Eine kritische Analyse der Eschatologie von Joachim Ringleben: "Gott und das ewige Leben - Zur theologischen Dimension der Eschatologie"


Seminararbeit, 2004

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Tod und Ewigkeit

III. Gott und Ewigkeit
III.1. Der Ewige und der Lebendige
III.2. Gottes ewige Lebendigkeit

IV. Unser ewiges Leben
IV.1. Verhältnis Irdisches Leben & "Wahres" Leben
IV.2. Verhältnis Tod & ewiges Leben
IV.3. Gott & unsere Verewigung
IV.4. "Ewige, schöpferische Erinnerung"
IV.5. "Ewige, schöpferische Anrede"
IV.6. Unser individuelles Überleben

V. Ewiges Leben durch Jesus Christus

VI. Gott alles in allem

VII. Kritische Reflexion über Ringlebens Verständnis zum Thema Gott und das ewige Leben

VIII. Literaturverzeichnis

I)Einleitung

Die Frage,was mit dem Menschen nach seinem Tod geschieht, ist so alt wie die Menschheit selbst. Und trotzdem gibt es dafür bisher keine sichere Antwort, obgleich die meisten an eine Art ewiges Überleben der menschlichen Seele zu glauben scheinen. Zu diesem Thema gibt es eine schier endlose Fülle an Auffassungen. Diese Arbeit wird sich jedoch ausschließlich mit dem theologischen Aspekt dieser Frage beschäftigen, so wie es vom Autor des zu behandelnden Texts, Joachim Ringleben, vorgegeben ist. In seinem Text "Gott und das Ewige Leben" kämpft er sich sprichtwörtlich nicht nur durch die Zeilen der Bibel, insbesondere die des Neuen Testaments, sondern auch durch die Literatur großer Philosophen und Theologen wie Boethius, Barth und Luther, um zu einem eigenen Ergebnis zu kommen. Wer bei Ringleben einen gespannten Bogen zwischen religiösem Glauben und wissenschaftlicher Erkenntnis erwartet, den muss ich enttäuschen, da die absolute Voraussetzung zum Verständnis und zur Akzeptanz des Textes ganz klar zum Vorschein kommen. Für Ringleben hängt unser ewiges Leben einzig und allein von Gott ab. Sein Ansatz ist also ein Theozentrischer, seine Argumentation damit ganz von Gott hergeleitet. Dass damit der biblische Gott gemeint ist, verdeutlicht er, indem er im weiteren Verlauf seines Texts christologische Argumente anwendet. Um sich mit den Aussagen seines Texts vollkommen identifizieren zu können, ist also die persönliche Erkenntnis von Nöten, Gott als den Schöpfer, der lebendig alles in allem verkörpert, zu sehen und Jesus Christus als unseren Erretter, der den "neuen Bund" zwischen Gott und Menschheit repräsentiert, mit seinem Tod für die Vergebung unserer Sünden steht und uns somit als wahrer Gott und wahrer Mensch das ewige Leben schenkt und die Auferstehung der Toten zum ewigen Leben ankündigt. Ringleben versucht sich an einer Definition der "Ewigkeit", wobei er beabsichtigt, den Unterschied zu unserem zeitlichen Denken herauszustellen und er ist bemüht, uns nahe zu bringen als was bzw. wie man sich Gottes Leben vorzustellen hat. Nur als Teilhabe des Menschen daran sieht er die Möglichkeit unseres individuellen ewigen Lebens, dem wahren Leben, dass durch unseren Tod eingeleitet wird. Mein Beschluss, Ringlebens Gliederung weitestgehend (abgesehen von einigen wenigen Untergliederungspunkten) zu übernehmen, rechtfertigt sich insofern, als Struktur und Inhalt in seinem Text so eng miteinander verknüpft sind, dass sich das Unterfangen, seinen Argumentationsgang in unabhängiger Strukturierung zu erfassen, meines Erachtens als schwierig wenn nicht gar unmöglich gestaltet.

