Schon von Jean Fourastié als „große Hoffnung“ gesehen, gewannen Dienstleistungen in der späteren Hälfte des 20. Jahrhunderts stark an Bedeutung. Der wirtschaftliche Strukturwandel wird überwiegend durch die Tertiärisierung bestimmt. Innerhalb dieser dynamischen Entwicklung sticht der moderne Begriff des quartären Sektors und damit auch der wissensintensiven Dienstleistungen, durch starkes Wachstum, besonders heraus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriff wissensintensiver unternehmensorientierter Dienstleistungen
3. Bedeutung in Deutschland
4. Wachstumsdynamik und ihre Gründe
4.1 Externalisierungsthese
4.2 Interaktionsthese
4.3 Innovationsthese und Parallelitätsthese
5. Standortverhalten in Deutschland
5.1 Räumliche Konzentration
5.2 Agglomerationsvorteile
5.3 Regionale Spezialisierungen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wirtschaftliche Bedeutung, die Wachstumsfaktoren sowie das spezifische Standortverhalten wissensintensiver unternehmensorientierter Dienstleistungen in Deutschland. Es wird analysiert, wie diese Dienstleistungsform als Motor des wirtschaftlichen Strukturwandels fungiert und welche regionalen Muster ihrer Verteilung vorliegen.
- Definition und Abgrenzung wissensintensiver Dienstleistungen
- Wirtschaftliche Kennzahlen und Beschäftigungspotenzial
- Theoretische Erklärungsmodelle für das Wachstumsphänomen
- Räumliche Konzentration und Agglomerationsvorteile
- Regionale Spezialisierungen und Standortdynamik
Auszug aus dem Buch
4.1 Externalisierungsthese
Die Externalisierungsthese setzt ein kostenbedingtes „Outsourcing“ voraus: die Auslagerung von ehemals internen Diensten auf neue Unternehmen.
Das heißt: stellt ein Unternehmen fest, dass ein externes Unternehmen eine Dienstleistung günstiger erbringt als die entsprechende interne Abteilung, gliedert es diese aus und bezieht die Dienstleistung von einem externen Dienstleister (Albach 1989: 7 f.). Dadurch ließe sich der Zuwachs von unternehmensorientierten Dienstleistungen erklären (Strambach 2007: 709).
Jedoch haben u. a. Untersuchungen in Deutschland an mehreren Industriebranchen (Fahrzeug-, Maschinenbau, Nahrungs- und Futtermittelherstellung sowie Herstellung chemischer Erzeugnisse) im Jahr 2004, bei denen jeweils der Anteil einer (externen) Vorleistung am Produktionswert einer Branche betrachtet wurde, ergeben, dass in einigen Branchen verstärkt Outsourcing stattfand in anderen wiederum rückläufig war (Döhrn et al. : 47 ff.). Daraus lässt sich schließen, dass die Externalisierung nur einen Teil an der Expansion der unternehmensorientierten Dienstleistungen ausmachen. Sie bewirken eher Umschichtungen als einen reellen Zuwachs bei unternehmensorientierten Dienstleistungen (Kulke 2008: 164).
Daher ist die Externalisierungsthese nicht als Erklärung für den kontinuierlich starken Zuwachs wissensintensiver unternehmensorientierter Dienstleistungen geeignet (Strambach 2007: 709).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung wissensintensiver Dienstleistungen als Teil des quartären Sektors und Strukturwandels in Deutschland.
2. Begriff wissensintensiver unternehmensorientierter Dienstleistungen: Definition und Abgrenzung gegenüber Routinedienstleistungen, wobei der Fokus auf hochqualifizierten Arbeitskräften liegt.
3. Bedeutung in Deutschland: Analyse des Anteils dieser Dienstleistungen an der Bruttowertschöpfung und der Beschäftigungssituation.
4. Wachstumsdynamik und ihre Gründe: Untersuchung der Ursachen des starken Wachstums anhand von vier theoretischen Thesen.
