Neue Evidenzen zu Nationalen Vermögensfonds


Diplomarbeit, 2010

64 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

Abkürzungverzeichnis

1. Einleitung

2. Nationale Vermögensfonds - Ein Überblick
2.1 Definition und Abgrenzung
2.2 Hintergründe zur Bildung Nationaler Vermögensfonds
2.3 Auswirkungen auf die Volkswirtschaften
2.3.1 Die Geberländer
2.3.2 Die Nehmerländer

3. Der Einfluss von Nationalen Vermögensfonds auf die internationalen Kapitalmärkte
3.1 Die Portfoliostrukturierung Nationaler Vermögensfonds
3.2 Investitionsstrategien
3.3 Nationale Vermögensfonds und Aktienkurse
3.4 Nationale Vermögensfonds und Wechselkurse

4. Kritik an Nationalen Vermögensfonds
4.1 Die Transparenzproblematik
4.2 Politische Motivationen
4.3 Protektionismus
4.4 Regulierung
4.5 The Santiago Principles - Auf dem Weg zu mehr Transparenz

5. Ausblick

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In den letzten Jahren sorgten Nationale Vermögensfonds für Aufsehen. Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik zeigten sich besorgt über die Präsenz dieser staatlichen Investiti­onsvehikeln. Dabei sind staatliche Investmentfonds keine neue Erfindung und begleiten die Finanzmärkte bereits mehrere Jahrzehnte. Das von Nationalen Vermögensfonds weltweit ver­waltete Vermögen ist doppelt so groß wie das der Hedgefonds-Branche. Die Regierungen hinter diesen Fonds verwalten etwa drei Billionen US-Dollar. Die Vermögensverwaltungs­strategien können nach eigenem Ermessen entwickelt und eingesetzt werden. Ferner unterlie­gen sie als staatliche Entitäten keiner privatwirtschaftlichen Regulierung oder angemessenen Rechenschaftspflichten gegenüber Dritten. Durch die vorherrschende Intransparenz hat die Außenwelt nahezu keinen Einblick in die Strategien und Strukturen von Nationalen Vermö­gensfonds. Allein die Eigeninitiative verpflichtet das Fondsmanagement zu Offenlegung und Transparenz. Dies sorgt für Unsicherheit bei privaten und staatlichen Marktteilnehmern.[1]

Die Hedgefonds-Branche gilt bereits länger als einflussreich. Gingen in der jüngeren Ge­schichte der Finanzmärkte doch spekulative Angriffe von ihnen aus. Nun werden auch die Nationalen Vermögensfonds in ihrer Gesamtheit als systemisch relevant angesehen und es entstand eine Debatte darüber, ob diese Marktteilnehmer anders zu behandeln sind als be­kannte Investmentfonds. Aus Angst davor es könnten andere als rein finanzielle Interessen hinter Investitionen von Nationalen Vermögensfonds stehen, wuchsen in den Industrieländern protektionistische Bestrebungen. Es wurden Arbeitsgruppen gebildet, politische Maßnahmen angekündigt und Kommentare von verschiedenen Seiten gegeben. Schließlich sind in einigen Ländern Gesetze novelliert und ein freiwilliger Verhaltenskodex entwickelt worden.[2]

Das bislang bekannte Finanzmarktgefüge verändert sich. Es sind nun nicht mehr nur private Anleger aus den Industriestaaten die weltweit Milliarden Investieren und versuchen hohe Renditen zu erzielen. Die Regierungen vieler Länder der aufstrebenden Volkswirtschaften[3] haben teilweise immenses Kapital gesammelt und wandeln sich zu bedeutenden Kapitalge­bern an den internationalen Finanzmärkten. Sie investieren in westlichen Unternehmen und stellen oftmals einflussreiche Anteilseigner dar. Der Gedanke liegt nahe, dass auf diese Weise ein Wissenstransfer in Richtung der aufstrebenden Volkswirtschaften stattfindet. Die Indust­riestaaten befürchten eine Unterwanderung sensibler Industrien und den Ausverkauf strategi­sche wichtiger Unternehmen an die Regierungen der aufstrebenden Volkswirtschaften.[4]

Das erste Kapitel soll an das Thema heranzuführen und einen Überblick über Nationale Ver­mögensfonds geben. Es gibt verschiedene Arten von staatlichen Investmentfonds, die das na­tionale Vermögen verwalten. Es ist nicht immer einfach, die teils feinen Unterschiede zwi­schen einzelnen Gattungen Nationaler Vermögensfonds zu erkennen. Eine Klassifikation kann aus verschiedenen Perspektiven vorgenommen werden. Eine Möglichkeit besteht darin, die Fonds nach ihren makroökonomischen oder politischen Aufgaben zu identifizieren. Da wären beispielsweise Generationsfonds, Stabilitätsfonds oder Pensionsfonds. Die zweite Möglichkeit ist die Unterscheidung nach der Quelle des Fondsvermögens. Es gibt zwei Arten, dach denen hier klassifiziert werden kann: Auf Rohstoffen basierende und nicht auf Rohstof­fen basierende Nationale Vermögensfonds.[5] Ferner werden im ersten Kapitel Hintergründe zur Bildung Nationaler Vermögensfonds erläutert und die Auswirkungen der Existenz und der Handlungen auf die beteiligten Volkswirtschaften angeführt.

