Die Frage, was mit dem Menschen nach seinem Tod geschieht, ist so alt wie die Menschheit selbst. Und trotzdem gibt es dafür bisher keine sichere Antwort, obgleich die meisten an eine Art ewiges Überleben der menschlichen Seele zu glauben scheinen. Zu diesem Thema gibt es eine schier endlose Fülle an Auffassungen. Diese Arbeit wird sich jedoch ausschließlich mit dem theologischen Aspekt dieser Frage beschäftigen, so wie es vom Autor des zu behandelnden Texts, Joachim Ringleben, vorgegeben ist. In seinem Text "Gott und das Ewige Leben" kämpft er sich sprichwörtlich nicht nur durch die Zeilen der Bibel, insbesondere die des Neuen Testaments, sondern auch durch die Literatur großer Philosophen und Theologen wie Boethius, Barth und Luther, um zu einem eigenen Ergebnis zu kommen. Wer bei Ringleben einen gespannten Bogen zwischen religiösem Glauben und wissenschaftlicher Erkenntnis erwartet, den muss ich enttäuschen, da die absolute Voraussetzung zum Verständnis und zur Akzeptanz des Textes ganz klar zum Vorschein kommen. Für Ringleben hängt unser ewiges Leben einzig und allein von Gott ab. Sein Ansatz ist also ein Theozentrischer, seine Argumentation damit ganz von Gott hergeleitet. Dass damit der biblische Gott gemeint ist, verdeutlicht er, indem er im weiteren Verlauf seines Texts christologische Argumente anwendet. Um sich mit den Aussagen seines Texts vollkommen identifizieren zu können, ist also die persönliche Erkenntnis von Nöten, Gott als den Schöpfer, der lebendig alles in allem verkörpert, zu sehen und Jesus Christus als unseren Erretter, der den "neuen Bund" zwischen Gott und Menschheit repräsentiert, mit seinem Tod für die Vergebung unserer Sünden steht und uns somit als wahrer Gott und wahrer Mensch das ewige Leben schenkt und die Auferstehung der Toten zum ewigen Leben ankündigt. Ringleben versucht sich an einer Definition der "Ewigkeit", wobei er beabsichtigt, den Unterschied zu unserem zeitlichen Denken herauszustellen und er ist bemüht, uns nahe zu bringen als was bzw. wie man sich Gottes Leben vorzustellen hat. Nur als Teilhabe des Menschen daran sieht er die Möglichkeit unseres individuellen ewigen Lebens, dem wahren Leben, dass durch unseren Tod eingeleitet wird...
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Tod und Ewigkeit
III. Gott und Ewigkeit
III.1. Der Ewige und der Lebendige
III.2. Gottes ewige Lebendigkeit
IV. Unser ewiges Leben
IV.1. Verhältnis Irdisches Leben & "Wahres" Leben
IV.2. Verhältnis Tod & ewiges Leben
IV.3. Gott & unsere Verewigung
IV.4. "Ewige, schöpferische Erinnerung"
IV.5. "Ewige, schöpferische Anrede"
IV.6. Unser individuelles Überleben
V. Ewiges Leben durch Jesus Christus
VI. Gott alles in allem
VII. Kritische Reflexion über Ringlebens Verständnis zum Thema Gott und das ewige Leben
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert und kritisiert den theologischen Text "Gott und das ewige Leben" von Joachim Ringleben. Dabei steht die Untersuchung der eschatologischen Dimensionen sowie die Frage nach dem individuellen ewigen Leben in Abhängigkeit von einer theozentrischen Perspektive im Zentrum der Forschungsbetrachtung.
- Theologische Analyse des Ewigkeitsverständnisses bei Joachim Ringleben
- Die Rolle von Jesus Christus als Mittler und Zentrum der Schöpfung
- Das Verhältnis von Zeit, Tod und Ewigkeit
- Kritische Auseinandersetzung mit der christozentrischen Argumentation
Auszug aus dem Buch
III.2)Gottes lebendige Ewigkeit
Ich möchte hier zu allererst ein Zitat von Althaus herausgreifen, mit dem Ringleben in dieses Kapitel einsteigt. Es besagt, dass Gott "jede Zeitwelle an den Strand der Ewigkeit" (vgl. Ringleben, S.60) schlägt. Dabei ist die Ewigkeit also in Gott aufgehoben, der die Zeit vollkommen besitzt, da er ja alles besitzt bzw. über alles verfügt. Durch das ewige Leben Gottes gibt es aber eben keine endlose Wiederholung bzw. keine offene Endlosigkeit, da er sich "ganz mit sich selbst durchdringt" (vgl. Ringleben, S.60) und somit ein "allmächtig schöpferisches" Verhältnis zur Zeit pflegt. Im Text wird also strikt differenziert zwischen endlosem Fortschreiten der Zeit, also zeitlicher Endlosigkeit, und wahrer Ewigkeit, nämlich der Gottes. Die Zeit wird hier platt formuliert als billiges Imitat der Ewigkeit betrachtet.
