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Beihilfe zum Suizid und aktive Sterbehilfe im Kontext von Menschenwürde und Autonomie

Eine Auseinandersetzung auf praktischer, ethischer und theologischer Ebene

Titre: Beihilfe zum Suizid und aktive Sterbehilfe im Kontext von Menschenwürde und  Autonomie

Thèse de Bachelor , 2009 , 64 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Maria Pohlmeyer (Auteur)

Théologie - Divers
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Auf die Gesellschaft bezogen lässt sich feststellen, dass Tod und Sterben im Allgemeinen Themen sind, die lieber vermieden werden. Viele Menschen haben Angst vor einem eigenen qualvollen Sterben und fürchten ebenso den Verlust naher Angehöriger. Als Grund für diese Befürchtung kann die Säkularisierung angeführt werden, da der christliche Glaube an ein Leben nach dem Tod für viele Menschen nicht mehr als Trost und Hoffnung dient. Daneben ist aber auch der medizinische Fortschritt einhergehend mit einer zunehmenden Technisierung ein Grund dafür, dass sich das gesellschaftliche Meinungsbild zum Sterbeprozess modifiziert hat. Der Punkt, an dem Ärzte wie früher sagen konnten, „hier ist nichts mehr zu machen“ ist nicht mehr klar zu definieren, sondern ist zu einem diffusen Suchen nach weiteren Therapiemöglichkeiten geworden. In vielen Fällen bedeutet das Ausreizen von therapeutischen Möglichkeiten jedoch eine Verlängerung des Leidens- und Sterbeprozesses. Die unverzichtbaren medizinischen Techniken bringen die Paradoxie mit sich, dass sich der Patient entscheiden muss, ob und wie die Technik in seinem Fall angewendet werden soll.
In dieser Arbeit werden zunächst die für das Verständnis der Thematik notwendigen Begrifflichkeiten definiert und zugleich juristische Aspekte benannt. Dann sollen exemplarisch die Vorgehensweise der schweizerischen Organisation Exit und die Praxis der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden vorgestellt werden.
Um sich der ethischen Kontroverse anzunähern, bedarf es zunächst einer Untersuchung von sozialen Einflussfaktoren, die in der Debatte um Sterbehilfe häufig angeführt werden. Im Hauptteil der Arbeit erfolgt die ethische Auseinandersetzung mit aktiver Sterbehilfe und Suizidbeihilfe unter Bezugnahme auf die ethischen Werte Autonomie und Menschenwürde. In Ergänzung zu den ethischen Aspekten werden christlich-theologische Argumentationen zum Thema angeführt und Schlussfolgerungen für Kirche und Theologie abgeleitet. Da die Auseinandersetzung um menschenwürdiges Sterben immer in Abhängigkeit mit der klinischen Praxis stattfindet, sollen ebenso Konsequenzen für die Medizin und Pflege angeführt werden. Dabei liegt ein Fokus auf der Patientenautonomie und dem Fachbereich Palliative Care.
Ziel der Arbeit soll eine Betrachtung aus individualethischer Perspektive sein. Dazu gilt es befürwortende wie ablehnende Positionen aufzuzeigen. Im Fazit soll eine Entscheidung zur Sterbehilfe – wenn möglich – auf ethischer Ebene getroffen werden.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen und Rechtsgrundlagen

2.1 Sterbehilfe

2.2 Sterbebegleitung

3. Praktische Umsetzung

3.1 Die so genannte Sterbehilfeorganisation „Exit“

3.2 Das niederländische Modell der aktiven Sterbehilfe

4. Soziale Einflussfaktoren

4.1 Arzt-Patient-Beziehung

4.2 Gesellschaftliche Einflüsse und Folgen

4.3 Zwischenfazit: Orientierung für den Einzelfall?

5. Ethische Argumentationen

5.1 Autonomie

5.1.1 Autonomie als normativer Anspruch

5.1.2 Autonomie und Sterben

5.2 Menschenwürde

5.2.1 Zum Begriff der Menschenwürde

5.2.2 Was macht den Menschen aus?

5.2.3 Menschenwürde am Lebensende

5.3 Zwischenfazit: Der Wunsch zu sterben – autonom und menschenwürdig!?

6. Theologische Aspekte

6.1 Theologisch-ethische Aspekte

6.2 Positionen der Kirchen

6.3 Beitrag von Kirche und Theologie

7. Konsequenzen für Medizin und Pflege

7.1 Schutz der Patientenautonomie

7.2 Palliative Care

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich aus einer individualethischen, sozialen und theologischen Perspektive mit der Frage auseinander, ob die Beihilfe zum Suizid oder die aktive Sterbehilfe unter dem Aspekt der Patientenautonomie und Menschenwürde ethisch vertretbar sind. Ziel ist es, die Komplexität dieser Entscheidung im Kontext klinischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen zu beleuchten und eine ethisch begründete Positionierung zu erarbeiten.

