Wie wirksam ist das angeleitete Selbsthilfeprogramm „Spring“ in der Reduktion traumabezogener Symptome bei Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung?
Zur Hinführung an das Thema und zum weiteren Verständnis wird im zweiten Kapitel, ein Überblick über das Krankheitsbild der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) gegeben. Hierfür werden neben den diagnostischen Kriterien und der Symptomatik, auch der Krankheitsverlauf, mögliche Komorbiditäten und Therapieformen beschrieben. Das dritte Kapitel schafft die Grundlage für das Verständnis digitaler Interventionen in der Behandlung einer PTBS. Neben dem Begriff werden auch die aktuellen Entwicklungen und die positiven als auch negativen Aspekte betrachtet und herausgearbeitet. Das Programm „Spring“, als Beispiel einer digitalen Intervention in der Behandlung einer PTBS, wird im vierten Kapitel umfassend vorgestellt. Es werden sowohl das Konzept, die Zielsetzung und der Ablauf beschrieben, um im Anschluss die Wirksamkeit im Hinblick auf die traumabezogene Symptomatik anhand aktueller Studien kritisch zu beleuchten. Ein Fazit mit Ausblick schließen diese Arbeit ab.
2. Grundlagen der Posttraumatischen Belastungsstörung
2.1 Diagnostische Kriterien und Symptomatik
2.2 Prävalenz, Krankheitsverlauf und Komorbiditäten
3. Digitale Interventionen in der Behandlung der PTBS
3.1 Begrifflichkeit und aktuelle Entwicklungen
3.2 Positive und negative Aspekte
4 Das Selbsthilfeprogramm „Spring“
4.1 Konzept und Zielsetzung
4.2 Ablauf
4.3 Aktuelle Studienlage zur Wirksamkeit
5. Fazit und Ausblick
Literaturverzeichnis
1 Einleitung
Die posttraumatische Belastungsstörung führt bei den Betroffenen zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Zusätzlich ist sie mit einer hohen Komorbidität und signifikanter ökonomischer Belastung verbunden. Schnelle Hilfe ist für die Betroffenen deshalb essenziell (Bisson, 2023, XXI). Zum Leidwesen für die Hilfesuchenden verlängerte sich die Wartezeit auf einen Therapieplatz in Deutschland, nach der Psychotherapiestrukturreform jedoch um durchschnittlich 2 Wochen. Liegt die Wartezeit auf ein psychotherapeutisches Erstgespräch in Deutschland weiterhin bei 3 Wochen, rückt der Therapiebeginn für Patienten in weite Ferne und startet im Schnitt erst nach ca. 5 Monaten (Singer et al., 2022, S.178f.). Zusätzlich ist eine psychotherapeutische Behandlung weiterhin mit zentralen Barrieren, wie mangelndem Zugang, das Fehlen psychotherapeutischer Grundversorgung, finanziellen Hürden sowie Stigma bedingter Vorbehalte, verbunden (Eichenberg, 2021, S. 84). Behandlungen, die helfen diese Hindernisse zur psychotherapeutischen Versorgung zu verringern, die flexibler und zeitsparender sind und sich durch die gleiche Wirksamkeit auszeichnen wie klassische traumfokussierte Therapien könnten die Versorgungslage verbessern, Wartezeiten reduzieren und die Krankheitslast senken (Bisson, 2023, XIX). Digitale Interventionen stellen hier eine vielversprechende Entwicklung dar, diesen Herausforderungen in der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung zu begegnen. Diese Arbeit setzt sich kritisch mit dem angeleiteten Selbsthilfeprogramm «Spring», als Beispiel für eine digitale Intervention in der Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung, auseinander. Im Verlauf soll folgende Forschungsfrage beantwortet werden:
Wie wirksam ist das angeleitete Selbsthilfeprogramm „Spring“ in der Reduktion traumabezogener Symptome bei Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung?
