Bei Luhmann wie auch bei Habermas spielt Kommunikation für die Möglichkeit sozialer Ordnung jeweils eine zentrale Rolle. Depkat stellt darauf ab, dass die Definitionen von Kommunikation sowie die Auffassung über deren Charakter und die Funktion bei beiden Vertretern völlig unterschiedlich sind (vgl. Depkat 2003: 11). Doch sind die theoretischen Auffassungen wirklich völlig unterschiedlich?
Um den Ähnlichkeiten und Unterschieden in den theoretischen Auffassungen Luhmanns und Habermas näher zu kommen, sollen beide miteinander verglichen werden. Da bei beiden theoretischen Ansätzen die Kommunikation eine entscheidende Rolle spielt, sollen sie auf folgende Frage hin untersucht werden: Was ist die Bedin-gung dafür, dass Kommunikation zustande kommt? Um diese Frage zu beantworten, werden zunächst die Theorien anhand ihrer entscheidenden Begriffe dargestellt. Im Anschluss daran soll der Vergleich stattfinden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung der Kommunikations- Konzepte
2.1 Luhmann
2.1.1 Doppelte Kontingenz
2.1.2 Elementare Kommunikationseinheit
2.1.3 Anschlusskommunikation
2.1.4 Zusammenfassung
2.2 Habermas
2.2.1 (Nicht signifikante) Geste
2.2.2 Übergang zur symbolisch vermittelten Interaktion
2.2.3 Regeln und Geltungsansprüche
2.2.4 Zusammenfassung
3. Fazit/Vergleich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Kommunikationskonzepte von Niklas Luhmann und Jürgen Habermas, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Auffassungen zu identifizieren. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Was ist die Bedingung dafür, dass Kommunikation zustande kommt? Durch den Vergleich der zentralen Begriffe beider Theorien soll herausgearbeitet werden, ob die Auffassungen über Charakter und Funktion von Kommunikation tatsächlich grundlegend verschieden sind oder ob sich Annäherungspunkte in der systemtheoretischen und sprechakttheoretischen Perspektive finden lassen.
- Vergleich der Kommunikationstheorien von Luhmann und Habermas
- Analyse der Bedingung für das Zustandekommen von Kommunikation
- Untersuchung der Konzepte "doppelte Kontingenz" und "symbolisch vermittelte Interaktion"
- Gegenüberstellung von Systemtheorie und Sprechakttheorie
- Diskussion über Konsensorientierung vs. strukturelle Anschlussfähigkeit
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Doppelte Kontingenz
Wenn etwas kontingent ist, muss es nicht zwingend so sein, wie es ist, sondern kann auch ganz anders sein. Gegeben eine Situation, in der Ego und Alter aufeinander treffen und sich nicht bereits kennen. Kontingent ist die Situation nun insoweit, dass Ego nicht weiß, wie Alter sich verhalten wird.
Doppelt wird die Kontingenz, wenn Ego nicht weiß, wie Alter sich verhalten wird und Ego deshalb nicht weiß, wie er sich gegenüber Alter verhalten soll. Liegt die doppelte Kontingenz sowohl bei Ego wie auch bei Alter vor, wird von doppelter doppelter Kontingenz gesprochen. Ego und Alter sind in diesem Fall wechselseitig aufeinander bezogen. (vgl. Luhmann 1984: 152) Ego erwartet, dass Alters Verhalten Erwartungen an Ego enthält und legt sein eigenes Verhalten aufgrund „dieser erwarteten Erwartung fest.“ (Lindemann 2009: 17)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Rolle der Kommunikation für soziale Ordnung bei Luhmann und Habermas ein und definiert die Vergleichsfragestellung.
2. Darstellung der Kommunikations- Konzepte: Dieses Kapitel erläutert die Theorien von Luhmann und Habermas anhand ihrer Kernbegriffe und strukturellen Bedingungen für Kommunikation.
3. Fazit/Vergleich: Das Fazit stellt die theoretischen Ansätze gegenüber, arbeitet die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten heraus und bewertet die verschiedenen Ansätze zur Konstitution sozialer Strukturen.
Schlüsselwörter
Kommunikation, Niklas Luhmann, Jürgen Habermas, soziale Systeme, doppelte Kontingenz, symbolisch vermittelte Interaktion, Geltungsansprüche, Sprechakttheorie, Systemtheorie, soziale Ordnung, Einstellungsübernahme, Sinn, Anschlusskommunikation, Konsens, Handlungskoordinierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Kommunikationstheorien von Niklas Luhmann und Jürgen Habermas, um deren unterschiedliche Perspektiven auf soziale Prozesse zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Systemtheorie Luhmanns, die Theorie des kommunikativen Handelns von Habermas, das Konzept der doppelten Kontingenz sowie die Bedingungen für die Entstehung von Sinn und Verständigung.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach: Was ist die Bedingung dafür, dass Kommunikation zustande kommt? Dabei wird untersucht, inwieweit die theoretischen Positionen tatsächlich unvereinbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Es handelt sich um einen theoretischen Vergleich. Die Autoren werden anhand ihrer zentralen Begriffe gegenübergestellt, um Ähnlichkeiten und fundamentale Unterschiede systematisch herauszuarbeiten.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der luhmannschen Konzepte (Doppelte Kontingenz, Elementare Kommunikationseinheit) und der habermasschen Konzepte (Geste, Übergang zur symbolischen Interaktion, Geltungsansprüche).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Begriffe sind Kommunikation, soziale Systeme, systemtheoretische vs. sprechakttheoretische Ansätze, Konsens, soziale Struktur und Kontingenz.
Wie unterscheidet sich Luhmanns Verständnis von Kommunikation von dem bei Habermas?
Während bei Luhmann Kommunikation als autopoietischer Prozess ohne notwendige Konsensabsicht verstanden wird, betont Habermas die Notwendigkeit von Verständigung und die Einlösung von Geltungsansprüchen als Fundament sozialen Handelns.
Welche Rolle spielt die "Geste" bei Habermas?
Bei Habermas ist die Geste die Grundlage für den Übergang von subhumaner Interaktion zu symbolisch vermittelter Interaktion, wobei die Einstellungsübernahme entscheidend ist, damit Akteure Signale identisch interpretieren können.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Nina Eger (Author), 2009, Ein Vergleich des Kommunikationsbegriffs von Luhmann und Habermas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160256