Die vorliegende Masterarbeit untersucht den Einfluss elterlicher Partnerschaftsqualität auf die kindliche Bindungssicherheit im Vorschulalter. Im Fokus stehen dabei die behaviorale und die repräsentationale Bindungsebene. Umfangreiche Publikationen verdeutlichen zwar die Vorhersagekraft elterlicher Feinfühligkeit auf die kindliche Bindungssicherheit (Ainsworth et al., 1978; Grossmann & Grossmann, 2012; Spangler, 2019). Dennoch fehlt es bislang an Studien, die die elterliche Beziehungsqualität als Prädiktor sowohl für die gezeigte als auch für die repräsentierte Bindungssicherheit empirisch validieren. In dieser Studie wurde eine quantitative Querschnittserhebung an 59 nicht-klinischen Familien aus München durchgeführt. Zur Erfassung der Partnerschaftsqualität diente der Partnerschaftsfragebogen – Kurzform (PFB-K). Die repräsentationale Bindung wurde mittels des Geschichtenergänzungsverfahrens – Bindung (GEV-B), die behaviorale Bindungssicherheit durch die Preschool Attachment Rating Scales (PARS) erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass eine höhere elterliche Partnerschaftsqualität signifikant mit einer stärkeren behavioralen Bindungssicherheit des Kindes einhergeht. Für die repräsentationale Bindungssicherheit konnte hingegen keine signifikante Einflussnahme festgestellt werden. Weiterhin zeigt sich kein statistisch bedeutsamer Zusammenhang zwischen der behavioralen sowie repräsentationalen Bindungssicherheit. Diese Diskrepanz legt nahe, dass Bindungsverhalten und Bindungsrepräsentationen unterschiedliche Dimensionen kindlicher Bindung widerspiegeln und selektiv auf elterliche Beziehungseinflüsse reagieren. Mögliche Erklärungen liegen u. a. in der Komplexität kindlicher Beziehungserfahrungen, die beispielsweise mit der Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation im Vorschulalter einhergehen. Methodische Limitationen wie die geringe Stichprobengröße und das Fehlen vermittelnder Mediatorvariablen schränken die Generalisierbarkeit ein und unterstreichen die Notwendigkeit zukünftiger Forschung.
Inhaltsverzeichnis
- Zusammenfassung
- Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- Tabellenverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Theoretischer Hintergrund
- 2.1 Zentrale Annahmen der Bindungstheorie
- 2.1.1 Grundannahmen der Bindungsrepräsentation und das Konzept der inneren Arbeitsmodelle
- 2.1.2 Grundannahmen behavioraler Bindung und die Entwicklung der Bindungsstrategien
- 2.2 Bindung im Vorschulalter
- 2.2.1 Zusammenhang zwischen behavioraler und repräsentationaler Bindung – die Stabilität erworbener Bindungsmuster im Vorschulalter
- 2.2.2 Erhebungsverfahren zur Bindung im Vorschulalter
- 2.3 Zentrale Annahmen von Partnerschaft
- 2.3.1 Partnerschaft als Bindungsbeziehung
- 2.3.2 Intrafamiliäre Partnerschaftsqualität
- 2.3.3 Einfluss elterlicher Partnerschaftsqualität auf die Bindungssicherheit
- 2.4 Forschungsfrage und Hypothesen
- 2.1 Zentrale Annahmen der Bindungstheorie
- 3 Methoden
- 3.1 Stichprobe
- 3.2 Untersuchungsdesign und Material
- 3.3 Untersuchungsablauf
- 3.4 Vorgehen bei der Auswertung
- 4 Ergebnisse
- 4.1 Deskriptive Datenanalyse
- 4.2 Testung der Hypothesen
- 5 Diskussion
- 5.1 Diskussion und Interpretation der Stichprobenzusammensetzung sowie der deskriptiven Ergebnisse
- 5.2 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse der Hypothesentestung
- 5.3 Diskussion der methodischen Vorgehensweise
- 6 Schlussfolgerung / Fazit
- Literaturverzeichnis
- Anhang A: Tabellen und Abbildungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht den Einfluss elterlicher Partnerschaftsqualität auf die kindliche Bindungssicherheit im Vorschulalter. Sie stellt die Forschungsfrage, inwieweit die intrafamiliäre Partnerschaftsqualität die Bindungssicherheit von Vorschulkindern beeinflusst, sowohl in ihrem beobachtbaren Verhalten als auch in ihren inneren Repräsentationen.
- Analyse des Einflusses elterlicher Partnerschaftsqualität auf die kindliche Bindungssicherheit.
- Differenzierte Betrachtung der behavioralen und repräsentationalen Bindungsebene bei Vorschulkindern.
- Erforschung des Zusammenhangs zwischen behavioraler und repräsentationaler Bindungssicherheit im Vorschulalter.
