Riester-Rente. Problematik der staatlich geförderten Altersvorsorge


Projektarbeit, 2010

34 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einordnung und Relevanz der privaten Altersvorsorge
1.2 Methodisches Vorgehen
1.3 Ziel der Arbeit
1.4 Motivation des Autors - Bezug zur beruflichen Tätigkeit

2. Theoretische Grundlagen der Riester-Förderung
2.1 Grundlagen der Riester-Förderung
2.1.1 Ursprung
2.1.2 Förderberechtigte
2.2 Varianten der Riester-Förderung
2.2.1 Private Rentenversicherung
2.2.2 Fondsgebundene Rentenversicherung
2.2.3 Banksparplan
2.2.4 Investmentfonds
2.2.5 Wohn-Riester
2.2.6 Betriebliche Altersvorsorge
2.3 Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile der Riester-Förderung

3. Der Beispielkunde
3.1 Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern
3.2 Eine ledige Person ohne Kind
3.3 Ein Ehepaar mit drei Kindern

4. Sollkonzept
4.1 Darstellung des Ist-Zustands
4.2 Konzeptionierung und Ausarbeitung eines Soll-Zustands

5. Einführungsberatung
5.1 Schulung des Kunden
5.2 Einwandbehandlung

6. Fazit
6.1 Ökonomische Bewertung
6.2 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Persönliche Erklärung

1. Einleitung

1.1 Einordnung und Relevanz der privaten Altersvorsorge

Die Bundesrepublik Deutschland erlebt einen demographischen Wandel: Die Men- schen werden immer älter, die Geburtenraten hingegen gehen zurück. Gemäß einer Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen. Demnach besteht die Möglichkeit, dass der Anteil der über Sechzigjährigen in 2050 mehr als ein Drittel betragen wird und der Anteil der über Achtzigjährigen gar bei ca. zwölf Prozent liegen wird.1

Die Finanzierung der Sozialversicherungen gestaltet sich dadurch zunehmend schwieriger. Gründe für die problematischen Entwicklungen sind die Kostenexplosi- onen im Gesundheitswesen, hohe Arbeitslosenzahlen, eine immer älter werdende Bevölkerung und steigende Lebenserwartungen bei gleichzeitigem Geburtenrück- gang.2 Für das System der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) hat dies zur Fol- ge, dass „immer weniger Beitragszahler immer mehr Renten finanzieren müssen“, schlussfolgert Autor Oliver Heuchert.3 Aufgrund der Tatsache, dass die wenigsten Bürger bereit sind, im Alter einen drastischen Einschnitt ihres bisherigen Lebens- standards hinzunehmen, bekommt die private Altersvorsorge einen immer höheren Stellenwert.

1.2 Methodisches Vorgehen

In der Einleitung wird auf die grundlegenden Fakten und rechtlichen Rahmenbedin- gungen der Riester-Förderung eingegangen. Aufbauend darauf erfolgt eine allgemei- ne Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile anhand einer SWOT-Analyse. In Kapi- tel drei folgt die Analyse der Riester-Rente anhand mehrerer Beispielkunden. Dabei geht es um die mathematische Berechnung der Zahlungsströme sowie die möglichen Szenarien im Rentenalter. Es folgt eine Eingangsberatung am Beispielkunden, die aufzeigt, worauf es beim Abschluss eines privaten Altersvorsorgeprodukts ankommt und welche Aspekte es abzuwägen gilt. Die Arbeit schließt mit einem ökonomischen Fazit, das Vor- und Nachteile der Riester-Förderung abwägt und dem Kunden eine konkrete Handlungsempfehlung ausspricht.

1.3 Ziel der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, das komplexe Konstrukt der Riester-Rente anschaulich darzu- stellen. Dabei geht es vor allem darum, die Fülle von rechtlichen Rahmenbedingun- gen zu prüfen und die Vor- und Nachteile der Einzahlungs- sowie Auszahlungsphase gegenüberzustellen. Rund 14 Millionen Deutsche haben bereits einen Riester-Vertrag abgeschlossen (Stand: Juni 2010).4 Mit der vorliegenden Arbeit wird daher das Ziel verfolgt zu erörtern, welche Sparer von der Riester-Förderung am meisten profitieren und welche einen geringeren oder gar keinen Nutzen daraus ziehen. Für die Versi- cherungsnehmer soll somit eine Informationsgrundlage geschaffen werden, die es ihnen ermöglicht, selbstständig eine Entscheidung über ihre private Altersvorsorge zu treffen.