Ob Nationale Vermögensfonds tatsächlich eine wesentliche Rolle auf den globalen Kapital­märkten spielen, wird im zweiten Kapitel diskutiert. In einzelnen Betrachtungen wird zu­nächst die Portfoliostruktur Nationaler Vermögensfonds untersucht und mit derer privater Investoren verglichen. Dabei ist das Problem der mangelnden Transparenz allgegenwärtig. Ebenso wie bei der Analyse der Investitionsstrategien, die im Anschluss folgt. Der Einfluss auf Vermögenspreise und speziell Aktienkurse und Wechselkurse ist ein weiterer Teil des zweiten Kapitels. Für die Annahme der Systemrelevanz von Nationalen Vermögensfonds müsste hier ein Beweis zu finden sein. Zu dem Einfluss auf die Vermögenspreise gibt es em­pirische Untersuchungen, deren Ergebnisse sehr aufschlussreich sind und Nationale Vermö­gensfonds als wichtige Investoren darstellen.[6]

Das dritte Kapitel widmet sich der Kritik an Nationalen Vermögensfonds. Diese kommt aus der Wirtschaft wie aus der Politik. Es werden ausgewählte protektionistische Bestrebungen und Regulierungsvorhaben diskutiert. In Bezug auf den Sinn und die Durchsetzungsmöglich­keiten sind einige der Vorhaben für die Weltwirtschaft eher hinderlich als fördernd. Es stellt sich die Frage, wie man mit diesen Investmentfonds in staatlichem Besitz umzugehen hat. Schnell findet man dabei heraus, dass für Nationale Vermögensfonds keine gesonderte Be­handlung in Frage kommt. Wie aber löst man das Problem der mangelnden Transparenz und der dadurch entstehenden Unsicherheit? Einen Anfang machen die Generally Accepted Prac­tices and Principles. Sie stellen einen freiwilligen Verhaltenskodex dar, der den Marktteil­nehmern Sicherheit geben soll. Doch kann man sich auf die Einhaltung eines freiwilligen Ko­dex blind verlassen?[7]

2. Nationale Vermögensfonds - Ein Überblick

Dieses Kapitel wird Ihnen zunächst die Unterschiede und Gemeinsamkeiten verschiedener Nationaler Vermögensfonds vorstellen. Das Ziel ist es, die Nationalen Vermögensfonds zu identifizieren und zu anderen Instrumenten staatlicher Investitionen und privaten Vermögens­fonds abzugrenzen. Diese Vorgehensweise ist für die genauere Betrachtung der Nationalen Vermögensfonds unverzichtbar. Im Weiteren wird dargestellt, wie es zur Bildung Nationaler Vermögensfonds kommt und ob sich diese von anderen Staatsfonds unterscheiden. Die Aus­wirkungen speziell nicht zweckgebundener Nationaler Vermögensfonds auf die Volkswirt­schaften werden im Anschluss dargestellt.

2.1 Definition und Abgrenzung

Es gibt in der Fachliteratur keine allgemein akzeptierte Definition eines Nationalen Vermö­gensfonds (NV). Diese spezielle Art Fonds, die ausschließlich nationale Vermögensgegen­stände verwaltet, hat in ihrer noch relativ jungen Geschichte für Aufsehen gesorgt. Beispiels­weise ist in der englischsprachigen Literatur die Begrifflichkeit des Sovereign Wealth Funds (SWF) erst seit 2005 regelmäßig in der Literatur zu finden.[8] Die Übersetzung dieses Begriffs ins Deutsche darf nicht wörtlich erfolgen. Ein SWF ist kein souveräner Vermögensfonds in dem Sinne, dass dieser eigenständig oder unabhängig ist. Vielmehr bezieht sich das Wort so­vereign auf die Staatlichkeit des Vermögensfonds. Die Übersetzung mit den Begriffen Staats­fonds oder Nationaler Vermögensfonds ist daher treffender. In der deutschsprachigen Litera­tur werden die Begriffe Staatsfonds und Nationaler Vermögensfonds analog verwendet. Ob­wohl einige Nationale Vermögensfonds schon länger existieren, hat das Gros nur wenige Jah­re Zeit gehabt, sich zu profilieren. Die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), der welt­größte Nationale Vermögensfonds und Singapurs Staatsfonds Temasek und die Government Investment Corporation (GIC) versorgen erfolgreich die internationalen Finanzmärkte seit Jahrzehnten mit Liquidität. Eine dezidierte Definition zu finden gestaltet sich entsprechend schwierig. Vielmehr wird eine Abgrenzung zu anderen staatlichen und privaten Fondsarten vorgenommen. Die so gewonnenen spezifischen Merkmale identifizieren einen Nationalen Vermögensfonds.[9]

Zunächst lassen sich zwei Arten von Fonds beschreiben. Private Vermögensfonds verwalten hauptsächlich das Vermögen des privaten Sektors und verfolgen das primäre Ziel der Profit- maximierung. Die Investitionsentscheidungen sind regelmäßig rendite- und diversifikations­orientiert. Zu den privaten Vermögensfonds gehören unter anderem offene Investmentfonds, Immobilienfonds und Hedgefonds. Den Hedgefonds wird dabei eine besondere Rolle im Ka­pitalmarktgefüge zuteil. Dies gründet im Wesentlichen auf dem Umfang des von Hedgefonds verwalteten Vermögens. Ende des Jahres 2009 kontrollierten Hedgefonds gemäß des Interna­tionalen Währungsfonds mehr als zwei Billionen US-Dollar. Die beträchtliche Summe ent­spricht etwa 75 Prozent des Volumens vor der jüngsten Finanzkrise.[10] Die privaten Fonds zeichnen folgende charakterisierende Gemeinsamkeiten aus. Sie alle haben direkte Gläubiger mit Rendite- und Rückzahlungsansprüchen. Ihre Wertentwicklung unterliegt stetiger Kontrol­le durch die Anspruchsteller und den Kapitalmarkt, auf dem ihre Anteile gehandelt werden. Bei dieser Art Fonds herrscht somit eine hohe Transparenz durch die Rechenschaftspflicht gegenüber Dritten. Wie im Weiteren Verlauf noch ausführlicher dargestellt wird, ist dies ein wesentlicher Unterschied zu Nationalen Vermögensfonds.[11]