  • Grundlagen der Sterbehilfe und rechtliche Einordnung.
  • Die Rolle der Patientenautonomie und der Menschenwürde im Sterbeprozess.
  • Soziale und ökonomische Einflussfaktoren bei Sterbehilfeentscheidungen.
  • Christlich-theologische Perspektiven auf das Sterben und Leid.
  • Die Bedeutung von Palliative Care und Patientenautonomie in der medizinischen Praxis.

Auszug aus dem Buch

5.1.1 Autonomie als normativer Anspruch

Der Ausdruck Autonomie leitet sich von den griechischen Begriffen autos (= selbst) und nomos (= Gesetz, Regel) ab und bedeutet Selbstgesetzgebung oder Selbstbestimmung. Wesentlich geprägt ist der Begriff durch Immanuel Kant, der die Autonomie des Menschen darin sah, dass dieser sich durch das Sittengesetz bzw. den kategorischen Imperativ dazu verpflichten kann, nicht dem naturwüchsig Gewollten, sondern dem unbedingt Gesollten den Vorrang in seinem Handeln zu geben.

Dieses Autonomieverständnis gründet auf dem Verständnis von Freiheit als grundlegender Bedingung der Möglichkeit zu verantwortlichem und humanem Handeln. Freiheit entsteht gerade nicht da, wo ich beliebig meinen Wünschen und inneren Bedürfnissen nachgehe, denn damit wäre ich letztlich doch fremdbestimmt (heteronom). Neben diesem individuellen Streben nach Lust und Glück wird der Mensch aber auch noch durch weitere biologische, soziale und transzendente Dispositionen terminiert. Indem man jedoch diese subjektiven Wünsche und externen Dispositionen erkennt und sich zu ihnen verhält, kann man einen individuellen Spielraum schaffen, innerhalb dessen man seine Freiheit verwirklichen kann.

Freiheit muss nach Kant durch das Prinzip der Autonomie bestimmt werden. Grundsatz dieser Autonomie ist der kategorische Imperativ („Handle so, daß [!] die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“). Der Mensch gibt sich selbst um der Freiheit willen ein Gesetz, so dass seine Freiheit geschützt wird und ein humanes Miteinander möglich ist. So überprüft er, ob seine Handlungsmotive für andere plausibel (nachvollziehbar) sind und ob sie auch anderen als Handlungsorientierungen dienen können (universalisierbar). Die Freiheit impliziert die Fähigkeit, das Gute zu wollen und es auch praktisch umzusetzen. Insofern kann sie nach Kant eine Schlüsselstellung im moralischen Denken und Handeln einnehmen und als zentrale anthropologische Kategorie gelten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte um die Sterbehilfe in Deutschland ein und veranschaulicht anhand eines Patienteninterviews die Problematik der Selbstbestimmung bei aussichtsloser Prognose.

2. Begriffsbestimmungen und Rechtsgrundlagen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe wie Sterbehilfe, Sterbebegleitung und verschiedene Kategorien der Sterbehilfe definiert sowie deren rechtliche Einordnung erläutert.

3. Praktische Umsetzung: Hier werden beispielhaft die Vorgehensweise der Organisation Exit in der Schweiz und das aktive Sterbehilfemodell in den Niederlanden vorgestellt.

4. Soziale Einflussfaktoren: Dieses Kapitel untersucht, wie Arzt-Patient-Beziehungen und gesellschaftliche Faktoren, wie der demografische Wandel und ökonomische Zwänge, die Debatte um Sterbehilfe beeinflussen.

5. Ethische Argumentationen: Hier erfolgt eine vertiefende ethische Analyse der Begriffe Autonomie und Menschenwürde und ihrer Bedeutung für die Entscheidung zur Lebensbeendigung.