II) Tod und Ewigkeit

Gleich zu Beginn dieses gleichnamigen Eingangskapitels stellt Ringleben die erste und größte Hürde bei der menschlichen Vorstellung von Ewigkeit und ewigen Lebens wie folgt dar: Der Mensch kommt gewissermaßen an die Grenzen seines Verstandes, weil er sich das ewige Leben entweder als simples "Danach" vorstellt (somit also von unserem zeitlichen Denken ausgeht) oder von einer unsterblichen Seele spricht, die in die Ewigkeit eintaucht, wobei dann Ewigkeit und Zeitlichkeit seperat voneinander und in keinem Bezug zueinander stehen. Unsere Seele würde also - wie sie ist - schlichtweg überleben, wobei der Aspekt des ganz Neuen laut Ringleben dann nicht mehr zum Tragen käme. Für ihn handelt es sich aber um keine Fortführung der Zeit, sondern um eine Umkehrung derselben. Dementsprechend gleicht unser Leben nach dem Tod auch keinem einfachen Weiterleben, sondern viel mehr einem kompletten "Anderswerden". Der Autor redet davon, dass das "Danach" das "Frühere" überholt und es gewissermaßen in sich "hineinhebt" und integriert. So gesehen geht unser Leben weniger auf sein Ende als auf seinen Anfang zu. Das Ende ist für uns also eine Erneuerung und hält für uns das Ende der Vergänglichkeit bereit anstatt wie ursprünglich gedacht für die pure Vernichtung (von Leben) zu stehen. Die zentrale These ist bei Ringleben jene, dass sich die bereits angesprochene Umkehrung der Kraft mit der Selbstrestitution Gottes (ewiger Lebendigkeit) erklären lässt, einem Gegenstoß, mit dem er seine Macht demonstriert. Er baut sich so gesehen selber auf. Der Tod ist somit ein reiner Wendepunkt (vgl.Ringleben, S.52), an dem das "Vergehen" (gemeint ist natürlich zeitliches Vergehen, nicht etwa ein Verstoß gegen ein Gesetz oder ähnliches) in "reine Gegenwart" mündet. So wie das ewige Leben als Vollendung das "Neue" verkörpert, und trotzdem in Beziehung zum Irdischen steht, so setzt sich die Ewigkeit aus der Summe von Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit zusammen. Im Verhältnis der Ewigkeit fließt die Zeit also anders herum (vgl.Ringleben S.52: "[...]gegen ihren natürlichen Sinn [...]"). Dementsprechend ist auch unser neuer, geisthafter Leib schon in diesem Leben existent, wobei aber weniger an ein Überleben der Seele gedacht werden sollte als an die Entstehung der Seele mit dem Attribut der Unsterblichkeit. Ebenso war schließlich auch der auferstandene Jesus Christus zwar der, als den man ihn kannte, nur unsterblich. Um dies zu verdeutlichen verweist Ringleben auf Paulus Vorstellung vom "Entkleidet- und Überkleidetwerden". Nach Ringleben äußert sich unsere Wehrlosigkeit im Bezug auf unsere Vergänglichkeit insbesondere in dem Verfall unseres Körpers, was die Schlussfolgerung zulässt, dass wir unsere Hoffnung/Garantie auf ein ewiges Leben allein in Gottes Hand legen müssen. Den positiven Aspekt des Lebens nach dem Tod sieht Ringleben vor allen Dingen in der dortigen schöpferischen Einbeziehung in Gottes eigenes Leben (vgl.Ringleben, S.53:"Sterben [ist] mir ein Gewinn."). Denn Gottes Kraft, die zum Leben erweckt, gleicht für den Autor der Macht göttlichen Lebens, die er auch als Gottes ewige "Dynamis" (griechisch: Kraft) bezeichnet. Die gängige theologische Anschauung zum Thema Eschatologie, die besagt, dass die komplette Zerstörung durch den Tod nach der vorangegangenen Erschaffung erfolgt, worauf dann am Ende die Neuerschaffung unter "optimalen Bedingungen" für immer stattfindet, wird von Ringleben kategorisch abgelehnt, da er den Tod als bloßes Tor (vgl.Ringleben,S.56:"Zugangseröffnung") zum "wahren Leben" sieht. Das "wahre Leben" ist es insofern, als es zum einen in Gott stattfindet und es sich zum anderen um unser bereits gelebtes Leben im "Modus seiner Unsterblichkeit" handelt. Der Tod ist also lediglich Bedingung dafür, dass wir unser zeitlich begrenztes Leben hinter uns lassen und das ewige Leben antreten können. Um es nochmal ganz klar zu stellen: Nach Ringleben leben wir schon im irdischen Leben ewig. Die Ewigkeit setzt sich ja nämlich aus den Zeiten zusammen - also von Schöpfungsbeginn bis Weltende. Für uns in unserem irdischen Leben bedeutet das also, dass sich die Ewigkeit von unserer jetzigen Warte aus gesehen gerade erst selbst konstruiert. Auf der anderen Hand ist die Ewigkeit aber so gesehen auch schon immer da. Sie läuft sich laut Ringlebens Definition sozusagen selber voraus. Wir sind als Menschen also hier schon Teil davon, werden aber erst nach dem Tod die Ewigkeit in allen Facetten kennenlernen können. Ein Sachverhalt bzw. eine Idee, die für mich wie für ihn nur schwer in Worte zu fassen ist, weshalb die Formulierung K.Heims, dem Mensch ginge bei dem Thema schlicht "die Atemluft aus", die Ringleben eingangs zitiert, wohl doch treffender ist, als der Autor zu Beginn vermutet (vgl.Ringleben,S.52).