- Anwendung spezifischer Erhebungsinstrumente (GEV-B, PARS, PFB-K) zur Messung von Bindung und Partnerschaftsqualität.
- Beitrag zur Bindungsforschung und Relevanz für die klinisch-psychologische Praxis hinsichtlich kindlicher Verhaltensauffälligkeiten und emotionaler Schwierigkeiten.
Auszug aus dem Buch
Der Einfluss elterlicher Partnerschaftsqualität auf die repräsentationale und behaviorale Bindungssicherheit bei Vorschulkindern
In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, inwieweit die Qualität der elterlichen Partnerschaft einen Einfluss auf die repräsentationale sowie behaviorale Bindungssicherheit bei Vorschulkindern ausübt. Kurz: Beeinflusst die intrafamiliäre Partnerschaftsqualität die Bindungssicherheit von Vorschulkindern, sowohl im Verhalten als auch in ihren inneren Repräsentationen?
In A Secure Base, seinem letzten Werk zur Bindungstheorie, betont John Bowlby (1988) die Bedeutung sicherer Bindungen für die psychische Gesundheit und beschreibt die Rolle der Fürsorgepersonen als Schlüsselfiguren, die „als zentrale Basis zur Verfügung stehen und von der aus Kinder oder Jugendliche ,Entdeckungsreisen‘ in die Welt unternehmen, zu der sie jederzeit zurückkehren können“ (S. 11). Doch was passiert, wenn dieser sichere Hafen selbst Erschütterungen standhalten muss? Paarkonflikte bedrohen die elementaren Bindungsbedürfnisse von Kindern, weil die Fürsorgepersonen durch die Absorption der eigenen emotionalen Ressourcen die kindlichen Signale nicht mehr adäquat interpretieren und eine prompte und angemessene Reaktion nicht gewährleisten können. In Experimentalstudien wurde beobachtet, dass sich sowohl Mütter als auch Väter nach einem Streit weniger wohlwollend und feinfühlig gegenüber ihren Kindern verhalten (Kitzmann, 2000). Während sich die klassische Bindungstheorie (Bowlby, 1969; Ainsworth et al., 1978) auf die dyadische Beziehung zwischen dem Kleinkind und seiner¹ primären Bezugsperson konzentrierte, gewinnt das Familiensystem als Ganzes zunehmend an Bedeutung. Dieses wird als dynamisches Beziehungsgefüge verstanden, in dem eine funktionale oder dysfunktionale elterliche Partnerschaft einen entscheidenden Einfluss auf die kindlichen Bindungsprozesse ausübt (Cox & Paley, 1997; Minuchin, 1985; Frosch et al,
2000). In den Fokus des wissenschaftlichen Interesses gerückt ist der bis Ende der 1980er Jahre weitgehend vernachlässigte Prozess der mentalen Repräsentation von Bindungserfahrungen und die damit zusammenhängenden Zielgruppe der Vorschulkinder, als Merkmalsträger entsprechender Erhebungsverfahren (Main et al., 1985; Main & Cassidy, 1988). Bindungssicherheit offenbart sich in diesem Alter nicht mehr nur im beobachtbaren nonverbalen Verhalten, sondern kann eigens sprachlich geäußert und/oder durch projektive Methoden spielerisch manifestiert werden. Eine differenzierte Betrachtung zur repräsentationalen sowie behavioralen Bindungssicherheit bei Vorschulkindern unter dem Einfluss der elterlichen Partnerschaftsqualität wurde bisher kaum empirisch untersucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Forschungsfrage zum Einfluss elterlicher Partnerschaftsqualität auf die kindliche Bindungssicherheit bei Vorschulkindern ein und beleuchtet die Forschungsbedürfnisse in diesem Bereich.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden zentrale Annahmen der Bindungstheorie, die Differenzierung zwischen behavioraler und repräsentationaler Bindung sowie der theoretische Bezug zwischen elterlicher Partnerschaft und kindlicher Bindungssicherheit dargelegt.
3 Methoden: Dieses Kapitel beschreibt das quantitative Querschnittsdesign, die Stichprobe von 59 Familien und die verwendeten Erhebungsinstrumente (PARS, GEV-B, PFB-K) sowie den Untersuchungsablauf und die Auswertungsmethoden.
4 Ergebnisse: Die deskriptive Datenanalyse und die Ergebnisse der Hypothesentests werden präsentiert, wobei ein signifikanter Einfluss der Partnerschaftsqualität auf die behaviorale Bindungssicherheit, jedoch nicht auf die repräsentationale Ebene, festgestellt wird.
5 Diskussion: In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse interpretiert, diskutiert und mit der bestehenden Forschungsliteratur verglichen, wobei auch Stichprobenverzerrungen und methodische Limitationen kritisch reflektiert werden.
6 Schlussfolgerung / Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Hauptergebnisse zusammen, betont die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung von Bindungsebenen und unterstreicht den Bedarf an zukünftiger Forschung mit größeren, repräsentativeren Stichproben.
