John Maynard Keynes: The General Theory of Employment, Interest and Money - Konsumfunktion und Multiplikator


Seminararbeit, 2010
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DIE KONSUMNEIGUNG
2.1 Bedeutung in Bezug auf die effektive Nachfrage und die Beschäftigung
2.2 Die objektiven Einflussfaktoren
2.3 Die subjektiven Einflussfaktoren

3. DER MULITPLIKATOR
3.1 Entwicklung der Multiplikatortheorie
3.2 Die marginale Konsumneigung und der Multiplikator nach Keynes
3.3 Probleme und Kritik im Hinblick auf die Multiplikatortheorie

4. FAZIT

5. LITERATURVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

Am 24. Oktober 1929, dem sogenannten "Schwarzen Freitag" brach die New Yorker Börse zusammen. Dieser folgenschwere Tag war der Beginn der "Great Depression", die den historischen Hintergrund für die "General Theory of Employment, Interest and Money" von John Maynard Keynes legte. Die Great Depression beherrschte die Jahre 1929 bis 1933, in denen die weltweite Produktion massiv einbrach und Arbeitslosigkeit ein kollektives Phänomen war.[1]Die damals vorherrschende ökonomische Theorie der Klassiker vertraute auf die selbststabilisierenden Kräfte der Wirtschaft und propagierte Enthaltsamkeit seitens der Politik. Nach, der damals dominierenden Meinung der Klassiker, würden sinkende Löhne und Preise eine Gegentendenz auslösen, die letztendlich die Wirtschaft wieder in ihr Gleichgewicht bei Vollbeschäftigung bringt. Diese Voraussetzungen waren in der Weltwirtschaftskrise erfüllt, Preise und Löhne sanken im großen Umfang, jedoch war eine Tendenz zur Rückkehr zur Vollbeschäftigung nicht erkennbar.[2]Keynes folgerte vor diesem Hintergrund, dass sich die in einer Krise automatisch ausgelöste Tendenz zur Rückkehr zum Gleichgewicht, wenn überhaupt vorhanden, nur sehr langsam und "schmerzhaft" vollzog.[3]Dies verlangte, laut Keynes, nach einer neuen Theorie, die die wahren Gründe der Arbeitslosigkeit beschrieb und zugleich den Weg aus der Krise aufzeigte. Keynes leitendes Interesse bestand darin eine Theorie zu entwickeln, welche die Realität der Krise abbildete und der Wirtschaftspolitik praktische Ratschläge lieferte, wie eine Krise bewältigt werden konnte.[4]Diese Arbeit widmet sich zwei zentralen Gegenständen der "General Theory", nämlich dem Konsum und dem Multiplikator.

Dazu werden zunächst in Kapitel 2 die subjektiven, sowie die objektiven Einflussfaktoren des Konsums beschrieben. Zudem wird die Bedeutung des Konsum für die effektive Nachfrage und die Beschäftigung dargestellt.

Kapitel 3 behandelt die Multiplikatortheorie. Dazu wird zunächst kurz die Entstehung der Multiplikatortheorie aufgezeigt. Es folgt der konkrete Multiplikator nach Keynes. Abschließend werden Probleme und Kritik im Hinblick auf die keynesianische Konsum- und Multiplikatortheorie diskutiert.

Das Fazit fasst die vorausgegangenen Kapitel zusammen und beinhaltet einen Ausblick.

2. DIE KONSUMNEIGUNG

Keynes unterscheidet bei den Faktoren, die den Konsum in seiner Höhe beeinflussen in objektive und subjektive. Dabei definiert Keynes die Konsumneigung als die funktionale Beziehung zwischen einem gegeben Einkommen und der Höhe der Konsumausgaben.[5]Bevor diese im Folgenden näher erläutert werden, wird die Konsumneigung kurz in das Gesamtsystem der keynesianschen Theorie eingeordnet.

