Intertextualität in Ian McEwans "Saturday"


Seminar Paper, 2010
15 Pages, Grade: 2,3

Excerpt

Contents

1 Introduction

2 Intertextualitat in Ian McEwan's Saturday
2.1 Zum Autor Ian McEwan und Saturday
2.2. Postmodernismus
2.3. Intertextualitat und seine Begrifflichkeit
2.4. Intertextualitat in Saturday

3 Conclusion

4 Works Cited

1 Introduction

Die vorliegende Arbeit widmet sich der Ausarbeitung und Analyse von Intertextualitat in Ian McEwans Bestseller-Roman Saturday, der 2006 im Londoner Continuum- Verlag erschienen ist und sowohl von Kritikern als auch von der Leserschaft gewurdigt wurde; so erhielt Ian McEwan 2006 den James Tait Black Prize fur fiction und stand 2005 auf der Nominierungsliste fur den Man Booker Prize.

Im Rahmen des Seminars mit dem Titel „Postmodern Fiction: Martin Amis and Ian McEwan“ wurde der Roman vor allem in Hinsicht auf seine genretypischen Aspekte und Merkmale untersucht, aber auch mit Blick auf seine zahlreichen intertextuellen Verweise. Die vorliegende Arbeit will nun diesen Faden wieder aufgreifen und den starken intertextuellen Charakter des Romans weiter untersuchen, indem literaturthe- oretische Interpretationen des Intertextualitatsbegriffes hinzugezogen werden. Dazu werden Sammelbande von Literaturtheoretikern sowie Monographien, so z.B. von Gerard Genette, einem der markantesten Literaturtheoretiker auf dem Gebiet der Intertextualitat, zur Analyse konsultiert. Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die Art und Weise, wie Ian McEwan intertextuelle Referenzen benutzt, sowie ihre theoretische Verankerung und damit literarische Bedeutung herauszuarbeiten. Aufgrund des limitierten Umfangs dieser Arbeit kann nicht auf alle intertextuellen Referenzen des an solchen so reichhaltigen Werks McEwans eingegangen werden; innerhalb der vorliegenden Arbeit soll jedoch trotzdem einen Kategorisierungsversuch unternommen und anhand ausgewahlter Beispiele die Natur des von McEwan gewahlten Intertextualitatstypus analysiert werde.

Hierzu soll nach einer einleitenden Darstellung des Autors, seinen pragnanten biografischen Angaben sowie einer kurzen Vorstellung des Inhalts und Kontexts seines Romans eine Definition von Postmodernismus folgen, wie sie im Seminar bereits erarbeitet worden ist. Im darauffolgenden Kapitel soll anschlieGend der Begriff der Intertextualitat wie oben dargestellt geklart werden, um ihn anschlieGend fur die Analyse von Saturday einsetzen zu konnen. Fur diese Analyse werden im Folgenden Textstellen ausgewahlt und in Hinblick auf den vorher ermittelten

Intertextualitatsbegriff interpretiert, um in einem abschlieGenden Fazit zu ermitteln, welchen Typus und von Intertextualitat und in welchem AusmaG Ian McEwan diesen fur seinen Roman nutzt.

2 Intertextualitat in Ian McEwan's Saturday

Im folgenden Kapitel soil nicht nur der Autor des Romans Saturday, Ian McEwan, kurz vorgestellt werden, sondern auch das Genre, dem sein Roman zugeordnet werden kann - der Postmodernismus. Nachdem eine Einschatzung dieser beiden Gegenstande vorgenommen wurde, wird auf den Begriff der Intertextualitat und seine Definitionsmoglichkeiten eingegangen. Hierbei sollen die Auslegungen von Gerard Genette und Manfred Pfister im Vordergrund stehen, die den Begriff durch ihre Untersuchungen nachhaltig gepragt haben.

Nachdem nun die Begrifflichkeiten geklart wurden, soll der eigentliche Gegenstand dieser Arbeit in den Fokus gestellt werden; namlich die Untersuchung der Intertextualitat in Ian McEwans Saturday. Hierbei soll gepruft werden, ob, in welcher Form und Zahl sowie zu welchem Zweck intertextuelle Referenzen von McEwan fur seinen Roman genutzt werden.

