1. Einleitung
„Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er´s beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben?“(SEB (2005): Lk 7,41-42)
Dieses Gleichnis Jesu von den zwei Schuldnern spiegelt in eindrücklicher Weise die Thematik wider, wie sie der Erzählung `Jesu Salbung durch die Sünderin´ in Lk 7,36-50 zum Grunde liegt: die dankbare Liebe als Folge eines Schuldenerlasses oder projiziert auf Jesu die dankbare Liebe als Folge der Vergebung. Führt man sich aber die Erzählung von der Sünderin im Ganzen vor Augen, so werden zugleich auch Widersprüchlichkeiten deutlich, die sich vor allem durch den nachfolgenden Vers 47 ergeben:
„Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.“(SEB (2005): Lk 7,47)
Denn hier erscheint die Liebe der Sünderin nicht mehr als Folge, sondern vielmehr als Ursache für die Vergebung ihrer Sünden. Doch wie ist das zu erklären?
Die Beantwortung dieser Frage wird eines der Anliegen dieser Arbeit sein. Eines der Anliegen deshalb, da das übergeordnete Ziel dieser exegetischen Arbeit vor allem darauf beruht, die lukanische Erzählung `Jesu Salbung durch die Sünderin´ (7,36-50) anhand der einer methodisch-kritischen Exegese zugrunde liegenden Methodenschritte im Ganzen zu analysieren wie auch zu interpretieren. Infolge der Komplexität und Breite eines solchen Verfahrens wie der methodisch-kritischen Exegese können hierbei jedoch nicht alle Methodenschritte im Einzelnen berücksichtigt werden; [...]. Insofern werden im Folgenden ausschließlich die (synchrone) Textanalyse, die Literarkritik, die Traditionsgeschichte und die Redaktionsgeschichte ihre Anwendung finden, wobei die hier angegebene Reihenfolge zugleich auch der dieser Arbeit zugrunde liegenden Abfolge der einzelnen Methodenschritte entspricht.
Den Grundstein dieser Arbeit bildet dabei also die Erzählung `Jesu Salbung durch die Sünderin´ in Lk 7,36-50. Diese wird in Form eines Textauszugs den Beginn dieser Arbeit markieren, bevor dann im weiteren Verlauf die Analyse dieses Textes anhand der vier genannten Methodenschritte erfolgt. Den Abschluss dieser Arbeit bildet sodann ein interpretatives Fazit, in dem die Erzählung noch einmal versweise erörtert und zugleich die grundlegendsten, im Laufe dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse zusammengeführt werden sollen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Text: Lk 7,36-50 – Jesu Salbung durch die Sünderin
3. Die Analyse
3.1 (Synchrone) Textanalyse
3.2 Literarkritik
3.3 Traditionsgeschichte
3.4 Redaktionsgeschichte
4. Interpretatives Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser exegetischen Arbeit besteht darin, die lukanische Erzählung von der Salbung Jesu durch die Sünderin (Lk 7,36-50) unter Anwendung methodisch-kritischer Exegese umfassend zu analysieren und zu interpretieren, wobei insbesondere das Verhältnis zwischen Sünderin, Pharisäer und Jesus sowie der theologische Zusammenhang von Glaube, Liebe und Sündenvergebung untersucht wird.
- Anwendung der methodisch-kritischen Exegese auf die Perikope Lk 7,36-50.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Sünderin und Pharisäer Simon.
- Analyse der theologischen Begriffe Salbung, Glaube, Liebe und Sündenvergebung.
- Vergleichende literarkritische Betrachtung zu anderen Evangelien.
- Erörterung der lukanischen Intention und der redaktionsgeschichtlichen Einordnung.
