März 1153 die politische Orientierung zwischen Barbarossa und Papst Eugen III., den beiden Vertragspartnern, dar.3Laut Vertragstext hat Barbarossa folgende Verpflichtungen gegenüber dem Papst: Unterwerfung der Stadtrömer unter die römische Kirche; Feldzug gegen die Normannen unter König Roger II., die Sizilien und Apulien besetzt hatten (Friedrich sah Sizilien und Süditalien als Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation);4 die Erhaltung, Verteidigung und (ggf.) Rückgewinnung der „honor" des Papstes (zu der auch die Petrusregalien gehörten)als oberster Schutzherr der Kirche; die Untersagung, dem „Griechenkönig“[der byzantinische König Manuel I. Komnenos] Konzessionen auf italienischem Boden zu machen und ihn bei einer Betretung desselben wieder zu vertreiben. Ferner war Barbarossa ein Friedensschluss mit Byzantinern, Normannen und Stadtrömern ohne Zustimmung des Papstes nicht erlaubt, der Papst seinerseits durfte jedoch eigenmächtig mit den o.g. Parteien Friedensverhandlungen aufnehmen5.

Die Vertragsbedingungen der Kurie sahen vor, dass der Papst Friedrich Barbarossa in Rom zum Kaiser kröne, er solle diejenigen, die die Ordnung des Reiches stören, auf Anforderung des Königs zuerst ermahnen und bei weiterem Ungehorsam mit dem Bann belegen; weiterhin solle er auch, wenn der Fall einträte, sich an der Vertreibung des byzantinischen Kaisers aus Italien beteiligen.6

Hinsichtlich der Vertragsdauer war der Papst nur Barbarossa gegenüber gebunden, vice versa dagegen war Friedrich I. auch den Nachfolgern Eugens III. verpflichtet, insofern sie an einer Vertragserneuerung interessiert waren.7

3. Friedrichs erster Italienzug

Im Herbst 1154 trat Friedrich Barbarossa nun zu seinem geplanten Italienzug an. Der im

Dezember neu gewählte Papst Hadrian IV. suchte eiligst, den Konstanzer Vertrag mit Barbarossa zu erneuern, da die Byzantiner aufgrund des Todes Rogers II. von Sizilien die daraus resultierenden Aufstände für eine Invasion nutzen wollten und folglich auch das Gebiet des Kirchenstaates bedrohten.8Nach einem Treffen des Papstes mit Barbarossa in Sutri, wo letzterer dem Pontifex Maximus erst nach einigem Zögern und Zureden der Fürsten den traditionellen Marschall –und Stratordienst erwies, setzte Barbarossa seinen Romzug fort.

3.1. Die Kaiserkrönung

In der Peterskirche ließ er sich dann am 18.Juni 1155 zum Kaiser krönen. Die Umgebung der Kirche, in der die Krönung vollzogen wurde, ließ Barbarossa bewachen. Als die Stadtrömer jedoch merkten, dass Barbarossa ohne ihre Einwilligung inauguriert worden war, kam es zu Kämpfen zwischen ihnen und dem Heer Barbarossas. Die Kaiserlichen behielten zwar zunächst die Oberhand, allerdings ließ Barbarossa sein Heer aufgrund von Hitze in das Umland Roms verlegen: damit konnte die römische Bevölkerung nicht endgültig dem Papst unterworfen werden.9 Zudem hinderten die Fürsten Barbarossa daran, die Stadt einzunehmen. Zwar war im Konstanzer Vertrag (auch in der erneuerten Fassung) festgelegt, dass Barbarossa nur unter der Zustimmung „…der Großen des Reiches“ (pro viribus regni)10 Rom erobern durfte, allerdings wurden die Fürsten nicht mit einbezogen.11 Damit verstieß Barbarossa erstmals gegen den Konstanzer Vertrag. In der Umgebung Roms führte er sein Heer durch die Umgebung, wobei er mehrmals in die päpstlichen Herrschaftsrechte eingriff: bei dem gemeinsamen Besuch der Stadt Tivoli von Hadrian und Friedrich nahm letzterer den Eid der Bürger entgegen, obwohl diese zuvor schon dem Papst selbigen geschworen hatten. Nur auf

Protest des Papstes hin verzichtete Barbarossa auf sein Herrschaftsrecht.12Zudem brachte Barbarossa alle Burgen im Umkreis Roms, also im Gebiet despatrimonium petri13 in seine Gewalt.14

3.2. Der Normannenfeldzug

Im Folgenden zog Barbarossa mit seinem Heer weiter gen Süden nach Ancona, um, wie im Konstanzer Vertrag festgelegt, einen Feldzug gegen das Normannenreich auf Sizilien zu starten. Hier traf er auf byzantinische Gesandte, die ihn zu einem gemeinsamen Feldzug überreden wollten. Allerdings kam es nicht dazu, da die überwiegende Mehrheit der mitgereisten Fürsten den Kriegszug ablehnte.

