Die Funktionen der Massenmedien

Förderung oder Diktat einer öffentlichen Meinung


Hausarbeit, 2009

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktionalismus der Massenmedien
2.1 Der Funktionsbegriff (systemtheoretisch)
2.2 Politische Funktionen
2.3 Soziale Funktionen
2.4 Ökonomische Funktionen
2.5 Unterhaltungsfunktion
2.6 Informationsfunktion

3. Öffentlichkeit und öffentliche Meinung
3.1 Öffentlichkeit
3.2 Das Konzept der öffentlichen Meinung
3.3 Verknüpfung, Relevanzeinordnung & kritische Reflexion der Theorien

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Massenmedien sind allgegenwärtig. Sie bestimmen das Geschehen und das Denken - unser Leben. Sie sind in der Lage Öffentlichkeit zu schaffen, aber auch zu verhindern und sie prägen die öffentliche Meinung. Diese Arbeit soll sich unter anderem damit befassen, ob die öffentliche Meinung durch die massenmedialen Funktionen entsteht, gefördert oder aufdiktiert wird.

Zur Klärung dieser Frage soll der funktionalistische Ansatz der Massenmedien um­rissen werden. Zunächst wird der allgemeinere Begriff von Funktionen vom Terminus aus systemtheoretischer Sicht abgegrenzt. Anschließend werden die Funktionen der Massenmedien in ihren wesentlichen Punkten charakterisiert. Insbesondere die politischen Funktionen sind hier von großer Bedeutung, um im zweiten Teil der Arbeit die Thematik der öffentlichen Meinung kritisch zu durchdringen. Sie werden deshalb ausführlicher thematisiert. Vorab sollen jedoch die dafür notwendigen Termini Öffentlichkeit und öffentliche Meinung beschrieben und in einen politischen Kontext eingeordnet werden. Die gemeinsame Betrachtung von Massenmedium, dessen Funktionen und dem Gegenstand der öffentlichen Meinung soll im kritischen Teil der Arbeit zur Beantwortung der Frage führen, ob und wie sehr die Massenmedien die Meinungen derer, für die sie Funktionen zu erbringen haben, beeinflussen. Darüber hinaus werden beide theoretischen Konzepte miteinander verglichen und es wird ver­sucht, ihre Relevanz aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive aufzuzeigen. Schließlich soll im Fazit eine kurze Zusammenfassung und Bewertung der Erkennt­nisse erfolgen.

2.1 Der Funktionsbegriff

Im weitesten Sinn wird unter dem Begriff Funktion eine Aufgabe verstanden, die zu erfüllen ist. Der allgemeine Funktionsbegriff bezieht sich auf Objekte und lässt sich vom Terminus Zweck dadurch abgrenzen, dass Funktionen in der Regel auf passive Objekte bezogen werden. Der Zweck hingegen bezeichnet den Beweggrund einer aktiven Handlung oder eines aktiven Verhaltens. Im Alltagsgebrauch werden Funktion und Zweck jedoch oft synonym gebraucht. Aus diesem Umstand ergibt sich somit eine Notwendigkeit, Begriffe durch fachspezifische Definitionen und Beschreibungen im jeweiligen Kontext zu bestimmen.

In der Kommunikationswissenschaft beziehen sich Funktionen auf die „Prozesse [eines sozialen] Systems, die zur Lösung spezifischer Probleme erbracht werden müssen.“ (Beck 2007. S.89). Die Definition des Begriffs ist systemtheoretisch geprägt. Soziale Systeme bestehen, versteht man sie in diesem Kontext, aus „faktischen Handlungen, die sinngemäß zusammenhängen“ (Luhman 1970, S.42). Handlungen sind demnach Voraussetzung und zugleich konstitutive Merkmale von Systemen. Ein weiteres Kriterium für das Vorhandensein eines Systems ist die Demarkation eines Bezugs­rahmens. Das System der Medien wird als Teil von einer Umwelt, beispielsweise der Gesellschaft abgegrenzt und es erfolgt eine „Klarlegung der Perspektive, unter der [gesellschaftliche Systeme] betrachtet werden sollen.“ (Burkart 2002. S. 381). Die hauptsächliche Funktion von Systemen liegt aus systemtheoretischer Perspektive in der Festigung der eigenen Existenz und dem Ermöglichen von weiteren Handlungen, die sich unmittelbar an vorangegangene anschließen. Im zu untersuchenden Fach­bereich der Kommunikationswissenschaft seien dies vor allem kommunikative Hand­lungen im Allgemeinen und Anschlusskommunikationen im Speziellen (vgl. Beck: 2007. S. 88).

