Gender Mainstreaming

Eine Methode zur Gleichstellungsförderung beider Geschlechter


Hausarbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzept des Gender Mainstreaming Ansatzes
2.1 Definition des Begriffes Gender Mainstreaming
2.2 Ziele und Zielvorgaben
2.3 Konzept

3. Politische Vorgaben
3.1 Wichtige Stationen auf dem Weg zur Gender Mainstreaming Methode
3.2 Politische Vorgaben der Europäischen Union
3.3 Politische Vorgaben der Bundesrepublik Deutschland

4. Ergebnisse und Beispiele für die Umsetzung des Gender Mainstream-
4.1 Ergebnisse und Beispiele in Schweden
4.2 Ergebnisse und Beispiele in der Bundesrepublik

5. Ausblick

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Immer noch erhalten Männer zwei Drittel des Einkommens in fortgeschrittenen Volkswirtschaften; sie, besitzen den größten Anteil der vorhandenen Waffen und dominieren die meisten Berufe (vgl. Connell 2006, S. 13). In Deutschland liegt z. B. der Bruttostundenverdienst von Frauen nach der Verdienststrukturerhebung aus dem Jahr 2006 um 23% unter dem der Männer. Die Ursachen für das unterschiedliche Lohnniveau sind vielfältig. Frauen und Männer wählen unterschiedliche Berufe, Berufsfelder und differenzieren sich in der Erwerbsbiographie. Diese Unterschiede sind in der Differenz von 23% enthalten. Deswegen handelt es sich hierbei um einen unbereinigten Verdienstabstand. Die bessere Entlohnung von Männern könnte auch an der Qualifikation liegen, vergleicht man die Bildungsabschlüsse beider Geschlechter sind jedoch kaum Unterschiede feststellbar. Trotzdem werden Führungspositionen überwiegend von Männern besetzt. 70% der Leitenden Angestellten waren im Jahr 2006 Männer. Der Durchschnittsverdienst der Gesamtheit aller abhängig Beschäftigten lag bei 16,20 €. Die Führungskräfte wurden mit durchschnittlich 30,87 € entlohnt. Dies ist ein Unterschied zum Stundendurchschnittsverdienst von fast 91% (vgl. Statistisches Bundesamt, 2006).

Um dieser Ungleichheit im Lohngefälle entgegen zu wirken, müssen Sichtweisen entwickelt werden, die tradierte Rollenmuster in Frage stellen. Gleichstellung benachteiliger Frauen bedeutet eine Umverteilung gegenüber Männern hinsichtlich Einkommen und Macht und den Abbau, männlicher Privilegien (vgl. Klenner 2004, S. 285).

Es darf allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass es durchaus auch Arbeitsfelder gibt, in denen Männer gegenüber Frauen finanziell benachteiligt werden. Hierzu gehört z. B. der Beruf des Models, der zu den wenigen gehört, in welchen Frauen besser bezahlt werden als Männer. Mit wenigen Ausnahmen erreichen männliche Models selten einen größeren Bekanntheitsgrad. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage inwieweit die Methode des Gender Mainstreaming einen Beitrag dazu leistet die Gleichstellung beider Geschlechter zu verwirklichen, um die bereits oben genannten Unterschiede, wie z. B. im Bereich der ungleichen Entlohnung von Frauen und Männern aufzulösen. Gender Mainstreaming ist dabei eine Methode die auf eine Gleichstellung in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen zwischen Frauen und Männern hineinwirken möchte. Zu nennen ist hier die Politik, die Wirtschaft aber auch die Bereiche der Erziehung und der Jugendarbeit. Es wird erst das Konzept des Gender Mainstreaming vorgestellt bevor auf die Rahmenbedingungen und politischen Vorgaben Bezug genommen wird. Letztlich werden Ergebnisse anhand von Beispielen in der Politik in den Ländern Schweden und der Bundesrepublik vorgestellt. Abschliessend wird ein Ausblick auf die derzeitige politische Entwicklung gewagt und ein Fazit gezogen.

