Unter den zahlreichen französischen Sprachursprungstheoretikern waren Étienne Bonnot de Condillac und Jean-Jacques Rousseau die bekanntesten und einflussreichsten. Obwohl beide Philosophen ähnliche Fragen untersuchten, hatten sie unterschiedliche Ansichten zum Ursprung und zur Natur der Sprache. Ziel dieser Arbeit ist es beide Sprachursprungstheorien genauer zu betrachten und zu vergleichen.
Dafür werden zunächst die theoretischen Grundlagen erläutert, die für das Verständnis der Sprachursprungstheorien von Bedeutung sind. Dazu gehört ein grober Einblick in die Erkenntnistheorien, die in der Diskussion um die Sprache eine wichtige Rolle spielen. Im Hauptteil der Arbeit werden dann die beiden Sprachursprungstheorien von Condillac und Rousseau ausführlich vorgestellt und analysiert. Im Anschluss daran erfolgt ein Vergleich der beiden Theorien, der ihre Vor- und Nachteile herausstellt und eine Bewertung ermöglicht. Abschließend wird ein Fazit gezogen, das die Ergebnisse der Analyse zusammenfasst und die Bedeutung der beiden Sprachursprungstheorien für die Sprach- und Kulturgeschichte herausstellt.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Erkenntnistheorien im 18. Jahrhundert
- 3. Sprachursprungstheorien
- 3.1 Étienne Bonnot de Condillac
- 3.2 Jean-Jacques Rousseau
- 4. Vergleich der beiden Sprachursprungstheorien
- 5. Fazit
- 6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Sprachursprungstheorien von Étienne Bonnot de Condillac und Jean-Jacques Rousseau detailliert zu untersuchen und miteinander zu vergleichen, um ihre Bedeutung für die Sprach- und Kulturgeschichte der Aufklärung herauszustellen.
- Der Einfluss der Aufklärung auf die Diskussion um den Ursprung der Sprache und menschliche Erkenntnis.
- Die grundlegenden erkenntnistheoretischen Strömungen des 18. Jahrhunderts (Empirismus und Rationalismus).
- Die sensualistische Sprachursprungshypothese von Étienne Bonnot de Condillac.
- Die sozialevolutionstheoretische Perspektive Jean-Jacques Rousseaus auf die Sprachentstehung.
- Ein umfassender Vergleich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Condillacs und Rousseaus Theorien.
- Die anhaltende Relevanz dieser Diskussionen für die moderne Linguistik und Sprachphilosophie.
Auszug aus dem Buch
3.1 Étienne Bonnot de Condillac
Étienne Bennot de Condillac wird als Hauptvertreter des Empirismus Lockescher Prägung angesehen. Die sensualistische Ursprungshypothese, die eine Weiterentwicklung von Lockes Philosophie darstellt, ist ein wichtiger Bestandteil des aufklärerischen Denkens. Diese Hypothese wird von Condillac auf das Problem der konstitutiven Funktion sprachlicher Zeichen und deren Zusammenhang zum Denken erweitert. Er denkt, dass das Wichtigste für unser Wissen darüber, wie Menschen denken, die Entdeckung der Bedeutung von Zeichen ist (vgl. Ricken 1982).
Wie bereits in Kapitel zwei beschrieben, geht Locke davon aus, dass sowohl Sinneswahrnehmungen als auch Reflexion notwendig sind, um menschliche Erkenntnis zu erlangen. Seine Philosophie hat somit einen dualistischen Charakter, was sich auch in der Sprachtheorie widerspiegelt. Er postuliert die Existenz einer Fähigkeit zum Denken und einer Fähigkeit zum Sprechen, die es den Menschen ermöglichten, Sprache zu schaffen, um Ideen zu kommunizieren. Condillac schließt die Lücke, indem er die konstitutive Funktion der sprachlichen Zeichen betont und aufzeigt, dass Sprache und Denken untrennbar miteinander verbunden sind (vgl. ebd.). Zudem betrachtet er die Wechselwirkung zwischen Sinneswahrnehmungen und sprachlichen Zeichen als einen allmählichen Prozess. Im Gegensatz zu Locke betont er außerdem, dass die Reflexion in der Sinneswahrnehmung begründet ist und lehnt eine apriorische (etwas, das unabhängig von Erfahrung oder Empirie gilt, sondern als a priori, das heißt vor aller Erfahrung, bekannt ist) und mechanistische Erklärung des Denkens ab.
Obwohl Condillac die Erkenntnis auf das beschränkt, was durch unsere Sinne bestätigt wird, geht er jedoch viel weiter als jeder andere Empirist. Er argumentiert, dass das Argumentieren immer den Kontakt mit einer Tatsache in der Welt erfordert und da es in der Welt nur Individuen gibt, die ohne Sprache existieren, ist das Denken unmöglich. Die Wahrnehmung sprachlicher Elemente ersetzt die Wahrnehmung der unendlichen Wesenheiten, die nur Gott möglich ist. Das heißt, dass eine Sprache gebraucht wird, um argumentieren und denken zu können und dass unsere Wahrnehmungsfähigkeit Grenzen hat, während Gott unendlich viel wahrnehmen kann. Demnach nutzen wir Sprache, um uns eine Vorstellung von unserer Umgebung zu machen (vgl. Auroux 1982).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Rolle der Sprachursprungstheorien im Kontext der Aufklärung ein und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Theorien von Condillac und Rousseau zu vergleichen.
2. Erkenntnistheorien im 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert die philosophischen Grundlagen, insbesondere die Strömungen des Empirismus und Rationalismus, die für das Verständnis der Sprachursprungstheorien wesentlich sind.
3. Sprachursprungstheorien: Hier werden die spezifischen Theorien zur Sprachentstehung von Étienne Bonnot de Condillac und Jean-Jacques Rousseau ausführlich dargestellt und analysiert.
4. Vergleich der beiden Sprachursprungstheorien: Das Kapitel vergleicht die Ansichten von Condillac und Rousseau hinsichtlich des Ursprungs, der Funktion und der Bedeutung der Sprache für die menschliche Gesellschaft.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und beleuchtet die anhaltende Relevanz der sprachtheoretischen Diskussion des 18. Jahrhunderts für die Linguistik und Sprachphilosophie.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Sprachursprungstheorien, Erkenntnistheorie, Empirismus, Rationalismus, Étienne Bonnot de Condillac, Jean-Jacques Rousseau, Sprachentwicklung, Zeichen, Gesellschaft, Philosophie, Linguistik, Abstraktion, Vernunft, Kulturelle Entwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Sprachursprungstheorien zweier prägender Aufklärungsphilosophen, Étienne Bonnot de Condillac und Jean-Jacques Rousseau, und vergleicht ihre Ansichten zur Entstehung und Rolle der Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die intellektuellen Bewegungen der Aufklärung, verschiedene Erkenntnistheorien des 18. Jahrhunderts sowie die detaillierte Analyse und der Vergleich der Theorien von Condillac und Rousseau zum Ursprung der Sprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Sprachursprungstheorien von Condillac und Rousseau genauer zu betrachten und zu vergleichen, um ihre Bedeutung für die Sprach- und Kulturgeschichte hervorzuheben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Analyse der philosophischen Theorien von Condillac und Rousseau, eingebettet in den historischen Kontext der Aufklärung und relevanter erkenntnistheoretischer Ansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil stellt ausführlich die Sprachursprungstheorien von Condillac und Rousseau vor und analysiert sie, gefolgt von einem detaillierten Vergleich beider Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Aufklärung, Sprachursprungstheorien, Erkenntnistheorie, Empirismus, Rationalismus, Condillac, Rousseau, Sprachentwicklung, Zeichen und Gesellschaft charakterisiert.
Was ist Condillacs zentrale These zur Sprachentstehung?
Condillac vertritt eine sensualistische Ursprungshypothese, bei der Sprache und Denken untrennbar miteinander verbunden sind und sich aus Sinneswahrnehmungen sowie einem allmählichen Prozess der Abstraktion und Verfeinerung sprachlicher Zeichen entwickeln.
Inwiefern unterscheidet sich Rousseaus Sichtweise von Condillacs Ansatz?
Im Gegensatz zu Condillac, der die Sprache aus einem pragmatischen Bedürfnis heraus sah, betrachtet Rousseau die Sprache in einem sozialevolutionären Kontext als Bruch mit dem Naturzustand des Menschen und als Grundlage für soziale Ungleichheit, entstanden aus "passions oiseuses".
Welche Rolle spielt die Metapher in Rousseaus Sprachtheorie?
Rousseau schließt sich Turgots Metapherntheorie an und betrachtet die Metapher als ideale Form des Zeichens, die es ermöglicht, über nicht direkt wahrnehmbare Dinge zu sprechen, und als Schlüssel zur Erweiterung der menschlichen Erkenntnis.
Warum ist die Erkenntnistheorie für das Verständnis der Sprachursprungstheorien relevant?
Die Erkenntnistheorie bildet die philosophische Grundlage für die Sprachursprungstheorien, da die Vorstellungen über die Herkunft und Natur der menschlichen Erkenntnis (Empirismus vs. Rationalismus) direkt beeinflussen, wie die Entstehung und Funktion der Sprache im 18. Jahrhundert betrachtet wurde.
- Arbeit zitieren
- Nick Hendle (Autor:in), 2022, Sprachursprungstheorien in Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1609371