Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

Symbole und Rituale im Strafrecht der Frühen Neuzeit

Title: Symbole und Rituale im Strafrecht der Frühen Neuzeit

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 28 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Stefanie Leisentritt (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Stabbrechen und Henkersmahlzeit, Prangerstrafen und Hinrichtungen als öffentliche Inszenierungen – in der heutigen Zeit muten diese Gerichtspraktiken sonderbar an und sind kaum in Einklang mit unserer Vorstellung eines ordentlichen Gerichtsverfahrens und einer gerechten Strafe zu bringen. In der Frühen Neuzeit waren sie hingegen entscheidend für den ordentlichen Ablauf von Gerichtsverfahren und Bestrafung.
Symbole und Rituale, Vorstellungen von Stand und Ehre und ihre Demonstration sind fester Bestandteil der Constitutio Criminalis Carolina aus dem Jahre 1532 und aller darauffolgender Gerichtsordnungen. Exemplarisch soll hier auf die Peinliche
Gerichtsordnung der Stadt Regensburg, die zwischen den Jahren 1565 und 1575 entstanden ist, in Beispielen zurückgegriffen werden. Es handelt sich hierbei also nicht um archaische Vorstellungen, die vom einfachen Volk aufrecht erhalten wurden, sondern um Vorgaben, die von der Obrigkeit bewusst eingesetzt wurden.
Die vorliegende Arbeit möchte die ganze Vielfalt an Symbolen und Ritualen in der Rechtspraxis zeigen und ihre Bedeutungen im Einzelnen erklären.
Da sich der Ablauf eines frühneuzeitlichen Gerichtsverfahrens erheblich vom modernen Gerichtsverfahren unterscheidet, soll zunächst eine kurze Einführung in dieses Themengebiet gegeben werden. Im zweiten Teil dieser Arbeit wird diese nüchterne Beschreibung des Ablaufs ergänzt durch eine Untersuchung der
symbolischen Handlungen und Rituale. Hierbei wird nicht nach dem
chronologischen Ablauf der einzelnen Verfahrensschritte gegliedert, sondern nach thematischen Gebieten. Dies bietet den Vorteil, dass ähnliche Ereignisse, die an unterschiedlichen Stellen im Gerichtsverfahren eine Rolle spielen,zusammenfassend erläutert werden können. Zunächst soll auf die Symbole der Hochgerichtsbarkeit eingegangen werden, die auch außerhalb eines laufenden Gerichtsverfahrens eine symbolische Wirkung ausüben konnten. Anschließend soll der symbolische Einsatz von Farben und Geräuschen näher betrachtet und interpretiert werden. Wie im gesamten Leben der frühneuzeitlichen Gesellschaft spielten religiöse und magische Vorstellungen auch bei der Rechtspraxis eine wichtige Rolle, die hier ebenfalls untersucht werden soll. Nicht zu unterschätzen ist
auch der Einfluss der Ehre auf den Prozess der Wahrheitsfindung und die Verurteilung und Bestrafung. Vorstellungen zu Ehre und Ehrverlust eines Menschen gipfelten schließlich im frühneuzeitlichen Sonderfall der Ehrenstrafen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vom Verdacht zum Urteil – Der Ablauf des frühneuzeitlichen Gerichtsverfahrens

3. Symbole, Rituale, Magie und Religion

3.1 Symbole der Hochgerichtsbarkeit

3.1.1 Galgen und Pranger

3.1.2 Gerichtsstab und Gerichtsschwert

3.2 Der symbolische Einsatz von Farben

3.3 Der symbolische Einsatz von Geräuschen

3.4 Religiöse und magische Vorstellungen

3.4.1 …vor der Strafvollstreckung

3.4.2 …während und nach der Strafvollstreckung

4. Die Rolle der Ehre im Strafrecht der Frühen Neuzeit

4.1 Im Prozess der Wahrheitsfindung

4.2 Bei Verurteilung und Bestrafung

4.3 Die Ehrenstrafen

5. Warum hatten Symbole und Rituale eine so große Bedeutung im frühneuzeitlichen Strafrecht?

6. Fazit

7. Quelle

8. Literatur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Bedeutung von Symbolen, Ritualen und Ehrvorstellungen im Strafrecht der Frühen Neuzeit und zeigt auf, wie diese nicht nur die Rechtspraxis strukturierten, sondern auch als essenzielle Kommunikationsmittel in einer ständisch geprägten Gesellschaft dienten.

