Arabella - eine Oper mit Widersprüchen?!


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

22 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kurze Zusammenfassung der Handlung

3. Entstehungsgeschichte

4. Oper – oder doch Operette?

5. Zentralmotive

6. Zeit und Raum

7. Die Paarkonstellationen

8. Die Widersprüchlichkeit der Figuren

9. Fazit

10. Literatur

1. Einleitung

Was mit Elektra begann, endete mit Arabella: die wohl fruchtbarste und erfolgreichste Zusammenarbeit zwischen einem Komponisten und einem Textdichter. Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal schufen zusammen sechs Opern. Und es wären sicherlich mehr geworden, wäre der Librettist Hofmannsthal nicht am 15. Juli 1929 – am Tag der Beerdigung seines Sohnes Franz, der sich selbst das Leben nahm – an einem Schlaganfall 55-jährig verstorben. Tragischerweise, erreichte Hofmannsthal an diesem Tag noch ein Telegramm von Strauss, indem dieser ihm kundtat, dass er mit dem ersten Akt der Oper Arabella endlich zufrieden sei – nachdem das Libretto mehrere Male auf Wunsch von Strauss umgeändert werden musste.[1] Leider las Hofmannsthal diese Botschaft nicht mehr. Der Dichter wäre sicherlich beglückt darüber gewesen, lag dieses Libretto ihm doch sehr am Herzen. Die Handlung verarbeitete er schon in einem früheren Werk und in seinen Briefen an Richard Strauss verglich er einerseits die Oper oft mit dem Rosenkavalier, distanzierte Arabella aber auch gleichzeitig wieder von diesem.[2] Er war sich sicher, dass das Werk noch viel besser und erfolgreicher als der 1910 fertig gestellte Rosenkavalier werden würde.[3] Die zahlreiche negative Kritik über die lyrische Komödie Arabella, die am 1. Juli 1933 an der Dresdner Staatsoper uraufgeführt wurde, erreichte den Textdichter nicht mehr. Von einem schwachen Aufguss des Rosenkavalier war oft die Rede[4] und davon, dass das Ende des zweiten Aktes sowie der dritte Akt dramaturgisch wie musikalisch misslungen wären.[5] Aber dazu sei erwähnt, dass der zweite und dritte Akt bestimmt noch öfter geändert worden wären – gleich dem ersten Akt – wäre Hofmannsthal nicht vorzeitig verstorben. Aus Gründen der Pietät verarbeitete Strauss das Libretto der lyrischen Komödie so, wie Hofmannstahl es hinterlassen hatte[6].

Es sind nicht nur viele Kritiken über dieses Werk sondern auch zahlreiche Abhandlungen und Interpretationen entstanden. Das beginnt mit Rudolf H. Schäfers Dissertation von 1967, in der ein Gesamtüberblick sowie eine Zusammenfassung der Personen und deren Beziehung zueinander geboten werden und endet mit neueren Aufsätzen wie beispielsweise allgemein über die Geschlechterrollen der Oper[7] oder über die Gestalt des Mandryka im Besonderen[8]. Mit Hilfe von Schäfers Monographie und Essays sowie wie mit allgemeiner Literatur über das Strausssche und Hofmannsthalsche Schaffen – den Briefwechsel zwischen Strauss und Hofmannsthal lasse ich bewusst als Sekundärliteratur weg, da alle verwendeten Quellen sowieso auf diesen Briefwechsel basieren - möchte ich zu Beginn meiner Seminararbeit einen kurzen Überblick über die Handlung geben, anschließend auf die Entstehungsgeschichte dieser letzten Oper aus dem gemeinsamen Schaffen von Strauss und Hofmannsthal eingehen, das Missverständnis klären, ob es sich hierbei um eine Oper oder um eine Operette handelt, und die Zentralmotive erörtern. Des Weiteren werden Zeit und Raum und die Paarkonstellationen beschrieben, um dann im Hauptteil der Frage nachgehen zu können, ob die Figuren in der Oper Arabella zwei Seiten an den Tag legen – also widersprüchlicher Natur sind.