1.4 Motivation des Verfassers - Bezug zur beruflichen Tätigkeit

Die Motivation des Verfassers liegt darin begründet, dem Beruf des unabhängigen Finanzdienstleisters qualitativ und moralisch gerecht zu werden. Umfangreiche Fachkompetenz ist die Grundlage für ein Beratungsgespräch und ein entscheidender Erfolgsfaktor im Kundentermin.5 In der beruflichen Praxis eines Finanzberaters ist das Thema Riester-Rente dauerhaft präsent. Die Anzahl der abgeschlossenen Riester- Verträge belegt das Interesse der Bevölkerung an der staatlichen Förderung. In der vorliegenden Arbeit geht es deshalb vor allem darum, die Vor- und Nachteile der Riester-Rente ökonomisch zu bewerten, damit die Versicherungsnehmer davon profi- tieren.

2. Theoretische Grundlagen der Riester-Förderung

2.1 Grundlagen der Riester-Förderung

2.1.1 Ursprung

Die Riester-Förderung hat ihren Namen dem ehemaligen Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Walter Riester, zu verdanken. Dieser schlug, anlässlich der Re- form der Gesetzlichen Rentenversicherung 2000/2001 und der damit einhergehenden Senkung des Nettorentenniveaus, die Förderung der freiwilligen Altersvorsorge vor. Die Riester-Förderung ist demnach als Ergänzung zur gesetzlichen Altersvorsorge gedacht.6

2.1.2 Förderberechtigte

Grundsätzlich sind alle Personen förderberechtigt, die von der Absenkung des Ren- tenniveaus betroffen sind. Darüber hinaus müssen die Versicherungsnehmer unbe- schränkt in Deutschland steuerpflichtig sein. Zum förderberechtigten Personenkreis gehören: „Pflichtversicherte in der Gesetzlichen Rentenversicherung, Pflichtversi- cherte in der Alterssicherung der Landwirte, Beamte und Empfänger von Amtsbezü- gen, Ehegatten von Begünstigten, die nicht selbst zum förderberechtigten Personen- kreis gehören; Arbeitssuchende ohne Leistungsbezug wegen mangelnder Bedürftig- keit, versicherungsfrei Beschäftigte und von der Versicherungspflicht befreite Be- schäftigte und Personen, die eine Rente wegen voller Erwerbsminderung der gesetz- lichen Rentenversicherung oder eine Beamtenversorgung wegen Dienstunfähigkeit erhalten, wenn sie unmittelbar vor dem Bezug der Rente pflichtversichert waren oder unmittelbar vor dem Bezug der Versorgung wegen Dienstunfähigkeit Anwartschaf- ten in dem betreffenden Alterssicherungssystem erworben haben“.7

Nicht förderberechtigt ist hingegen folgender Personenkreis: „Freiwillig Versicherte in der Gesetzlichen Rentenversicherung; Selbstständig Tätige ohne Vorliegen von Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung; Selbstständig Tätige, die wegen der Geringfügigkeit der Tätigkeit versicherungsfrei sind; Geringfügig Be- schäftigte, die den Arbeitgeberbeitrag zur Rentenversicherung nicht durch eigene Beiträge aufstocken; Bezieher einer Rente wegen Alters; Bezieher einer Leistung der Grundsicherung; Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes oder des kirchlichen Diens- tes, welche als Pflichtversicherte einem Zusatzversorgungssystem angehören und bei denen der Anspruch weiterhin im Wege der Umlage finanziert und als beamtenähnli- che Gesamtversorgung geleistet wird und Pflichtversicherte in berufsständischen Versorgungseinrichtungen, die von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Ren- tenversicherung befreit sind“.8

2.2 Varianten der Riester-Förderung

2.2.1 Private Rentenversicherung

Ein Riester-Vertrag in Form einer privaten Rentenversicherung stellt eine Kombina- tion aus einer Versicherung und einer Kapitalanlage dar. Dem Versicherungsnehmer steht eine Leibrente zu, die bis ans Lebensende gezahlt wird. In den meisten Fällen besteht die Leibrente aus einer garantierten Mindestverzinsung des angesparten Ka- pitals und einer von der Versicherung gewährten Überschussbeteiligung.9 In der vor- liegenden Arbeit wird das Hauptaugenmerk auf diese Variante der Riester-Förderung gelegt.

