Der Mensch muss in seinem Leben viele Entscheidungen treffen. Die Forschung zeigt, dass er sich dabei keinesfalls ausschließlich rational verhält. Häufig findet kein umfangreiches Abwägen der Vor- und Nachteile statt. Stattdessen greift er zu einfacheren, heuristischen Entscheidungsregeln, um eine möglichst effiziente Entscheidung zu treffen.
Menschen greifen bei rationalen Entscheidungen häufig auf die Erwartungswert-Strategie zurück, die die Ergebnisse mit ihren Wahrscheinlichkeiten abwägt. Bei ungewissen Entscheidungen neigen sie gemäß der Minimax-Heuristik dazu, jegliche Wahrscheinlichkeiten zu vernachlässigen. Die Entscheidungsfindung unterscheidet sich daher systematisch voneinander. Inwieweit diese Diskrepanz auftritt, wenn eine Person für eine sozial entfernte Andere entscheidet oder Empfehlungen ausspricht, wurde in zwei Studien unter Verwendung eines Risky-Choice-Paradigmas untersucht. Dabei wurden Entscheidungen im monetären Bereich mit denen im medizinischen verglichen. Die Ergebnisse bestätigen die Annahme, dass es einen Unterscheid zwischen rationalen und heuristischen Entscheidungen gibt. Dies ist auch der Fall, wenn eine Person nicht für sich selbst entscheidet – Entscheidungen unter Risiko und die ihnen zugrundeliegenden Prozesse sind stark kontextabhängig und werden vielmehr von der Art der Folgen der Entscheidung beeinflusst.
Inhaltsverzeichnis
- Zusammenfassung
- 1 Irrationales Verhalten bei der Entscheidungsfindung
- 2 Forschungsüberblick
- 2.1 Entscheidungsverhalten
- 2.2 Entscheidungen unter Risiko
- 2.3 Diskrepanz zwischen medizinischen und monetären Entscheidungen
- 2.4 Informationssuche
- 2.5 Affekt
- 2.6 Entscheidungen für Andere
- 3 „The gap between medical and monetary choices under risk persists in decisions for others“
- 3.1 Methode
- 3.1.1 Monetäre Bewertungsaufgabe
- 3.1.2 Auswahlaufgaben
- 3.1.3 Affektive Bewertungsaufgabe
- 3.1.4 Suchaufwand
- 3.2 Ergebnisse
- 3.2.1 Zahlungsbereitschaft
- 3.2.2 Diskrepanz zwischen monetären und medizinischen Entscheidungen
- 3.2.3 Affekt
- 3.2.4 Suchaufwand
- 3.1 Methode
- 4 Diskussion
- 4.1 Methodenkritik
- 4.2 Forschungsvorschlag
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die systematischen Unterschiede im Entscheidungsverhalten von Menschen, insbesondere wenn diese unter Unsicherheit wählen. Es wird analysiert, inwieweit die Diskrepanz zwischen rationalen und heuristischen Entscheidungsstrategien fortbesteht, wenn Entscheidungen für sozial distanzierte Personen getroffen oder Empfehlungen ausgesprochen werden, und dies sowohl im monetären als auch im medizinischen Kontext.
- Vergleich rationaler (Erwartungswert-Strategie) und heuristischer (Minimax-Heuristik) Entscheidungen
- Analyse der Entscheidungsfindung unter Risiko und Unsicherheit
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen medizinischen und monetären Entscheidungen
- Einfluss der Entscheidungsperspektive (Entscheidungen für sich selbst versus für andere)
- Rolle der Informationssuche und des Suchaufwands im Entscheidungsprozess
- Bedeutung des Affekts bei der Entscheidungsfindung
Auszug aus dem Buch
„The gap between medical and monetary choices under risk persists in decisions for others“
Die im Folgenden beschriebene Studie von Popovic et al. (2019) beschäftigt sich mit der Diskrepanz zwischen medizinischen und monetären Entscheidungen. Sie ist die erste, die dahingehend die Entscheidungsfindung für sich selbst und für andere untersucht. Das Auswahl- und Suchverhalten wurde ebenfalls analysiert. Folgende Forschungsfragen wurden zur Untersuchung der Rationalität bei der medizinischen Entscheidungsfindungen, bei der Risiken und Vorteile der Behandlung mit den entsprechenden Wahrscheinlichkeiten abgewogen werden sollten, aufgestellt: 1. Ist die monetär-medizinische Diskrepanz bei Entscheidungen für andere Personen geringer als bei Entscheidungen für sich selbst? 2. Sind medizinische Entscheidungen für andere auch stärker heuristischer als monetäre Entscheidungen, wie es bei Entscheidungen für sich selbst der Fall ist?
