Laut einer Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BMF) im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz (DIK) leben in Deutschland mittlerweile rund vier Millionen Muslime, darunter rund zwei Drittel mit türkischer Abstammung (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2009 : 11ff.). Die Muslime sind und werden mehr und mehr ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft.
Umso verständlicher ist es, das in den letzten Jahren auch die Integration der Muslime wieder vermehrt in den Blickpunkt der Forschung rückt. Zahlreiche Publikationen und Studien befassen sich mit dieser Thematik. Sie alle stellen sich die Frage, wie die Muslime in Deutschland integriert sind. Entscheidend ist diese Frage auch für die dritte Generation der eingewanderten Muslime, die heutigen muslimischen Jugendlichen. Sie sind im Gegensatz zu vielen ihrer Eltern in Deutschland geboren und aufgewachsen und in Zukunft bilden sie einen Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Integration ist hier ein sehr wichtiger Faktor.
Die vorliegende Arbeit wird sich daher im Besonderen mit der Integration junger Muslime in Deutschland befassen. In Anbetracht der Tatsache, dass es in der Bevölkerung eine scheinbar weitverbreitete negative Einstellung gegenüber Muslimen gibt (besonders nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, siehe auch Gesemann 2006: 4f.), lautet die bewusst einfach formulierte Forschungshypothese, dass junge Muslime in Deutschland schlecht in die heutige Gesellschaft integriert sind.
Um diese Hypothese zu untersuchen, wird folgendermaßen vorgegangen. Zunächst wird ein kurzer Überblick darüber gegeben, was der Begriff Integration überhaupt bedeutet. Daran anknüpfend werden in Kapitel 2 zwei große Studien auf ihre Aussagen zur Integration von jungen Muslimen hin analysiert und die Ergebnisse vorgestellt. Konkret werden wir uns mit der sprachlich-sozialen Integration, den Bildungserfolgen, den Integrationseinstellungen und der Religiosität bzw. den religiösen Orientierungen befassen. In Kapitel 3 werden die dargestellten Studienergebnisse in Beziehung zur Hypothese gesetzt und abschließend analysiert. Zusätzlich wird ein Ausblick auf weitere Untersuchungsfragen gegeben, etwa ob auch sexuelle Identität Auswirkungen auf die Integration hat oder wie sich die neue Jugendbewegung Pop-Islam womöglich auf die Integration auswirkt. Die wichtigsten Literaturquellen dieser Untersuchung sind die Studien von Katrin Brettfeld und Peter Wetzels (2007) sowie von Frank Gesemann (2006).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Integration junger Muslime
2.1 Studienergebnisse
2.1.1 Sprachlich-soziale Integration
2.1.2 Bildungserfolge
2.1.3 Integrationseinstellungen
2.1.4 Religiosität und religiöse Einstellungen
3. Schlussbetrachtung
3.1 Analyse
3.4 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Integration von jungen Muslimen in Deutschland, um der weitverbreiteten Annahme entgegenzuwirken, diese Gruppe sei generell schlecht in die Gesellschaft integriert, und analysiert hierbei verschiedene soziologische Indikatoren.
- Methodische Analyse aktueller Studien zur Integration junger Muslime
- Messung sprachlich-sozialer Integrationsaspekte und Bildungserfolge
- Untersuchung von Integrationseinstellungen mittels Clusteranalyse
- Zusammenhang zwischen Religiosität und Integrationsgrad
- Ausblick auf zukünftige Forschungsfelder und Einflüsse
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Integrationseinstellungen
Persönliche Einstellungen zur Integration sind ebenfalls eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Integration auch verwirklicht werden kann. Fehlen diese positiven Einstellungen, so hat dies einen negativen Einfluss auf die Integration. Daher wurden in der Studie Fragen zu spezifischen Integrationseinstellungen gestellt, die auf verschiedene Verhaltensmuster schließen lassen. Die Fragen bewegen sich im Spannungsfeld Assimilation - Integration und befassen sich mit „der Beibehaltung der Kultur des Herkunftslandes, der Notwendigkeit einer Verhaltensanpassung an die Kultur des Aufnahmelandes sowie der Akzeptanz und Befürwortung von sozialer Segregation“ (Brettfeld/Wetzels 2007: 225). Die einzelnen Ergebnisse für Schüler und Studenten wurden einer Clusteranalyse unterzogen, um ähnliche Antwort- und somit Verhaltensmuster bezogen auf die Integrationseinstellungen zu erkennen. Dabei wurden drei Cluster identifiziert:
1. Akzeptanzforderung: Für Befragte mit diesem Einstellungsmuster hat der Erhalt der eigenen Kultur den höchsten Stellenwert (verglichen mit den beiden anderen Clustern). Sie fordern die Akzeptanz ihrer Lebensweise von der Aufnahmegesellschaft und wollen sich dementsprechend nicht anpassen. Eine ethnische oder kulturelle Segregation wird jedoch zurückgewiesen (Brettfeld/Wetzels 2007 b: 9).