2.2.2 Fondsgebundene Rentenversicherung

Bei der fondsgebundenen Rentenversicherung wird das Geld zunächst genau so wie in der privaten Rentenversicherung angelegt, jedoch werden alle Erträge, die über den 2,25-prozentigen Garantiezins hinausgehen, in Investmentfonds investiert.10 Fondsgebundene Rentenversicherungen bieten die größten Renditechancen, unterlie- gen aber auch den größten Risiken.11

2.2.3 Riester-Banksparpläne

Bei Banksparplänen wird langfristig ein Bankguthaben angespart. Bereits bei Ab- schluss des Vertrags wird die Höhe des Zinssatzes festgelegt, der meistens niedrig ausfällt. Dagegen ist diese Anlageform mit einem nur sehr geringen Risiko verbun- den.12

2.2.4 Riester-Fondssparpläne

Bei Riester-Fondssparpläne wird unter anderem in Rentenfonds, Geldmarktfonds, Immobilienfonds und Aktienfonds investiert. Je länger die Laufzeit, desto höher ist der Anteil der Aktienfonds. Die Anleger haben jedoch geringen bis gar keinen Ein- fluss auf die Fondsauswahl. Darüber hinaus haben diese Verträge eine feste Laufzeit und müssen mindestens bis zum 60. Lebensjahr des Versicherungsnehmers beste- hen.13

2.2.5 Wohn-Riester

Beim Wohn-Riester kann der Anleger das auf seinem Altersvorsorgevertrag ange- sparte und geförderte Kapital entnehmen, um den Betrag unmittelbar für die An- schaffung oder Herstellung eines Eigenheims zu verwenden. Voraussetzung für den Erhalt der Förderung ist, dass das geförderte Objekt zu eigenen Wohnzwecken ge- nutzt wird.14

2.2.6 Betriebliche Altersvorsorge

Drei Durchführungsformen der betrieblichen Altersvorsorge sind förderfähig: Pensi- onsfonds, Pensionskasse und die Direktversicherung. Unter der Voraussetzung, dass der Arbeitnehmer einen Mindesteigenbeitrag leistet, wird die volle Zulage ge- währt.15

2.3 Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile der Riester-Förderung

Das Hauptargument für eine Riester-Rente ist die staatliche Förderung. Der Versi- cherungsnehmer erhält seit 2008 eine Grundzulage von 154 Euro (114 Euro vor 2008), falls er vier Prozent seines Vorjahreseinkommens abzüglich der Gesamtzula- ge in einen Riester-Vertrag spart. Dabei gilt es zu beachten, dass jährlich ein Min- destbeitrag - der sogenannte Sockelbeitrag - von 60 Euro zu zahlen ist. Für jedes Kind erhält der Versicherungsnehmer darüber hinaus 185 Euro, für seit 2008 gebore- ne Kinder sogar 300 Euro. Riester-Sparer unter 25 Jahren erhalten obendrein einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro. Alternativ ist es möglich, die Bei- träge für die Riester-Rente bis zu einer Höchstgrenze von 2.100 Euro steuerlich gel- tend zu machen. Es erfolgt eine sogenannte Günstigerprüfung, bei der berechnet wird, ob der Versicherungsnehmer größeren Nutzen aus der staatlichen Förderung oder aus der steuerlichen Absetzbarkeit zieht.16

Vorteilhaft für den Versicherungsnehmer ist des Weiteren, dass die Riester-Rente ein Leben lang gezahlt wird und nicht zeitlich begrenzt ist.17 Dies kann sich allerdings auch nachteilig auswirken, denn die Versicherer müssen das Risiko der Langlebig- keit mit einkalkulieren und berechnen die Rentenbezugsdauer nicht zwangsweise anhand der Werte des Statistischen Bundesamtes, sondern können dies im Zweifels- fall ein wenig vorsichtiger tun. Wer eine unterdurchschnittliche Lebenserwartung hat oder vorzeitig verstirbt, macht gegebenenfalls sogar Verlust.18

Sicherheit wird dem Kunden vor allem in zwei Punkten gewährt: Zum einen wird das im Riester-Vertrag angesparte Geld im Falle eines Anspruchs auf Arbeitslosengeld II nicht gepfändet, es ist also „Hartz-IV-sicher“.19 Zum anderen garantieren die Versi- cherer den Sparern, dass diese unabhängig von den Entwicklungen an den Kapital- märkten mindestens ihre eingezahlten Beiträge zu Rentenbeginn erhalten.20 Mit die- ser Garantie geht jedoch einher, dass der Versicherungsnehmer aktiv auf Rendite verzichtet, denn eine solche Garantie zwingt die Versicherer tendenziell zu vorsichti- geren Investments mit geringerem Risiko und geringeren Renditeerwartungen.

