Aufgrund des demografischen Wandels kommt es in deutschen Krankenhäusern zu einer schwierigen Arbeitssituation. Immer mehr ältere Pflegekräfte müssen, bei einem steigenden Defizit an Nachwuchskräften, ihre tägliche Arbeit im Pflegeberuf bewältigen. Dieses Problem ist in der aktuellen Literatur bekannt und wird ausführlich diskutiert. Im Bereich der Arbeitsbelastung beziehungsweise des Belastungsempfindens gibt es eine Vielzahl von Screening Instrumenten, die sich auf alle Altersgruppen anwenden lassen. Jedoch konnte bei der Ermittlung des aktuellen Forschungsstandes kein Screening Instrument gefunden werden, welches sich explizit auf das Belastungsempfinden älterer Pflegekräfte spezialisiert. Unter älteren Pflegekräften zählen in diesem Zusammenhang Mitarbeiter ab 50 Jahren.
Mithilfe der Screening Instrumente WAI (Work Ability Index), WiN (Workability in Nursing), COPSOQ (Copenhagen Psychosocial Questionnaire) und TAA (Tätigkeits- und Arbeitsanalyse) wurde ein Fragen Tool zusammengestellt. Dabei ist aufgefallen, dass dieser keine altersspezifischen Fragen beinhaltet. Mithilfe einer selbstständigen Konstruktion altersspezifischer Fragen wurde der Fragen Tool erweitert, sodass er speziell für ältere Pflegekräfte anwendbar ist. In der vorliegenden Bachelorarbeit soll damit folgende Fragestellung beantwortet werden: „Wie erleben ältere Pflegekräfte psychische und physische Belastungen im stationären Bereich und welche Bewältigungsstrategien haben sie dagegen entwickelt?“. Dieser Fragen Tool wurde zusätzlich mit Items erweitert, die aus insgesamt 3 Hospitationen in den Berufsgenossenschaftlichen Klinken Bergmannstrost in Halle generiert wurden. Des Weiteren fand hier auch eine Testung des Fragen Tools bei 3 älteren Mitarbeitern statt. Mithilfe der kritischen Anmerkungen dieser Mitarbeiter konnten Schwachstellen im Fragen Tool aufgezeigt werden, die es in Zukunft zu optimieren gilt.
Ziel war es einen Fragen Tool zu entwickeln, der nach Überarbeitung, im Bereich des Personalmanagements bzw. in der Personalentwicklung Anwendung finden kann.
Dieser könnte dann sowohl als individuelle Gesprächsgrundlage dienen oder wichtige Hinweise für die Planung von Präventionsmaßnahmen bereitstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsziel und Fragestellung
3. Theoretischer Rahmen
3.1 Alternde Gesellschaft und Pflege
3.2 Was sind ältere Pflegekräfte?
3.3 Diversity Management und Personalentwicklung
4. Aktueller Forschungsstand
4.1 Darstellung des Rechercheverfahrens
4.2 Allgemeine Arbeitsbelastungen
4.3 Ressourcen
4.4 Stressoren
4.4.1 Psychische Belastungen
4.4.2 Physische Belastungen
4.5 Folgen der Belastungen
4.6 Bewältigungsstrategien
4.7 Verbesserung des Wohlbefindens am Arbeitsplatz
5. Methodik - Konstruktion des Fragen Tools
5.1 Der Fragebogen
5.2 Analyse von Screening Instrumenten
5.2.1 WAI – Work Ability Index
5.2.2 WiN – Workability in Nursing
5.2.3 COPSOQ – Copenhagen Psychosocial Questionnaire
5.2.4 TAA – Tätigkeits- und Arbeitsanalyseverfahren
5.3 Ergänzende Beobachtung
5.4 Datenerhebung
5.4.1 Erweiterung der Datenerhebung durch Hospitationen
5.4.2 Testung des Fragen Tools
6. Ergebnisse
6.1 Ergebnisdarstellung in Verbindung mit der Testung des Fragen Tools
6.2 Zusammenfassung der Ergebnisse
7. Diskussion
8. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit ist es, die psychische und physische Belastungssituation von älteren Pflegekräften im stationären Bereich durch die Entwicklung eines spezifischen Fragen-Tools abzubilden und zu analysieren, welche Bewältigungsstrategien diese Zielgruppe anwendet.