2. Kurze Zusammenfassung der Handlung

Schauplatz ist die österreichische Hauptstadt Wien anno 1860 am Faschingsdienstag. Der erste von drei Akten spielt in einem Salon eines Wiener Stadthotels. Hier wohnt die adelige, aber verarmte Familie Waldner mit Vater Theodor Graf Waldner, seiner Frau Adelaide und den Töchtern Arabella und Zdenka. Wobei sich Zdenka aber als Junge ausgibt und Zdenko gerufen wird. Am Beginn erhofft Adelaide von einer Kartenaufschlägerin, dass diese für sie eine positive Zukunft sieht, frei von finanziellen Sorgen, die dadurch beseitigt wären, wenn die Familie eine Erbschaft antreten könnte oder Arabella einen reichen Mann heiraten würde. Währenddessen ist Zdenka damit beschäftigt Rechnungen zu sortieren und Gläubiger vor der Tür abzuhalten. Matteo, ein junger Offizier erscheint, in der Hoffnung, Arabella zu treffen, die er liebt, von der er aber nur die kalte Schulter zu sehen bekommt. Dafür liebt Zdenka ihn umso mehr, was sie ihm aber wegen ihrer Verkleidung nicht gestehen kann. Für Matteo ist Zdenka/Zdenko der beste Freund, denn sie/er überreicht ihm leidenschaftliche Briefe von Arabella, die in Wirklichkeit aber sie selbst geschrieben hat. Sie hält ihn deshalb hin, weil sie sich begründet fürchtet, dass Matteo Suizid begeht, wenn Arabella seine Liebesschwüre nicht erhört. Als Arabella nach Hause kommt, versucht Zdenka sie für die Liebe zu Matteo zu überzeugen, aber Arabella macht ihrer Schwester deutlich, dass sie auf den Richtigen wartet. Wenig später kommt Graf Elemer – einer von drei Verehrern Arabellas – und holt sie für eine Schlittenfahrt ab. Während sie sich dafür fertig macht, erzählt sie Zdenka von einem geheimnisvollen Fremden, den sie auf der Straße gesehen hat und der zu ihrem Fenster hoch sieht. Als die beiden fort sind, erscheinen die Eltern. Sie klagen über ihre finanzielle Lage. Als auch Adelaide abtritt, kommt ein fremder Herr zu Vater Waldner, der Briefe mit Bildern seiner Tochter Arabella an frühere Freunde geschickt hat. Der Fremde entpuppt sich als Mandryka, Neffe eines verstorbenen Regimentskameraden. Er prahlt von seinem Reichtum und hat sich in das Arabellaesche Bild verliebt. Waldner stimmt einer Hochzeit zu.

Der zweite Akt spielt am Abend auf dem Fiakerball. Arabella und Mandryka lernen sich kennen. Die beiden sind sich schnell einig, dass sie heiraten wollen, da sich beide ineinander verliebt haben. Arabella möchte aber den Abend noch ausnutzen um, unabhängig von ihm, das Ende ihrer Mädchenzeit zu feiern. Währenddessen trifft Zdenka/Zdenko Matteo. Sie gibt ihm einen Schlüssel mit der Behauptung, dass sei der zu Arabellas Zimmer und sie erwarte ihn dort. Mandryka bekommt diese Täuschungsmanöver mit und steigert sich in eine Eifersucht hinein. Diese Eifersucht steigert sich in ein hysterisch, rauschendes Fest in dem Mandryka auch mit der Fiakermilli flirtet.

Am Beginn des dritten Aktes kommt Matteo glückselig aus einem der Hotelzimmer. Er hat gerade mit Zdenka geschlafen, glaubt aber, es wäre Arabella gewesen. So ist er umso irritierter, dass er diese im Treppenhaus trifft. Er spricht sie auf das jüngst vergangene an und sie weiß nicht, wovon er spricht. Bald darauf stoßen das Ehepaar Waldner und Mandryka dazu. Mandryka ist rasend vor Eifersucht und glaubt den Unschuldsbeteuerungen Arabellas nicht. Plötzlich erscheint Zdenka ohne ihre männliche Verkleidung und klärt das ganze Missverständnis auf. Die Geschichte endet mit zwei offensichtlich glücklichen Paaren: Arabella/Mandryka und Zdenka/Matteo.[9]

3. Entstehungsgeschichte

Schon 1916, also fünf Jahre nach der Uraufführung des Rosenkavaliers, äußerte Richard Strauss den Wunsch nach einem realistischen Lustspiel mit mehr lyrischem Inhalt. Sieben Jahre später schrieb Strauss Hofmannsthal, er wolle einen zweiten Rosenkavalier ohne dessen Fehler und Längen.[10] 1927, kurz vor Vollendung der ägyptischen Helena, klagte Strauss in einem Brief, er habe nichts mehr zu arbeiten und bräuchte unbedingt Librettostoff.[11] Hofmannsthal fiel ein, dass er sich 1924/1925 mit einzelnen Szenen eines fragmentarischen Werkes mit Namen Der Fiaker als Graf beschäftigte, mit der er ursprünglich an die Tradition des Wiener Volkstheater anknüpfen wollte[12], und der Stoff zwar keine äußere dafür aber eine innere Verwandtschaft zum Rosenkavalier hätte.[13] Letztendlich genügte ihm aber diese Szene nicht als Opernstoff.[14] Er hatte die Idee, einige Motive dieser Fiakerwelt mit der Handlung mit dem noch nicht aufgeführten Lustspielstoff Lucidor von 1910 zu verbinden.[15]

