Die Proseminararbeit befasst sich mit der exegetischen Auslegung von Mk 2,23-28 ("Das Ährenraufen am Sabbat") auf Grundlange des Novum Testamentum Graece (Hrsg. Nestle-Aland). Sie beinhaltet eine ausführliche Textkritik, eine synchrone und diachrone Textanalyse, Strategien der Leserlenkung innerhalb der Textpragmatik sowie eine abschließende Interpretation der Perikope.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Textkritische Analyse
3 Synchrone Textanalyse
3.1 Übersetzung
3.2 Abgrenzung der Perikope
3.3 Syntaktische und semantische Kohärenzmerkmale des Textes
3.4 Strukturelle Merkmale des Textes
3.5 Synoptische Analyse
3.6 Intertextualität
3.7 Motivanalyse
3.8 Textsortenanalyse
3.9 Literarische Kontextanalyse
4 Diachrone Textanalyse
4.1 Traditionsanalyse
4.2 Analyse der mündlichen Überlieferung
4.3 Redaktionsgeschichtliche Analyse
5 Textpragmatik
5.1 Strategien der Leserlenkung und narrative Analyse
5.2 Situationsanalyse
5.3 Wirkabsicht der Perikope
6 Interpretation
6.1 Einzelauslegung
6.2 Zusammenfassende Auslegung und Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Perikope Mk 2,23-28 mittels einer umfassenden exegetischen Methode vor ihrem historisch-kommunikativen Hintergrund zu analysieren und auszulegen.
- Textkritische Erschließung der handschriftlichen Überlieferung.
- Synchrone und diachrone Untersuchung der Textstruktur und -tradition.
- Analyse der narrativen Strategien und der spezifischen Wirkabsicht.
- Kontextualisierung des Sabbatkonflikts im Markusevangelium.
- Einordnung der Perikope in das Umfeld jüdischer Autoritäten und Gesetzesauslegungen.
Auszug aus dem Buch
3.3 Syntaktische und semantische Kohärenzmerkmale des Textes
Mit seinem begrenzten Wortschatz und der vielfachen Verwendung hellenistischer Umgangssprache, bietet das Markusevangelium insgesamt eine gewisse lexikalische Monotonie. So zeichnet sich auch die Perikope Mk 2,23-28 unter anderem durch die häufige Verwendung der typisch markinischen Konjunktion και aus. Diese führt jedoch nicht, wie für das Markusevangelium eigentlich charakteristisch, zu einer Häufung von Parataxen, sondern im Gegenteil: In der untersuchten Perikope dominieren, wohl auch bedingt durch die deutliche Gewichtung auf der direkten Rede, Hypotaxen.
V. 23a enthält die für Mk charakteristische Eröffnungsformel και εγένετο und leitet, bedingt durch diesen unpersönlichen Ausdruck, direkt über in einen ACI (V. 23ba), wobei Jesus selbst nur mit dem Personalpronomen, bzw. der Proform αὐτὸν umschrieben wird, was wiederum typisch für die synoptischen Evangelien ist. Innerhalb des ACIs finden sich die Präpositionalphrasen ἐν τοῖς σάββασιν und διὰ τῶν σπορίμων sowie die von Mk öfter verwendete sprachliche Eigenheit des Wortes παραπορεύομαι und eine Parataxe mit der Genitivkonstruktion οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ. Auffällig ist die Komplexität der Konstruktion von V. 23bβ, welche die Kombination des Verbs ἤρξαντο mit dem folgenden Infinitiv und dem PPA darstellt. Während V. 23 im Aorist geschrieben steht, wechselt das Tempus mit V. 24a zunächst ins Imperfekt, und dann, bedingt durch die wörtliche Rede der Pharisäer (V. 24ba-bγ), ins Präsens. Dies führt über eine Interjektion (V. 24ba) zu einem direkten Fragesatz, welcher das adverbielle Interrogativpronomen τί eingeleitet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Gegenstands der Proseminararbeit und der methodischen Herangehensweise an die Perikope Mk 2,23-28.
2 Textkritische Analyse: Untersuchung der handschriftlichen Lesarten und textkritischen Probleme der Perikope unter Heranziehung bedeutender Kodizes.
3 Synchrone Textanalyse: Detaillierte synchrone Betrachtung des Textes, inklusive Übersetzung, Struktur, Stilistik und Einordnung in den literarischen Kontext.
4 Diachrone Textanalyse: Analyse der traditionsgeschichtlichen Hintergründe und der Entwicklung der mündlichen Überlieferung bis zur Fixierung im Markusevangelium.
5 Textpragmatik: Narratologische Untersuchung der Erzählstruktur sowie Analyse der historischen Situation und der spezifischen Wirkabsicht des Textes.
6 Interpretation: Verse-für-Verse-Auslegung sowie eine zusammenfassende Bewertung der antiapokalyptischen und liberalen Konzeption der Sabbatpraxis bei Markus.
Schlüsselwörter
Mk 2,23-28, Sabbat, Ährenraufen, Exegese, Markusevangelium, Pharisäer, Synoptiker, Textkritik, Literarische Analyse, Sabbatkonflikt, Menschensohn, Motivforschung, Textpragmatik, Exegetische Methode, Altes Testament.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit widmet sich der exegetischen Untersuchung der Perikope Mk 2,23-28, in der Jesus und seine Jünger in einen Konflikt mit den Pharisäern über das Sabbatgebot geraten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die textkritische Überlieferung, die synchrone und diachrone Textanalyse, die narrative Struktur sowie die theologische Bedeutung der Sabbatpraxis im Markusevangelium.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Perikope vor ihrem historisch-kommunikativen Hintergrund methodisch fundiert auszulegen und die Intention des Redaktors bei der Darstellung der Sabbatkontroverse zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine methodisch breite exegetische Herangehensweise, bestehend aus textkritischer Analyse, Synchroner und Diachroner Analyse, sowie narratologischer und textpragmatischer Untersuchung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Textgestalt, die Untersuchung der Traditionsgeschichte, eine Erzählanalyse (Narratologie) sowie eine anschließende systematische Interpretation der Verse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Exegese, synoptischer Vergleich, Sabbatkonflikt, Intertextualität (Bezug zum Alten Testament) und die redaktionsgeschichtliche Rolle des Evangelisten geprägt.
Welche besondere Bedeutung kommt dem Alten Testament für die Argumentation Jesu zu?
Jesus nutzt alttestamentliche Referenzen (etwa die Geschichte um David und die Schaubrote), um das Verhalten seiner Jünger zu rechtfertigen und das Sabbatgebot im Sinne einer liberalen, am Menschen orientierten Praxis neu zu deuten.
Warum ist das Verständnis des Sabbatverständnisses der Pharisäer wichtig für die Arbeit?
Die Position der Pharisäer dient als notwendiger Kontrast, um das markinische Anliegen – die Betonung der Vorrangstellung des Menschen vor dem Gesetz – hervorzuheben und den eschatologischen Gehalt der Szene zu verdeutlichen.
- Citation du texte
- Lisa Gruber (Auteur), 2010, Ährenraufen am Sabbat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160799