2. Konzept des Gender Mainstreaming Ansatzes

Um einen Einstieg in das Thema zu finden, folgt eine Begriffsdefinition von Gender Mainstreaming. Danach wird verdeutlicht welche Ziele der Gender Mainstreaming Ansatz verfolgt und wie Zielvorgaben gesetzt werden. Als letzter Unterpunkt wird beleuchtet, wie die Methode des Gender Mainstreaming in Konzepten umgesetzt wird. Mit dieser einführenden Betrachtung soll ein Grundverständnis für die Entwicklung der Gender Mainstreaming Methode gelegt werden.

2.1 Definition des Begriffes Gender Mainstreaming

Im Englischen wird das Geschlecht unterschieden zwischen biologischen (sex) und dem sozial bedingten Geschlecht (gender). In der deutschen Sprache gibt es diese Unterscheidung nicht. Mit dem Begriff „Gender“ wird die Tatsache thematisiert, dass Frauen und Männern verschiedene Rollen und Verhaltensweisen zugeschrieben werden (vgl. Richter 2004, S.10). „Die gesellschaftliche Konstruktion und Zuschreibung von Aufgaben...im öffentlichen und privaten Leben hat zur Folge, dass Männer und Frauen unterschiedlichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen wie der Verteilung von Geld...Macht, Arbeit, Versorgung usw. haben“ (Richter 2004, S.11). Die postmoderne Feministin Judith Butler hingegen ist der Ansicht, dass sowohl Sex als auch Gender, sozial konstruiert seien. Sie meint damit, dass selbst biologische Unterschiede als solche durch eine gesellschaftlich geprägte Brille wahrgenommen werden (vgl. Bluth 2004, S. 34). Der Begriff „Mainstream“ verweist auf einen kulturellen oder historischen Veränderungsprozess. Er bezeichnet ein Verfahren, welches fortlaufend und stetig Beachtung findet. Nur mit einem allgemein gültigen Prinzip, das alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt, kann die Geschlechtergerechtigkeit hergestellt werden (vgl. Richter 2004, S. 11). „Gender Mainstreaming“ heißt nun, die Auswirkungen von Geschlechtszuschreibungen auf das Leben von Frauen und Männern auf allen...Ebenen stets zu berücksichtigen (mainstream), um mehr Chancengerechtigkeit zu bewirken“(Richter 2004, S.11). Es stellt sich die Frage, was der wesentliche Unterschied zwischen Frauen – Gleichstellungspolitik und der Genderpolitik ist. Beide geschlechterpolitischen Strategien werden dazu genutzt um die Gleichstellung von Frau und Mann zu erreichen. Das Neue an der Gender Mainstreaming Methode ist, dass alle Beteiligten egal ob männlich oder weiblich mit einbezogen werden in die politischen und organisatorischen Prozesse. Die Beteiligten sollen feststellen, inwiefern ihr geschlechtsspezifisches Handeln sich auswirkt auf die Ausgangsbedingungen und Entwicklungschancen. Das Ziel soll dabei sein durch Betrachtung der unterschiedlichen Bedürfnisse und Lebenslagen einen Perspektivwechsel herbeizuführen und letztlich zur Geschlechterdemokratie zu gelangen (vgl. Verdi 2004). Vorliegende Tabelle zeigt im Überblick, die Unterschiede von Frauenförderpolitik und Gender Mainstreaming auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Bierbaumer 2006, S. 6)

