Die Hausarbeit befasst sich mit dem Einfluss der sozialen Herkunft auf die Chancengleichheit.
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit verfolgt folgende These: In Deutschland gibt es gewisse Barrieren für Kinder aus Familien mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status, welche die Entfaltung ihres Potenzials verhindern und somit zu einer Chancenungleichheit in Schulen beitragen. Selbstverständlich existieren Chancenungleichheiten auch in der KiTa oder im Berufsleben. Dennoch liegt der Fokus dieser Arbeit auf der Institution Schule. Dabei werden in Kapitel zwei relevante Begrifflichkeiten erläutert und der Zusammenhang von der sozialen Herkunft mit der Chancenungleichheit in Kapitel drei diskutiert. Anschließend werden einige Studien in Kapitel vier dargestellt, welche diesen Zusammenhang bestätigen, woraus in Kapitel fünf ein Fazit und mögliche Maßnahmen gezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Begriffliche Bestimmungen
- Soziale Herkunft
- Soziale Ungleichheit
- Diskriminierung
- Erklärungsansätze für den Einfluss der sozialen Herkunft
- Reproduktionstheoretische Ansätze
- Rational – Choice Ansätze
- Institutionelle Diskriminierung
- Empirische Belege für den Zusammenhang der sozialen Herkunft mit dem Bildungserfolg
- Fazit und mögliche Maßnahmen zur Reduktion sozialer Ungleichheit
- Literaturverzeichnis
- Reflexion über alle drei Seminare
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit verfolgt die These, dass in Deutschland spezifische Barrieren für Kinder aus Familien mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status existieren, die ihre Potenzialentfaltung behindern und somit zu einer Chancenungleichheit in Schulen beitragen.
- Analyse der Bildungsexpansion und bestehender Chancengleichheit in Deutschland.
- Definition und Abgrenzung zentraler Begriffe: Soziale Herkunft, Ungleichheit und Diskriminierung.
- Diskussion theoretischer Erklärungsansätze, darunter reproduktionstheoretische und Rational-Choice-Ansätze.
- Untersuchung der Rolle institutioneller Diskriminierung im Bildungssystem.
- Darstellung empirischer Belege, die den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg bestätigen.
- Erörterung möglicher Maßnahmen zur Reduktion sozialer Ungleichheit und zur Förderung der Chancengleichheit.
Auszug aus dem Buch
3.3 Institutionelle Diskriminierung
In beiden der bereits erwähnten Theorien wird die Ursache der hohen Selektivität individuellen und familiären Kriterien zugeschrieben und die institutionelle Diskriminierung außer Acht gelassen, obwohl ihr eine bedeutende Rolle bei dem Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungsun-gleichheiten zukommt. Mehrere qualitative Untersuchungen weisen darauf hin, dass Lehrkräfte bereits bestimmte Erwartungen an die Leistung der Kinder haben, allein auf der Basis des Bil-dungsstatus der Herkunftsfamilie (vgl. Gomolla 2015, S. 203). Niedrigere Leistungserwartungen und Vorurteile sind allerdings nicht nur in den Selektionsentscheidungen für die Sekundarstufe präsent, sondern schon während der gesamten Schullaufbahn (vgl. ebd.). Das Problem dabei ist, dass negative Stereotype und die projizierten Erwartungshaltungen der Lehrkräfte die Schü-ler*innen beeinflussen, diese es in ihrem Selbstbild verinnerlichen und sich dadurch auch demnach verhalten (vgl. Gomolla 2010, S. 81). Theorien über „Stereotype Threat" nehmen an, dass in Situa-tionen, in denen Schüler*innen mit negativen Stereotypen konfrontiert werden, Ängste entstehen und sich ihre kognitiven Fähigkeiten einschränken, was bereits durch empirische Untersuchungen bestätigt werden konnte (vgl. ebd.). Darüber hinaus bestehen auch indirekte institutionelle Diskri-minierungen beispielsweise für Migrant*innen in Deutschland, die mit unterschiedlichen Rechten, die beispielsweise den Aufenthaltsstatus betreffen, ausgestattet sind, was die familiäre Ressourcen-ausstattung und damit in indirekter Weise auch den Bildungserfolg beeinflusst (vgl. Gomolla 2015, S. 204f.). Strukturelle Barrieren für Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien oder mit Migrationshintergrund beginnen bereits schon vor der Schulzeit. Beispielsweise werden sie über-durchschnittlich häufig in Kindertagesstätten zurückgestellt, mit Begründungen von negativen kul-turalistischen Zuschreibungen oder mit vermeintlich einhergehenden weiteren Schwierigkeiten (vgl. ebd., S. 206). Während der Schulzeit wird die institutionelle Diskriminierung besonders bei den Übertrittsempfehlung sichtbar. Die häufigsten Argumente für eine Förderschulempfehlung sind dabei die soziokulturelle Herkunft und die religiöse Orientierung der Kinder, um eine vermeintliche Lernstörung zu begründen (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Einflusses der sozialen Herkunft auf Chancengleichheit in Schulen ein, beleuchtet die Bildungsexpansion in Deutschland und stellt die Forschungsfrage der Arbeit vor.