Beinahe eine Billion US-Dollar umfasst das verwaltete Vermögen privater Finanzinvestoren. Kennzeichnend ist, dass so genannte Private Equity Unternehmungen, ebenso wie Hedge­fonds, mit einem hohen Verschuldungsgrad und somit sehr risikoreich agieren. Sie bedienen sich des so genannten Leverage-Effekts.[12] Auf diese Weise erzielen sie höhere Eigenkapital­renditen. Eine, den Profit maximierende Strategie, ist kennzeichnend für diese Art Investiti- onsvehikel.[13] Es wird also eher zu Lasten einer ausgewogenen Risikodiversifizierung und für eine höhere Rendite entschieden. Private Equity Gesellschaften stellen auch selten einen pas­siven Investor mit langfristigem Anlagehorizont dar. In späteren Kapiteln wird noch erläutert werden, dass auch hier ein Kernunterschied zu Nationalen Vermögensfonds besteht. Die Ge­meinsamkeit besteht bei beiden institutionellen Investoren klar darin, dass eher größere Betei­ligungsvolumina erworben werden.

Öffentliche Vermögensfonds verwalten dementsprechend das öffentliche Vermögen. Aller­dings ist dies nicht per se der Fall. Denn öffentliche Fonds können auch privates Vermögen verwalten. Beispielsweise kann dies bei staatlichen Pensionsfonds der Fall sein. Diese Fonds werden seitens der Regierung aufgesetzt und obliegen dem Zweck der sozialen Sicherung. In diesem Fall setzt sich das Fondsvermögen aus Zahlungen von Arbeitnehmern und monetären Transfers des jeweiligen Staates zusammen. Es werden also nicht nur Gelder des öffentlichen Sektors verwaltet. Diese Art Pensionsfonds ist oftmals Teil des sozialen Sicherungssystems und wird als solches durch Einheiten des öffentlichen Sektors verwaltet. Allerdings müssen die Ansprüche aus Beitragszahlungen und Wertzuwächsen finanziert werden. Eine garantierte Zusatzfinanzierung durch den öffentlichen Sektor findet nicht statt. Als Beispiel führen Blu- dell-Wignall, Hu und Yermo den Canada Pension Plan (CPP) an.[14]

Es kommt allerdings auch vor, dass beschriebene Pensionsfonds zwar von der öffentlichen Hand aufgesetzt werden, sie aber keine permanenten Rentenzahlungen des sozialen Siche­rungssystems zu tragen haben. Ist dies der Fall, bezeichnet man sie als nationale oder staatli­che Pensionsfonds. Sie unterliegen sodann nur mittelbar der Befriedigung von Pensionsan­sprüchen. Zum Teil besteht eine mehrere Jahrzehnte lange Ausschüttungssperre. Fast aus­schließlich staatliche Transfers speisen das Fondsvermögen. Der Zweck besteht hauptsächlich darin, zukünftige Defizite der sozialen Sicherungssysteme zu parieren.[15] Öffentliche Pensi­onsfonds verwalten etwa 28,5 Billionen US-Dollar.[16]

Gleichwohl existieren staatliche Vermögensfonds, die ausschließlich aus staatlichen Transfers gespeist werden. Entweder aus Währungsreserven oder permanenten Leistungsbilanzüber­schüssen. Sie sind ähnlich den genannten Pensionsfonds staatlichen Ursprungs und unterlie­gen direkt oder indirekt der jeweiligen Regierung. Aufgabe und Zielsetzung dieser Fonds muss de facto nicht gegeben sein. Sie verfolgen keinen der zuvor genannten Zwecke anderer Fonds. Zumindest nicht primär oder eindeutig erkennbar. Es kann also zuerst folgendes fest­gehalten werden: Es gibt Nationale Vermögensfonds die sich per Negativabgrenzung gegen­über anderen nationalen Vermögensfonds derart zu unterscheiden, dass sie keinen der zuvor genannten Zwecke verfolgen. Erkennbar ist, dass die Nationalen Vermögensfonds verschie­dener Länder durchaus unterschiedliche makroökonomische Ziele verfolgen. Michell, Piggott und Kumru führen die folgend genannten Beispiele an: Der australische Nationale Vermö­gensfonds konzentriert sich darauf, durch Akkumulation fiskalischer Überschüsse späteren ökonomischen Schocks zu begegnen. Es ist also eine intertemporale Stabilitätsfunktion er­kennbar. Ebenso versucht der japanische Staatsfonds zukünftigen demographischen Un­gleichgewichten im Zusammenhang mit dem sozialen Sicherungssystem entgegenzuwirken. Es ist auch, wie im Fall des norwegischen Staatsfonds, ein Horten von Erlösen aus der Aus­beutung natürlicher Ressourcen vorgesehen.[17]

Nationale Vermögensfonds können so in fünf verschiedene Gattungen aufgeteilt werden:

- Zunächst sind die bereits beschriebenen Pensionsfonds zu nennen. Stabilitätsfonds werden von Ländern eingerichtet, die reich an natürlichen Ressourcen sind. Sie sollen die Wirtschaft von Schwankungen der Rohstoffpreise abschirmen. Diese Fonds bauen Vermögen in Zeiten hoher Rohstoffpreise auf und liquidieren diese zur Stabilisierung der Wirtschaft in Zeiten niedriger Preise.

- Die Generationenfonds haben die Aufgabe, Vermögen aus Rohstoffvorkommen in an­dere Vermögensgegenstände zu transferieren und für spätere Generationen vorzusor­gen. Sie verändern die Vermögensstruktur von nicht erneuerbarem Vermögen zu in­ternationalem Finanzvermögen und erzielen so einen Diversifikationseffekt.

- Sogenannte Reserve Investment Corporations versuchen, die Opportunitätskosten der Haltung von Währungsreserven durch die Zentralbanken zu reduzieren. Diese staatli­chen Investitionsvehikel führen Währungsreserven einer effizienteren Verzinsung durch die Anlage in internationale Finanzanlagen zu.