2.1 Bedeutung in Bezug auf die effektive Nachfrage und die Beschäftigung

Die zentrale Fragestellung der "General Theory" ist die Analyse der Determinanten des Beschäftigungsvolumens.[6]Um die Bestimmungsgrößen der Beschäftigung darstellen zu können, führt Keynes das Konzept der effektiven Nachfrage ein. Diese ist die zentrale Größe für die Beschäftigung in einer Volkswirtschaft. Die effektive Nachfrage wird durch zwei Faktoren bestimmt, nämlich durch den Konsum und die Investitionen.[7]Ein bestimmtes Beschäftigungsniveau, im optimalen Fall das Vollbeschäftigungsniveau, kann nur aufrechterhalten werden, wenn die effektive Nachfrage groß genug ist das Güterangebot vollständig zu absorbieren.[8]Dies veranschaulicht die Wichtigkeit der Faktoren Konsum und Investitionen. Falls die Höhe des Konsums nicht ausreicht das Güterangebot vollständig zu absorbieren (entspricht dem Normalfall, siehe 3.2), dann muss diese Lücke durch die Investitionen geschlossen werden. Die Investitionen werden bestimmt durch den Zinssatz und die "marginal efficiency of capital", welche der erwarteten Rentabilität eines Investitionsprojektes entspricht. Falls die erwartete Rentabilität höher ist als der Zinssatz, wird eine Investition getätigt. Da die Investitionen durch die Erwartungen über die Zukunft bestimmt werden unterliegen sie großen Schwankungen, was gleichzeitig die Schwankungen des Beschäftigungsniveaus erklärt.[9]Es bleibt zu klären welche Faktoren den Konsum beeinflussen. Diese werden im Folgenden näher erläutert.

2.2 Die objektiven Einflussfaktoren

Als ersten und wichtigsten objektiven Einflussfaktor für den Konsum nennt Keynes die Höhe des Einkommens. Dabei definiert Keynes das Einkommen in "Wage-units". Diese beschreiben den Geldlohn für eine Arbeitsstunde. Zudem geht Keynes von einer stabilen Beziehung zwischen dem Nominal- und Reallohn aus. Somit führt ein steigender Nominallohn zu einem höheren Reallohn und somit zu höheren Konsumausgaben.[10]

Desweiteren nennt Keynes das Verhältnis zwischen Nominallohn und Reallohn als Determinante des Konsums. Wie oben bereits erläutert beschreibt Keynes das Verhältnis zwischen Nominal- und Reallohn als relativ stabil, falls es jedoch bei steigendem Nominaleinkommen zu keiner Realeinkommenserhöhung kommt, so wird dies keinen Einfluss auf die Konsumausgaben haben. Im umgekehrten Sinne wird eine Reallohnerhöhung, die sich nicht in einer Erhöhung des Nominallohn widerspiegelt, einen positiven Einfluss auf die Konsumausgaben haben. Gleichzeitig bezweifelt Keynes die praktische Relevanz dieses Einflussfaktors.[11]

Ein weiterer objektiver Einflussfaktor sind unvorhersehbare Änderungen der Vermögenswerte. Diese stellen einen wichtigen Faktor dar, da sie in keiner stabilen Beziehung zum Einkommen stehen. Insbesondere sind vermögende Gesellschaftsschichten anfällig auf Vermögensänderungen. Keynes sieht diesen Faktor als einen Hauptgrund für kurzfristige Schwankungen der Konsumneigung.[12]

Als vierten Punkt nennt Keynes Änderungen der Zeitpräferenz. Für die Zeitpräferenz wird der Zinssatz als Näherungswert herangezogen, obgleich dieser nur vorhersehbare Änderungen der Kaufkraft einbezieht. Unvorhersehbare Ereignisse wie ein frühzeitiger Tod werden somit nicht ins Kalkül genommen. Anzunehmen wäre, dass eine Erhöhung des Zinssatzes die gegenwärtigen Konsumausgaben verringern würde, Keynes jedoch bezweifelt solch eine einfache Beziehung zwischen dem Zinssatz und den Konsumausgaben. Moderate Änderungen des Zinssatzes sind in Bezug auf die Konsumausgaben in der kurzen Frist relativ unbedeutend, jedoch können sehr geringe Zinssätze zu einem negativen Sparen führen, sprich zu Konsum, der durch Kredite finanziert wird.[13]

Als weiteren objektiven Einflussfaktor nennt Keynes Änderungen in der Fiskalpolitik. So können sich Steuern auf das Vermögen positiv auf die Konsumneigung auswirken, weil das Sparen (als Nichtkonsum) unattraktiver wird. Zudem befürwortet Keynes Steuern als Instrument zur Umverteilung von Einkommen von wohlhabenden Schichten zu ärmeren Bevölkerungsschichten. Dies begründet er mit der, durch die Umverteilung hervorgerufenen, höheren aggregierten Konsumneigung (siehe 3.2).

