Ein Problem, mit dem Lehrkräfte sich grundlegend auseinandersetzen müssen, ist die Kommunikation mit Schüler*innen mit Fluchterfahrungen während des Unterrichts. Die Sprachbarrieren sind häufig zu groß, um einen qualitativen Unterricht zu führen. Die Schüler*innen können dem Unterricht nicht folgen, obwohl ihnen die geistigen Fähigkeiten dafür grundsätzlich zur Verfügung stehen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit diesem Problem und untersucht den Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen im Hinblick auf Sprachbarrieren. Dabei wird der Fokus auf den Umgang im Schulunterricht gelegt. Zu Beginn wird hierfür das Thema Heterogenität näher erläutert, wobei insbesondere die Flucht als Form von Heterogenität behandelt wird.
Anschließend werden die Probleme herausgearbeitet, welche als Hindernisse für die Sprachförderung im schulischen Kontext gelten und somit auch eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe behindern. Darauffolgend werden unterschiedliche Methoden vorgestellt, welche die Sprachbarrieren im Unterricht eindämmen und die sprachlichen Kompetenzen der Schüler*innen unterstützen sollen, um einen qualitativen Unterricht für alle Lernenden zu gewährleisten. Dabei werden auf Methoden sowohl für die Primarstufe als auch für die Sekundarstufe eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Heterogenität in der Schule
- 2.1 Formen von Heterogenität
- 2.2 Flucht als Form von Heterogenität
- 2.2.1 Aktuelle Situation
- 2.2.2 Psychische Belastungen
- 3. Probleme der Sprachförderung im schulischen Kontext
- 3.1 Sprachliche Hindernisse
- 3.1.1 Probleme mit der Fach-/Bildungssprache
- 3.1.2 Probleme mit den Aufgabenstellungen
- 3.2 Separation statt Integration
- 3.3 Defizitperspektive
- 3.1 Sprachliche Hindernisse
- 4. Methoden zum Umgang mit Sprachbarrieren
- 4.1 Sprachförderung im (früh)kindlichem Alter
- 4.1.1 Die Förderung der visuell orientierten Wahrnehmung
- 4.1.2 Die Förderung der auditiv orientierten Wahrnehmung
- 4.1.3 Die Förderung der kinästhetisch orientierten Wahrnehmung
- 4.2 Sprachsensibler Unterricht in der Sekundarstufe
- 4.2.1 Qualitätsmerkmale für sprachsensiblen Unterricht
- 4.2.2 Methoden für sprachsensiblen Unterricht
- 4.2.2.1 Lesestrategien
- 4.2.2.2 Schreibstrategien
- 4.2.2.3 Scaffolding-Methode
- 4.2.2.4 Förderung der Mehrsprachigkeit
- 4.1 Sprachförderung im (früh)kindlichem Alter
- 5. Schluss
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen im Hinblick auf Sprachbarrieren, wobei der Fokus auf den schulischen Kontext gelegt wird. Das primäre Ziel ist es, die Herausforderungen bei der Integration dieser Schüler*innen in das deutsche Bildungssystem aufgrund sprachlicher Hürden zu analysieren und effektive Methoden zur Sprachförderung vorzustellen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche Vorgehensweisen zur Eingliederung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen ins Schulsystem am sinnvollsten erscheinen, um eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
- Heterogenität in der Schule, insbesondere Flucht als Form von Heterogenität
- Sprachliche Hindernisse im schulischen Kontext und Probleme mit Fach-/Bildungssprache
- Die Auswirkungen von Separation statt Integration und einer Defizitperspektive
- Methoden zur Sprachförderung im (früh)kindlichen Alter (visuell, auditiv, kinästhetisch orientierte Wahrnehmung)
- Qualitätsmerkmale und Methoden für sprachsensiblen Unterricht in der Sekundarstufe
- Die Förderung von Mehrsprachigkeit und die Berücksichtigung psychischer Belastungen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Probleme mit der Fach- und Bildungssprache
Häufig ist zu erkennen, dass Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien oder mit einem Migrationshintergrund mit der Allgemeinsprache bzw. der informellen Sprache kaum Schwierigkeiten haben, wenn es jedoch um die Kommunikation in der Schule geht, kommt es zu Schwierigkeiten, da sie die Fach- und Bildungssprache nicht zwangsläufig beherrschen (Natarajan, 2019, S. 257). Um zu verstehen, weshalb genau diese Schüler*innen Schwierigkeiten im Unterricht haben, ist es hilfreich, zunächst das Schema der sprachlichen Register näher zu betrachten.