2.2 Ziele und Zielvorgaben

„Damit das prinzipielle Bekenntnis zur Gleichstellung auch handlungswirksam wird, bedarf es der Konkretisierung...welche Ziele erreicht werden sollen“ (Bergmann, 2006, S. 52). Zielvorgaben müssen deswegen genau formuliert werden. Dieses wurde, vor allem durch die Europäische Kommission verwirklicht. Im Bereich der aktiven Arbeitsmarktpolitik im Hinblick auf Beschäftigung ist hier z. B. das Ziel die Senkung der Arbeitslosenquote (d. h. die Senkung jener der Frauen) und reziprok dazu die Erhöhung der Beschäftigungsquote von Frauen zu erreichen. Doch auch diverse andere Barrieren sollten abgebaut werden wie jene des ungleichen Einkommens, der unterschiedlichen Karrieremöglichkeiten sowie der geschlechtsspezifischen Aufteilung des Arbeitsmarktes in so genannte Frauen- und Männerberufe (vgl. Bergmann 2006, S. 52). Zielsetzung ist es also, eine gesellschaftliche Normierung bzw. geschlechtliche Einteilung in Frauen- und Männerberufe aus der tradierten Denkweise der Gesellschaft zu lösen. Um dieses Ziel zu erreichen sind in allen Institutionen die Entscheidungsträger gefragt. So formuliert Pettersson: „Die Spitze - egal ob von einer Gewerkschaft, einem Unternehmen, einer Regierung, einem Landkreis oder einem Betriebsratsgremium – muss den Willen für Veränderung zweifelsfrei ausstrahlen. Durch klare Zielvorgaben, verbindliche Aufträge, kontinuierliches Controlling“ (Pettersson 2004, S.44). Um die Ziele der Gender Meanstreaming Methode erfolgreich umzusetzen, muss der Top-Down-Prozess angewendet werden. Top-Down bedeutet wörtlich von oben nach unten. So muss sich folgerichtig die Führungsebene in einer Organisation zur Einführung und Umsetzung der Gender Mainstreaming Methode bekennen und entsprechende Arbeitsanweisungen erlassen und Ressourcen zu Verfügung stellen, damit die nachfolgenden Hierarchieebenen das Konzept erfolgreich umsetzen können (vgl. Bergmann 2006, S. 51). Auch in der Politik wird dieser Ansatz gewählt: „Bei der institutionellen Implementierung von Gender Mainstreaming Massnahmen empfiehlt es sich deshalb, den Top-down Ansatz zu wählen, da es im Wesentlichen die Bereitschaft der Führungskräfte bedarf, um Gleichstellung von Frauen und Männern als durchgängiges Prinzip in allen Bereichen zu verankern“ (Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz 2009).

Das Top-Down-Prinzip vollzieht sich über drei verschiedene Ebenen:

Auf der ersten Ebene (normative Ebene), wird festgelegt was das Unternehmen, der Träger etc. genau will. Es wird sich mit der Frage auseinandergesetzt: „Was wollen wir?“ Die Ziele werden artikuliert und in der Unternehmenskultur verankert. Die zweite Ebene ist die strategische Ebene, hier wird artikuliert wie man die Ziele erreichen möchte. Es werden Organisationsstrukturen und Managementaufgaben fixiert und festgelegt. Die dritte Ebene beschäftigt sich mit der Frage: „Wie arbeiten wir?“ Die spezifische Umsetzung des Handelns der beteiligten Akteure wird auf dieser Ebene beschrieben (vgl. Richter 2004, S. 27). Folgerichtig wird auch in der Politik auf oberster Ebene agiert. „Die vor allem von der Familienministerin von der Leyen (CDU) durchgesetzte Gleichstellungspolitik verfolgt mehrere Ziele. In den Vordergrund wird das von vielen jungen Eltern, zumal Müttern, drängend empfundene Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestellt. (...) Die Gleichstellung von Mann und Frau soll durch die Vollbeschäftigung beider verwirklicht werden“ (Zastrow 2006, S. 7). Allerdings bestehen in der Privatwirtschaft nach wie vor und immer wieder Bedenken, in die Frauenförderung zu investieren, da sie den Unternehmen durch das Fluktuationsrisiko, das durch Geburt von Kindern entsteht, mehr Kosten verursacht. Dieses Vorurteil ist allerdings heute mittlerweile widerlegt. Erstens erreichen Frauen einen hohen Bildungsgrad und steigen in das Berufsleben mit dem Bestreben nach einer lebenslangen Berufstätigkeit ein. Zweitens planen viele eine Kinderpause mit ein, haben jedoch ein reges Interesse daran, anschließend wieder im Betrieb zu arbeiten. Darüber hinaus sind die krankheitsbedingten Fehlzeiten von Frauen deutlich geringer als die der Männer, so dass sich der Ausfall durch Schwangerschaft/Geburt ausgleicht (vgl. Spogis 2003, S. 19).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gender Mainstreaming
Untertitel
Eine Methode zur Gleichstellungsförderung beider Geschlechter
Hochschule
Fachhochschule Kiel
Veranstaltung
Geschlechterfragen in der Sozialen Arbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V160589
ISBN (eBook)
9783640738267
ISBN (Buch)
9783640738588
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender, Mainstreaming, Eine, Methode, Gleichstellungsförderung, Geschlechter
Arbeit zitieren
Jonas Görlich (Autor), 2009, Gender Mainstreaming, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160589

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