  • Die Funktion und symbolische Bedeutung von Richtstätten wie Galgen und Pranger.
  • Der rituelle Einsatz von Farben und Geräuschen im Gerichtsverfahren.
  • Die enge Verknüpfung von religiösen Vorstellungen mit der Strafvollstreckung.
  • Die zentrale Rolle der Ehre bei der Wahrheitsfindung und Strafzumessung.
  • Das Verständnis der Hinrichtung als öffentliches Schauspiel und moralisch-religiöse Inszenierung.

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Galgen und Pranger

Der Galgen als Richtstätte ist Mittelpunkt des endlichen Rechtstags eines hochgerichtlichen Verfahrens und symbolisiert die Hochgerichtsbarkeit eines Territoriums. Er wurde meist am Stadtrand, in erhöhter Lage und weithin sichtbar aufgestellt. Neben dem Rathaus repräsentierte er die negative Seite der hohen Gerichtsbarkeit; erst Galgen und Rathaus zusammen symbolisierten die volle Rechtshoheit einer Stadt. Dies ist auch deutlich daran abzulesen, dass der Galgen bei Streitigkeiten um die Blutgerichtsbarkeit oftmals zerstört wurde. Für die Richtstätte außerhalb der Stadt ist auch die Bezeichnung Rabenstein gebräuchlich. Dieser Namerührt von den aasfressenden Vögeln her, die die Richtstätte aufgrund der liegengelassenen Toten belagern. Der Tote wurde häufig auch unter dem Galgen vergraben, sein Kopf dagegen auf dem Galgen zur Schau gestellt.

Am Richtplatz außerhalb der Stadt wurden das Erhängen, Verbrennen und Rädern vollzogen. Dies lag zum einen an den entstehenden üblen Gerüchen, zum anderen an der Sphäre der Unehrlichkeit, die vom Galgen ausging. Das Enthaupten wurde dagegen auf einem zentralen Platz innerhalb der Stadt, oft vor dem Rathaus, auf einem Schafott vollzogen. 1772 wurde in Frankfurt am Main im Anschluss an eine Enthauptung das Schafott wieder abgebaut und an seiner Stelle vier Steine mit einem eingemeißelten E, die möglicherweise für das Wort Exekution stehen, in das Pflaster eingesetzt.

Wurde ein Täter mit dem Symbol eines Galgens gebrandmarkt, bedeutete dies, dass er für seine Tat eigentlich die Todesstrafe verdient hätte.

Die Neuerrichtung oder Reparatur der Richtstätte war mit vielen Regeln und Ritualen verbunden. Damit kein Handwerker durch seine Arbeit am Galgen seine Ehre verlor, musste jeder Handwerker einer Stadt zumindest einen Nagel einschlagen. Aus Frankfurt am Main im Jahre 1720 ist überliefert, dass der Stadtschreiber zur Reinigung des Galgens eine Fahne mit dem Stadtwappen in alle vier Himmelsrichtungen schwenkte und anschließend die vier Säulen der Richtstätte mit der Hand berührte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Symbolen und Ritualen als fester Bestandteil der frühneuzeitlichen Rechtspraxis ein und erläutert die thematische Gliederung der Arbeit.

2. Vom Verdacht zum Urteil – Der Ablauf des frühneuzeitlichen Gerichtsverfahrens: Dieses Kapitel skizziert den formalen Prozess vom anfänglichen Verdacht über die Inquisition bis hin zum endlichen Rechtstag und der öffentlichen Urteilsvollstreckung.

3. Symbole, Rituale, Magie und Religion: Hier werden die verschiedenen symbolischen Attribute und rituellen Praktiken untersucht, die das Strafrecht prägten, von der Hochgerichtsbarkeit über Farben und Geräusche bis hin zu religiösen Vorstellungen.