Kapitel 2 Begriffliche Bestimmungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Konzepte wie soziale Herkunft, soziale Ungleichheit und Diskriminierung, um ein gemeinsames Verständnis für die nachfolgende Analyse zu schaffen.
Kapitel 3 Erklärungsansätze für den Einfluss der sozialen Herkunft: Hier werden verschiedene theoretische Modelle diskutiert, darunter reproduktionstheoretische Ansätze, Rational-Choice-Ansätze und die Rolle institutioneller Diskriminierung, um den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu erklären. Empirische Belege bestätigen diesen Zusammenhang.
Kapitel 4 Fazit und mögliche Maßnahmen zur Reduktion sozialer Ungleichheit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die anfängliche These und schlägt konkrete Maßnahmen zur Reduktion von Bildungsungleichheit vor, einschließlich struktureller Veränderungen und der Förderung inklusiver Bildungseinrichtungen.
Schlüsselwörter
Soziale Herkunft, Chancengleichheit, Bildungsungleichheit, Schule, Bildungserfolg, Diskriminierung, Reproduktionstheorie, Rational-Choice, Institutionelle Diskriminierung, PISA-Studien, Bildungsbarrieren, Sozioökonomischer Status, Kulturelles Kapital, Bildungsaspirationen, Intersektionalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der sozialen Herkunft von Kindern auf deren Bildungschancen und den damit verbundenen Zugang zu Chancengleichheit im deutschen Schulsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Bildungsexpansion in Deutschland, die Definition und Auswirkungen von sozialer Herkunft, Ungleichheit und Diskriminierung sowie verschiedene theoretische Erklärungsansätze und empirische Belege für Bildungsungleichheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob es in Deutschland Barrieren für Kinder aus Familien mit niedrigerem sozioökonomischen Status gibt, die deren Potenzialentfaltung behindern und zu Chancenungleichheit in Schulen führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse und Synthese bestehender wissenschaftlicher Theorien (wie reproduktionstheoretische Ansätze und Rational-Choice-Ansätze) sowie empirischer Studien und statistischer Daten zur Bildungsungleichheit in Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die begrifflichen Bestimmungen von sozialer Herkunft, Ungleichheit und Diskriminierung, gefolgt von der detaillierten Darstellung verschiedener Erklärungsansätze für den Einfluss der sozialen Herkunft und der Präsentation empirischer Belege, die diesen Zusammenhang untermauern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Soziale Herkunft, Chancengleichheit, Bildungsungleichheit, Schule, Bildungserfolg, Diskriminierung und verschiedene theoretische Ansätze.
Wie beeinflusst die soziale Herkunft laut Bourdieu den Bildungserfolg?
Nach Pierre Bourdieu prägt die Herkunftsfamilie den Habitus eines Menschen, dessen Kompetenzen und Verhaltensweisen. Schulen bevorzugen dabei den Habitus und die Sprache höherer sozioökonomischer Schichten, wodurch Kinder aus benachteiligten Familien Anpassungsschwierigkeiten erfahren und in ihrer Potenzialentfaltung eingeschränkt werden.
Welche Rolle spielen Kosten-Nutzen-Abwägungen bei Bildungsentscheidungen?
Rational-Choice-Ansätze gehen davon aus, dass Bildungsentscheidungen, insbesondere bei Schulübergängen, auf Kosten-Nutzen-Abwägungen basieren. Familien aus niedrigeren sozialen Klassen schätzen dabei die Kosten für einen sozialen Aufstieg höher und den Nutzen geringer ein, was zu anderen Bildungsentscheidungen als bei privilegierten Familien führt.
Inwiefern beeinflussen Lehrer*innen die Chancenungleichheit?
Lehrkräfte entwickeln laut Untersuchungen oft Erwartungen an die Leistungen von Kindern basierend auf dem Bildungsstatus der Herkunftsfamilie. Diese niedrigeren Erwartungen und Vorurteile können sich im Selbstbild der Schüler*innen verfestigen und deren kognitive Fähigkeiten beeinträchtigen, was institutionelle Diskriminierung darstellt und die Übergangsempfehlungen beeinflusst.
Welche konkreten Maßnahmen werden zur Reduktion sozialer Ungleichheit vorgeschlagen?
Zur Reduktion sozialer Ungleichheit werden strukturelle Veränderungen im Bildungswesen, die Einführung inklusiver Ganztagsschulen, der Ausbau frühkindlicher Bildungseinrichtungen mit reduzierten Gebühren sowie die Vernetzung von Schulen und Institutionen zur Unterstützung benachteiligter Familien vorgeschlagen.
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- Anonym (Autor), 2024, Der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Chancengleichheit in Schulen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1609200