- Entwicklungsfonds sammeln Vermögen für sozioökonomische Investitionsprojekte. Diese Investitionen stellen vornehmlich Engagements in Bereichen der öffentlichen Güter, beispielsweise der Infrastruktur dar.[18]

Andere konkretisieren ihre Definitionen auf folgende Weise: Ein Nationaler Vermögensfonds ist vorerst mal eine Ansammlung von Vermögensgegenständen aus nationalem Besitz. Ein Nationaler Vermögensfonds wird zur Diversifikation und zur Verbesserung der Verwendung von Erlösen aufgelegt. Im speziellen Fall resultieren diese Erlöse aus Rohstoffvorkommen wie Erdöl und Erdgas. Im Hintergrund steht oftmals der Schutz der Binnenwirtschaft vor Schwankungen der Rohstoffpreise. Auch deswegen investieren gerade Stabilisierungsfonds kennzeichnenderweise in ausländische Aktiva. Darüber hinaus verfolgen Staatsfonds auch industriepolitische Ziele. Im Falle eines Nationalen Vermögensfonds von Singapur, der Te- masek Holdings, sind es regionale Entwicklungsprojekte.[19]

Truman definiert Nationale Vermögensfonds als eine Ansammlung von inländischen und in­ternationalen Vermögensgegenständen, die im Besitz der Regierung sind und auch in dessen Verwaltung liegen. Die Hauptziele sind laut Truman vor allem verschiedene ökonomischer und finanzieller Natur. So unter anderem die Akkumulation und Verwaltung von Währungs­reserven, die Stabilisierung makroökonomischer Effekte und den intertemporalen Transfer von Vermögen.[20]

Wenn das Vermögen eines Nationalen Vermögensfonds aus Fremdwährungsreserven gespeist wird, muss eine klare Differenzierung zu traditionellen staatlichen Institutionen vorgenom­men werden. Nationale Vermögensfonds sind keine offiziellen monetären Staatsorgane die Fremdwährungsreserven verwalten um die Zahlungsbilanz im Gleichgewicht zu halten oder andere finanzpolitische Ziele zu verfolgen. Zwar agieren Nationale Vermögensfonds im Ver­hältnis zu privaten Investmentfonds oder Private Equity Gesellschaften risikoavers, aber trotzdem nicht so konservativ und das Risiko meidend wie Staatsorgane.[21]

Meist sind es rohstoffexportierende Staaten die Staatsfonds auflegen. Dies wird deutlich, wenn man folgende, am verwalteten Volumen gemessene, Fonds ansieht. Erstrangig ist der Staatsfond der Vereinigten Arabischen Emirate zu nennen. Die Abu Dhabi Investment Autho­rity (ADIA) verwaltet bis zu 875 Milliarden US-Dollar. Im Fall der Vereinigten Arabischen Emirate ist Erdöl der relevante Rohstoff. Ein anderes Beispiel ist der norwegische Govern­ment Pension Fund Global. Dieser Staatsfonds verwaltet etwa 322 Milliarden US-Dollar aus der Förderung und dem Export des Rohstoffes Erdgas. Weitere Beispiele sind die Qatar In­vestment Authority (QIA), die Kuwait Investment Authority (KIA) und die Saudi Arabian Monetary Authority (SAMA).[22]

Sollten Fremdwährungsreserven die Motivation zur Bildung eines Nationalen Vermögens­fonds sein, ist die China Investment Corporation (CIC) wohl zuerst zu nennen. Die CIC ver­waltet etwa 200 Milliarden US-Dollar. Blundell-Wignall, Hu und Yermo kommen bei ihren Berechnungen zu dem Ergebnis, dass Nationale Vermögensfonds Vermögensgegenstände im Umfang von 2,6 Billionen US-Dollar verwalten. Begründet durch hohe Rohstoffpreise, einen schwachen US-Dollar und die momentane Politik Währungsreserven anzulegen, sprechen sie den Nationalen Vermögensfonds zudem beträchtliche Wachstumsraten zu. Chinas Interventi­onspolitik auf dem Devisenmarkt sorgt für wachsende Währungsreserven. Von September 2006 bis Dezember 2007 war ein Anstieg um mehr als 80 Prozent zu verzeichnen. Einen Großteil dieser Reserven transferiert China in die CIC.[23]

Ein Nationaler Vermögensfonds kann also beschrieben werden als ein Investmentfond, der direkt oder indirekt von einer Regierung geleitet wird. Nationale Vermögensfonds verwalten hauptsächlich Vermögensgegenstände des nationalen Besitzes. Resultiert das verwaltete Vermögen aus Rohstoffvorkommen wie Öl und Gas, nennt man sie auch rohstoffbasierte Na­tionale Vermögensfonds. Sind Fremdwährungsreserven oder permanente Leistungsbilanz­überschüsse die Gründe, nennt man sie entsprechend nicht rohstoffbasierte Nationale Vermö­gensfonds. Die Anlage der Vermögensgegenstände ist nicht per se zweckgebunden. Aller­dings lassen sich durch sie diverse makroökonomische Ziele verfolgen. Beispiele sind Preis­stabilität, intertemporaler Vermögenstransfer und Risikodiversifikation durch Investitionen auf den globalen Finanzmärkten. Staatsfonds arbeiten nur mit geringem Verschuldungsgrad. Sie weisen keine nennenswerten Verbindlichkeiten auf und unterliegen so keiner Rechen­schaftspflicht gegenüber Dritten. Sie stellen eine art Chimäre aus Private Equity Gesellschaf­ten und Zentralbanken dar.[24]

