Die geschriebene Sprache ist ein wesentlicher Bestandteil unserer heutigen Kultur und aus der modernen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. In dieser Schriftlichkeit trägt nun eine einheitliche Orthographie erheblich zur Ökonomisierung der Kommunikation bei. In diesem Zusammenhang ist es beachtlich, dass erst seit dem Jahr 1901 eine amtlich normierte Rechtschreibung für den deutschen Sprachraum existiert, die ab 1903 für den Schulunterricht und den amtlichen Schriftverkehr als verbindlich erklärt wurde. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts lässt sich somit der Entwicklungsprozess zu einer deutschen Einheitsorthographie beschreiben, dessen Abschluss die sogenannte II. Orthographische Konferenz von 1901 bildet.
Bis in die heutige Gegenwart ist mit der deutschen Rechtschreibung der Name Konrad Duden (1829-1911) sehr eng verbunden. So schreibt Nerius (2007, S. 366), dass der Duden „das bekannteste und einflussreichste Orthographiewörterbuch der deutschen Sprache ist.“ Einige Autoren gehen sogar so weit, die einheitliche deutsche Orthographie als „sein Lebenswerk“ (Goldberg 2007, S. 93) zu bezeichnen, „die wir ihm verdanken“ (Drosdowski 1996, S. 16). Es wird also deutlich, dass Konrad Duden einen erheblichen Einfluss bei der Entwicklung der deutschen Einheitsorthographie gehabt haben muss. Allerdings stellen sich folgende Fragen, die im Verlauf der vorliegenden Arbeit beantwortet werden sollen:
1.Welche Stellung nimmt Konrad Duden in der deutschen Orthographiegeschichte ein?
2.Konnte Konrad Duden seine eigenen Ziele erreichen, die er sich im Bereich der Orthographie gesetzt hat?
Um diese Untersuchung vornehmen zu können, werden in einem ersten Schritt Dudens orthographische Ziele dargestellt. Von diesem Punkt aus kann Dudens Mitwirken im Entwicklungsprozess zur deutschen Einheitsorthographie analysiert werden. In diesem Abschnitt der Arbeit soll auf der einen Seite der Weg sowie die letztendliche Durchsetzung der Einheitsorthographie orthographiehistorisch resümiert werden, auf der anderen Seite soll dieses Kapitel aber gleichzeitig Dudens Stellung innerhalb dieser Entwicklung und Abläufe zeigen. Das dritte Kapitel zielt also darauf ab, Dudens Wirken in die einzelnen Ereignisse der Orthographiegeschichte einzuordnen. Um beurteilen zu können, ob Duden seine orthographischen Ziele erreicht hat, wird darüber hinaus Dudens eigene Beurteilung der erreichten Einheitsorthographie dargestellt. In einem Fazit sollen die beiden Ausgangsfragen beantworten werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Konrad Dudens orthographische Ziele
3 Dudens Mitwirken im Entwicklungsprozess zur deutschen Einheitsorthographie
3.1 Auf dem Weg zu einer deutschen Einheitsorthographie
3.1.1 Entwicklung der deutschen Orthographie von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1871
3.1.2 Bemühungen um eine Vereinheitlichung der deutschen Orthographie bis 1876
3.1.3 Die I. Orthographische Konferenz und ihre Rezeption
3.1.4 Entwicklungen nach der Konferenz von 1876 und Dudens „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch“
3.2 Erreichen der deutschen Einheitsorthographie
3.2.1 Die II. Orthographische Konferenz 1901 und ihre Rezeption
3.2.2 Dudens Beurteilung der deutschen Einheitsorthographie und seine „Rechtschreibung der Buchdruckereien deutscher Sprache“
4 Fazit
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die vorliegende Arbeit untersucht den maßgeblichen Einfluss von Konrad Duden auf den historischen Prozess der deutschen Rechtschreibreformen zwischen dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, welche orthographietheoretischen Ziele Duden verfolgte, wie er seine Vorstellungen in den politisch-gesellschaftlichen Kontext der Reichsgründung und der Orthographischen Konferenzen einordnete und inwieweit er tatsächlich als Akteur zur Durchsetzung der Einheitsorthographie beigetragen hat.
- Konrad Dudens orthographietheoretische Zielsetzungen
- Entwicklungsprozess der deutschen Einheitsorthographie im 19. Jahrhundert
- Rolle der I. und II. Orthographischen Konferenz
- Bedeutung von Dudens Wörterbucharbeit für die praktische Normierung
- Verhältnis zwischen amtlichen Regelwerken und dem allgemeinen Schreibgebrauch
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Entwicklung der deutschen Orthographie von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1871
Wie Nerius (2007, S. 332) betont, stand mit Beginn des 19. Jahrhunderts „die deutsche Orthographie in ihren strukturellen Grundzügen fest.“ Diese „gewisse Vereinheitlichung“ (Lohff 1980, S. 306) konnte sich im Wesentlichen durch die Publikationen Johann Christoph Gottscheds (1700-1766) und Johann Christoph Adelungs (1732-1806) etablieren. Man kann sagen, dass in der Ausgangssituation zur Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung die adelungsche Orthographie, die er in seinem „Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart“ ausgearbeitet hatte, vorherrschte. Diese Orthographie berief sich auf den überlieferten Schreibgebrauch sowie auf das phonetische Prinzip. (vgl. Grebe 1978, S. 166)
Es muss an dieser Stelle also darauf hingewiesen werden, dass sich schon „seit Adelung [eine] bruchlose orthographische Kontinuität durchs Deutsche [zieht], die vor allem in der schulgrammatischen Tradition ihren Ausdruck findet.“ (Scheuringer 1996, S. 53) Auch Adelung bemühte sich um eine einheitliche Schreibung „im ganzen deutschen Sprachgebiet.“ (Scheuringer 1996, S. 52) Allerdings war die Adelungsche Orthographie keineswegs verbindlich. Grund dafür war in erster Linie das in viele Einzelstaaten zersplitterte Deutschland (vgl. Scheuringer 1996, S. 54). Darüber hinaus waren seine Vorgaben aber auch kein Ende in der Entwicklung zu einer einheitlichen deutschen Schreibung, da es trotz seines Werkes noch eine Vielzahl „von Schwankungsfällen und Doppelformen in den verschiedenen Teilen des Landes“ (Lohff 1980, S. 306) gab.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert die Bedeutung einer einheitlichen Orthographie für die Kommunikation und führt in die zentrale Rolle von Konrad Duden bei der historischen Normierung der deutschen Sprache ein.
