In den Diskussionen um den Geburtenrückgang und den Ursachen für die ansteigende Kinderlosigkeit ruht der Fokus vornehmlich auf den Frauen. Und hier wird insbesondere den Frauen mit akademischer Ausbildung besonderes Interesse geschenkt. Es wird von einem
über 40%igen Anteil kinderloser Akademikerinnen mit steigender Tendenz berichtet. Zur Erklärung der Kinderlosigkeit hoch gebildeter Frauen wird oft der sog. Institutioneneffekt angeführt. Nach diesem wird davon ausgegangen, dass sich die Familiengründung, bedingt
durch die längeren Ausbildungszeiten nach hinten verschiebe. Die hoch gebildeten Frauen blieben demnach nicht dauerhaft kinderlos,
sondern würden ihre Familiengründungsphase nur zeitlich nach hinten verschieben. Es wird resignierend festgestellt: „Wissenschaft als Lebensform und ein Leben mit kleinen Kindern passen nicht zusammen“ (Metz-Göckel/Möller/Auferkorte-Michaelis 2009: 13). Doch ist dies wirklich so? Sind eine wissenschaftliche Karriere und Kinder unvereinbar?
Die Frage nach der (Un-)Vereinbarkeit von Karriere und Kindern ist eng an die gegebenen Rahmenbedingungen gekoppelt. Ein Blick zurück zeigt, dass die Rahmenbedingungen für die Realisierung von Kindern z.B. während des Studiums nicht in ganz Deutschland gleich gestaltet waren. Im System der DDR gab es z.B. gezielte Anreize für eine frühzeitige Realisierung des Kinderwunsches; Studentinnen mit Kind wurden bspw. gezielt gefördert. Da angenommen wird, dass sich die jahrzehntelange Zweiteilung Deutschlands (in Ost und West) erheblich auf die Bevölkerungsentwicklung, das Familienleitbild und die Rolle der Frau und damit indirekt auch auf das Erstgebäralter ausgewirkt hat, soll die Zugehörigkeit zu den alten bzw. neuen Bundesländern im Rahmen einer klassischen Kontextanalyse getestet werden. Es gilt zu prüfen, ob der Institutioneneffekt für die ost- und westdeutschen Akademikerinnen gleichermaßen feststellbar ist.
Um dieser Frage nachzugehen, wird zu Anfang kurz auf die gesellschaftlichen Veränderungen im Hinblick auf das Familienleitbild, die Rolle der Frau und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eingegangen. Des Weiteren wird der Institutioeneffekt dargestellt. Dem schließt sich der empirische Teil der Arbeit an. Hier wird auf den gewählten Datensatz eingegangen. Anschließend wird die Methode der klassischen Kontextanalyse dargestellt. Dem schließen sich die Auswertung der Daten und ein kurzes Fazit an.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Gesellschaftliche Veränderungen Ost- vs. Westdeutschland
- 2.1 Familienleitbild und Rolle der Frau
- 2.2 Rahmenbedingungen
- 2.3 Institutioneneffekt
- 3. Empirische Untersuchung
- 3.1 Wahl des Datensatzes
- 3.2 Operationalisierung
- 3.2.1 Akademikerinnen
- 3.2.2 Erstgebäralter
- 3.2.3 Gesamtkinderzahl
- 3.2.4 Ost- und westdeutsches Sample
- 3.3 Charakterisierung des Datensatzes
- 3.4 Analyse
- 3.4.1 Methode
- 3.4.2 Auswertung
- 4. Fazit
- Familienleitbild und Rolle der Frau in Ost- und Westdeutschland
- Rahmenbedingungen für die Familiengründung
- Der Institutioneneffekt und seine Auswirkungen auf die Familiengründung
- Empirische Analyse der Familiengründung von Akademikerinnen in Ost- und Westdeutschland
- Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und dem Erstgebäralter von Akademikerinnen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen in Ost- und Westdeutschland auf die Familiengründung von Akademikerinnen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der sogenannte Institutioneneffekt, der eine zeitliche Verschiebung der Familiengründung aufgrund längerer Ausbildungszeiten postuliert, für beide Teile Deutschlands gleichermaßen feststellbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 beleuchtet die gesellschaftlichen Veränderungen in Ost- und Westdeutschland im Hinblick auf das Familienleitbild, die Rolle der Frau und die Rahmenbedingungen für die Familiengründung. Es wird auf die Unterschiede in der Entwicklung des Familienmodells und der Gleichstellungspolitik in beiden Teilen Deutschlands eingegangen. Kapitel 3 stellt die empirische Untersuchung vor, die auf die Analyse des gewählten Datensatzes mit Fokus auf Akademikerinnen in Ost- und Westdeutschland zielt. Die Operationalisierung relevanter Variablen wie Erstgebäralter und Gesamtkinderzahl wird erläutert. Kapitel 4 widmet sich der Analyse der Daten und der Schlussfolgerungen, die sich aus der Untersuchung ergeben.
Schlüsselwörter
Akademikerinnen, Familiengründung, Institutioneneffekt, Ost- und Westdeutschland, Familienleitbild, Rolle der Frau, Gleichberechtigung, Erstgebäralter, Gesamtkinderzahl, Empirische Untersuchung, Kontextanalyse, demografischer Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der „Institutioneneffekt“ bei Akademikerinnen?
Der Institutioneneffekt besagt, dass sich die Familiengründung bei hochgebildeten Frauen aufgrund langer Ausbildungszeiten zeitlich nach hinten verschiebt, statt ganz auszufallen.
Gibt es Unterschiede bei der Kinderlosigkeit zwischen Ost- und Westdeutschland?
Ja, die Arbeit untersucht, wie unterschiedliche Rahmenbedingungen und Familienleitbilder in der DDR und der BRD das Erstgebäralter und die Kinderzahl beeinflusst haben.
Sind wissenschaftliche Karriere und Kinder unvereinbar?
Oft wird dies behauptet („Wissenschaft als Lebensform“), doch die Studie prüft, inwieweit dies eine Frage der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und nicht der persönlichen Entscheidung ist.
Wie förderte die DDR Studentinnen mit Kind?
In der DDR gab es gezielte Anreize und Förderungen für eine frühzeitige Familiengründung während des Studiums, was zu einem niedrigeren Erstgebäralter als im Westen führte.
Warum liegt der Fokus der Geburten-Diskussion oft auf Akademikerinnen?
Da bei Akademikerinnen eine Kinderlosenquote von über 40% gemeldet wurde, gelten sie als zentrale Gruppe für die Analyse des demografischen Wandels.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Nina Eger (Author), 2010, Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen: Zum Institutioneneffekt bei ost- und westdeutschen Frauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160266