2.2 Hintergründe zur Bildung Nationaler Vermögensfonds

Die Bildung Nationaler Vermögensfonds ist weniger eine aktive Entscheidung von Staaten, als vielmehr eine logische Konsequenz. Wie später noch genauer erläutert werden wird, wuchsen in jüngster Vergangenheit Bedenken bezüglich der Existenzgründe und Absichten dieser staatlichen Investitionsvehikel. Nationale Vermögensfonds sind eine Konsequenz aus persistenten Leistungsbilanzüberschüssen und der Akkumulation von Nettoauslandsaktiva. Dieses Verhalten ist vor allem bei asiatischen Staaten zu beobachten. Durch die Gründung eines Nationalen Vermögensfonds behält die jeweilige Staatsregierung die Kontrolle über diese Nettoauslandspositionen. In rohstoffexportierenden Staaten, wie denen aus der Region des persischen Golfs, resultieren die Ansammlungen von Auslandsaktiva direkt aus der Ver­äußerung des Rohstoffes.[25]

Der Transfer von Fremdwährungsreserven von der Zentralbank hin zu anderen staatlichen Einheiten wie Nationalen Vermögensfonds ist allein auf Grund des Volumens sinnvoll. Schät­zungen zur Folge beträgt das Vermögen von Staatsfonds, die direkt aus Rohstoffverkäufen gespeist werden, zwei Drittel des gesamten von Staatsfonds gehaltenen Vermögens. Allein die vier größten Nationalen Vermögensfonds aus der Region des persischen Golfs, die Abu Dhabi Investment Authority, die Kuwait Investment Authority, die Qatar Investment Authori­ty und der Dubai International verwalten gemeinsam etwa eine Billion US-Dollar. Der nor­wegische Government Pension Fund Global hält Vermögensgegenstände in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar. Der russische Oil Stability Fund hat einen Umfang von etwa 100 Milli­arden US-Dollar. Einzig in Saudi-Arabien werden die Erlöse aus dem Handel mit Öl von der Zentralbank zusammen mit den regulären Währungsreserven verwaltet.[26]

Neben den Erdöl exportierenden Staaten haben auch die asiatischen Staaten Vermögen in Staatsfonds transferiert um die Zentralbank zu entlasten. Dieses meist aus Leistungsbilanz­überschüssen resultierende Vermögen umfasst im Fall Singapurs 200 Milliarden US-Dollar und teilt sich auf die Government Investment Corporation und den Staatsfonds Temasek auf. Die koreanische Korea Investment Corporation übernimmt die Anlage eines vergleichsweise geringen Vermögens von 20 Milliarden US-Dollar, in Bezug zu den 200 Milliarden US- Dollar, welche die China Investment Corporation versucht, Gewinn bringend anzulegen. Im Falle Chinas stellt dies nur einen Teil der beträchtlichen Währungsreserven von 1,2 Billionen US-Dollar dar.[27]

Der momentan anhaltende Anstieg der Rohstoffpreise lässt die Erlöse der rohstoffexportie­renden Staaten stetig wachsen. Zumindest dann, wenn die Exporte vom öffentlichen Sektor kontrolliert werden. Sollte dies nicht der Fall sein, ist zu beobachten, dass der öffentliche Sek­tor private Exporteure in hohem Maße besteuert und so an den Erlösen partizipiert. So entste­hende finanzielle Überschüsse des Staates fließen wieder in die Nationalen Vermögensfonds. Auf einen Preisboom folgt aufgrund des zyklischen Verhaltens des Wirtschaftsgeschehens bekanntlich früher oder später eine Preisrezession. In der Form eines Vermögensfonds ist es möglich, hohe Einkünfte aus Zeiten hoher Rohstoffpreise zu sammeln und strategisch anzule­gen. Um die eigene Volkswirtschaft nicht zu belasten und zukünftige Generationen an den Erlösen aus der Rohstoffförderung teilhaben zu lassen, empfiehlt sich der Aufbau eines Nati­onalen Vermögensfonds.[28]

Der glückliche Fall immenser temporärer Einkünfte aus der Förderung von Rohstoffen ist nun mal nicht von unbegrenzter Dauer. Die Erdöl und Erdgas exportierenden Staaten sehen sich mit dem Problem konfrontiert, dass ihre Rohstoffe nicht nachwachsen. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Quelle massiver Erlöse und der Aufbau enormer Währungsreserven ein Ende findet. Es stellt sich den Politikverantwortlichen die Frage, in welchem Verhältnis die aktuel­len Vermögenszuwächse gespart oder konsumiert werden. Erhöht sich die staatliche Sparquo­te, entstehen auf der einen Seite Kosten der entgangenen Opportunität. Das gesparte Vermö­gen hätte auch profitabel investiert werden können. Auf der anderen Seite ermöglicht eine hohe Sparquote folgenden Generationen das aktuelle Konsumverhalten beizubehalten. Roh­stoffexportierende Staaten erleben also einen Trade-Off zwischen Gegenwartskonsum und Zukunftskonsum. Die generelle Annahme, dass zukünftiger Konsum einen geringeren Wert hat, als gegenwärtiger Konsum, ist zumindest theoretisch begründet. Der Zusammenhang wird durch Hinzunahme von Zinsen deutlich.[29] Bei Annahme einer steigenden Zinsstruktur­kurve mit niedrigerem Zinsniveau heute, muss der Konsum heute zunehmen und umgekehrt. Kurzfristig zu konsumieren ist bei niedrigerem Zinsniveau heute günstiger. Die Opportuni­tätskosten des kurzfristigen Konsums sind geringer, als die bei einer entgangenen langfristi­gen, höher verzinsten Anlage.[30]

Falls in der Gegenwart Einkommen investiert, und in Zukunft eine Rendite generiert werden kann, dann wird der heutige Wert zukünftigen Einkommens über einen Diskontfaktor festge­stellt werden. Das gleiche gilt für den Konsum, der direkt vom Einkommen abhängt. Somit liegt die Lösung der Frage, wann Einkommen konsumiert und wann es investiert werden soll, im Verhältnis der Rendite zum Diskontfaktor. Gegenwartskonsum wird umso attraktiver, je größer der Diskontfaktor ist, und umgekehrt. Betrachten wir einen Nationalen Vermögens­fonds, stellt sich die Rendite aus einer Verzinsung einer inländischen Vermögensanlage und einer Verzinsung einer Auslandsinvestition zusammen. Mit Hilfe eines Nationalen Vermö­gensfonds wird eine Investition und dadurch zukünftiger Konsum attraktiver. Der Fonds ist in der Lage risikoreichere und dadurch tendenziell rentablere Investitionen zu tätigen als die Zentralbank .[31]