2. Segregationstendenz: Befragte die diesem Cluster zugeordnet werden, weisen eine hohe Befürwortung der Beibehaltung der Kultur ihres Herkunftslandes auf. Gleichzeitig befürworten sie eine Anpassung auf Verhaltensebene und eine ethnischen Segregation um die eigene Kultur zu erhalten. Ethnischer Segregation wird überwiegend abgelehnt, jedoch weniger stark als in den beiden anderen Gruppen (Brettfeld/Wetzels 2007 b: 9).
3. Integration/Anpassung: Befragte die diesem Antwortmuster entsprechen, kombinieren eine hohe Befürwortung der Beibehaltung kultureller Identität mit einer ebenfalls hohen Befürwortung von Anpassungen auf der Verhaltensebene. Segregation wird in dieser Gruppe vollkommen abgelehnt (Brettfeld/Wetzels 2007 b: 9)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, stellt die Relevanz der Integration junger Muslime heraus und definiert die zentrale Forschungshypothese der Arbeit.
2. Integration junger Muslime: Hier werden die methodischen Grundlagen der untersuchten Studien dargelegt und die Teilnehmergruppen von Schülern und Studenten vorgestellt.
2.1 Studienergebnisse: Dieser Abschnitt präsentiert die empirischen Befunde zu verschiedenen Integrationsbereichen.
2.1.1 Sprachlich-soziale Integration: Analyse des Kontakts zu Deutschen, des Sprachgebrauchs im Freundeskreis sowie der Identifikation mit dem Herkunfts- oder Aufnahmeland.
2.1.2 Bildungserfolge: Untersuchung der schulischen und beruflichen Bildungschancen junger Muslime im Vergleich zu anderen Jugendlichen.
2.1.3 Integrationseinstellungen: Klassifizierung der Einstellungen mittels einer Clusteranalyse in Akzeptanzforderung, Segregationstendenz und Integration/Anpassung.
2.1.4 Religiosität und religiöse Einstellungen: Messung der Religiosität und der religiösen Orientierung der Befragten mittels eines Kompositindikators.
3. Schlussbetrachtung: Synthese der Studienergebnisse vor dem Hintergrund der Hypothese und kritische Bewertung der Integrationslage.
3.1 Analyse: Zusammenführende Diskussion der empirischen Daten und Erklärung der Unterschiede zwischen Schülern und Studenten.
3.4 Ausblick: Identifikation zukünftiger Forschungsfragen, insbesondere zu geschlechtsspezifischen Rollen, Jugendkultur und politischer Bildung.
Schlüsselwörter
Integration, Junge Muslime, Deutschland, Sprachlich-soziale Integration, Bildungserfolge, Integrationseinstellungen, Clusteranalyse, Religiosität, Religiöse Orientierung, Identität, Sozialintegration, Migrationshintergrund, Assimilation, Segregation, Pop-Islam.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration junger Muslime in Deutschland und hinterfragt kritisch die Hypothese, dass diese Bevölkerungsgruppe schlecht integriert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der sprachlich-sozialen Integration, schulischen sowie beruflichen Bildungserfolgen, den Einstellungen zur Integration und der Rolle der Religiosität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, anhand empirischer Studien ein differenziertes Bild der Integrationssituation junger Muslime zu zeichnen und die pauschale Annahme mangelnder Integration wissenschaftlich zu überprüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Sekundäranalyse bereits existierender Studien, deren Ergebnisse durch statistische Auswertungen, wie etwa Clusteranalysen und Skalen zur Integrationspraxis, veranschaulicht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden detaillierte Studienergebnisse zu Sprachgebrauch, sozialen Kontakten, Bildungsabschlüssen, religiösen Orientierungen und den verschiedenen Ausprägungen von Integrationsmustern (Clustern) präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Integration, junge Muslime, Bildungs- und Spracherfolg, Religiosität, Clusteranalyse und Identitätsfindung.
Wie unterscheidet sich die Integrationslage von Schülern zu Studenten laut der Arbeit?
Die Analyse zeigt, dass Studenten eine deutlich höhere sprachlich-soziale Integration aufweisen als Schüler, was unter anderem auf das Studium, eine höhere Kontaktfrequenz zu Deutschen und eine stärkere Identifikation mit dem Aufnahmeland zurückgeführt wird.
Welche Rolle spielt die Religiosität für die Integration?
Die Studie stellt fest, dass Religiosität eng mit der Integration verknüpft ist. Dabei zeigt sich, dass fundamental-orientierte Schüler tendenziell schlechter integriert sind, während bei Studenten der Einfluss der Religiosität auf die Integration variiert.
- Citation du texte
- Sebastian Schubert (Auteur), 2010, Islam und junge Muslime in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160608