III.) Gott und Ewigkeit

III.1)Der Ewige und der Lebendige - einige biblische Hinweise

Zunächst geht der Autor in diesem Abschnitt auf das Alte Testament ein, in dem Gott als der "lebendige König der Ewigkeit" gesehen wird. Aus dem Deuteronomium zitiert er, dass Gott sich selber das ewige Leben zusprach. Dieses Bild findet sich auch im Neuen Testament nach Ringleben an vielen Stellen wieder, wobei sich dort der "zeitübergreifende" Gott noch besser herauskristallisiert, so wie in der Offenbarung des Johannes (vgl.:"[...]der da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit." Vgl. auch:Psalmen). Gott wird immer wieder die ewige Lebendigkeit, die Unsterblichkeit und die herrliche Unvergänglichkeit nachgesagt. Aus dem Johannes-Evangelium stammt dann der Satz, der für Ringlebens weitere Ausführungen von zentraler Bedeutung sein wird: "Der Vater hat das Leben in ihm selbst." Daraus zieht der Autor den Schluss, dass Gott das ewige Leben nicht nur hat, sondern dass er es sogar selber ist. Sowie ja auch Jesus Christus gesagt haben soll: "Dieser ist der wahre Gott und das ewige Leben." Überhaupt hat der christliche Glaube unsere Vorstellung vom ewigen Leben geprägt und ihr eine ganz andere Bedeutung verliehen. Laut Ringleben zeigt sich eben durch Jesu Tod am Kreuz bzw. durch seine Auferstehung Gottes Leben. Eine Parallele zum Alten Testament kommt zum Vorschein, wenn Christus von sich selbst sagt: "Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit." Erst in Jesus Christus hat Gott den Menschen also zum ewigen Leben auserkoren. Bei Ringleben erhält Christus daher die Funktion des Mittlers. Im Neuen Testament wird auf gewisse Weise somit der Tod entwertet und in unvergängliches Leben umgewandelt. Da er Jesus Christus ja als wahren Menschen und wahren Gott sieht, hält es Ringleben mit den eigens zusammengestellten Zitaten aus dem Neuen Testament, die allesamt besagen, dass einzig und allein Jesus Christus die Wahrheit und der Weg ist, das ewige Leben also nur im Glauben an ihn uns möglich. Denn das ewige Leben erlangt man nach Ringleben ja nur über Gott, der ja selbst das ewige Leben verkörpert. Unser eigenes ewiges Leben muss also als Teilhabe an Gottes Leben verstanden werden. Ringleben räumt ein, dass der Gegenstand unseres Glaubens / unserer Hoffnung (sprich das Himmelreich/ewige Leben) noch unsichtbar ist und begründet dies mit einem Zitat aus dem Neuen Testament: "Was unsichtbar ist, das ist ewig"(2.Kor 4,18). Seine Theorie besteht jedenfalls darin, dass Jesus Christus das Zentrum der Schöpfung ist. Im Rahmen seiner Defintion von wahrer Ewigkeit behauptet er also, dass alles um Christus, auf ihn hin und in ihm geschaffen wurde.

[...]

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Details

Titel
Eine kritische Analyse der Eschatologie von Joachim Ringleben: "Gott und das ewige Leben - Zur theologischen Dimension der Eschatologie"
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Evangelische Theologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V161023
ISBN (eBook)
9783640741618
ISBN (Buch)
9783640741847
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eschatologie, Ringleben, Joachim Ringleben, Leben nach dem Tod, Nahtoderlebnisse, Gott, Ewiges Leben, Ewigkeit, Tod, Himmel, Hölle, Unsterblichkeit, Seele, Dogmatik, Paulus, Korinther
Arbeit zitieren
Karsten Keuchler (Autor), 2004, Eine kritische Analyse der Eschatologie von Joachim Ringleben: "Gott und das ewige Leben - Zur theologischen Dimension der Eschatologie", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161023

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