Dort lebt die verarmte, adelige und russische Frau von Murska Ende der 1870er Jahre mit ihrer Tochter Arabella und dem angeblichen Sohn Lucidor in einem Wiener Hotel. Lucidor ist in Wahrheit ein Mädchen mit Namen Lucile, da es sich mit nur einer Tochter finanziell leichter lebt. Außerdem musste sich Lucile auf Grund einer Krankheit in ihrer Kindheit die Haare kurz schneiden, sie reitet lieber im Herrensitz und hat eine maskuline Figur. Der junge Wladimir ist in Arabella verliebt, die sich aber nichts aus ihm macht. Dafür ist Lucile so in Wladimir verfallen, dass sie ihm in Arabellas Namen Liebesbriefe schreibt. Des Nachts wird sie seine Geliebte und überzeugt ihn, sie sei Arabella. Sie verbietet ihm, am Tage etwas von der Beziehung anmerken zu lassen. Als er das Versprechen bricht, tritt sie als Mädchen auf und löst das verwirrende Spiel auf.[16] In diesem Stoff sind Lucile und Wladimir die Hauptpersonen. Arabella tritt nur am Rande auf und wird weniger sympathisch beschrieben als im Opernlibretto. Die Mutter, Frau von Murska, dagegen ist im Lucidor lebendiger, kultivierter, weniger oberflächlich und älter gezeichnet als die Figur der Adelaide.[17]

Im Dezember 1927 trafen sich Hofmannsthal und Strauss in Wien und der Dichter beschrieb dem Komponisten seine Idee. Strauss, der weibliche Heldinnen bevorzugte, fehlte eine solche. Er ging enttäuscht davon aus, Mandryka stehe im Mittelpunkt.[18] Auch als Hofmannsthal den fertigen ersten Akt der Oper Arabella am 2. Mai 1928 an Strauss sandte, waren in dessen Augen die Figur der Arabella immer noch zu wenig profiliert und er verlangte unbedingt eine Soloszene der Arabella für den Aktschluss.[19] Strauss äußerte viele Wünsche und Hofmannsthal ging, wie in keiner Oper zuvor, stark darauf ein. Weihnachten 1928 war das Libretto fertig. Zuerst war Strauss sehr zufrieden, dann kamen nach und nach wieder Änderungswünsche.[20] Wie schon in der Einleitung beschrieben, erreichte Hofmannsthal das Telegramm, indem Strauss seine Zufriedenheit über den ersten Akt kundtat, an seinem Todestag. Strauss komponierte die unbearbeiteten Akte ohne wesentliche Korrekturen und beendete die Arbeit am 26. November 1932.

[...]


[1] Vgl. Lesnig, Günther: 70 Jahre Arabella. In: Internationale Richard Strauss-Gesellschaft (Hg.): Richard Strauss-Blätter. Tutzing 2003, S. 3.

[2] Vgl. ebd., S. 4.

[3] Vgl. Kiefer, Sascha: „Und du wirst mein Gebieter sein“. Zur Problematik der Geschlechterrollen in Hofmannsthals Arabella. In: Sprachkunst 28 (1997), Heft 1, S. 26

[4] Vgl. Unger, Anette: Arabella – ein zweiter Rosenkavalier? Versuch eines literarischen und musikalischen Vergleichs. In: Krellmann, Hanspeter (Hg.): Programmbuch zur Premiere Arabella von Richard Strauss am 12. März 2001 im Nationaltheater München. München 2000, S. 19.

[5] Vgl. Schuh, Willi: Über Opern von Richard Strauss. Zürich 1947, S. 61.

[6] Vgl. Mann, William: Richard Strauss. Das Opernwerk. München 1981, S. 245.

[7] Vgl. Kiefer 1997, a.a.O., S. 25 – 36.

[8] Vgl. Fischer, Markus: Latinität und walachisches Volkstum: Zur Gestalt Mandrykas in Hofmannsthals lyrischer Komödie „Arabella“. In: Hofmannsthal. Jahrbuch zur europäischen Moderne 8 (2000), S. 199 – 213.

[9] Vgl. Hofmannsthal, Hugo von: Arabella. Lyrische Komödie in drei Aufzügen. Mainz 1987.

[10] Vgl. Mann 1981, a.a.O., S. 241

[11] Vgl. ebd., S. 241.

[12] Vgl. Kiefer 1997, a.a.O., S. 27.

[13] Vgl. Mann 1981, a.a.O., S. 241.

[14] Vgl. Lesnig 2003, a.a.O., S. 3.

[15] Vgl. Mann 1981, a.a.O., S. 242

[16] Vgl. ebd., S. 239 - 240.

[17] Vgl. ebd., S. 246.

[18] Vgl. ebd., S. 242.

[19] Vgl. Lesnig 2003, a.a.O., S. 3.

[20] Vgl. Mann 1981, S. 244.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Arabella - eine Oper mit Widersprüchen?!
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V160219
ISBN (eBook)
9783640733231
ISBN (Buch)
9783640733903
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Richard Strauss, Hugo von Hofmannsthal, Literaturoper, Oper
Arbeit zitieren
Christine Engel (Autor:in), 2009, Arabella - eine Oper mit Widersprüchen?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160219

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