Merton definiert den Begriff Funktion als „Folgen eines sozialen Elements, die die An­passung eines gegebenen Systems an seine Umwelt fördern (...) während jene Konsequenzen, die die Anpassung eines Systems beeinträchtigen beziehungsweise mindern als Dysfunktion bezeichnet werden.“ (Merton 1967 zitiert nach Burkart 2002, S.381). Die Einstufung ob eine Funktionalität oder Dysfunktionalität besteht geschieht durch den Bezugsrahmen, indem analysiert wird ob die Probleme, die vom Bezugs­rahmen an das System herangetragen worden sind, gelöst wurden oder nicht. Mit Funktionen sind mikroperspektivisch jedoch keine „individual-psychologischen“ Medienwirkungen gemeint, die sich an einzelnen Individuen des Systems beobachten lassen. Vielmehr beziehen sich diese auf die Meso- und Makroebene, in denen es vordergründig darum geht, Leistungen für Subsysteme (Politik, Wissenschaft) oder für die Gesellschaft überhaupt zu erfüllen (vgl. Beck 2007, S.89). Beck unterscheidet ferner zwischen Aufgaben, Zwecken und Funktionen. Erstere stellen normative An­forderungen dar, die von außen herangetragen würden. Zweitgenannte sind dadurch gekennzeichnet, dass sie teleologisch vorherbestimmt seien. „Funktionen hingegen sind kontingente Problemlösungen für kontingente Probleme“, ein Problem könne demzufolge auf unterschiedliche Art erschlossen und dieselbe Funktion mannigfach erfüllt werden (ebd. S.90). Überdies kann auch zwischen manifesten und latenten Funktionen unterschieden werden. Manifeste Leistungen sind solche, die von den Kommunikationsbeteiligten beabsichtigt und beobachtbar sind. Indessen sind latente Funktionen den Kommunikanten nicht ohne Weiteres bewusst, nicht intendiert und wenn überhaupt, nur indirekt beobachtbar und nachvollziehbar. Beispielsweise wird die manifeste Funktion des Fernsehkonsums, also die Informations- und Unterhaltungs­funktion von den Beteiligten verstanden, doch ist beispielsweise dem Rezipienten im Moment der Rezeption nicht bewusst, dass das Gesehene zugleich eine Trost spendende und zeitgebende Funktion erfüllt.

Lässt sich daraus folgern, dass die ausdifferenzierten[1] Funktionen der Massenmedien, auf die im Folgenden genauer eingegangen werden soll, nicht oder nur andeutungs­weise von den Kommunikationspartnern wahrgenommen werden? Gleichgültig ob latent oder manifest - die Funktionen der Massenmedien stellen in erster Linie alle Leistungen dar, die in Hinblick auf die Gesellschaft und deren Teilsysteme erfüllt werden sollen.

2.2 Politische Funktionen der Massenmedien

Folglich sind politische Funktionen also die Leistungen, die die Massenmedien für das politische System erbringen. Voraussetzung dafür ist das Bestehen einer demo­kratischen Gesellschaftsordnung. Um Missverständnisse zu vermeiden, sei darauf hin­gewiesen, dass die Termini Massenmedien und Massenkommunikation den Definitionen von Luhman und Maletzke folgen. Massenmedien seien danach „alle Ein­richtungen der Gesellschaft, die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen“ (Luhman 1966, S.6). Massenkommunikation be­schreibt einen Prozess, in dem Aussagen indirekt, einseitig und über technisch ver­mittelte Übertragungs- und Verbreitungsmittel an ein disperses und anonymes Publikum verbreitet werden (Maletzke 1963 zitiert nach Burkart 2002, S.168f).

Das Herstellen von Öffentlichkeit ist eine der wichtigsten Funktionen der Massen­medien. Im Gegensatz zur privaten Öffentlichkeit oder der Brieföffentlichkeit früherer Jahrhunderte besteht sie gegenwärtig darin, dass Inhalte über Massenmedien öffentlich verfügbar gemacht werden. Dieser Zugang zu Inhalten ist eine „konstitutive Voraussetzung demokratischer Partizipation sowie Willens- und Meinungsbildung.“ (Beck 2007, S.94), denn „politische Entscheidungen in einer Demokratie sind in der Regel nur dann legitimierbar, wenn sie Ausdruck des Willens einer Mehrheit (...)“ (Burkart 2002, S.391) sind. Eine Willensbildung erfordert aber auch die Klärung und Diskussion von Ansichten und sinnhaften Auffassungen der Kommunikations­beteiligten. Erst dann ist eine Kommunikation bezüglich politischer Programme, Ziele und Forderungen möglich und eine Öffentlichkeit kann erzeugt werden. Indem Massenmedien die Erwartungen der Bürger gleichermaßen thematisieren wie Inhalte des Systems Politik, bieten Medien einen Raum, in dem ein Austausch von Informationen zwischen Organisationen (Parteien), Institutionen (Bundesrat) und den Bürgern gewährleistet wird (Burkart 2002, S.392). Beck präzisiert diese Ansichten und führt an, dass die Herstellung von Öffentlichkeit in fortschrittlichen „Großgesellschaften“ ohne Massenmedien nicht möglich wäre. Beispielsweise könne eine Kundgebung durch deren räumliche Begrenztheit niemals alle (politisch interessierten) Bürger er­reichen. Die Medien hingegen sind prinzipiell in der Lage dazu, auch wenn die letzt­endliche Aufnahme der bereitgestellten Inhalte von Bedürfnisstrukturen aufseiten der Rezipienten abhänge (Beck 2007, S.94).

