Organisationen stehen heute vor der Herausforderung, verborgene Schwachstellen aufzudecken, neue Anforderungen zu bewältigen und eingefahrene Strukturen zu verändern. Der stetig wachsende Beratungsmarkt verdeutlicht den hohen Bedarf an professioneller Unterstützung bei diesen Veränderungsprozessen. Während Unternehmensberatung vor allem betriebswirtschaftliche und strategische Fragestellungen in gewinnorientierten Unternehmen adressiert, richtet die Organisationsberatung den Blick auf Organisationen als soziale Systeme. Sie berücksichtigt Kommunikations- und Interaktionsprozesse ebenso wie die Entwicklungs- und Lernpotenziale von Organisationen - auch im Non-Profit-Bereich sowie in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäusern. Die vorliegende Arbeit untersucht die Prozess- und systemische Beratung von Organisationen, analysiert deren Stärken und Schwächen und zeigt auf, welche Bedeutung diese Ansätze für erfolgreiche organisationale Veränderung haben.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Theoretische Grundlagen von Organisationsberatung
- 2.1 Definition und Aufgabe von Organisationsberatung
- 2.2 Abgrenzung von Fach- und Prozessberatung
- 3 Grundlagen und Methoden der Prozessberatung
- 4 Grundlagen und Methoden der systemischen Beratung
- 5 Stärken und Schwächen der Prozess- und systemischen Beratung
- 5.1 Stärken und Schwächen der Prozessberatung
- 5.2 Stärken und Schwächen der systemischen Beratung
- 6 Praktische Methoden und Interventionen der systemischen Beratung
- 7 Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen umfassenden Überblick über die Prozess- und systemische Beratung von Organisationen zu geben. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche Stärken und Schwächen diese Beratungsansätze im Kontext organisationaler Veränderungen kennzeichnen.
- Definition und Aufgaben der Organisationsberatung
- Abgrenzung von Fach- und Prozessberatung
- Theoretische Grundlagen und Methoden der Prozessberatung (u.a. ORJI-Zyklus)
- Theoretische Grundlagen und Methoden der systemischen Beratung (u.a. Systemtheorie)
- Analyse der Stärken und Schwächen beider Beratungsformen
- Exemplarische praktische Methoden und Interventionen der systemischen Beratung
Auszug aus dem Buch
3 Grundlagen und Methoden der Prozessberatung
Der Begriff der Prozessberatung geht auf den amerikanischen Sozialwissenschaftler Edgar Schein zurück und basiert auf den Grundlagen der humanistischen Psychologie nach Carl Rogers sowie der Sozialpsychologie von Kurt Lewin (Hofer, 2018, S. 10). Eine vertiefende Auseinandersetzung mit diesen theoretischen Wurzeln erfolgt aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit nicht. Prozessberatung versteht sich als Philosophie des Helfens und gilt als entscheidende philosophische Grundlage für Organisationslernen und Organisationsentwicklung. Eine Grundannahme lautet, dass man einem menschlichen System nur dabei helfen kann, sich selbst zu helfen. Der Berater kann keine bestimmten Maßnahmen zur Behebung der Probleme der Organisation empfehlen, da er nie genug über die gegebene Situation und Kultur der Organisation weiß. Der Aufbau einer effektiven, helfenden Beziehung steht im Mittelpunkt der Beratung (Schein, 2010, S. 19). Angestrebt wird ein Gespräch auf Augenhöhe. Dieses entwickelt sich schrittweise, indem der Berater aktiv zuhört und Fragen stellt, um die Sichtweise des Kunden einnehmen zu können (Hofer, 2018, S. 12). Ein weiteres wesentliches Element von allen Prozessberatungsansätzen in Organisationen ist, dass Betroffene an der Zielfindung und dem Prozess der Zielerreichung möglichst optimal beteiligt werden sollen, damit sie überhaupt veränderungsbereit sind (Hofer, 2018, S. 11; zit. nach Königswieser et al., 2015; Häfele, 2015). Es liegt eine starke Problemlösungsorientierung vor (Lambrechts et al., 2009, S. 45; zit. nach Schein, 1999). Der Berater darf dem Klienten das Problem allerdings nicht abnehmen, da dieses ausschließlich das des Klienten ist und niemand sonst dafür die Verantwortung übernehmen kann. Seine Aufgabe ist es, dem Klienten eine Hilfestellung zu geben und Diagnose- und Problemlösungsmethoden zu vermitteln (Schein, 2010, S. 28).
