Was ist (heute) ein Migrant?
Bevor man sich eingehend mit der Materie (noch dazu einer solch heiklen) beschäftigt, scheint es angebracht, zunächst den Gegenstand der Überlegungen zu erläutern, um eine einheitliche Basis zu schaffen und mögliche Missverständnisse auszuräumen. Gestolpert bin ich über dieses Wort zum ersten Mal bewußt, als ich während meines Tuns im „GH“2 unter den naturgemäß viele Jugendlichen, die ich dort kennenlernte, auch einige Migranten traf. Dabei kam ich auf den Gedanken, daß sich das Wort „Migrant“ mittlerweile recht leicht sagen läßt und (ohnehin) politisch korrekt ist. Ich konnte mich allerdings erinnern, daß vor Aufkommen dieses Wortes sinngleich auch die Begriffe Gastarbeiter, Asylanten, Ausländer, Immigranten benutzt wurden, und oft umgangssprachlich oder in anderen als sozialen Kontexten nochimmer Verwendung finden. Schon daraus schloß sich für mich die Frage an:
Wird dieser Begriff eigentlich überall deckungsgleich verwandt? Und: Gilt diese Bezeichnung heute im Alltag überhaupt noch so, wie sie dem Ursprung her glauben machen will (migrare [lat. Inf. aktiv]: wandern; (fort-) ziehen)?
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2 Gelbes Haus Offenbach. Das „GH“ ist eine Einrichtung der Initiative für Arbeit im Bistum Mainz e.V. S.a. http://www.initiativearbeit.com.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort – Fachlicher Kontext
2. Was ist (heute) ein Migrant?
3. Bildungsbenachteiligung jugendlicher Migranten
4. Fallbeispiele
5. Fazit: Punktecharta
6. Literatur
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Bildungsbenachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland und analysiert dabei die Wechselwirkungen zwischen rechtlichen Rahmenbedingungen, sozialen Faktoren und individuellen Bildungschancen. Ziel ist es, durch die Analyse theoretischer Hintergründe sowie praktischer Fallbeispiele die Problematik des Bildungszugangs kritisch zu beleuchten und konkrete Handlungsanforderungen für ein ausbildungsfreundlicheres Umfeld abzuleiten.
- Struktur und Definition des Migrationsbegriffs im deutschen Kontext
- Analyse institutioneller Barrieren im Bildungssystem
- Einfluss von Sprachkenntnissen und sozialer Herkunft auf den schulischen Erfolg
- Die Rolle von transnationalen sozialen Netzwerken und Mehrsprachigkeit
- Diskriminierungserfahrungen beim Übergang von der Schule in den Ausbildungsmarkt
Auszug aus dem Buch
4. Fallbeispiele
Es soll vorausgeschickt werden, daß beide Protagonisten gemein-typischerweise auch selbst über Migrations-Erfahrungen (hier v.a. Pendelmigration) verfügen. Ferner handelt es sich bei beiden Jugendlichen um sog. „Arbeitsmigrantenkinder“ (vgl. Fürstenau/Niedrig 2007, S. 243) im Gegensatz z.B. zu Flüchtlingsjugendlichen, deren erstere zudem noch den Status als EU-Bürger innehaben.
Luisa* wurde in Hamburg geboren und war das Kind zweier portugiesischer Arbeitsmigranten mit geringer formaler Bildung. Sie wuchs mit anderen, überwiegend Deutschen Kindern, in Fuhlsbüttel auf. Dort besuchte sie zunächst die Grundschule. Da sie recht ansehnliche, aber nicht überdurchschnittliche Leistungen erbrachte, ermöglichte man ihr den Besuch einer Gesamtschule. Luisa sprach gut und gerne Deutsch und hatte so schon früh den Wunsch gehegt, etwas aus dieser Bilingualität zu machen. Da sie auf der Realschule ebenfalls keine größeren Probleme hatte, besuchte sie, mit einem guten Realschulabschluß in der Tasche, nach der 10. Jahrgangsstufe ein Oberstufengymnasium in der näheren Umgebung. Um ihre Mehrsprachigkeit besser nutzen zu können, fasste sie schließlich den Entschluß, Fremdsprachenlehrerin zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort – Fachlicher Kontext: Das Kapitel führt in das Selbstverständnis der Sozialen Arbeit ein, welche sich den Prinzipien der Menschenrechte und sozialen Gerechtigkeit verpflichtet fühlt und den Auftrag hat, Ausgrenzungsverhältnissen entgegenzuwirken.