2.1 Zum Autor Ian McEwan und Saturday

Der in London lebende Bestseller-Autor Ian McEwan wurde am 21. Juni 1948 in Aldershot, England geboren (Malcolm 1). Er erwarb an den Universitaten von Sussex und East Anglia sowohl einen B.A. als auch einen M.A. in English Literature (ibid 2). McEwan hat im Laufe seiner Karriere eine lange Reihe von Auszeichnungen erhalten - nicht nur bereits seit 1976 fur seine Kurzgeschichten, sondern auch fur seine Ro- mane; so neben vielen anderen beispielsweise fur Amsterdam (1998), Atonement (2002, 2003, 2004) und auch fur Saturday (2006), den Gegenstand dieser Untersuchung (Official Ian McEwan Website). Einige seiner Romane wurden verfilmt, so z.B. The Cement Garden, The Comfort of Strangers und The Innocent (Malcolm 3). McEwan hat sich jedoch auch in anderen Genres ausprobiert und so auch Drehbucher, Oratorien und kurze Fernsehstucke geschrieben (ibid 182). In seinen Romanen behandelt McEwan aktuelle Themen und Gegenstande der modernen Gesellschaft: ganz allgemein gehalten sind Politik und Geschlechtsbeziehungen ebenso Gegenstand seiner Arbeiten wie (Natur-) Wissenschaft, Wirtschaft und nicht zuletzt naturlich auch menschliche Beziehungen und Emotionen wie Liebe und Hass sowie ethische Grundfragen. Saturday behandelt so nicht nur das gesellschaftliche Leben in London nach den Terroranschlagen des 11 .Septembers 2001, sondern betrachtet auch die verwobenen menschlichen Beziehungsgeflechte zwischen Familienmitgliedern, Freunden, Partnern und den Auswirkungen des Eindringens von Fremden in diese Beziehungen. McEwan widmet sich dabei vor allem auch der Psychologie seines Protagonisten Henry Perowne. Der trostende Stellenwert, den das Konzept Familie in Saturday einnimmt, wird stark kontrastiert von den Zerstorungskraften des Terrors, dem sich die Perownes v.a. durch die Figur des Baxter ausgesetzt sehen. Malcolm bemerkt zusatzlich, dass McEwan in seinen Werken haufig die Literatur selbst in den Fokus seiner Arbeit setzt, also ..difficulties, possibilities, and complexities of giving an account of things and of telling stories in general" (9f.). Daneben schreibt Malcolm Ian McEwan einen starken Fokus auf die Rolle der Frau und ausgepragten Rationalismus zu (ibid 12f.): Frauen verkorperten in seinen Werken oft „very traditional feminine stereotypes [...], victims [...] or mothers, mystics, and emotionalists" (ibid 14).

Der vor allem in Hinsicht auf die psychologischen Ablaufe seiner Protagonisten au&erst komplexe Inhalt des Romans Saturday kann hier aus Platzgrunden nicht in jedem Detail wiedergegeben werden. Der Roman erzahlt in der Gegenwart von einem einzigen Tag, dem 15. Februar 2003, in Henry Perownes Leben in London, unterbrochen stetig durch Ruckblicke sowie lange innere Monologe, durch die die Personen und Charaktere eindringlich und umfangreich Form erhalten. Ridley be­merkt, dass gerade diese inneren Monologe der Charaktere das sind, „that grips us“ (Ridley VII). Henry Perowne ist ein 48 Jahre alter Neurochirurg, glucklich verheiratet mit Rosalind, beruflich ebenfalls erfolgreich als Anwaltin einer gro&en Londoner Zeitung. Ihre Kinder Theo, trotz seiner jungen Jahre bereits erfolgreicher Bluesgitarrist, und Daisy, die bald ihren ersten Gedichtband herausgeben wird, gehen beide beruflich ihren kunstlerischen Neigungen und Talenten nach und erhalten darin volle Unterstutzung durch ihre Eltern. Saturday beginnt an einem fruhen Samstagmorgen, an dem Perowne nervos und „in an unusual state of mind“ (McEwan 17) in seinem Haus im Londoner Stadtteil Fitzrovia erwacht und ein Flugzeug am nachtlichen Himmel beobachtet, das er zunachst falschlicherweise fur das Werkzeug eines weiteren Terroranschlags halt. An jenem Tag soll zudem eine Friedensdemonstration gegen den Irak-Krieg in London stattfinden. Der so vorbelastete Tag wird durch eine Aneinanderreihung von Zufallen zu einem folgenschweren Ereignis in Henry Perownes vorher sorgenfreiem, sicherem und glucklichem Leben. Der an der Huntington'schen Krankheit leidende Kriminelle Baxter, den Perowne bereits morgens getroffen und in der Folge eines Autounfalls (ibid 81) verargert hat, verschafft sich auf Rache sinnend bewaffnet Zutritt zu