Auch die hohe Volatilität der Rohstoffpreise selbst lässt es vernünftig erscheinen, die erwirt­schafteten Erlöse zwecks Diversifikation weltweit differenziert anzulegen. So sind zukünftige Erlöse nicht einzig von dem Handel mit Rohstoffen abhängig. Im Verhältnis zu Zentralban­ken können Nationale Vermögensfonds in risikoreichere Vermögensgegenstände investieren, um höhere Renditen zu erzielen. Währungsreserven werden also durch die Bildung Nationaler Vermögensfonds einer effizienteren Verwendung zugeführt. Die Zentralbankorgane verfolgen vornehmlich das Ziel der Wechselkursstabilität und der Vermeidung plötzlicher Schocks. Aus diesem Grund halten Zentralbanken eher relativ sichere inländische Vermögensgegenstände als risikoreichere ausländische Positionen. Würden Zentralbanken selbst das Risiko hoher Verluste von Währungsreserven eingehen und auch tatsächlich erleiden, schwäche dieser Um­stand die Position dieses Staatsorgans. In Situationen, in denen eine starke und ausdauernde Interventionspolitik, beispielsweise zur Wechselkursstabilisierung, gefragt ist, sind mehr Fremdwährungsreserven tendenziell besser als zu wenig.[32]

Aizenman gibt einen weiteren Grund zur Bildung Nationaler Vermögensfonds an. Es sollen, allen voran Staaten aus den aufstrebenden Volkswirtschaften, gezielt Leistungsbilanzüber­schüsse produzieren. Das so angesammelte Vermögen in Fremdwährung kann dazu genutzt werden, höhere Erlöse aus Investitionen auf den internationalen Finanzmärkten zu generieren als das im Inland möglich wäre. So können günstigere Zinspositionen ausgenutzt und lang­fristig investiert werden. Aus Sicht von Staaten mit Leistungsbilanzüberschüssen ist die Anla­ge in Staaten mit korrespondierendem Defizit deshalb attraktiv, weil simultan mit dem Ver­schuldungsgrad ein höherer Zins gezahlt wird. So steigen die Refinanzierungskosten ver­schuldeter Staaten entsprechend an. Sie müssen einen höheren Zins offerieren, um einen Ka­pitalfluss Richtung Inland zu bewirken.[33]

Auch die Hartwick-Regel birgt einen Grund zur Bildung von Staatsfonds. Der gesamte Kapi­talstock eines Staates besteht aus physischen, finanziellen und humanen Kapitaleinheiten. Der Abbau und Verkauf von fossilen Rohstoffen senkt diesen Kapitalstock genau dann, wenn die Erlöse nicht in die anderen Kapitaleinheiten reinvestiert werden. Der Staat wird also kontinu­ierlich ärmer, falls die Erlöse aus der Förderung fossiler Rohstoffe konsumiert werden. Ge­mäß Reisen sollte zur Erhaltung des Kapitalstocks für spätere Generationen ein signifikanter Teil der Erlöse gespart werden. Die gesparten Erlöse können dann in inländische und auslän­dische Vermögensgegenstände investiert werden. Der Vermögenszuwachs kommt späteren Generationen zugute. Durch die Bildung von Staatsfonds lässt sich physisches Kapital in an­dere Formen von Vermögen umwandeln. Bei abnehmender Rendite der Reinvestition oder gar der fehlenden Opportunität zur Reinvestition wird ein Rohstoff exportierendes Land dazu tendieren, Erlöse zu konsumieren. Eine andere Möglichkeit besteht auch darin, den Rohstoff schlichtweg nicht zu fördern und so das physische Kapital zu schonen. In der Annahme stei­gender Rohstoffpreise stellt die Steigerungsrate die Rendite dieser Entscheidung dar. Diesbe­züglich stellt die Gründung eines Staatsfonds auch aus Sicht der Staaten die Rohstoffe kon­sumieren einen Vorteil dar. Wenn Erlöse nicht entsprechend lukrativ investiert werden kön­nen, steigt der Preis des Rohstoffes, dessen Förderung aus diesen Gründen eingestellt wird.[34]

Nationale Vermögensfonds erleichtern es Staaten mit hohen, aber dennoch begrenzten Ein­künften aus Rohstoffvorkommen oder zeitlich begrenzten Leistungsbilanzüberschüssen der permanenten Einkommenshypothese[35] nachzukommen. Die permanente Einkommenshypo­these geht auf den US-Ökonom und Nobelpreisträger Milton Friedman zurück. Dabei geht es um die bereits zuvor angesprochene intergenerationelle Konsumglättung, also um die Fair­ness, zukünftige Generationen an temporären Einkünften zu beteiligen und plötzliche Vermö­genszuwächse nicht einmalig zu verkonsumieren. Friedman geht dabei von rationalen Erwar­tungen aus. Die Konsumenten wissen also, dass die aktuellen Erlöse aus der Förderung von Rohstoffen und dem korrespondierenden Vermögenszuwachs nicht permanent sind, sondern einen transitorischen Einkommensschock darstellen. Gleichwohl lässt sich die Konsumglät­tung auch bei Staaten ohne Rohstoffvorkommen als Grund zur Bildung von Nationalen Ver­mögensfonds erkennen.[36]