- Demografischer Wandel und dessen Auswirkungen auf das Pflegepersonal
- Analyse psychischer und physischer Belastungsfaktoren im Krankenhausumfeld
- Evaluation und Adaption existierender Screening-Instrumente (WAI, WiN, COPSOQ, TAA)
- Methodische Entwicklung eines altersspezifischen Fragen-Tools inklusive Hospitationen
- Untersuchung von Bewältigungsstrategien und Ansätzen zur Gesundheitsförderung
Auszug aus dem Buch
4.4.2 Physische Belastungen
Ältere Mitarbeiter fühlen sich in körperlicher Hinsicht häufig beanspruchter als ihre jüngeren Kollegen. Dies ist biologisch begründet, denn Maximalkraft und Kraftausdauer nehmen ab dem 40. Lebensjahr ab. Weiterhin wird bei älteren Mitarbeitern ein erhöhter körperlicher Verschleiß deutlich, was häufig aus jahrelanger Fehlbelastung, einseitiger Beanspruchung oder schlecht gestalteten Arbeitsplätzen resultiert. Nirgendwo häufiger nimmt das Pflegepersonal unbequemere Körperhaltungen während der Arbeit ein wie in Deutschland (vgl. INQA, 2010, S. 17f). Besonders bei älteren Mitarbeitern ist es erforderlich, Arbeitsplatzergonomie oder lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle zu verstärken (vgl. Freiling, 2008, S. 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Skizzierung der Problematik einer alternden Belegschaft in deutschen Krankenhäusern angesichts des demografischen Wandels und des wachsenden Pflegebedarfs.
2. Forschungsziel und Fragestellung: Definition der Zielsetzung, die Belastungssituation älterer Pflegender zu erfassen und Strategien zur Bewältigung sowie Erhaltung der Arbeitsfähigkeit zu untersuchen.
3. Theoretischer Rahmen: Behandlung der demografischen Situation, Begriffsbestimmung älterer Pflegekräfte und Einordnung in das Diversity Management.
4. Aktueller Forschungsstand: Analyse existierender arbeitsbedingter Belastungen, Ressourcen, Stressoren und Ansätze zur Verbesserung des Wohlbefindens am Arbeitsplatz.
5. Methodik - Konstruktion des Fragen Tools: Detaillierte Darstellung der Auswahl von Screening-Instrumenten und der empirischen Entwicklung des neuen Fragebogens durch Hospitationen und Testungen.
6. Ergebnisse: Zusammenfassung der kritischen Anmerkungen der Testpersonen und der Erkenntnisse aus der Erprobung des entwickelten Fragen-Tools.
7. Diskussion: Kritische Reflexion der Eignung des Tools für die betriebliche Praxis sowie Empfehlungen für das Personalmanagement.
8. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit alternssensibler Rahmenbedingungen und zukünftiger Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Pflegepersonal, ältere Pflegekräfte, Arbeitsbelastung, psychische Belastungen, physische Belastungen, Bewältigungsstrategien, demografischer Wandel, Arbeitsfähigkeit, Screening-Instrumente, Personalmanagement, Diversity Management, Gesundheitsförderung, stationärer Bereich, Fragebogenentwicklung, Hospitation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den psychischen und physischen Arbeitsbelastungen von älteren Pflegekräften im stationären Dienst und zielt darauf ab, diese durch ein neu entwickeltes Tool messbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen den demografischen Wandel im Pflegebereich, die arbeitsbedingten Belastungen älterer Mitarbeiter und die psychologischen sowie physischen Ressourcen zur Stressbewältigung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Hauptziel besteht in der Entwicklung eines validen Fragebogen-Tools, das speziell auf die Bedürfnisse und Situationen von Pflegekräften ab 50 Jahren zugeschnitten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es werden bestehende Screening-Verfahren analysiert und modifiziert, ergänzt durch qualitative Hospitationen im Krankenhausalltag sowie eine Pilottestung des neu konstruierten Tools.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand, eine methodische Herleitung des Fragen-Tools und eine Darstellung der Ergebnisse aus den Praxistests.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Pflegewissenschaft, Arbeitsbelastung, demografischer Wandel, Bewältigungsstrategien und betriebliches Gesundheitsmanagement.
Wie unterscheidet sich die Belastung bei Nachtdiensten für ältere Pflegekräfte?
Die Arbeit stellt fest, dass die subjektive Wahrnehmung stark variiert; während einige Pflegende das Schichtsystem als sehr anstrengend empfinden, berichten andere von größeren Problemen durch körperliche Anforderungen im Tagdienst.
Welche Rolle spielt die EDV-Arbeit für die Belastung älterer Pflegender?
Die Dokumentation am PC wird von den Befragten teils als belastend empfunden, insbesondere bei Softwareproblemen oder mangelnder technischer Unterstützung, was den Wunsch nach Schulungen und technischer Hilfe unterstreicht.
Warum ist das Thema Diversity Management für Krankenhäuser relevant?
Es dient dazu, die Potenziale älterer Mitarbeiter zu erhalten, Vorurteile abzubauen und eine alternssensible Personalpolitik zu etablieren, die für den langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend ist.
- Quote paper
- Julia Nagel (Author), 2011, Wie erleben ältere Pflegekräfte psychische und physische Belastungen im stationären Bereich und welche Bewältigungsstrategien haben sie dagegen entwickelt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1606287