Der Einfluss der Publikumsforschung auf den Journalismus: Die aktuelle Situation


Seminararbeit, 2006

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Damals und Heute

3. Wissenschafts-Praxis-Verhältnis aus Sicht der Wissenschaftler

4. Wissenschafts-Praxis-Verhältnis aus Sicht der Journalisten

5. Forderungen der Journalisten an die Wissenschaft

6. Zahlen und Fakten

7. Resümee

8.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Focus-Redakteur behauptete einmal, die Zeitschrift Focus brauche keine Marktforschung. Das Team verlasse sich immer auf das zuverlässige Bauchgefühl von Chefredakteur Helmut Markwort.[1]

Viele Medienwissenschaftler klagen über die Ignoranz der Medienmacher gegenüber den Ergebnissen der Medienforschung.[2] Allgemein herrscht die weit verbreitete Meinung, Journalisten distanzieren sich zu sehr von der Medien- und Kommunikationsforschung, und wenn sie benutzt wird, dann im Großen und Ganzen nur von großen Medieninstitutionen für deren Marketing.[3] Aber ist es wirklich so? Verlassen sich Journalisten beziehungsweise Redakteure wirklich nur auf das Bauchgefühl ihrer Chefs und auf ihre eigene Erfahrung? Oder haben sich die Medienmacher mittlerweile mit der Forschung doch mehr angefreundet und nutzen deren Erkenntnisse für die Umsetzung ihrer Arbeit?

Bis zur Jahrtausendwende gab es über diese Fragestellung keine Antwort. Professor Dr. Ralf Hohlfeld hat im Jahr 2000 seine Studie über den Einfluss der Publikumsforschung auf den Journalismus begonnen und sie im Jahr 2003 mit dem Buch „Journalismus und Medienforschung. Theorie, Empirie, Transfer“ veröffentlicht. Bevor diese Studie fertig gestellt wurde, gab es keine vergleichbare Forschungsarbeit.

Diese Seminararbeit stützt sich weitgehend auf das Resultat von Professor Dr. Ralf Hohlfeld und untersucht die Frage, wie einzelne Journalisten und die Medien auf die Publikumsforschung mit all ihren Methoden, Institutionen und Ergebnissen reagieren. Genauer formuliert: Wie geht ein Journalist mit den Ergebnissen der Publikumsforschung um? Und wie vertraut ist er überhaupt mit der Institution Medien- und Kommunikationswissenschaft? Wie nutzt er die Daten, die Institutionen wie IVW (Informationsgemeinschaft zur Verbreitung von Werbeträgern), MA (Media-Analyse), AWA (Allensbacher Werbeträgeranalyse) oder GfK (Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung) mit Hilfe von Methoden wie Umfragen, Telefoninterviews oder bestimmter Copytests erfassen? All diese Fragen sollen in den nächsten Kapiteln mit Hilfe von Ralf Hohlfelds Habilitierungsarbeit, aber auch mit älteren Schriften wie von Karin Böhme-Dürr, Wolfgang Neumann-Bechstein und Gabriele Siegert beantwortet werden.

Die Seminararbeit baut sich auf einen kurzen Vergleich zwischen der Situation von vor 30 Jahren und heute auf. Anschließend folgt das Wissenschafts-Praxis-Verhältnis aus Sicht der Wissenschaftler und der Journalisten. Darauf folgen die Wünsche der Journalisten an die Forschung und die allgemeinen Ergebnisse aus Ralf Hohlfelds Studie, sowie ein abschließendes Resümee.

Wichtig für diese Arbeit ist noch die Definition der Begriffe Medien-, Kommunikations- und Publikumsforschung beziehungsweise -wissenschaft. Es wird zwischen anwendungsorientierter Medienwissenschaft und akademischer Kommunikationswissenschaft unterschieden. Der exakte Unterschied ist: „Während für die Kommunikationswissenschaft die Massenmedien nur einen Teil gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse neben anderen Formen darstellen, bezieht sich die Medienforschung auf die Massenmedien im Besonderen, betrachtet sie als Teil sozialer und gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse und findet in der formalen, inhaltlichen und administrativen Ausgestaltung der Massenmedien ihr praktisches Gegenüber.“[4] In dieser Seminararbeit ist folglich also immer von der Medienwissenschaft beziehungsweise der Medienforschung die Rede, da sich Journalisten, die Gegenstand und Mittelpunkt dieser Arbeit sind, meist mit Massenmedien im Besonderen auseinandersetzen.

Es wird aber noch unterschieden zwischen anwendungsbezogener oder angewandte Medienforschung („Werbeträgerforschung und redaktionelle Publikumsforschung“[5] ) und der akademischen Medienforschung, die an den Universitäten stattfindet. Ralf Hohlfeld benutzt aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung in seiner Studie den Begriff Medienforschung, obwohl es korrekt Markt- und Medienforschung (als Publikumsforschung) heißen müsste.[6] Wichtig für diese Definition und für diese Seminararbeit ist, dass der Begriff Medienforschung nicht bedeutet, dass sie die Medien nur erforscht, sondern dass die Medienforschung auch Publikum und Nutzung der Medien untersucht, damit die Medienpraxis mit Hilfe der Ergebnisse, Medienprodukte entwerfen kann, die besseren Erfolg bei dem Publikum haben.[7] Der Aufgabenbereich der Medienforschung schwingt also zwischen Marketingfunktion und journalistischer Entscheidungshilfe.[8]

2. Damals und Heute

Schon Charles Dickens und Theodor Fontane änderten ihre Fortsetzungsromane auf Grund von Leserreaktionen.[9] Aber richtig entwickelte sich die deutsche Medienforschung erst nach dem zweiten Weltkrieg in den Forschungsabteilungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nach amerikanischem Vorbild.[10] Die Medienforschung an den Universitäten blieb auf Grund der propagandistischen Rolle, die die Medien während der Nazizeit spielten, kritisch.[11] Neue Forschungsmethoden entwickelten dann mit der Zeit private Marktforschungseinrichtungen, wie zum Beispiel die Media Analyse (MA).[12]

[...]


[1] Vgl., Ralf Hohlfeld: Journalismus und Medienforschung. Theorie, Empirie, Transfer. Konstanz 2003, S. 14.

[2] Vgl. Wolfgang Neumann-Bechstein: Vermittlungsprobleme zwischen Kommunikationswissenschaft und Praxis. In: Rundfunk und Fernsehen 46 (1998), H. 2-3, S. 361.

[3] Vgl. ebd., S. 361.

[4] Ebd., S. 362.

[5] Karin Böhme-Dürr: Angewandte Medienforschung – Eine „heimliche“ Hauptsache? In: Karin Böhme-Dürr/Gerhard Graf (Hg.): Auf der Suche nach dem Publikum. Medienforschung für die Praxis. Konstanz 1995, S.11.

[6] Vgl., Hohlfeld 2003, a.a.O., S. 26.

[7] Vgl., ebd., S. 82.

[8] Vgl., ebd., S. 84.

[9] Vgl., ebd., S. 54.

[10] Vgl., Neumann-Bechstein 1998, a.a.O., S. 367.

[11] Vgl., ebd., S. 367.

[12] Vgl., ebd., S. 367.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der Publikumsforschung auf den Journalismus: Die aktuelle Situation
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V160217
ISBN (eBook)
9783640733255
ISBN (Buch)
9783640733934
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienforschung, Journalismusforschung, Publikumsforschung
Arbeit zitieren
Christine Engel (Autor), 2006, Der Einfluss der Publikumsforschung auf den Journalismus: Die aktuelle Situation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160217

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