3.1 Methode In zwei Experimenten wurde in Bezug auf Entscheidungsstrategien und Suchverhalten in der vorliegenden Studie untersucht, inwieweit sich die medizinische und monetäre Entscheidungsfindung für andere, von der Entscheidungsfindung für sich selbst, unterscheidet. Sie decken zwei wichtige Perspektiven ab – Im ersten Experiment fungierten die Teilnehmenden als stellvertretende Entscheidungsträger und wurden gebeten, hypothetische Entscheidungen für einen anderen Studenten zu treffen. In der zweiten Studie wurden die Teilnehmenden dazu aufgefordert, sich in einen Arzt oder Finanzberater hineinzuversetzen und einem Patienten bzw. Kunden Empfehlungen auszusprechen.
Das Paradigma basierte in beiden Experimenten auf Lejarraga et al. (2016), bei denen die Teilnehmenden entweder Entscheidungen aufgrund von Beschreibungen (Decision-from-Description) oder Erfahrungen (Decision-from-Experience) zwischen monetären und medizinischen Spielen vornehmen mussten. Der Umfang des Suchaufwands bei erfahrungsbasierten Entscheidungen, gibt Aufschluss darüber, wie wichtig es für jemanden ist, eine präzise Darstellung der Wahrscheinlichkeit für ein Ergebnis zu erhalten.
Das experimentelle Design umfasste die zwei Between-Subject-Faktoren, was bedeutet, dass die verschiedenen Studiengruppen miteinander verglichen werden: Die Entscheidungsper-spektive (selbst/ SELF vs. andere/ OTHER) und das Entscheidungsformat (DfD vs. DfE). Als Within-Subject-Faktor, wobei mehrere Messungen bei derselben Person durchgeführt werden, dient die Domäne (medizinisch vs. monetär). In der ersten Studie wurden 164 (139 weiblich), in der zweiten 155 Personen (130 weiblich), befragt, die an der Universität Konstanz rekrutiert wurden.
In den Experimenten mussten die Teilnehmenden zunächst den Geldbetrag angeben, den sie bereit sind zu zahlen, um eine medizinische Nebenwirkung zu vermeiden. Dadurch konnten monetäre Äquivalente für jede Nebenwirkung, für jeden der Teilnehmenden, bestimmt werden, was einen Vergleich ermöglicht.
Zusammenfassung der Kapitel
Zusammenfassung: Stellt die Forschungsfrage vor, die den systematischen Unterschied zwischen rationalen und heuristischen Entscheidungen im Kontext von Entscheidungen für sich selbst und für andere sowie im monetären und medizinischen Bereich untersucht.
Kapitel 1 Irrationales Verhalten bei der Entscheidungsfindung: Erklärt Grundlagen von Entscheidungsprozessen, die oft nicht rational ablaufen, und führt in die Unterscheidung zwischen Entscheidungen unter Sicherheit, Unsicherheit und Risiko ein, mit besonderem Fokus auf den medizinischen Bereich.
Kapitel 2 Forschungsüberblick: Bietet eine detaillierte Übersicht über verschiedene Aspekte des Entscheidungsverhaltens, einschließlich Entscheidungen unter Risiko, die Diskrepanz zwischen medizinischen und monetären Entscheidungen, Informationssuche, die Rolle des Affekts und Entscheidungen für andere.
Kapitel 3 „The gap between medical and monetary choices under risk persists in decisions for others“: Beschreibt die zentrale Studie der Arbeit, ihre Methodik mit zwei Experimenten zur Untersuchung der Entscheidungsfindung für sich selbst und für andere, sowie die erhobenen Ergebnisse bezüglich Zahlungsbereitschaft, Diskrepanzen und Affekt.