4.1 Externalisierungsthese: Erörterung der Auslagerung interner Dienstleistungen als mögliche Wachstumsursache und deren kritische Prüfung.
4.2 Interaktionsthese: Erläuterung des Wachstums durch steigenden Wissensbedarf und wechselseitige Lernprozesse zwischen Akteuren.
4.3 Innovationsthese und Parallelitätsthese: Betrachtung von Wissen als Produktionsfaktor für Innovationen sowie die Entstehung neuer, spezialisierter Marktangebote.
5. Standortverhalten in Deutschland: Untersuchung der räumlichen Anordnung und der Konzentration dieser Dienstleistungen auf bestimmte Ballungsräume.
5.1 Räumliche Konzentration: Aufzeigen der regionalen Unterschiede und der starken Präsenz in westdeutschen Agglomerationsräumen.
5.2 Agglomerationsvorteile: Diskussion der Standortvorteile wie Wissens-Spill-overs, Arbeitsmarktflexibilität und Erreichbarkeit.
5.3 Regionale Spezialisierungen: Analyse der sektoralen Ausrichtung einzelner Regionen und deren Bedeutung für den Wettbewerb.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle wissensintensiver Dienstleistungen für die Wissensökonomie und zukünftige Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Wissensintensive Dienstleistungen, Unternehmensdienstleistungen, Strukturwandel, Deutschland, Externalisierungsthese, Interaktionsthese, Innovationsthese, Agglomerationsvorteile, Wissensökonomie, Standortverhalten, Beschäftigungspotenzial, Bruttowertschöpfung, Spill-over-Effekte, Regionale Spezialisierung, Tertiarisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung, das Wachstum und die räumliche Verteilung von wissensintensiven unternehmensorientierten Dienstleistungen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Begriffsbestimmung, die wirtschaftlichen Wachstumstreiber, die Erklärung des Standortverhaltens sowie die räumliche Konzentration in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu verstehen, warum dieser Dienstleistungssektor so stark wächst und welche Faktoren – wie etwa Externalisierung oder Interaktion – sowie räumliche Gegebenheiten dieses Wachstum beeinflussen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die auf der Auswertung aktueller wirtschaftsgeographischer Studien und statistischer Daten zur Wertschöpfung und Beschäftigung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Untersuchung der Wachstumsursachen (Thesen) und eine räumliche Analyse des Standortsverhaltens, unterlegt mit statistischen Beispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wissensintensive Dienstleistungen, Standortverhalten, Agglomerationsvorteile, Wissensökonomie und wirtschaftlicher Strukturwandel sind die Kernbegriffe.
Warum sind diese Dienstleistungen so wichtig für den Strukturwandel?
Sie dienen als zentrales Element der Wissensökonomie, da sie durch ihr hohes Innovationspotenzial neue Märkte erschließen und maßgeblich zur Dynamik der modernen Volkswirtschaft beitragen.
Welchen Einfluss haben Agglomerationsvorteile auf den Sektor?
Ballungsräume bieten durch Wissens-Spill-overs, spezialisierte Arbeitsmärkte und gute Infrastruktur optimale Bedingungen, weshalb sich die Dienstleistungen dort konzentrieren.
Was besagt die Externalisierungsthese in Bezug auf das Wachstum?
Sie vermutet, dass Unternehmen interne Abteilungen ausgliedern und Dienstleistungen extern einkaufen, was jedoch laut den Erkenntnissen der Arbeit nur teilweise für den Gesamtwachstumsschub verantwortlich ist.
Warum gibt es in manchen Regionen wie München spezifische Spezialisierungen?
Diese Spezialisierungen entstehen durch langjährige regionale Entwicklungspfade, bestehende Innovationsmilieus und die Vorteile, die spezialisierte Dienstleister durch die räumliche Nähe zu ihren Kunden erhalten.
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- Heiko Lindner (Author), 2010, Wissensintensive unternehmensorientierte Dienstleistungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160339