In diesem Zusammenhang treten im Text auch einige sprachliche Unbeholfenheiten auf, wenn Ringleben z.B. davon redet, dass Gott in allen Momenten er selbst ist. Gerade im Kontext seiner Ausführungen über Zeitlichkeit und Ewigkeit sollte der Autor allerdings aufpassen, keine Wörter zu gebrauchen, die allgemein mit zeitlicher Begrenzung assoziiert werden, wie geschehen beim Gebrauch des Wortes "Moment", bei dem ja zweifellos in jenem Kontext der zeitliche Moment, also der mit maskulinem Artikel gemeint ist. Ringlebens Botschaft wird aber nicht viel minder deutlich: In diesem Leben sehen wir uns mit der "Flüchtigkeit der Gegenwart" konfrontiert (so können wir ja nun z.B. auch nur jene Menschen kennenlernen, die in unserer Zeit leben), während Ewigkeit bei Ringleben eine Art Gleichzeitigkeit meint, in der alle Zeiten ohne Vergänglichkeit aufgehoben sind. Dabei durchdringen sich alle "Unterschiede" lebendig und die "Bewegung der Zeitmomente" ist mit der "ruhigen Einheit" im Einklang.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Vorstellung der Thematik und Hinführung zur theozentrischen Argumentation Ringlebens bezüglich der menschlichen Hoffnung auf ewiges Leben.
II. Tod und Ewigkeit: Untersuchung der Überwindung der menschlichen Vorstellung von Ewigkeit als bloßes "Danach" zugunsten einer Umkehrung der Zeit innerhalb Gottes.
III. Gott und Ewigkeit: Analyse Gottes als lebendiger König der Ewigkeit und Darstellung der Ewigkeit als in Gott aufgehobene Zeitlichkeit.
IV. Unser ewiges Leben: Betrachtung der individuellen Teilhabe am ewigen Leben durch die schöpferische Erinnerung und Anrede Gottes.
V. Ewiges Leben durch Jesus Christus: Erörterung der zentralen Rolle Christi als Mittler, durch den die Vereinigung von Zeit und Ewigkeit und die Vergebung der Sünden ermöglicht wird.
VI. Gott alles in allem: Zusammenfassende Betrachtung des Endzustandes, in dem Gott als alles bestimmende Wirklichkeit das grenzenlose Miteinander im ewigen Leben ermöglicht.
VII. Kritische Reflexion über Ringlebens Verständnis zum Thema Gott und das ewige Leben: Methodische und inhaltliche Würdigung der Arbeit unter Berücksichtigung sprachlicher Barrieren und des stark biblisch fokussierten Ansatzes.
Schlüsselwörter
Theologie, Eschatologie, Ewiges Leben, Joachim Ringleben, Gott, Zeitlichkeit, Jesus Christus, Schöpfung, Unsterblichkeit, Christozentrik, Theozentrik, Auferstehung, Glaube, Ewigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theologischen Analyse des Textes "Gott und das ewige Leben" von Joachim Ringleben und untersucht dessen Ausführungen zum menschlichen ewigen Leben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Konzepte von Zeit und Ewigkeit, die Rolle Gottes als Schöpfer, das Verhältnis von Tod und Leben sowie die Bedeutung von Jesus Christus für das ewige Leben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Ringlebens Verständnis von Ewigkeit und die daraus abgeleitete Möglichkeit eines individuellen ewigen Lebens des Menschen in einem theozentrischen Rahmen zu erarbeiten und kritisch zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Analyse und Kritik, die den Argumentationsgang des Autors nachvollzieht, strukturell übernimmt und auf ihre theologische Schlüssigkeit hin hinterfragt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zentrale Begriffe wie die "schöpferische Erinnerung", die Rolle der Zeit, die Mittlerfunktion Christi und die paulinische Formel "Gott alles in allem" detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Eschatologie, Theozentrik, Ewigkeit, Schöpferkraft und die Vermittlung durch Jesus Christus.
Wie bewertet der Autor Ringlebens Sprachstil?
Der Verfasser kritisiert die Integration fremdsprachiger Satzteile als unnötig erschwerend für Leser ohne Kenntnisse in Latein oder Griechisch.
Inwiefern beeinflusst der christliche Glaube des Autors seine Kritik?
Der Autor merkt an, dass er als Christ Ringlebens Thesen weitgehend nachvollziehen kann, kritisiert jedoch die starke Reduktion auf biblische Quellen, die eine universelle Geltung außerhalb des Christentums einschränkt.
- Citation du texte
- Karsten Keuchler (Auteur), 2004, Eine kritische Analyse der Eschatologie von Joachim Ringleben: "Gott und das ewige Leben - Zur theologischen Dimension der Eschatologie", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161023