Achtung als moralische Triebfeder bei Kant


Zwischenprüfungsarbeit, 2008
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Einleitung

Eine der wichtigsten und schwierigsten Fragen der Moralphilosophie war und ist die Frage danach, was den Menschen dazu motiviert, gut zu handeln. Und warum man oft nicht den eigenen Vorstellungen von einer moralisch wertvollen Handlung entsprechend handelt, sondern anders, obwohl man eigentlich weiß, was am besten zu tun wäre. Denn wenn ein Mensch vernünftigerweise die Gültigkeit eines Gesetzes einsieht, handelt er dennoch nicht notwendig so, wie es dieses fordert.

Kant beschäftigt sich in seinem dritten Hauptstück, dem Kapitel „Von den Triebfedern der reinen praktischen Vernunft“ mit diesem Problem und untersucht, was eine moralische Handlung überhaupt ausmacht und wie der Mensch durch ein Motiv dazu bewegt werden kann, tatsächlich das zu tun, was er für moralisch gut hält.

Das Kapitel über die Triebfedern ist von großer Bedeutung innerhalb der gesamten Philosophie Kants und insbesondere ein wichtiger Bestandteil seiner Moralphilosophie. Denn insgesamt geht es Kant in seiner „Kritik der praktischen Vernunft“ darum zu beweisen, „daß es reine praktische Vernunft gebe“[1] und im Kapitel über die Triebfedern untersucht er, wie es möglich ist, dass Menschen aus reiner Vernunft handeln, d.h. wie reine Vernunft praktisch werden kann.

Praktische Vernunft meint bei Kant die Fähigkeit des Menschen, aufgrund von seinen vernünftigen Einsichten zu handeln. Das kann bei jedem Menschen zu unterschiedliche Handlungen führen, denn ob eine Handlung vernünftig ist, hängt von der Situation und den Bedürfnissen, den Ansprüchen des handelnden Menschen ab; ist also subjektiv und kann nicht verallgemeinert werden. Wenn es aber darum geht, dass eine Handlung nicht irgendeinem subjektiven Zweck dient, sondern der Zweck ist, dass sie moralischen Wert hat, so muss diese moralischen Gesetzen entsprechen, also allgemein gültig sein für jeden Menschen und von jedem als vernünftig beurteilt werden. Wenn es Handlungen gibt, die nicht nur in Bezug auf ihren empirischen, subjektiven Kontext vernünftig sind, sondern einem allgemeinen moralischen Gesetz entsprechen, so beweist dies, dass reine Vernunft handlungsbestimmend sein kann.[2]

Wie es Kant mit seiner allgemeinen Handlungsanleitung, dem „Kategorischen Imperativ“ als das „Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft“ schon im ersten Hauptstück seiner „Kritik der praktischen Vernunft“ fordert, muss die subjektive Maxime eines Menschen übereinstimmen mit dem objektiven Gesetz, muss „jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung“[3] dienen können. So muss nach Kant eine Maxime, also ein subjektiver Handlungsgrundsatz, so gesetzt werden, dass sie dem allgemeinen Charakter des Sittengesetzes entspricht, um eine Handlung hervorzubringen, die moralischen Wert hat.

Ich werde in dieser Hausarbeit Kants Theorie über die Triebfedern der reinen praktischen Vernunft referieren, in der im Wesentlichen dargelegt wird, unter welchen Bedingungen und auf welche Weise das vernünftige Bewusstsein des Sittengesetzes eines Menschen zu einer subjektiven Triebfeder werden kann, die diesen dann motiviert, dem Gesetz entsprechend moralisch zu handeln.

Hauptteil

1. Prämissen, Begriffsbestimmungen und Zielsetzung des Triebfedernkapitels

a) Was eine Handlung zu einer moralischen Handlung macht

Kant beginnt sein drittes Hauptstück mit der Frage, von welcher Bedingung die Moralität einer Handlung abhängt. Damit eine Handlung sittlichen Wert hat, so Kant, muss der Wille unmittelbar durch das moralische Gesetz bestimmt sein. Wenn der Wille zwar „gemäß dem moralischen Gesetz“, aber nur durch ein Gefühl jeglicher Art bestimmt wird, also „nicht um des Gesetzes willen: so wird die Handlung zwar Legalität, aber nicht Moralität enthalten.“[4]

Nur wenn eine Handlung um des Gesetzes willen ausgeführt wird, kann sie eine moralische Handlung sein. Bereits im ersten und zweiten Hauptstück der Kritik der praktischen Vernunft entwickelte Kant diesen Gedanken; doch erst in diesem dritten Stück über die Triebfedern führt er hierfür das zu unterscheidende Begriffspaar ´Moralität` und ´Legalität` ein.[5]

Bloß Legalität enthält eine Handlung, wenn sie pflichtgemäß ausgeführt wird, d.h. objektiv mit dem Gesetz übereinstimmt. Hierbei ist entscheidend, dass eine Handlung auch pflichtgemäß sein kann, wenn bloß eine Neigung irgendwelcher Art Grund für die Handlung ist. Anders ausgedrückt: es spielt keine Rolle, welches Motiv es ist, das zu einer solchen Handlung bewegt.

Eine Handlung jedoch, die Moralität enthält, setzt nach Kant voraus, dass sie aus Pflicht, d.h. um des Gesetzes willen ausgeführt wird, dabei also die Motivation allein die Übereinstimmung der Handlung mit dem Gesetz ist.[6]

Um den moralischen Wert einer Handlung zu beurteilen, muss man nach Kant genau „das subjektive Prinzip aller Maximen“ beachten; denn um den Anspruch der Moralität zu erfüllen, muss die Maxime, also der subjektive Grundsatz des Handelns „aus Pflicht und Achtung fürs Gesetz“ gesetzt werden, und nicht wegen eines anderen angestrebten Ziels, das erreicht werden soll mittels der Handlung.[7]

[...]


[1] Kant, KpV, (Vorrede) S. 107.

[2] Siehe Schadow, Vortrag über Kants Lehre von der „Triebfeder“ moralischen Handelns, S. 4.

[3] Kant, KpV, S. 140.

[4] Kant, KpV, S. 191.

[5] Siehe Höffe, Immanuel Kant. Kritik der praktischen Vernunft, S. 137.

[6] Siehe Kant, KpV, S. 203.

[7] Ebd..

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Achtung als moralische Triebfeder bei Kant
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V160871
ISBN (eBook)
9783640767403
ISBN (Buch)
9783640767434
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Achtung, Triebfeder, Kant, Praktische Philosophie, Ethik, ethisch handeln, Motivation, Immanuel
Arbeit zitieren
Janina Stührmann (Autor), 2008, Achtung als moralische Triebfeder bei Kant, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160871

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