[...]


1 Vgl.: Pötzsch, Olga u. a.: „Bevölkerung Deutschlands bis 2050 - 10. koordinierte Bevölkerungsvo- rausberechnung“, hrsg. von: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2003, S. 7

2 Vgl.: Kuckertz, W. u. a.: „Versicherungsfachmann/-frau IHK - Zur Vorbereitung auf die IHK- Sachkundeprüfung für die Versicherungsvermittlung nach § 34d Gewerbeordnung“, 2. Auflage, 1. korrigierter Nachdruck, Troisdorf 2008, S. 15

3 Heuchert, Oliver: „Staatlich geförderte Altersvorsorge“, 2., aktualisierte und überarbeitete Auflage, Frankfurt am Main 2010, S. 9

4 Vgl.: Balodis, Holger/Hühne, Dagmar: „Privatrenten und Lebensversicherungen - So profitieren Sie richtig“, Düsseldorf 2010, S. 44

5 Vgl.: Görsdorf-Kegel, Susanne: „Makler Knigge - Vertreiben Sie Ihre Produkte und nicht Ihre Kun- den“, Münster 2010, S. 25

6 Vgl.: o. V.: „Riester Rente - Allgemeines“; www.bundesfinanzministerium.de; Aufruf am 13.09.2010

7 o. V.: „Riester Rente - Zulagenberechtigter Personenkreis (§ 79 Einkommensteuergesetz)“; www.deutsche-rentenversicherung.de; Aufruf am 06.06.2010

8 o. V.: „Riester Rente - Zulagenberechtigter Personenkreis (§ 79 Einkommensteuergesetz)“;

www.deutsche-rentenversicherung.de; Aufruf am 06.06.2010

9 Vgl.: o. V.: „Riester - private Rentenversicherung“; www.deutsche-rentenversicherung.de; Aufruf am 06.06.2010

10 Vgl.: o. V.: „Altersvorsorge richtig planen“, Düsseldorf 2010, S. 156

11 Vgl.: Heuchert: „Staatlich geförderte Altersvorsorge“, S. 103

12 Vgl.: o. V.: „Riester - Banksparplan“; www.deutsche-rentenversicherung.de; Aufruf am 06.06.2010

13 Vgl.: o. V.: „Altersvorsorge richtig planen“, S. 160 ff.

14 Vgl.: o. V.: „Fragen und Antworten zum Wohn-Riester“; www.bundesfinanzministerium.de; Aufruf am 06.06.2010

15 Vgl.: o. V.: „Betriebliche Altersvorsorge - steuerliche Förderung“, www.deutsche- rentenversicherung.de; Aufruf am 06.06.2010

16 Vgl.: o. V.: „Altersvorsorge richtig planen“, S. 18 ff.

17 Vgl.: o. V.: „Altersvorsorge richtig planen“, S. 155

18 Vgl.: o. V.: „Altersvorsorge richtig planen“, S. 156

19 Vgl.: Baur, Karin u. a.: „Private Altersvorsorge“, 6., komplett überarbeitete Auflage, Berlin 2010, S. 57

20 Vgl.: Baur, Karin u. a.: „Private Altersvorsorge“, S. 49

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Riester-Rente. Problematik der staatlich geförderten Altersvorsorge
Hochschule
AKAD-Fachhochschule Pinneberg (ehem. Rendsburg)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
34
Katalognummer
V160643
ISBN (eBook)
9783640778393
ISBN (Buch)
9783640778263
Dateigröße
927 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Finanzdienstleistung, Versicherungen, Altersorsorge, Betriebswirtschaftslehre, Investment, Vorsorge, Riester-Rente, Fondsgebundene Rentenversicherung
Arbeit zitieren
Thomas Rock (Autor), 2010, Riester-Rente. Problematik der staatlich geförderten Altersvorsorge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160643

Kommentare

  • Rouven Scheibe am 25.5.2012

    Thomas, wann gibt's mal wieder einen neuen Text? ;)

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Titel: Riester-Rente. Problematik der staatlich geförderten Altersvorsorge



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