Da bei Otto von Freising der Konstanzer Vertrag überhaupt nicht vorkommt, gibt er als Grund für diesen Sachverhalt an, dass die zu große Hitze und das ungesunde Klima ausschlaggebend dafür waren, dass Barbarossa wieder zurück nach Deutschland zog.15 Außerdem musste Hadrian nach Benevent fliehen, da die Stadtrömer ihn nach dem Abzug Barbarossas aus der Stadt vertrieben hatten.

[...]


[1]Ottonis et Rahewini Gesta Friderici I. imperatoris, hg. v. Georg Waitz, Bernhard von Simson (MGH SS rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi 46), unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1912, Hannover 1997. (im Folgenden zitiert als „Waitz, Gesta Friderici“).

2 Richter, Klaus: Friedrich Barbarossa hält Gericht. Zur Konfliktbewältigung im 12. Jahrhundert, in: Konflikt, Verbrechen und Sanktion in der Gesellschaft Alteuropas, hg. v. Klaus Lüdersen u.a. (Fallstudien Band 2), Köln, Weimar, Wien 1999, S. 5. (im Folgenden zitiert als: “Richter, Barbarossa“).

3 Friderici I. diplomata, ed. Heinrich Appelt (MGH DD F I.), Hannover 1975, Nr. 51, 52. (im Folgenden zitiert als: „MGH DD F I.“).

4 Opll, Ferdinand: Friedrich Barbarossa, in: Gestalten des Mittelalters und der Renaissance, hg. v. Peter Herde, Darmstadt 1990, S. 45. (im Folgenden zitiert als: „Opll, Barbarossa“).

5 Engels, Odilo: Die Staufer (Urban-Taschenbücher 154), 6. Auflage, Stuttgart, Berlin, Köln 1994, S.64. (im Folgenden zitiert als: „Engels, Staufer“).

6 Opll, Barbarossa, 1990, S. 45.

7 Engels, Staufer, 1994, S. 65f. 4

8Opll, Barbarossa, 1990, S.66.; Friderici I. Constitutiones et Acta Publica Imperatorum et regum, Tomus I., ed. Ludewicus Weiland, (MGH Const. I.), Hannover 1963, Nr. 151. (im Folgenden zitiert als: „MGH Const. I.“).

9 Otto von Freising geht hier von einer sehr optimistischen Einschätzung aus, die natürlich die Niederlage kaschieren soll. (Waitz, Gesta Friderici, 1997, S.143, Z.4-7: “Nec dubium, quin civis ad obedientiam pontifici, ad deditionem principi suo venisset, si miles extra tantum incommodum pati potuisset.”).

10 MGH DD F I., Nr. 51, Z.24.

11 Richter, Barbarossa, 1999, S.82.; MGH DD F I., Nr. 98, Z.22.

12 Engels, Staufer, 1994, S.77.

13 Kirchenstaat.

14 Laudage, Johannes: Alexander III. und Friedrich Barbarossa, in: Forschungen zur Kaiser –und Papstgeschichte des Mittelalters (Beihefte zu J.F. Böhmer, Regesta Imperii, Band 16), Weimar, Köln, Wien 1997, S. 72, nach: Waitz, Gesta Friderici, S. 4, Z. 12f.:„…et omnibus castries et munitionibus, que circa Urbem erant, in potestatem nostram deditis…“.(im Folgenden zitiert als: „Laudage, Alexander III.“)

15 Waitz, Gesta Friderici, 1997, S.15, Z. 14-22: „At princeps diu cum proceribus maioribusque de exercitu consultans plurimum ad inclinandos eorum animos, ut in Apuliam descenderent laboravit. Verum excandescente amplius in exercitum Canis rabie vixque aliquibus residuis, qui estus fervare et eris intemperie corruptionem non sentirent, […], non sine cordis amaritudine ad Transalpina redire cogitur“.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
17 Jahre Kirchenspaltung - Die Schuldfrage beim Schisma von 1160
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte)
Veranstaltung
Die ersten Staufer - Konrad III. und Friedrich Barbarossa
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V160040
ISBN (eBook)
9783640728817
ISBN (Buch)
9783640729227
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
1160, staufer, gegenpapst, benevent, pavia, friedrich barbarossa, schisma, anagni, papsttum, kirchenspaltung, besancon, hadrian IV., friedrich I., barbarossa, papst, alexander III., konstanz, venedig, paschal, alessandria, doppelwahl
Arbeit zitieren
Fabian Fuchs (Autor), 2008, 17 Jahre Kirchenspaltung - Die Schuldfrage beim Schisma von 1160, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160040

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