Während in den meisten OECD-Mitgliedsstaaten das ökonomische Wachstum auf Produktivi­tätssteigerungen zurückzuführen ist, so ist dies bei ostasiatischen Staaten anders zu beobach­ten. Reisen führt allein die Faktorakkumulation als Grund für wirtschaftliches Wachstum an, wobei der wesentliche Faktor hier das Kapital ist. Die Bildung eines Staatsfonds und der Transfer von Kapital aus der Kapitalbilanz heraus in den Vermögensstock eines souveränen Investitionsvehikels sind besonders wichtig. Andernfalls droht ein Ungleichgewicht zwischen den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Das rapide Wachstum der ostasiatischen Staaten hat also eine sich selbst limitierende Komponente. Entweder die massive Kapitalakkumulati­on führt zu dynamischen Ineffizienzen im inländischen Wirtschaftsgefüge, oder Kapital fließt strategisch in Nationale Vermögensfonds. Ein deutliches Beispiel bildet China. Insgesamt verfügt China mittlerweile über Währungsreserven in Höhe von etwa 1,7 Billionen US- Dollar. Das ist mehr als dreimal so viel, wie dieser Staat zur Deckung eigener kurzfristiger Verbindlichkeiten und zur Währungsstabilität benötigt. Der Rest stellt tatsächlich und poten­tiell eine Quelle der China Investment Corporation dar.[37]

Sucht man einen geeigneten Ansatz bei der Frage nach den Gründen zur Bildung Nationaler Vermögensfonds, fällt ein zeitliches Muster auf. Wenn man nur die größten 29 Staatsfonds betrachtet, stellt man fest, dass es in den Jahren seit 1952 immer wieder zu Gründungen ge­kommen ist. So macht der Staatsfond Saudi-Arabiens 1952 den Anfang. Darauf folgten die Kuwait Investment Authority 1953, der Revenue Equalization Reserve Fund aus Kiribati 1956 und einige Jahre später die Abu Dhabi Investment Authority im Jahr 1976. In den 1980er Jahren etablierten sich weitere Staatsfonds. Darunter die Staatsfonds aus dem Oman 1980, Singapur 1981 und Brunai 1983. Nahezu die Hälfte, nämlich 14 von 29 Staatsfonds allerdings fanden ihre Gründung in den Jahren zwischen 2000 und 2010. Es fing an mit dem National Fund for the Republic of Kazakhstan in 2000. Es folgten die Staatsfonds aus Qatar 2005, China 2007 und Russland 2008, um nur die größten zu nennen. Staatsfonds sind also kein neues Phänomen, ihre Konzentration und das insgesamt verwaltete Vermögen hat aber rasant zugenommen. Dies erhöht natürlich auch ihre Bedeutung auf den internationalen Fi­nanzmärkten. Wie bereits zuvor erwähnt, werden weiter steigende Rohstoffpreise zu einem weiteren Anstieg des verwalteten Vermögens führen.[38]

2.3 Auswirkungen auf die Volkswirtschaften

Bislang hat eine Abgrenzung verschiedener Nationaler Vermögensfonds stattgefunden. Es wurde deutlich, worin die Besonderheiten verschiedener Staatsfonds liegen. Weiterhin wur­den einige Gründe dafür angeführt, warum Staaten sich zur Bildung eines Nationalen Vermö­gensfonds entscheiden. Dabei stellte sich heraus, dass Nationale Vermögensfonds verschiede­ne, aber immer klare Aufgaben im makroökonomischen Gefüge wahrnehmen.[39] Die ökono­mischen Auswirkungen volkswirtschaftlicher Begebenheiten, die zur Gründung Nationaler Vermögensfonds führen und die Auswirkungen dieser Fonds selber, sind Gegenstand der fol­genden Abschnitte. Zunächst wird die Seite der Geberländer betrachtet, also der Staaten, wel­che Nationale Vermögensfonds unterhalten. Es folgt die Betrachtung der Nehmerländer, das sind diejenigen Staaten, die von der Existenz der Nationalen Vermögensfonds dadurch beein­flusst werden, dass sie einen Kapitalfluss aus Richtung der Geberländer erfahren.

2.3.1 Die Geberländer

Das ökonomische Wachstum asiatischer Staaten ist auf die Akkumulation von Nettoauslands­vermögen zurückzuführen, also der Summe aller Forderungen des Inlandes gegenüber dem Ausland abzüglich der Schulden des Inlandes. Steigt diese Nettoauslandsposition an, über­steigen die Exporte die Importe. Es wird demnach mehr produziert als konsumiert. Steigt die Nettoauslandsposition drastisch über längere Zeit an, verfügt die Volkswirtschaft über im­mense Kapitalreserven. Teilweise dienen diese auch als Puffer, um eventuelle Verschiebun­gen des Kapitalflusses zu parieren. Es sollte sichergestellt sein, dass alle kurzfristigen Ver­bindlichkeiten gedeckt und die benötigten Importe bezahlt werden können. Die Greenspan- Guidotti-Regel[40] gibt konkret an, dass neben der Deckung der Auslandsverbindlichkeiten Ka­pital in Höhe des Wertes der Importe der kommenden drei Monate gehalten werden sollte. Im Fall von China sind das 500 Milliarden US-Dollar. Tatsächlich hält China aber Währungsre­serven in Höhe von 1,7 Billionen US-Dollar, also mehr als dreimal so viel wie es gemäß der Greenspan-Guidotti-Regel notwendig wäre.[41]

Um Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz zu verhindern, können Überschüsse in Nationa­le Vermögensfonds transferiert werden. Im Gegenzug werden Zahlungsbilanzdefizite aus dem Vermögen eines Staatsfonds ausgeglichen. Der Stabilisierungseffekt wirkt auch auf andere strukturelle Ergebnislücken. Bei Rohstoff fördernden Staaten bestehen diese Ergebnislücken aus zwei Komponenten. Zunächst aus einem zyklischen Effekt, resultierend aus der Volatilität der Rohstoffpreise, und einem weiteren zyklischen Effekt aus fiskalischen und sonstigen ne­gativen staatlichen Einkommensschocks. Aus dem Vermögen eines Staatsfonds können so beschriebene zyklische Schwankungen der Rohstoffpreise oder der Steuereinnahmen ausge­glichen werden.[42]