Perownes Haus (ibid 206), als seine Familie fur ein seltenes Familientreffen versammelt ist. Die Situation endet fur die Familie vergleichsweise glimpflich (nicht zuletzt durch die starke Wirkung des Gedichts „Dover Beach" von Matthew Arnold, rezitiert von Daisy (ibid 220), das Baxter eindringlich beruhrt und daher angreifbar gemacht hat); das private Sicherheitsgefuhl von Henry Perowne zeigt sich durch die Ereignisse dieses Samstags jedoch nachhaltig und tiefgreifend gestort. Perowne sieht sich in dieser Charakterstudie nicht nur den Bedrohungen des offentlichen Terrorismus (nach dem 11. September), sondern auch der Bedrohung seiner privaten Sicherheit (exemplarisch durch Baxter) ausgesetzt; jedoch ist auch die Bedrohung seines fortschreitenden Alters ein Grund fur seine innere Krisenstimmung, die im Lauf des Romans stetig anwachst.

Saturday ist durchgehend im Prasens geschrieben, durchsetzt von inneren Monologen, die teilweise nur Fragmente und Stucke von Gedanken und Impressionen des Protagonisten darstellen1. Wie im Rahmen des Seminars festgestellt wurde, bietet sich dem Leser von Saturday ein Mix aus direkter und indirekter Rede. Die erlebte Rede der dritten Person, dem allwissenden Erzahler sowie die second order observation erleichtern eine Identifikation des Lesers mit dem Erzahler. Die Erzahlzeit des Prasens fuhrt zu einer Dramatisierung der Ereignisse, da das Geschehen hier und jetzt stattfindet - verstarkt wird dieser Eindruck durch haufige Nutzung von Lokal- und Temporaldeiktika verscharft, die sich auf Zeit und Ort beziehen (im Seminar wurden hier die folgenden besonders haufig genannt: there, then, here, under etc.). Marcus halt hierzu fest, dass McEwans Romane im Allgemeinen haufig durch „a concern with time and the experience of temporality” (Marcus 83) gekennzeichnet sind. Zur Dramatisierung dessen wahlt McEwan oftmals ein einzelnes Ereignis aus; seine Methode ist die ..representation of the extended temporalities entailed in a singular occurence" (Marcus 83). In Saturday ist dies eine Aneinanderreihung von Zufallen mit dem Autounfall zwischen Baxter und Henry Perowne als zentralem, folgenreichem Ereignis2.

[...]


1 Diese und die folgenden Erlauterungen zur Erzahlzeit sind Notizen der Verfasserin zur seminarinternen Diskussion entnommen.

2 Zum Verhaltnis und der Rolle der Zeit in Saturday, vor allem in Hinblick auf die Intertextualitat mit Woolfs Mrs Dalloway, siehe Marc Curries Untersuchung About Time (2007).

Excerpt out of 15 pages

Details

Title
Intertextualität in Ian McEwans "Saturday"
College
Ruhr-University of Bochum  (Englisches Seminar)
Grade
2,3
Author
Year
2010
Pages
15
Catalog Number
V160098
ISBN (eBook)
9783640730407
ISBN (Book)
9783640730599
File size
403 KB
Language
German
Tags
Intertextualität, Englisch, McEwan, Intertextuality, Saturday, Postmodernismus, Postmodernism
Quote paper
Mareike Jacob (Author), 2010, Intertextualität in Ian McEwans "Saturday", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160098

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Title: Intertextualität in Ian McEwans "Saturday"


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