Auszug aus dem Buch
2. Der Text: Lk 7,36-50 – Jesu Salbung durch die Sünderin
Der dieser exegetischen Arbeit zugrunde liegende Text Lk 7,36-50 - `Jesu Salbung durch die Sünderin´ entstammt der `Stuttgarter Erklärungsbibel´ (SEB). Obwohl die Übersetzung in diesem Werk an einer Stelle historisch nicht ganz korrekt ist – denn entgegen der hier anzufindenden Übersetzung, dass Jesus sich zu Tisch setzte, war es zu jener Zeit eher üblich, sich gerade bei festlichen Anlässen auf Polstern zu Tisch zu legen, was zugleich auch für die Analyse dieser Erzählung bedeutsam ist, um zu verstehen, wie die Sünderin von hinten an die Füße Jesu herantreten konnte –, erachte ich diese Übersetzung dennoch als äußerst sinnvoll für eine historisch-kritische Exegese. Denn im Gegensatz z.B. zur `Guten Nachricht´, in welcher zwar der erwähnte Aspekt des Sich-Hinlegens korrekt dargestellt worden ist, die Übersetzung an sich jedoch nicht nah genug am Urtext entlang verläuft, bietet die Stuttgarter Erklärungsbibel neben der gerade im Studium der Theologie oft verwendeten Übersetzung Martin Luthers grundlegende, zum Verständnis eines Textes beitragende Erläuterungen, die sich gerade auch für die Arbeit mit einem soviel umstrittenen Text wie der Lukasperikope 7,36-50 als äußerst hilfreich erweisen könnten.
Was den nun folgenden Textauszug Lk 7,36-50 anbelangt, so sei vorab noch darauf hingewiesen, dass dieser aus Gründen der Übersichtlichkeit sowohl durch Hervorhebungen und Einrückungen als auch durch farbliche Markierungen meinerseits dargestellt werden wird. Sollen dabei die kursiven Hervorhebungen und Einrückungen vor allem die Rede und Erzählanteile des Textes verdeutlichen, so zeigen demgegenüber die roten Markierungen die an dem erzählten Geschehen beteiligten Personen, die hell- und dunkelblauen Markierungen besondere Schlüsselbegriffe und Leitsätze sowie die grün markierte Stelle das in den Erzählstrang eingebaute Gleichnis Jesu auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der dankbaren Liebe als Folge von Sündenvergebung ein und legt das methodische Vorgehen der exegetischen Analyse fest.
2. Der Text: Lk 7,36-50 – Jesu Salbung durch die Sünderin: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl der Textquelle und stellt den für die Analyse grundlegenden Textabschnitt vor.
3. Die Analyse: Das Kernstück der Arbeit wendet die Schritte der (synchronen) Textanalyse, Literarkritik, Traditionsgeschichte und Redaktionsgeschichte auf die Perikope an.
4. Interpretatives Fazit: Das Fazit führt die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und erörtert die Erzählung versweise hinsichtlich ihrer zentralen theologischen Aussagen.
Schlüsselwörter
Lukas, Salbung, Sünderin, Pharisäer, Sündenvergebung, Glaube, Liebe, Dankbarkeit, Exegese, Perikope, Gleichnis, Jesus, Theologie, Heil, Methodik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der exegetischen Analyse der lukanischen Perikope über die Salbung Jesu durch eine Sünderin (Lk 7,36-50).
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind das Verhältnis von Liebe, Glaube und Sündenvergebung sowie die Interaktion zwischen Jesus, der Sünderin und dem Pharisäer Simon.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die methodisch-kritische Untersuchung des Textes, um die theologischen Aussagen und die Intention des lukanischen Evangeliums zu erhellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es werden Schritte der methodisch-kritischen Exegese angewandt, insbesondere die synchrone Textanalyse, Literarkritik, Traditionsgeschichte und Redaktionsgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse des Textes mittels der gewählten Methoden sowie der Untersuchung der theologischen Begriffe und historischen Hintergründe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Lukanisches Sondergut, Sündenvergebung, Glaube, Liebe, Pharisäer-Kritik und methodisch-kritische Exegese.
Wie lässt sich der Widerspruch in Vers 47 erklären?
Der Text stellt den Widerspruch dar, ob die Liebe der Frau eine Voraussetzung für die Sündenvergebung oder deren Folge ist, was in der Literatur intensiv diskutiert wird.
Welche Rolle spielt das Gleichnis der zwei Schuldner?
Das Gleichnis dient Jesus dazu, die Kritik des Pharisäers zu entkräften, die Sünderin zu rechtfertigen und das Verhältnis von Liebe, Schuld und Vergebung zu veranschaulichen.
- Citation du texte
- BA (of Arts) Christina Busch (Auteur), 2009, Jesu Salbung durch die Sünderin (Lk 7,36-50), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160351