2. Was ist (heute) ein Migrant?: Hier wird der Migrationsbegriff kritisch hinterfragt und aufgezeigt, wie sich die Definitionen zwischen öffentlicher Wahrnehmung und wissenschaftlicher Perspektive unterscheiden.
3. Bildungsbenachteiligung jugendlicher Migranten: Dieser Abschnitt thematisiert die strukturellen und institutionellen Nachteile, denen Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem und auf dem Ausbildungsmarkt ausgesetzt sind.
4. Fallbeispiele: Anhand zweier konkreter Biografien von Jugendlichen mit portugiesischem Hintergrund wird illustriert, wie transnationale Mobilität und soziale Netzwerke die Bildungs- und Berufswege beeinflussen.
5. Fazit: Punktecharta: Das Kapitel schließt mit der Formulierung konkreter Forderungen an Politik, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen, um Migrantenjugendlichen bessere Teilhabechancen zu ermöglichen.
6. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und weiterführende Literatur zur Vertiefung der Thematik.
Schlüsselwörter
Migration, Bildungsbenachteiligung, Integration, Chancengleichheit, Soziale Arbeit, Arbeitsmarkt, Ausbildungsplatz, transnationale Netzwerke, Diskriminierung, Mehrsprachigkeit, Migrationshintergrund, Sprachförderung, Schulabschluss, Bildungsbiografie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland, insbesondere mit den Hürden, die ihnen den Zugang zu einer erfolgreichen schulischen und beruflichen Bildung erschweren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Migrationsbegriff, die institutionelle Benachteiligung im Schulwesen, Hürden auf dem Ausbildungsmarkt und die positiven Potenziale bikultureller Kompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, auf die strukturellen Benachteiligungen aufmerksam zu machen und eine "Punktecharta" zu entwickeln, die Ansätze zur Verbesserung der Integrations- und Bildungschancen für Migrantenjugendliche bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert theoretische Analysen und Literaturrecherchen mit einer qualitativen Betrachtung zweier spezifischer Fallbeispiele, um die Auswirkungen von Migration auf Bildungsbiografien zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Situation von Migranten, die Ursachen für schulische Schwierigkeiten, Diskriminierungserfahrungen bei der Bewerbung um Ausbildungsplätze sowie die Bedeutung von Herkunftskulturen und Sprachförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Integration, Diskriminierung und soziale Teilhabe stehen im Zentrum der Untersuchung.
Welche Rolle spielt die Sprache für den schulischen Erfolg laut der Autorin/des Autors?
Sprache wird als das zentrale Element für die Integration in eine fremde Kultur betrachtet. Defizite in der Unterrichtssprache sind laut der Arbeit eine wesentliche Ursache für das Scheitern in Schule und Ausbildung.
Wie unterscheiden sich die Bildungschancen von Luisa* und Paulo* in den Fallbeispielen?
Beide zeigen, dass durch soziale Netzwerke und individuelle Leistungen trotz eines einfachen Gastarbeiter-Hintergrunds ein Aufstieg möglich ist, wobei die Entscheidung zwischen Studium oder Ausbildung stark von den jeweiligen familiären und persönlichen Lebensentwürfen abhängt.
Warum wird die Kategorie "Migrationshintergrund" als problematisch angesehen?
Die Arbeit thematisiert die emotionale Aufgeladenheit und die damit verbundene soziale Stigmatisierung, die dazu führt, dass Individuen unabhängig von ihrer tatsächlichen Qualifikation aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt werden.
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- Tobias Herr (Author), 2010, Gründen für die Benachteiligung von Migranten beim Übergang Schule – Ausbildung – Beruf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160722