Als letzter Punkt sind die Erwartungen über das Verhältnis zwischen gegenwärtigem und zukünftigen Einkommen zu nennen. So ist anzunehmen, dass sich Erwartungen über ein in der Zukunft höheres Einkommen, positiv auf die gegenwärtigen Konsum auswirken. Keynes räumt zugleich ein, dass dieser Punkt in erster Linie aus Gründen der Vollständigkeit aufgeführt wird, da sich individuelle Schwankungen der Erwartungen im Aggregat ausgleichen.[14]

2.3 Die subjektiven Einflussfaktoren

Es bleibt zu klären welche subjektiven Faktoren die Konsumausgaben beeinflussen. Dabei unterscheidet Keynes auf einer Seite subjektive Einflussfaktoren von Individuen und auf der anderen Seite von Regierungen, Institutionen und Unternehmen. Die subjektiven Einflussfaktoren von Individuen, die Gründe für einen Konsumverzicht darstellen sind: Reserven für unvorhersehbare Ereignisse; Reserven für zukünftige Ausgaben im Alter oder für Bildung; Realisierung von Zinserträgen und Wertsteigerungen, da ein höherer zukünftiger Konsum einem gegenwärtig niedrigerem Konsum vorgezogen wird; die sukzessive Steigerung der Konsumausgaben, da die Perspektive eines sich erhöhenden Lebensstandards einem sinkenden vorgezogen wird; das angenehme Gefühl der Unabhängigkeit und der Handlungsmacht, jedoch ohne einer konkreten Intention zu einer Handlung; die Haltung von Liquidität für Spekulations- und Investitionszwecke; die Möglichkeit Vermögen vererben zu können und zuletzt der Konsumverzicht aus reinem Geiz.

Desweitern nennt Keynes Motive für den Konsumverzicht auf Seiten von Regierungen Institutionen und Unternehmen, nämlich die Innenfinanzierung von Investitionen; Liquidität für Notfälle und wirtschaftliche Depressionen; die Sicherstellung eines wachsenden Einkommens, da dieses das Management vor Kritik schützt, weil selten zwischen wachsendem Einkommen aus Akkumulation und Effizienzgewinnen unterschieden wird.[15]

Keynes folgert, dass die Stärke der subjektiven Einflussfaktoren abhängig ist von den gegebenen Institutionen, der Organisation der Wirtschaft und den Gewohnheiten, die durch Rasse, Bildung, Erfahrung, Religion und Konventionen bestimmt werden. Diese Determinanten der Stärke unterliegen nur langfristig Änderungen. Aus diesem Grund haben sie in der kurzen Frist, welche eine Wirtschaftskrise darstellt, keinen Einfluss auf die Konsumneigung.[16]

Keynes nimmt also die subjektiven Einflussfaktoren als konstant an. Aus den objektiven Einflussfaktoren ist vor allem das Einkommen der wichtigste Faktor für den Konsum, die restlichen objektiven Einflussfaktoren stellt er in der Sammelvariablen "propensity to consume" dar. Es ergibt sich also folgende Konsumfunktion: C= cY, mit c als Konsumneigung und Y als Höhe des Einkommens.[17]

[...]


[1]vgl. Willke (2002), S. 13

[2]vgl. Keynes [1936](2006), S. 8 f.

[3]vgl. Krugman in Keynes [1936](2006), S. XXVII

[4]vgl. Schumpeter (1946), S.499

[5]vgl. Keynes [1936](2006), S. 90

[6]vgl. Keynes [1936](2006), S. 89

[7]vgl. Keynes (1937), S. 219

[8]vgl. Keynes [1936](2006), S. 30

[9]vgl. Keynes (1937), S. 221

[10]vgl. Keynes [1936](2006), S. 41

[11]vgl. Keynes [1936](2006), S. 92

[12]vgl. Keynes [1936](2006), S. 93

[13]vgl. Keynes [1936](2006), S. 94

[14]vgl. Keynes [1936](2006), S. 95

[15]vgl. Keynes [1936](2006), S. 109

[16]vgl. Keynes [1936](2006), S. 110

[17]vgl. Keynes [1936](2006), S. 96

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
John Maynard Keynes: The General Theory of Employment, Interest and Money - Konsumfunktion und Multiplikator
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V160111
ISBN (eBook)
9783640730421
ISBN (Buch)
9783640730605
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
John, Maynard, Keynes, General, Theory, Employment, Interest, Money, Konsumfunktion, Multiplikator
Arbeit zitieren
Markus Figiel (Autor), 2010, John Maynard Keynes: The General Theory of Employment, Interest and Money - Konsumfunktion und Multiplikator, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160111

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