In der Sprache gibt es unterschiedliche Register, welche sich je nach Kommunikationsanlass wandeln (Natarajan, 2019, S. 256). Beispielsweise bei einem Gespräch mit Arbeitskollegen wird eine andere Sprache gesprochen, als bei einem Bewerbungsgespräch. Zudem ist der Unterschied zu gesprochener Sprache im Vergleich zu geschriebener, dass in der gesprochenen Sprache sprachliche „Fehler“ eher erlaubt sind. Ein Satz kann z. B. abrupt abgebrochen werden, indem das Thema gewechselt wird oder Begriffe nicht konkret benannt werden. Durch die gemeinsame Gesprächssituation der Gesprächspartner*innen ist es einfacher, dem Sprechenden zu folgen und es können Aussagen auch auf diese Weise verstanden werden. Zeit und Ort sind bei den Kommunizierenden gleich, weshalb diese Sprechart auch als „Sprache der Nähe“ bezeichnet wird (Natarajan, 2019, S. 256). Es wäre wahrscheinlich sogar der Fall, dass die Sprache bei korrekter Sprechweise befremdlich klingen würde. Anders ist es wiederrum bei der geschriebenen Sprache, in der Fehler im Satzbau oder in der Grammatik sofort erkenntlich werden und eine zu ungenaue Erklärung zu Verständnisschwierigkeiten führt. Der Leser oder die Leserin ist nicht in der gleichen Situation wie der Autor bzw. die Autorin, weshalb die Texte sich konkret ausdrücken müssen. Hier wird von der „Sprache der Distanz" gesprochen (Natarajan, 2019, S. 256). Für jeden Bereich gibt es ein passendes sprachliches Register, in der eine dafür passende Sprache vorgesehen wird. Im Berufsleben, in verschiedenen Sportarten, in wissenschaftlichen Teilbereichen - für jedes Gebiet gibt es ein anderes Register und dementsprechend auch eine andere Fachsprache.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zunehmende Relevanz der Migration und die damit verbundenen Herausforderungen für Schulen, insbesondere im Umgang mit Sprachbarrieren bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen.
2. Heterogenität in der Schule: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Formen von Heterogenität im schulischen Kontext, wobei ein besonderer Fokus auf Flucht als spezielle Form der Heterogenität und die damit verbundenen psychischen Belastungen gelegt wird.
3. Probleme der Sprachförderung im schulischen Kontext: Hier werden die sprachlichen Hindernisse detailliert beschrieben, die sich aus mangelnder Fach- und Bildungssprache, komplexen Aufgabenstellungen, sowie der Praxis der Separation statt Integration und einer vorherrschenden Defizitperspektive ergeben.
4. Methoden zum Umgang mit Sprachbarrieren: Das Kapitel stellt unterschiedliche Methoden zur Sprachförderung vor, die auf Wahrnehmungsmuster im (früh)kindlichen Alter sowie sprachsensiblen Unterricht in der Sekundarstufe zugeschnitten sind, inklusive Lesestrategien, Schreibstrategien und Scaffolding.
5. Schluss: Der Schlussteil fasst die Haupterkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die Bedeutung eines sprachfördernden und integrativen Ansatzes im Schulsystem und plädiert für die Wertschätzung von Mehrsprachigkeit als Bereicherung.
