In den Alpen stellen Massenbewegungen immer wieder eine große Gefahr für Menschen, Siedlungen und sonstige Infrastruktur dar, besonders wenn diese plötzlich und mit hoher Geschwindigkeit auftreten. Bereits kleinere Ereignisse dieser Art können zu schweren Schäden führen.
Daher ist es wichtig, grundlegende Informationen über Massenbewegungen und ihre geomorphologischen Steuerungsfaktoren, die diese Bewegungen begünstigen oder gar auslösen, zu sammeln. Derartige Informationen bilden die Basis, um vernünftige Landnutzungspläne zu erstellen, wodurch wiederum Menschenleben und Sachwerte besser geschützt werden können.
Diese Arbeit beschäftigt sich im Folgenden mit gravitativen Massenbewegungen, vor allem aber mit Rutschungen. Zunächst werden grundlegende Begriffe im Zusammenhang mit gravitativen Massenbewegungen und Rutschungen vorgestellt. Danach werden konkrete Beispiele von Rutschungen in den Nördlichen Kalkalpen vorgestellt und auf die jeweiligen Steuerungsfaktoren, die diese Rutschungen begünstigt haben, eingegangen.
Abschließend gibt die Arbeit einen Ausblick auf mögliche Veränderungen bezüglich des Auftretens von Rutschungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen gravitativer Massenbewegungen
2.1 Definition der gravitativen Massenbewegung
2.2 Klassifikationen von Massenbewegungen
2.3 Wichtige Steuerungsfaktoren für das Auftreten von Rutschungen an Hängen
3. Rutschungen in den Nördlichen Kalkalpen
3.1 Lage und Klima in den Nördlichen Kalkalpen
3.2 Beispiele für Rutschungen in den Nördlichen Kalkalpen
3.2.1 Die Felsgleitung von Goldau
3.2.2 Rotationsrutschung in Vorarlberg
3.3 Abschließende Bemerkungen zu den Steuerungsfaktoren von Rutschungen
3.4 Auswirkungen des Klimawandels auf das Auftreten von Rutschungen
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geomorphologischen Steuerungsfaktoren, die zu Rutschungen in den Nördlichen Kalkalpen führen, um ein tieferes Verständnis für die Entstehung dieser Naturgefahren zu entwickeln.
- Grundlagen gravitativer Massenbewegungen und deren Klassifizierung.
- Analyse der geologischen und klimatischen Steuerungsfaktoren von Rutschungen.
- Fallstudie zur translativen Felsgleitung von Goldau.
- Fallstudie zur rotativen Rotationsrutschung am Wiestobel in Vorarlberg.
- Einfluss des Klimawandels auf das zukünftige Rutschungsrisiko in den Alpen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Die Felsgleitung von Goldau
Die Ortschaft Goldau ist im östlichen Teil der Schweiz, im Kanton Schwyz, am Fuße des Rossbergs und somit am westlichen Rand der Nördlichen Kalkalpen gelegen. Am zweiten September des Jahres 1806 ereignete sich dort eine große Rutschung, bei der 30 bis 40 Millionen Kubikmeter Gestein des Rossbergs talwärts abgegangen sind. Die abgeglittene Felsmasse zerfiel zu Schutt und breitete sich auf einer Länge von nahezu zwei Kilometern aus. Sie war zudem mehrere hundert Meter breit und bis zu 80 Meter dick. Der Rossberg verlor bei diesem Ereignis etwa ein Promille seiner Masse. Die Dörfer Goldau, Röthen und Teile von Buosingen wurden unter einer bis zu 50 Meter dicken Schuttschicht begraben.
Bei der Felsgleitung von Goldau handelt es sich um eine translative Rutschung, bei der das Gestein auf einer ebenen bis leicht gewölbten Scherfläche abgleitet (Leser, 2009). Dabei spielten mehrere geomorphologische Steuerungsfaktoren eine Rolle. Ein wichtiger Faktor war die Geologie, die ausführlich von Heim (1932), Kopp (1936) und Lehmann (1942) untersucht wurde. Der Rossberg besteht aus einer Wechselfolge von Schichten aus Tonmergel und Sandstein, sowie mächtigen Konglomeratbänken, dem sogenannten Nagelfluh, der unteren Süßwassermolasse (Thuro et al, 2005). Die Nagelfluhbänke sind dabei in dieser Anordnung vergleichsweise hart und verwitterungsresistent, Mergel und Sandsteine sind dagegen weicher und leichter verwitterbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik von Massenbewegungen in den Alpen und Definition des Forschungsziels dieser Arbeit.
2. Grundlagen gravitativer Massenbewegungen: Theoretische Einführung in die Definition, Klassifizierung und die steuernden Faktoren von Hangbewegungen.
3. Rutschungen in den Nördlichen Kalkalpen: Analyse spezifischer Fallbeispiele in den Nördlichen Kalkalpen und Diskussion über den Einfluss des Klimawandels auf zukünftige Rutschungsereignisse.
4. Schluss: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse über die Bedeutung von Rutschungen als Georisiko und die Rolle geomorphologischer Steuerungsfaktoren.
Schlüsselwörter
Rutschungen, Nördliche Kalkalpen, Massenbewegungen, Geomorphologie, Felsgleitung, Rotationsrutschung, Klimawandel, Steuerungsfaktoren, Hangstabilität, Nagelfluh, Tonmergel, Goldau, Naturgefahr, Porenwasserdruck, Disposition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Rutschungen in den Nördlichen Kalkalpen und identifiziert die geomorphologischen Faktoren, die solche Ereignisse begünstigen oder auslösen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die physikalischen Grundlagen gravitativer Massenbewegungen, die geologischen Gegebenheiten der Alpen sowie die Rolle von Wasser und Klima bei der Entstehung von Hanginstabilitäten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Steuerungsfaktoren bei konkreten Rutschungsereignissen besser zu verstehen, welche Bedingungen einen Hang destabilisieren und wie diese Erkenntnisse zur Gefahrenprävention beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis bestehender geologischer und geomorphologischer Studien Fallbeispiele (Goldau, Wiestobel) untersucht und interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen (Definition, Klassifikation, Faktoren) erläutert, gefolgt von einer detaillierten Analyse zweier Fallbeispiele sowie einer Diskussion über klimatische Einflüsse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind gravitative Massenbewegungen, translative und rotative Rutschungen, geomorphologische Steuerungsfaktoren sowie der Einfluss von Niederschlag und Klimawandel.
Warum wird die Felsgleitung von Goldau im Jahr 1806 als zentrales Beispiel angeführt?
Goldau dient als Beispiel für eine translative Rutschung, die aufgrund ihres enormen Ausmaßes und der verheerenden Folgen als historisch bedeutendste Naturkatastrophe der Schweiz gilt.
Welche Rolle spielt Wasser bei der Entstehung von Rotationsrutschungen am Beispiel Wiestobel?
Wasser führt zu einer erhöhten Auflast und verringert gleichzeitig durch die Sättigung des Materials die Reibung und Kohäsion im Boden, was bei weichem Material wie Ton und Schluff zu plastischen Verformungen führt.
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- Franz Maximilian Hummel (Autor), 2010, Rutschungen in den Nördlichen Kalkalpen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160689