Brown, Papaioannou und Petrova zur Folge beeinflussen Nationale Vermögensfonds die Geldpolitik auf verschiedene Weisen. Sie geben an, dass die aggregierte Gesamtnachfrage bei volatilen Erlösen aus der Rohstoffförderung und den Steuereinnahmen Schwankungen unter­liegen könnte. Dies stellt eine Herausforderung an die geldpolitischen Institutionen dar. Nach- frageschwankungen können exzessive Inflation und Wechselkursfluktuationen hervorrufen, bedingt einerseits durch Wohlstand fördernde expansive Geldpolitik mit der Erhöhung der Staatsausgabenquote. Andererseits aber ebenso über den Liquiditätseffekt steigender Kredit­gewährungen des Staates, bzw. der Zentralbanken gegenüber dem privaten Sektor. Es stellt sich heraus, dass Nationale Vermögensfonds in Zeiten schwacher Binnennachfrage den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik verbessern.[43]

[...]


[1] Vgl. Kotter/Lel (2008), S. 30.

[2] Vgl. Hammer/Kunzel/Petrova (2008), S. 12 und Aizenman (2007), S. 2.

[3] Im Verlauf wird der Begriff des „Schwellenlandes“ zugunsten der Bezeichnung „aufstrebende Volkswirt­schaft“ vernachlässigt. Dieser Begriff spiegelt das Wachstum dieser Länder besser wider.

[4] Vgl. Beck/Fidora (2008), S. 5.

[5] Vgl. IMF (2008a), S. 45 f.

[6] Vgl. Chhaochharia/Laeven (2008), S. 31.

[7] Vgl. IWG (2008), S. 3.

[8] Vgl. Razanov (2005), S. 1 ff. Hier tauchte der Begriff „sovereign wealth fund” zuerst als klare Beschreibung für Nationale Vermögensfonds auf.

[9] Vgl. Bortolotti/Fotak/Megginson (2009), S. 1 f.

[10] Vgl. IMF (2010), S 33.

[11] Vgl. Blundell-Wignall/Hu/Yermo (2008), S. 4 f.

[12] Vgl. Aragon/Strahan (2009), S. 1.

[13] Vgl. Aizenman/Glick (2008), S. 4.

[14] Vgl. Blundell-Wignall/Hu/Yermo (2008), S. 5.

[15] Vgl. Blundell-Wignall/Hu/Yermo (2008), S. 5.

[16] Vgl. Aizenman/Glick (2008), S. 30.

[17] Vgl. Mitchell/Piggott/Kumru (2008), S.2.

[18] Vgl. IMF (2008a), S. 45.

[19] Vgl. Blundell-Wignall/Hu/Yermo (2008), S. 4 f.

[20] Vgl. Truman (2008), S. 1 f.

[21] Vgl. Das/Lu/Mulder (2009), S. 5.

[22] Vgl. Blundell-Wignall/Hu/Yermo (2008), S. 4 ff.

[23] Vgl. Blundell-Wignall/Hu/Yermo (2008), S. 4 ff.

[24] Vgl. Das/Lu/Mulder (2009), S. 5 und Aizenman/Glick (2008), S.4.

[25] Vgl. Reisen (2008), S.7 und Aizenman/Glick (2008), S. 2 ff.

[26] Vgl. Aizenman/Glick (2008), S. 3.

[27] Vgl. Aizenman/Glick (2008), S 3 f.

[28] Vgl. Aizenman/Glick (2008), S.2 ff.

[29] Vgl. Collier/Venables (2008), S. 3 und Reisen (2008), S. 10.

[30] Vgl. Boivin/Kiley/Mishkin (2010), S. 12 f.

[31] Vgl. Collier/Venables (2008), S. 3.

[32] Vgl. Aizenman/Glick (2008), S. 5

[33] Vgl. Aizenman/Glick (2007) und Collier/Venables (2008), S. 4.

[34] Vgl. Reisen (2008), S. 10.

[35] Vgl. Friedman (1957), S. 20 ff.

[36] Vgl. Collier/Venables (2008), S. 6.

[37] Vgl. Reisen (2008), S. 13.

[38] Vgl. Aizenman/Glick (2008), S. 38.

[39] Vgl. Aizenman/Glick (2008), S. 2 ff. und Brown/Papaioannou/Petrova (2010), S. 6.

[40] Vgl. Jeanne/Ranciere (2006), S. 4 f.

[41] Vgl. Reisen (2008), S. 13.

[42] Vgl. Brown/Papaioannou/Petrova (2010), S. 7 f.

[43] Vgl. Brown/Papaioannou/Petrova (2010), S. 8.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Neue Evidenzen zu Nationalen Vermögensfonds
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Monetäre Ökonomik und internationale Kapitalmärkte)
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
64
Katalognummer
V160146
ISBN (eBook)
9783640736133
ISBN (Buch)
9783640736287
Dateigröße
804 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Staatsfonds, Fonds, Diversifikation, Assetmanagement, Fondsmanagement, Wissenstransfer, Abu Dhabi, China, Temasek, China Investment Corporation, ADIA, CFIUS, CIC, CPP, EU, FINSA, Nettoauslandsposition, Nettoauslandsaktiva, Diplomarbeit, Seminararbeit, Dissertation, FIRB, GAPP, GIC, Singapur, IWG, Währungsfonds, IWF, IMF, OECD, KIA, M&A, QIA, SAMA, US, WTO, Vermögensfonds, Portfolio, Portfoliomanagement, Vermögensmanagement, Kuwait, Spionage, Industriespionage, Bail-out, Emerging Markets, aufstrebende Volkswirtschaften, Entwicklungsländer, Florian Wassenberg, Wassenberg
Arbeit zitieren
Florian Wassenberg (Autor), 2010, Neue Evidenzen zu Nationalen Vermögensfonds, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160146

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