Im Bereich der politischen Funktionen kommt den Massenmedien auch eine Artikulations- und Korrelationsfunktion zu. Medien transportieren die Stimmung in der Bevölkerung und fungieren somit als „Sprachrohr“. Sie nehmen dadurch eine dienende Haltung ein und stellen ein Forum der Meinungen in ihrer Vielfalt dar. Hundertmark begreift sie in diesem Zusammenhang als ein „Podium (...), auf dem gesellschaftliche Konflikte (...) durchschaubar gemacht werden.“ (Hundertmark 1976 zitiert nach Burkart 2002, S.392). Eben weil nicht alle zu jeder Zeit und an jedem Ort Zugang zu Themen, Meinungen, Fragen und Antworten haben, müssen die Medien diese artikulieren. Wenn die Massenmedien ihrer Artikulationsfunktion gerecht werden, soll es im Sinne einer kollektiven Willensbildung zu einem rationalen Konsens kommen, der dadurch entstehe, dass die Meinungen der Beteiligten aufeinander abgestimmt werden. Saxer erkennt darin, dass die Presse als Vermittler von politischer Information unterschied­liche Meinungen veröffentliche, eine pluralistische Meinungsvielfalt, die durch die Korrelation bei der Konsensfindung wiederum reduziert werde (vgl. Saxer 1974 zitiert nach Burkart: 2002, S.393).

Eine weitere Funktion der Massenmedien für die Politik ist die politische Sozialisations­funktion. Ronneberger sieht angesichts des hohen Differenzierungsgrades moderner Gesellschaften, in den Massenkommunikationsmitteln eine zunehmende Bedeutung als Integrationsfaktoren. Sie schaffen einheitliche Verhaltensnormen, simulieren und determinieren das politische Vorstellungsvermögen, indem sie den Blick vom Personellen auf das Allgemeine lenken. Die Massenmedien veröffentlichen die Inhalte politisch Führender, nehmen dazu Stellung und vermitteln sie im Fokus des ge­sellschaftlichen Gesamtinteresses. Die politische Sozialisation wird laut Ronneberger in den ersten Lebensjahren durch Familie und Schule in Bewegung gesetzt. Doch schon während des Heranwachsens werden diese Sozialisationsinstanzen zurück­gedrängt - sie verlieren ihren Status als Primärgruppe. Die von den Medien aus­gehenden Bilder und Verhaltensregeln gewinnen bei der Formung des politischen Willens an Relevanz. Die unmittelbar und selbst erlebten Erfahrungen können zwar durch die Medien nicht erreicht werden, dennoch gewöhne man sich an deren Aus­sageform (vgl. Ronneberger 1964, S.296). Die politische Sozialisations- und Bildungs­funktion fördert demgemäß eine aktive Teilnahme der Bürger an der Politik. Die Be­völkerung soll durch Informationen für Politik sensibilisiert werden und Verantwortung übernehmen. Darüber hinaus unterstützt die Presse mit Informationen den Aufbau einer politischen Urteils- und Meinungsbildung.

Die Emanzipation der Massenkommunikationsmittel von staatlichen und machtvollen gesellschaftlichen Zwängen ist nach Ronneberger das Fundament einer politischen Kritik- und Kontrollfunktion, die ebenfalls zu den bedeutsamsten politischen Funktionen der Medien zählt. Hierbei handelt es sich um die Überwachung des gesetz- und recht­mäßigen Handelns von Legislative, Exekutive und Judikative. Die Kontrolle beruht jedoch weniger auf dem Rivalitätsverhältnis von Volk und Staat, als eher auf einer Selbstkontrolle eines gesellschaftlich- staatlichen, pluralistischen Gesamtsystems. Die Massenmedien leihen ihre Aufmerksamkeit den Inter- und Intraorgankontrollbedürf- nissen der am staatlichen und öffentlichen Prozess Beteiligten, welche Schwächen, Varianzen, und Verfehlungen ihrer Gegner oder Partner aufdecken. Voraussetzung dieses Kontrollsystems ist die Neutralität der Massenmedien, deren Eigenständigkeit und Pressefreiheit (vgl. ebd. S.296f). In diesem Zusammenhang spricht man von den Medien auch als vierte Gewalt im Staat und führte den Terminus Mediakratie ein.

[...]


[1]

Ausdifferenziert meint hier die systematische Einordnung der Funktionen nach Beck (Beck 2007 S.97) oder Burkart (Burkart 2002 S. 382), vernachlässigt jedoch die übergeordneten Funktionen Unterhaltung, Information.

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Details

Titel
Die Funktionen der Massenmedien
Untertitel
Förderung oder Diktat einer öffentlichen Meinung
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V160252
ISBN (eBook)
9783640733453
ISBN (Buch)
9783640734078
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ronneberger, Öffentlichkeit, Öffentliche Meinung, Politische Funktionen, Soziale Funktionen, Ökonomische Funktionen
Arbeit zitieren
Gordon Oslislo (Autor), 2009, Die Funktionen der Massenmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160252

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