4. Die Rolle der Ehre im Strafrecht der Frühen Neuzeit: Dieses Kapitel analysiert den zentralen Stellenwert der Ehre für den sozialen Status und deren massiven Einfluss auf Prozesse der Wahrheitsfindung, Strafzumessung und die Anwendung von Ehrenstrafen.

5. Warum hatten Symbole und Rituale eine so große Bedeutung im frühneuzeitlichen Strafrecht?: Die Untersuchung schließt mit einer Erörterung darüber, warum rituelle Handlungen in einer weitgehend analphabetischen Gesellschaft unverzichtbar für die Sichtbarkeit und Legitimation von Recht waren.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Symbole und Rituale keine bloßen Äußerlichkeiten, sondern essenzielle Bestandteile zur Akzeptanz und zum Verständnis der frühneuzeitlichen Lebenswelt und Justiz waren.

Schlüsselwörter

Frühe Neuzeit, Strafrecht, Symbole, Rituale, Hochgerichtsbarkeit, Ehre, Galgen, Pranger, Hinrichtung, Scharfrichter, Inquisition, Rechtspraxis, Rechtsgeschichte, soziale Repräsentation, Ehrenstrafen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion von Symbolen und Ritualen innerhalb des Strafrechtssystems der Frühen Neuzeit.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?

Zentrale Themen sind die frühneuzeitliche Gerichtspraxis, die Symbolik von Richtstätten, der rituelle Einsatz von Farben und Geräuschen sowie die prägende Rolle von Ehre und religiösen Vorstellungen im Strafvollzug.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Symbole und Rituale dazu beitrugen, ein abstraktes Rechtssystem für die Gesellschaft verständlich und akzeptabel zu machen.

Welche wissenschaftliche Methodik wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine thematische Untersuchung historischer Quellen und Gerichtsordnungen, um die symbolischen Handlungen und deren gesellschaftliche Bedeutung zu analysieren.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Symbolen der Hochgerichtsbarkeit, den Einsatz von Farben und Geräuschen, die Rolle magisch-religiöser Vorstellungen und den Einfluss von Ehre und Ehrenstrafen auf den Prozessverlauf.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Frühe Neuzeit, Hochgerichtsbarkeit, Ehre, Rechtsritual, Inquisition und öffentliche Bestrafung.

Welche Rolle spielte der Scharfrichter im frühneuzeitlichen Strafrecht?

Der Scharfrichter war die zentrale Figur bei der Bestrafung, galt jedoch aufgrund seiner Tätigkeit als „unehrlich“ und lebte am Rande der Gesellschaft, was seine Berührung für andere Personen riskant machte.

Warum galten bestimmte Todesstrafen als „unehrlich“?

Todesstrafen wie das Hängen oder Rädern wurden als unehrlich eingestuft, da sie den Delinquenten der Berührung durch den unehrlichen Scharfrichter aussetzten und oft mit einem entehrenden Ausschluss aus der Gesellschaft oder dem Verzicht auf ein christliches Begräbnis verbunden waren.

Excerpt out of 28 pages  - scroll top

Details

Title
Symbole und Rituale im Strafrecht der Frühen Neuzeit
College
University of Tubingen  (Historisches Seminar)
Course
Die Ordnung der Gesellschaft. Zur Praxis sozialer Repräsentation in der Frühen Neuzeit
Grade
2,0
Author
Stefanie Leisentritt (Author)
Publication Year
2010
Pages
28
Catalog Number
V160635
ISBN (eBook)
9783640738366
ISBN (Book)
9783640738670
Language
German
Tags
Symbole Rituale Recht Strafrecht Justiz Geschichte Frühe Neuzeit Prozesse Prozessordnungen Strafe Bestrafung Rechtspraxis Gericht Gerichtsverfahren Ehrenstrafe Pranger Galgen Hinrichtung Gerichtsordnung Carolina
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Leisentritt (Author), 2010, Symbole und Rituale im Strafrecht der Frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160635
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  28  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint