Der Mythos der Jungfrauengeburt

Eine Analyse der relevanten Bibelstellen um Jes 7, 14 und Mt 1, 23


Seminararbeit, 2006

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Übersetzung Jes 7, 1-17
II.1) Eigene Übersetzung aus der altgriechischen Septuaginta
11.2) Probleme und Auffälligkeiten bei der eigenen Übersetzung
11.3) Vergleich mit anderen Übersetzungen ins Deutsche

III. Verschiedene Auslegungen von Jes 7, 14 im Hinblick auf das Phänomen der Jungfrauengeburt

IV. Verbindung zum Neuen Testament: Mt 1, 23

V. Kirchengeschichtliche Aspekte zur Jungfrauengeburt und der Rolle der Maria

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Mythos der Jungfrauengeburt - eine Wahrheit im theologischen Sinne oder ein überflüssiges Konstrukt? Von vielen wird die Möglichkeit der historischen Authentizität einer unbefleckten Empfängnis von vornherein kategorisch abgelehnt. Trotzdem wird Maria, die Mutter Jesu Christi, bis heute weltweit von Millionen als heilige Mutter der Kirche verehrt. Diese Proseminararbeit kann, will und wird natürlich keinen Versuch unternehmen, die neutestamentliche Schilderung der Jungfrauengeburt auf ihren historischen Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen, vielmehr soll sie aber aufzeigen, inwiefern gewisse Stellen im Alten und Neuen Testament auch in Bezug auf diese Thematik ineinandergreifen und wie sie zu verstehen sind. Von Jesu Geburt durch die Jungfrau Maria berichten lediglich die Evangelisten Lukas und Matthäus. Letzterer orientiert seine Ausführungen zur Herkunft Jesu an einer kontrovers diskutierten Weissagung aus dem Jesajabuch, in der vermeintlich die jungfräuliche Geburt des Messias angekündigt wird. Was sich im Laufe dieser Arbeit jedoch recht schnell herauskristallisieren wird, ist die Tatsache, dass die Übersetzungen der jeweiligen Quelltexte oftmals große Probleme in sich bergen und die eigentliche Aussage eines Bibelverses durch einzelne Entscheidungen in Vokabelfragen bestenfalls unwesentlich modifiziert, oftmals jedoch sinnentstellt wird. So geschehen etwa bei der erstmaligen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments in die Zielsprache Altgriechisch, der Septuaginta, die etwa 300 Jahre vor Christus entstand. Daher wird sich diese Arbeit zunächst eingehend mit der Übersetzung der fraglichen Stelle im Jesajabuch aus der Septuaginta ins Deutsche sowie mit verschiedenen Deutungsansätzen des Textes beschäftigen, bevor danach der Bogen zur Parallelstelle im Matthäusevangelium gespannt wird. Abschließend wird es noch um die Auswirkungen der Stellen gehen, also darum, in welchem Ausmaß die Auslegung der beiden Bibelstellen als jungfräuliche Geburt Christi die kirchliche Dogmatik sowie die Bedeutung und Rolle der Maria insbesondere in der Anfangszeit des Christentums geprägt hat.

II. Übersetzung Jes 7, 1-17

II.1. Eigene Übersetzung aus der altgriechischen Septuaginta

Dieser Punkt wird einem eigenen Übersetzungsversuch der betreffenden Stelle des Jesajabuches aus der Originalfassung der Septuaginta gewidmet. Dabei folgt jeweils auf den altgriechischen Vers die deutsche Übersetzung.

Jesaja 7, 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Und es war in den Tagen des Ahas, des Sohnes Jotams, einem Sohn Usijas, einem König von Juda, als Rezin, der König von Aram, und Pekach, ein Sohn Remaljas, einem König Israels, hoch nach Jerusalem ging, um Krieg mit selbigem zu führen und nicht fähig war, Krieg damit zu führen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als nun dem Haus Davids verkündet wurde, dass sich Aram mit Ephraim vereint hat, erschütterte es seine Seele und die Seele seines Volkes auf die Art, wie ein Baum durch den Wind geschüttelt wird.

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Und der Herr sagte zu Jesaja: Geh raus, um Ahas zu begegnen, (geh) du und dein Sohn Schear-Jaschub zum Teich des oberen Weges des Feldes des Reinigers.

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und du wirst sagen: Hüte dich und sei ruhig! Fürchte dich nicht und deine Seele soll nicht vor diesen beiden rauchenden Holzstücken schwach werden, ich werde die Wut und den Ärger wieder lindern!

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Zwar hecken Aram, Efraim und der Sohn Remaljas einen bösen Plan gegen dich aus und sagen:

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Wir wollen Juda angreifen, es uns zueigen machen und für uns erobern, dann wollen wir, dass der Sohn Tabeals dort regiert.

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Da spricht Gott, der Herr der Armeen (vgl. Sabaoth): Das wird so nicht weiter gehen, das wird nicht sein.