Kapitel 4 Diskussion: Diskutiert die Ergebnisse der Studie kritisch, identifiziert Methodeneinschränkungen und schlägt zukünftige Forschungsansätze vor, um die Erkenntnisse zu erweitern.
Schlüsselwörter
Entscheidungsfindung, irrationales Verhalten, Entscheidungen unter Risiko, Heuristiken, Erwartungswert-Strategie, Minimax-Heuristik, medizinische Entscheidungen, monetäre Entscheidungen, soziale Distanz, Stellvertretung, Suchverhalten, Affekt, Risikobereitschaft, Entscheidungsstrategien, Entscheidungen für andere.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich menschliches Entscheidungsverhalten systematisch unterscheidet, wenn unter Unsicherheit gewählt wird, insbesondere im Vergleich von rationalen und heuristischen Strategien und bei Entscheidungen für sich selbst im Gegensatz zu Entscheidungen für andere.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind rationale und heuristische Entscheidungsstrategien, Entscheidungen unter Risiko, die Diskrepanz zwischen medizinischen und monetären Entscheidungen, der Einfluss der Entscheidungsperspektive, die Informationssuche und der Suchaufwand sowie die Rolle des Affekts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob die monetär-medizinische Diskrepanz bei Entscheidungen für andere Personen geringer ist als bei Entscheidungen für sich selbst, und ob medizinische Entscheidungen für andere stärker heuristisch sind als monetäre Entscheidungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden zwei Experimente im Rahmen eines Risky-Choice-Paradigmas durchgeführt, die sich auf ein Paradigma von Lejarraga et al. (2016) stützen und sowohl Decisions-from-Description als auch Decisions-from-Experience umfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die konkrete Durchführung von zwei Experimenten, die verwendeten Bewertungstypen (monetär, affektiv), Auswahlaufgaben, die Messung des Suchaufwands sowie die erhobenen Ergebnisse in Bezug auf Zahlungsbereitschaft, Diskrepanzen zwischen monetären und medizinischen Entscheidungen und die Rolle des Affekts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Entscheidungsfindung, irrationales Verhalten, Entscheidungen unter Risiko, Heuristiken, Erwartungswert-Strategie, Minimax-Heuristik, medizinische und monetäre Entscheidungen, soziale Distanz, Suchverhalten und Affekt charakterisiert.
Warum unterscheiden sich medizinische und monetäre Entscheidungen häufig?
Medizinische Entscheidungen sind oft stärker von Ungewissheit und dem affektiven Gehalt der möglichen Folgen geprägt, was häufig zur Anwendung von Heuristiken wie der Minimax-Heuristik führt, während monetäre Entscheidungen tendenziell rationaler auf Basis der Erwartungswert-Strategie getroffen werden.
Welche Rolle spielt der Affekt bei der Entscheidungsfindung, insbesondere bei medizinischen Kontexten?
Affektive Reaktionen, die intensiver bei medizinischen Nebenwirkungen als bei finanziellen Verlusten sind, können dazu führen, dass Wahrscheinlichkeiten vernachlässigt werden und Entscheidungen heuristischer getroffen werden. Die affektive Bewertung ist zudem geringer, wenn man für andere entscheidet.
Wie wurde der Suchaufwand in der beschriebenen Studie gemessen?
Der Suchaufwand wurde in der DfE-Bedingung anhand der Gesamtzahl der Ziehungen aus beiden Optionen pro Auswahlproblem gemessen, was Aufschluss darüber gibt, wie wichtig eine präzise Darstellung der Wahrscheinlichkeit für ein Ergebnis ist.
Welche spezifischen Forschungsfragen werden in der Hauptstudie untersucht?
Die Hauptstudie untersucht zwei spezifische Forschungsfragen: Erstens, ob die monetär-medizinische Diskrepanz bei Entscheidungen für andere Personen geringer ist als bei Entscheidungen für sich selbst, und zweitens, ob medizinische Entscheidungen für andere stärker heuristisch sind als monetäre Entscheidungen.
- Citation du texte
- Charlotte Frohreich (Auteur), 2023, Irrationales Verhalten bei der Entscheidungsfindung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1603153