2 Konrad Dudens orthographische Ziele: Dieses Kapitel erläutert Dudens anfängliche orthographische Konzepte, seine Orientierung an Raumer und sein Bestreben, durch Regelwerke Einheitlichkeit im Schulwesen zu schaffen.
3 Dudens Mitwirken im Entwicklungsprozess zur deutschen Einheitsorthographie: Das Kapitel analysiert Dudens Einfluss im Kontext der Orthographischen Konferenzen und der verschiedenen Reformbewegungen des 19. Jahrhunderts.
3.1 Auf dem Weg zu einer deutschen Einheitsorthographie: Es wird die schwierige Ausgangslage der Rechtschreibung vor 1871 sowie die Etablierung der adelungschen und nachfolgender Traditionen skizziert.
3.1.1 Entwicklung der deutschen Orthographie von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1871: Die Phase der frühen Variabilität und der Einfluss der Schulgrammatiker auf die Rechtschreibentwicklung werden untersucht.
3.1.2 Bemühungen um eine Vereinheitlichung der deutschen Orthographie bis 1876: Die Auswirkungen der Reichsgründung 1871 auf den Druck zur Vereinheitlichung sowie Dudens wachsende Bekanntheit stehen hier im Fokus.
3.1.3 Die I. Orthographische Konferenz und ihre Rezeption: Es wird der erste Versuch einer reichsweiten Kodifizierung 1876 analysiert, der trotz fachlicher Einigungen am politischen Widerstand scheiterte.
3.1.4 Entwicklungen nach der Konferenz von 1876 und Dudens „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch“: Duden nutzt seine Wörterbucharbeit, um die Schulorthographie faktisch durchzusetzen, obwohl die amtliche Einigung auf sich warten ließ.
3.2 Erreichen der deutschen Einheitsorthographie: Dieses Kapitel thematisiert den finalen Prozess der offiziellen Normierung der Rechtschreibung um die Jahrhundertwende.
3.2.1 Die II. Orthographische Konferenz 1901 und ihre Rezeption: Die Konferenz von 1901 wird als entscheidender, politisch getriebener Schritt zur Einführung einer verbindlichen Einheitsorthographie dargestellt.
3.2.2 Dudens Beurteilung der deutschen Einheitsorthographie und seine „Rechtschreibung der Buchdruckereien deutscher Sprache“: Duden reflektiert das Erreichte als Kompromiss und setzt mit weiteren Werken neue Standards für die Praxis.
4 Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfragen und ordnet Dudens Rolle differenziert als „Vermittler und Organisator“ anstatt als theoretischen Urheber ein.
Schlüsselwörter
Konrad Duden, deutsche Einheitsorthographie, Rechtschreibreform, orthographische Konferenzen, historische Rechtschreibung, phonetisches Prinzip, preußische Schulorthographie, Wörterbucharbeit, Sprachnormierung, 19. Jahrhundert, Sprachgeschichte, Sprachgebrauch, Orthographiegeschichte, Sprachkritik, Vereinheitlichung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss von Konrad Duden auf die Entwicklung und Durchsetzung der einheitlichen deutschen Rechtschreibung zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die Geschichte der Rechtschreibreformen, die Bedeutung der orthographischen Konferenzen (1876 und 1901) sowie die Rolle von Wörterbüchern bei der Standardisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Fragen, welche Stellung Duden in der Orthographiegeschichte einnahm und ob er seine eigenen, primär auf Vereinfachung ausgerichteten Ziele erreichen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primäre Quellen (Dudens Schriften) und eine breite Sekundärliteratur zur Orthographiegeschichte auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Dudens Zielen, die Analyse der Konferenzen von 1876 und 1901 sowie die detaillierte Betrachtung von Dudens Wörterbucharbeit als Instrument der Normierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind: Konrad Duden, Einheitsorthographie, Rechtschreibreform, phonetisches Prinzip, historische Orthographie und Normierung.
War Konrad Duden der alleinige Urheber der Einheitsorthographie?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Duden die Theorie weitgehend von anderen übernahm, jedoch als herausragender Organisator und Vermittler wesentlich zu deren Durchsetzung beitrug.
Warum war das Wörterbuch von Duden so erfolgreich?
Das Wörterbuch war praxisnah, leicht verständlich gegliedert und füllte eine Lücke, da offizielle Regelwerke für den allgemeinen Schreibgebrauch oft unzureichend oder zu lückenhaft waren.
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- Julia Hanebuth (Autor), 2009, Konrad Duden - Sein Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Einheitsorthographie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160775