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Denn das Haupt von Aram ist Damaskus, und noch fünfundsechzig Jahre, dann wird Efraim fallen und kein Volk mehr sein.

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Und Haupt von Efraim ist Samaria, und das Haupt von Samaria ist ein Sohn des Remalja, und wenn ihr nicht glaubt, versteht ihr auch nicht.

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Erbitte dir von Gott, dem Herrn, ein Zeichen aus der Tiefe oder aus der Höhe.

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Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da sagte Jesaja: Hört dies, ihr vom Haus Davids! Ist es euch zu wenig, euch einen Kampf mit einem Mann zu leisten und wie wollt ihr euch einen Kampf mit Gott leisten?

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Deswegen wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Seht, die junge Frau wird ein Kind im Bauch halten und sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel geben.

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Er wird Butter und Honig essen bevor er lernt, das Böse zu verwerfen und das Gute vorzuziehen.

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Denn noch bevor das Kind lernt, die Schlechtigkeit des Bösen zu erkennen und das Gute zu wählen, wird das Land verlassen sein, dessen beider Könige Angesicht du fürchtest.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Denn Gott wird mit dem König von Assur Tage über dich und dein Volk und das Haus deines Vaters kommen lassen, wie es sie nicht mehr gegeben hat, seit Efraim von Juda abgefallen ist.

II.2. Probleme und Auffälligkeiten bei der eigenen Übersetzung

Der Text ist für den Übersetzer zumindest punktuell sowohl in stilistischer, syntaktischer und grammatischer Hinsicht, als auch hinsichtlich des Vokabulars durchaus herausfordernd. Dies kristallisiert sich unter anderem gegen Ende des dritten Verses heraus, als Jesaja eine Wegangabe gemacht wird, die im Altgriechischen folgendermaßen lautet: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Zum einen ist mir mangels genauer Kenntnis des damaligen

Wasserversorgungssystems einschließlich der genauen technischen Bezeichnungen und Berufsnamen der darin involvierten Personen eine eindeutige Übersetzung der Begriffe [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] nur schwerlich möglich, zum anderen ist die nötige Zuordnung nach Kasus, Genus und Numerus hier, wie auch an vielen weiteren Stellen des Textabschnitts, nicht auf den ersten Blick erkennbar und die Einordnung der Adverbien und Präpositionen in die deutsche Syntax verläuft eher schleppend. Auch der vierte Vers stellt den deutschen Übersetzer vor größere Probleme, wenn es wiederum gegen Ende heißt:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Es ist zu befürchten, dass dafür im Rahmen der eigenen Übersetzung, die unter Punkt II. 1 eingesehen werden kann, aufgrund der grammatischen Komplexität keine adäquate Lösung gefunden wurde, zumal es sich bei laa&opai um ein Verb in der ersten Person Singular Futur Indikativ Aktiv handelt, das sich auch aufgrund seiner Bedeutung, ,ich werde heilen’, nur schwer in den Kontext einordnen lässt. Neben der grammatischen Problematik sind es nicht zuletzt Vokabeln wie [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]welche den hohen Schwierigkeitsgrad des Texts ausmachen. Das Hauptaugenmerk liegt sicher auf Vers 14, der auch die strittige [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] enthält. Wie sich auch im weiteren Verlauf dieser Proseminararbeit herausstellen wird, ist hier bei der erstmaligen Übersetzung aus dem Hebräischen durch die Macher der Septuaginta eine Zweideutigkeit entstanden (oder verblieben), insofern, als das Wort pap0£,voç sowohl Jungfrau als auch Mädchen bzw. junge Frau bedeuten kann. Ich habe an dieser Schlüsselstelle in Anbetracht der mir zur Verfügung stehenden Literatur die Übersetzungsvariante ,junge Frau’ gewählt, was wohl auch dem hebräischen Original Пй^У entspricht.

Darüber hinaus stellt sich in Vers 17 die Frage, wie der König Assurs in den Satz einzuordnen ist, da er lediglich an das Satzende im Akkusativ angehängt ist [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Auf die genauen Eigenheiten dieser Übersetzung wird im Folgenden eingegangen, wenn ein Abgleich mit drei der geläufigsten deutschen Bibelübersetzungen ansteht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Mythos der Jungfrauengeburt
Untertitel
Eine Analyse der relevanten Bibelstellen um Jes 7, 14 und Mt 1, 23
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Evangelische Theologie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V160997
ISBN (eBook)
9783640742431
ISBN (Buch)
9783640742745
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jungfrauengeburt, virgo, Septuaginta, Exegese, Vulgata, Maria, Jungfrau, Christus, Matthäus, Jesaja, Messias, Kirchengeschichte
Arbeit zitieren
Karsten Keuchler (Autor), 2006, Der Mythos der Jungfrauengeburt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160997

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