Scheins Konzept der Prozessberatung beruht auf dem so genannten ORJI-Zyklus, der den inneren Entscheidungs- und Handlungsprozess des Beraters beschreibt. Der Zyklus besteht aus vier Schritten: Im ersten Schritt nimmt der Berater eine möglichst objektive Beobachtung mit allen Sinnen vor, ohne diese durch Gedanken zu beeinflussen. Auf die Beobachtung folgt eine unmittelbare emotionale Reaktion, die oft unbewusst bleibt und nicht bewusst gesteuert werden kann. Anschließend folgt die Urteilsbildung, bei der der Berater die Situation auf Basis der gesammelten Informationen bewertet. Dabei muss ihm bewusst sein, dass seine Schlussfolgerungen durch fehlerhafte oder unvollständige Daten beeinflusst sein können. Die anschließende Handlung oder Entscheidung im vierten Schritt basiert auf der emotionalen Reaktion. Jede Intervention hat Konsequenzen, weshalb der Berater deren Auswirkungen stets reflektieren sollte (Laske, o. D., S. 1–2).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Notwendigkeit professioneller Beratung für Organisationen ein, definiert Organisationsberatung und stellt die Forschungsfrage der Arbeit vor.
2 Theoretische Grundlagen von Organisationsberatung: Hier wird der Begriff der Organisationsberatung definiert, ihre Aufgaben beschrieben und eine Abgrenzung zur Fach- und Prozessberatung vorgenommen.
3 Grundlagen und Methoden der Prozessberatung: Das Kapitel stellt die Prozessberatung vor, erläutert ihre theoretischen Wurzeln und Konzepte und thematisiert Abgrenzungen zu anderen Beratungsformen.
4 Grundlagen und Methoden der systemischen Beratung: Dieses Kapitel befasst sich mit der systemischen Beratung, ihren theoretischen Grundlagen, praktischen Konzepten, der Entwicklung und den zentralen Zielen.
5 Stärken und Schwächen der Prozess- und systemischen Beratung: In diesem Kapitel werden die positiven Aspekte, Herausforderungen und Kritikpunkte sowohl der Prozess- als auch der systemischen Beratung analysiert.
6 Praktische Methoden und Interventionen der systemischen Beratung: Das Kapitel beleuchtet praxisnahe Methoden und Interventionsansätze der systemischen Beratung, die eine gezielte Gestaltung des Beratungsprozesses ermöglichen.
Schlüsselwörter
Organisationsberatung, Prozessberatung, systemische Beratung, Fachberatung, Veränderungsmanagement, Organisationsentwicklung, Edgar Schein, ORJI-Zyklus, Systemtheorie, soziale Systeme, Selbstreflexion, Interventionen, Problemlösung, Kompetenzentwicklung, Kommunikationsprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Organisationsberatung, insbesondere mit der Prozess- und systemischen Beratung, und analysiert deren Stärken und Schwächen im Kontext organisationaler Veränderungsprozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Definition und Abgrenzung von Organisationsberatung, die Grundlagen und Methoden der Prozess- und systemischen Beratung sowie eine vergleichende Analyse ihrer jeweiligen Stärken und Schwächen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, einen umfassenden Überblick über die Prozess- und systemische Beratung zu geben. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche Stärken und Schwächen kennzeichnen Prozess- und systemische Beratung im Kontext organisationaler Veränderung?"
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Zusammenführung bestehender Literatur und Forschungsergebnisse zur Organisations-, Prozess- und systemischen Beratung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Organisationsberatung, die Definitionen und Methoden der Prozess- und systemischen Beratung sowie eine detaillierte Analyse ihrer jeweiligen Stärken und Schwächen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Schlüsselwörter sind Organisationsberatung, Prozessberatung, systemische Beratung, Veränderungsmanagement, Organisationsentwicklung, ORJI-Zyklus und Systemtheorie.
Was ist der ORJI-Zyklus in der Prozessberatung?
Der ORJI-Zyklus ist Scheins Konzept zur Beschreibung des inneren Entscheidungs- und Handlungsprozesses eines Beraters in vier Schritten: Objektive Beobachtung, unbewusste emotionale Reaktion, Urteilsbildung und die daraus resultierende Intervention.
Wie unterscheidet sich die systemische Beratung von der Fachberatung?
Die systemische Beratung betrachtet Organisationen als autopoietische Systeme, fördert Selbstreflexion und die Entwicklung neuer Perspektiven, während Fachberatung oft als „harte“ Beratung gilt, die Wissenstransfer und konkrete Lösungen durch Experten bietet.
Warum wird die empirische Basis der Prozessberatung kritisiert?
Die empirische Forschung zur Prozessberatung ist begrenzt, es fehlt an einem klaren Vokabular und einer fundierten Konzeptualisierung, was die Verbreitung und langfristige Etablierung des Ansatzes behindert.
Welche Rolle spielt die Autopoiesis des Klientensystems in der systemischen Beratung?
Systemische Berater argumentieren, dass das Klientensystem eigenständig Entscheidungen über den Umgang mit Umweltreizen trifft (Autopoiesis), weshalb die Umsetzung von Veränderungen vollständig in der Verantwortung des Klienten liegt und der Berater lediglich Impulse setzen kann.
- Arbeit zitieren
- Leah Göldenitz (Autor:in), 2025, Prozess- und systemische Beratung. Stärken und Schwächen im organisationalen Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1610234