6. Theologische Aspekte: Das Kapitel widmet sich der theologisch-ethischen Reflexion, den Positionen der Kirchen und der Frage, welchen Beitrag Theologie zur Sinnstiftung am Lebensende leisten kann.

7. Konsequenzen für Medizin und Pflege: Dieses Kapitel betrachtet die Auswirkungen auf die klinische Praxis, insbesondere den Schutz der Patientenautonomie und die Rolle der Palliative Care.

8. Fazit: Das Fazit fasst die ethischen Abwägungen zusammen und betont das Dilemma zwischen dem Wunsch nach Sterbehilfe und der ethischen Ablehnung aktiver Lebensbeendigung.

Schlüsselwörter

Sterbehilfe, Patientenautonomie, Menschenwürde, Suizidbeihilfe, aktive Sterbehilfe, Ethik, Palliativmedizin, Palliative Care, Sterbebegleitung, ärztliches Ethos, Selbstbestimmung, Lebensende, Bioethik, Fremdbestimmung, Sterbeprozess.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Kontroverse um die aktive Sterbehilfe und Beihilfe zum Suizid im Kontext der Patientenautonomie und Menschenwürde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die Definition von Sterbehilfeformen, der Einfluss sozialer Faktoren, ethische und theologische Argumentationsmuster sowie die Konsequenzen für die moderne Medizin und Pflege.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine individualethische Auseinandersetzung mit der Frage, ob ein Mensch prinzipiell über den eigenen Todeszeitpunkt bestimmen darf, ohne dabei existenzielle oder gesellschaftliche Werte zu verletzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine ethisch-philosophische und theologische Analyse vorgenommen, die auf einer Literaturdiskussion und der Betrachtung praktischer Fallbeispiele (wie dem niederländischen Modell oder der Organisation Exit) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der sozialen Einflussfaktoren, eine vertiefte ethische Argumentation zu Autonomie und Menschenwürde sowie eine theologische Reflexion, ergänzt durch Ansätze aus der Palliativmedizin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Sterbehilfe, Patientenautonomie, Menschenwürde, Palliative Care und ärztliches Ethos charakterisiert.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Formen der Sterbehilfe?

Die Arbeit differenziert präzise zwischen aktiver Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen), passiver Sterbehilfe (Zulassen des Sterbens), indirekter Sterbehilfe (Leidensminderung durch Medikamente) und assistiertem Suizid.

Welche Rolle spielt die Kirche in dieser Debatte?

Die Arbeit zeigt auf, dass die Kirchen zwar kritisch gegenüber aktiver Lebensbeendigung eingestellt sind, jedoch verstärkt den Auftrag sehen, den Sterbenden in seiner Ganzheitlichkeit zu begleiten und eine Kultur der Solidarität zu fördern.

Wie wird das "Exit"-Modell bewertet?

Die Arbeit stellt das Exit-Modell vor, kritisiert jedoch die Dynamik der Praxis, da zunehmend auch Menschen ohne tödliche Krankheit (z.B. Lebensmüdigkeit) begleitet werden, was ethische Bedenken hinsichtlich der Diagnosestellung und Beratung aufwirft.

Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Legalisierung?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Legalisierung von aktiver Sterbehilfe als Flucht vor der ethischen Verantwortung betrachtet werden kann, und plädiert stattdessen für eine Stärkung der Palliative Care und eine intensivere Sterbebegleitung.

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Résumé des informations

Titre
Beihilfe zum Suizid und aktive Sterbehilfe im Kontext von Menschenwürde und Autonomie
Sous-titre
Eine Auseinandersetzung auf praktischer, ethischer und theologischer Ebene
Université
University of Osnabrück  (Kath. Theologie)
Note
1,0
Auteur
Maria Pohlmeyer (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
64
N° de catalogue
V160042
ISBN (ebook)
9783640735679
ISBN (Livre)
9783640735921
Langue
allemand
mots-clé
Sterbehilfe Beihilfe zum Suizid Bioethik Autonomie Menschenwürde Euthanasie Moraltheologie Ethik am Lebensende aktive Sterbehilfe Freiheit Tötung auf Verlangen Medizinethik Pflegeethik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Maria Pohlmeyer (Auteur), 2009, Beihilfe zum Suizid und aktive Sterbehilfe im Kontext von Menschenwürde und Autonomie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160042
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