Zur Hinführung an das Thema und zum weiteren Verständnis wird im zweiten Kapitel, ein Überblick über das Krankheitsbild der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) gegeben. Hierfür werden neben den diagnostischen Kriterien und der Symptomatik, auch der Krankheitsverlauf, mögliche Komorbiditäten und Therapieformen beschrieben. Das dritte Kapitel schafft die Grundlage für das Verständnis digitaler Interventionen in der Behandlung einer PTBS. Neben dem Begriff werden auch die aktuellen Entwicklungen und die positiven als auch negativen Aspekte betrachtet und herausgearbeitet. Das Programm „Spring“, als Beispiel einer digitalen Intervention in der Behandlung einer PTBS, wird im vierten Kapitel umfassend vorgestellt. Es werden sowohl das Konzept, die Zielsetzung und der Ablauf beschrieben, um im Anschluss die Wirksamkeit im Hinblick auf die traumabezogene Symptomatik anhand aktueller Studien kritisch zu beleuchten. Ein Fazit mit Ausblick schließen diese Arbeit ab.
2. Grundlagen der Posttraumatischen Belastungsstörung
Dieses Kapitel beschreibt die diagnostischen Kriterien als auch die Symptome einer PTBS. Daneben werden auch der Krankheitsverlauf der PTBS und ihrer Komorbiditäten sowie die unterschiedlichen Therapieformen umfassend vorgestellt, um ein Verständnis für das Krankheitsbild zu erhalten.
2.1 Diagnostische Kriterien und Symptomatik
In der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) wird die Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) mit dem Code F43.1 angegeben. Die PTBS fällt hier in die Kategorie „Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen“ (BfArM, 2025). Kennzeichnend für eine Posttraumatische Belastungsstörung ist ein vorausgehendes kritisches Lebensereignis, dass in seiner Schwere als folgenschwer beurteilt werden kann und mit starkem Leid, Verlust oder Zerstörung einhergeht. Die Dauer, in der ein Mensch dieser Belastung ausgesetzt ist, spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Die Reaktionen hierauf treten zeitnah an das Ereignis auf (BfArM, 2025).
Im diagnostischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen (DSM 5) wird die PTBS der Kategorie Trauma- und stressbedingte Störungen zugeordnet. Das traumatische Erlebnis kann der Betroffene selbst erlebt haben, die reine Beobachtung oder das Erfahren aus Erzählungen ist ebenfalls möglich. Ein Beginn der Symptomatik wird hier mit 3 Monaten, nach dem traumatischen Ereignis angegeben. Ein Auftreten von Symptomen mehrere Monate bis Jahre nach dem Erlebnis ist ebenfalls möglich. Die Symptome müssen jedoch mindestens einen Monat bestehen (APA 2013, S.276).
Im Vordergrund der Erkrankung steht ein Symptomkomplex, der sich in 3 Gruppen einteilen lässt. „Intrusionen, Vermeidungsverhalten und Hyperarousal“ (Pausch & Matten, 2017, S.28). Personen, Gegenstände und Orte, die mit dem Erlebnis in Verbindung gebracht werden bzw. stehen werden gemieden. Zudem machen sich teils massive Ängste bis hin zur Panik bemerkbar. Betroffene sind voller Furcht und sehr wachsam. Sie fühlen sich nicht mehr sicher und reagieren auf Reize und Geräusche übermässig empfindlich. Zusätzlich kann sich ein Gefühl von emotionaler Taubheit einstellen. Die Betroffenen entwickeln Schlafstörungen, die sich in Alpträumen und Wachliegen mit Gedankenkreisen bemerkbar machen. Auch das Wiedererleben des Ereignisses durch sich aufdrängende Gedanken zählt zur Kernsymptomatik (BfArM, 2025).