Schlüsselwörter
Fluchterfahrungen, Sprachbarrieren, Heterogenität, Sprachförderung, Bildungssprache, Fachsprache, Integration, Separation, Defizitperspektive, Scaffolding, Mehrsprachigkeit, schulischer Kontext, Traumatisierung, Wahrnehmungsmuster, Lesestrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich mit dem Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen im Kontext von Sprachbarrieren, insbesondere im deutschen Schulsystem, und sucht nach geeigneten Methoden zur Sprachförderung und Integration.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die schulische Heterogenität durch Flucht, sprachliche Hindernisse im Unterricht, Konzepte von Separation versus Integration, verschiedene Ansätze zur Sprachförderung im Kindes- und Jugendalter sowie die Bedeutung von sprachsensiblem Unterricht und Mehrsprachigkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, effektive Vorgehensweisen zur Eingliederung geflüchteter Kinder und Jugendlicher ins Schulsystem zu identifizieren, um Sprachbarrieren abzubauen und eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit analysiert und diskutiert vorhandene Forschungsergebnisse, Konzepte und Methoden aus der empirischen Bildungsforschung und Pädagogik, um Empfehlungen für den Umgang mit Sprachbarrieren abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die verschiedenen Formen von Heterogenität in der Schule (insbesondere Flucht und psychische Belastungen), die Probleme der Sprachförderung (Fach-/Bildungssprache, Aufgabenstellungen, Separation, Defizitperspektive) und detaillierte Methoden zur Sprachförderung im frühkindlichen Alter und für sprachsensiblen Unterricht in der Sekundarstufe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Fluchterfahrungen, Sprachbarrieren, Heterogenität, Sprachförderung, Bildungssprache, Scaffolding, Mehrsprachigkeit und schulischer Kontext.
Wie unterscheidet sich die "Sprache der Nähe" von der "Sprache der Distanz" im schulischen Kontext?
Die "Sprache der Nähe" bezieht sich auf die gesprochene, informelle Sprache des Alltags, die oft fehlerhaft sein darf und stark vom gemeinsamen Kommunikationskontext abhängt. Die "Sprache der Distanz" ist hingegen die geschriebene, formale Sprache, die präzise sein muss, um auch ohne gemeinsamen Kontext verstanden zu werden, und typisch für Fach- und Bildungssprache ist.
Welche verschiedenen Wahrnehmungsmuster werden bei der Sprachförderung im frühkindlichen Alter berücksichtigt?
Bei der Sprachförderung im frühkindlichen Alter werden das visuell orientierte, das auditiv orientierte und das kinästhetisch orientierte Wahrnehmungsmuster berücksichtigt, um unterschiedlichen Lernpräferenzen gerecht zu werden.
Was versteht man unter der Scaffolding-Methode und wie wird sie im Unterricht eingesetzt?
Die Scaffolding-Methode ("Baugerüst") ist ein Konzept, das sprachlich benachteiligte Schüler*innen durch individuell angepasste Unterstützungsmöglichkeiten fördert. Sie beinhaltet Bedarfs- und Lernstandsanalyse, Unterrichtsplanung mit gezielten "Gerüsten" (z.B. Bilder, Brückentexte, Herkunftssprache) und eine interaktive Umsetzung, mit dem Ziel, die Unterstützung schrittweise abzubauen.
Welche Rolle spielt die Mehrsprachigkeit der Schüler*innen im sprachsensiblen Unterricht?
Die Mehrsprachigkeit der Schüler*innen soll im sprachsensiblen Unterricht nicht als Defizit, sondern als Bereicherung gesehen und aktiv gefördert werden, beispielsweise durch mehrsprachige Materialien, die Berücksichtigung der Herkunftssprache in Ritualen oder Sprachvergleichen sowie die sichtbare Darstellung von Mehrsprachigkeit im Schulraum.
- Arbeit zitieren
- Adriana Almasi (Autor:in), 2019, Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen im Hinblick auf Sprachbarrieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1604000