Schlüsselwörter
Elterliche Partnerschaftsqualität, Bindungssicherheit, Vorschulkinder, Repräsentationale Bindung, Behaviorale Bindung, Bindungstheorie, Innere Arbeitsmodelle, Geschichtenergänzungsverfahren (GEV-B), Preschool Attachment Rating Scales (PARS), Partnerschaftsfragebogen-Kurzform (PFB-K), Familienbeziehungen, Beziehungsdyade, Feinfühligkeit, Entwicklungspsychologie, Querschnittsstudie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Masterarbeit untersucht, wie die Qualität der Partnerschaft von Eltern die Bindungssicherheit ihrer Vorschulkinder beeinflusst, sowohl auf der Ebene des beobachtbaren Verhaltens als auch in den inneren mentalen Repräsentationen der Kinder.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die elterliche Partnerschaftsqualität, die behaviorale und repräsentationale Bindungssicherheit bei Vorschulkindern sowie der Zusammenhang zwischen diesen Konstrukten im Rahmen der Bindungstheorie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Einfluss elterlicher Partnerschaftsqualität auf die repräsentationale und behaviorale Bindungssicherheit bei Vorschulkindern zu überprüfen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob die intrafamiliäre Partnerschaftsqualität die Bindungssicherheit von Vorschulkindern in Verhalten und inneren Repräsentationen beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine quantitative Querschnittsuntersuchung durchgeführt, bei der Daten einmalig von einer Stichprobe von 59 nicht-klinischen Familien mittels standardisierter Erhebungsinstrumente gesammelt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit behandelt den theoretischen Hintergrund der Bindungstheorie, einschließlich ihrer zentralen Annahmen und der Entwicklung von Bindungsstrategien, sowie die Methodik der Studie mit Details zur Stichprobe, den verwendeten Materialien und dem Untersuchungsablauf. Anschließend werden die Ergebnisse der deskriptiven Datenanalyse und der Hypothesentestung präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Elterliche Partnerschaftsqualität, Bindungssicherheit, Vorschulkinder, Repräsentationale Bindung, Behaviorale Bindung, Bindungstheorie, Innere Arbeitsmodelle, Geschichtenergänzungsverfahren (GEV-B), Preschool Attachment Rating Scales (PARS), Partnerschaftsfragebogen-Kurzform (PFB-K), Familienbeziehungen, Beziehungsdyade, Feinfühligkeit, Entwicklungspsychologie und Querschnittsstudie.
Warum wurde bei der Erfassung der Bindungssicherheit bei Vorschulkindern zwischen behavioraler und repräsentationaler Ebene unterschieden?
Es wurde unterschieden, um ein möglichst umfassendes Bild der kindlichen Bindungssicherheit zu erhalten. Behaviorale Beobachtungen geben Aufschluss über affektive Regulationsstrategien und Näheverhalten, während repräsentationale Verfahren einen Zugang zur kognitiv-emotionalen Verarbeitung von Beziehungserfahrungen ermöglichen.
Welche methodischen Instrumente kamen zum Einsatz, um die Bindungssicherheit und Partnerschaftsqualität zu erfassen?
Zur Erfassung der behavioralen Bindungssicherheit wurden die Preschool Attachment Rating Scales (PARS) verwendet, für die repräsentationale Bindungssicherheit das Geschichtenergänzungsverfahren – Bindung (GEV-B), und die elterliche Partnerschaftsqualität wurde mittels des Partnerschaftsfragebogens – Kurzform (PFB-K) erhoben.
Gab es geschlechtsspezifische Verzerrungen in der Stichprobe und welche Implikationen könnten diese haben?
Ja, es zeigte sich eine Überrepräsentation männlicher Kinder in der Stichprobe. Dies könnte bedeuten, dass geschlechtsspezifische Unterschiede im Bindungsstil, wie sie in der Forschung beschrieben werden (Mädchen zeigen häufiger höhere Bindungssicherheitswerte), die niedrigen repräsentativen Bindungssicherheitswerte beeinflusst haben könnten.
Warum konnte die erste Hypothese über die Korrelation von repräsentationaler und behavioraler Bindungssicherheit nicht bestätigt werden?
Die Studie fand keine signifikante Korrelation zwischen den beiden Bindungsebenen, was im Widerspruch zu einem Großteil der Forschungsliteratur steht. Eine mögliche Erklärung ist, dass Vorschulkinder aufgrund ihrer kognitiven Reife gelernt haben könnten, ihr inneres Erleben nicht nach außen zu spiegeln, oder dass Bindungsverhalten und -repräsentation funktional autonom sind.
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- Cathrin Rötzel (Autor), 2025, Der Einfluss elterlicher Partnerschaftsqualität auf die repräsentationale und behaviorale Bindungssicherheit bei Vorschulkindern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1608664