2.2 Prävalenz, Krankheitsverlauf und Komorbiditäten
Die Prävalenz schwankt international stark und scheint mit dem Einkommen zusammenzuhängen (Koenen et al., 2017, S. 6). Für Deutschland lag sie 2017 bei 0,7 % (Bachmann et al., 2021, S. 318). Qassem und Kollegen (2021, S. 323) kamen für England auf einen Wert von 2,9%. Die länderübergreifende Lebenszeitprävalenz lag laut einer Umfrageanalyse der World Health Organization (WHO) 2017 bei 3,9 % (Koenen et al., 2017, S. 6). Häufig treten neben der PTBS weitere psychische Störungen auf. In einer großangelegeten englischen Morbiditätsstudie, lag bei nahezu 4 von 5 Erkrankten eine weitere psychiatrische Erkrankung vor (Qassem et al. 2021, S. 323–324). Auch Kessler und Kollegen (1995, S. 1056) konnten in ihrer amerikanischen Morbiditätsstudie in den 90er Jahren aufzeigen, dass 59% der Männer und 43 % der Frauen an mindestens 3 weiteren psychiatrischen Störungen erkrankt waren. Am häufigsten traten neben der posttraumatische Belastungsstörung Depressionen, Angststörungen in Form von Sozialphobien, Psychosen und Zwangsstörungen auf (Bachmann et al., 2021, S. 318; Qassem et al. 2021, S. 323–324). Zudem steigert eine PTBS die Selbstmordgedanken der Betroffenen (BfArM, 2025). In der Mehrzahl der Fälle nimmt die posttraumatische Belastungsstörung einen remittierenden Verlauf. Vereinzelt können die Symptome über Jahre bestehen bleiben. In dieser Zeit können die schwere und das Ausmass der Symptomatik stark schwanken. Auch ein erneutes Auftreten von Symptomen nach teilweiser bzw. vollständiger Genesung ist möglich (APA, 2013, S. 377).
2.3 Therapieformen
In der Behandlung einer PTBS werden neben traumafokussierten auch nicht-traumfokussierte Therapien empfohlen. Im Besonderen hervorzuheben sind die Traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT) und die Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), die seit Jahrzehnten sehr gute, durch viele Studien belegte, Behandlungserfolge erzielen und als Therapie der Wahl innerhalb der internationalen, wie auch nationalen Leitlinien, angesehen werden (Schäfer et al., 2019, S. 22 - 24). Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) vereint kognitive mit verhaltensbasierten Ansätzen. Während in der Verhaltenstherapie vor allem unser Verhalten und dessen Einfluss auf unser Erleben im Fokus stehen, rückt die kognitive Therapie unsere Gedanken und die Art und Weise, wie wir denken, ins Zentrum der Betrachtung (Gillihan, 2021, S. 17-18). Für Menschen mit erfahrenen und erlebten Traumata wurde die KVT angepasst. Diese traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie möchte die Symptomatik der Betroffenen reduzieren und die alltägliche Funktionsfähigkeit verbessern. Hierfür sollen die durch das Trauma entstandenen dysfunktionalen Denk- und Verhaltensmuster verändert werden (Van den Heuvel & Seedat, 2020, S.870).
Die Eye Movement Desensitization and Reprocessing basiert auf der Annahme, dass belastende Erinnerungen nicht korrekt im Gedächtnis verarbeitet wurden und daher psychische Symptome verursachen. Durch eine bilaterale Stimulation sollen die belastenden Erinnerungen im Gehirn aufgelöst und neu sortiert werden, hierdurch soll sich die Belastung durch traumatische Erinnerungen verringern (Shapiro, 2022, S.31-32).
Im Gegensatz zu diesen traumafokussierten Verfahren verfolgen nicht-traumafokussierte Interventionen das Ziel Kompetenzen und Fähigkeiten zu vermitteln, die den Betroffenen helfen sollen, ihre Emotionen besser zu regulieren und mit der Symptomatik besser umzugehen. Zusätzlich sollen bestimmte Methoden die Patienten dabei unterstützen sich ihren aktuellen Konflikten zu stellen und diese zu lösen (Schäfer et al., 2019, S.22).
Diese beschriebenen psychotherapeutischen Verfahren können durch Pharmakotherapie ergänzt werden. Eine Empfehlung für den Einsatz von Psychopharmaka in der Behandlung einer PTBS sprechen die nationalen Leitlinien nicht aus. In der Praxis kommt es jedoch aufgrund komorbider Symptome, dem Mangel an zeitnah verfügbaren Therapieplätzen, wie auch belastenden Symptomen häufig zu einem medikamentösen Behandlungswunsch der Betroffenen, welchem die Ärzte vielfach nachkommen (Schäfer et al., 2019, S.28).
- Quote paper
- Yvonne Numberger (Author), 2025, Digitale Interventionen in der Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung am Beispiel des angeleiteten Selbsthilfeprogramms "Spring", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1608519