Das Bildungsideal von Wilhelm von Humboldt

Idee, Umsetzung und Aktualität


Hausarbeit, 2010

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zur Person Wilhelm von Humboldt

3 Wilhelm von Humboldts Bildungsideal - Entwicklung einer Idee
3.1 Ausgangssituation und historische Umstände
3.2 Grundsätze des Bildungsverständnisses von Humboldt

4 Die Bildungsreform - Umsetzung des Ideals in die Praxis
4.1 Umstrukturierung der Bildungsinstitutionen
4.2 Gründung derBerlinerUniversität

5 AktualitätundnachhaltigeBedeutungvonHumboldtsBildungsideal

6 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits seit dem Beginn der menschlichen Geschichte stellte sich in allen bestehenden und vergangenen Formen des Zusammenlebens und in Gesellschaften die Frage, wie es am besten gelingt, den nachwachsenden Generationen menschlicher Individuen einen Weg in die jeweils bestehende und zukünftige Umwelt zu ebnen und sie zu vollwertigen und aktiven Mitgliedern der Gesellschaft werden zu lassen. Bildung und Erziehung sind in ihrem Wesen folglich unmittelbar und untrennbar mit der menschlichen Entwicklung verbunden und beschäftigten Menschen zujederZeit.

In dieser Hausarbeit soll das Augenmerk auf eine der in diesem Zusammenhang bedeutendsten Personen gelegt werden.

Wilhelm von Humboldt etablierte zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Bildungsideal, nach dem Menschen seiner Vorstellung nach allseitig und allgemein gebildet werden sollten, um sich in der Folge selbstständig einer höheren Bildung zu nähern und einen Prozess derSelbstverwirklichung anzustreben. Dabei orientierte er sich an historischen Idealen der Antike und beriefsich zudem verstärkt aufdie Kunst und die Philosophie. Grundsätzlich zielte das von Humboldt geschaffene Ideal und der theoretische Ansatz seines Denkens auf die Herausbildung des so genannten „universalen Menschen“ und damit das Fortbestehen und die Vervollkommnung einer funktionierenden Gesellschaft, bestehend aus grundverschiedenen Individuen, ab.

Im Folgenden sollen nach einigen Ausführungen zum Lebenslauf einzelne inhaltliche Aspekte des Bildungsideals von Wilhelm von Humboldt dargestellt werden. Danach wird betrachtet, inwieweit Humboldt dieses Ideal in seiner Funktion als Entscheidungsträger im preußischen Staat tatsächlich auch umsetzen konnte und welche Maßnahmen dazu ergriffen wurden. Schließlich wird Bezug auf die Frage genommen, welche Bedeutung die Humboldtsche Idee vom allseitig gebildeten Menschen im aktuellen Kontext besitzt und wie nachhaltig sich dieses Bildungsideal im Nachhinein darstellt.

2. Zur Person Wilhelm von Humboldt

Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand, kurz: Wilhelm von Humboldt wurde am 22. Juni 1767 in Potsdam geboren. Nachdem er 1787 ein Jurastudium in Frankfurt/Oder begann, immatrikulierte er sich bereits 1788 in Göttingen.

Das Jahr 1789 führte ihn auf einige Reisen. So verbrachte er beispielsweise einige Wochen in Weimar und Erfurt, wo er unter anderem die Bekanntschaft mit Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller machte und besonders mit Schiller von diesem Zeitpunkt an freundschaftlich verbunden war. Zudem gewann Humboldt auf seiner ersten Frankreich-Reise einen prägenden Einblick in das Treiben im revolutionären Paris. Der Umgang mit Goethe und Schiller förderte Humboldts schriftliche Produktivität und er hielt erste Überlegungen zur Staatstheorie fest, bevor erste Jahre der Anstellung und weiteren Ausbildung am Berliner Kammergericht folgten. Danach zog es ihn für drei weitere Jahre nach Jena.

Ab 1797 führte es Wilhelm von Humboldt hinaus nach Europa. Zunächst verbrachte er zwei Jahre im nun postrevolutionären Paris und danach zwei weitere Jahre in Spanien, bevor der Preußische Staat ihn erstmals in tragender Funktion einsetzte. Von 1801 bis 1808 arbeitete er als preußischerVertreter in Rom.

Die Aufenthalte im Ausland prägten das Denken und die Ideenwelt Humboldts nachhaltig. Insbesondere durch den Aufenthalt im von der Revolution geprägten Paris distanzierte er sich kritisch von der staatlichen Kontrolle und sympathisierte mit dem Liberalismus der Franzosen.

Zudem förderte seine Zeit in Rom das Interesse an der Geschichte der Antike und die Auseinandersetzung mit dieser.

Im Widerspruch zur eher staatsfernen Haltung zur Zeit der Französischen Revolution stand die amtliche Verknüpfung Humboldts mit dem Preußischen Staat, die mit den „Preußischen Reformen“ des Freiherrn von Stein ihren Höhepunkt fand. Von Stein glaubte, dass Wilhelm von Humboldt der geeignete Leiter des Kultus- und Unterrichtswesens im Innenministerium wäre und setzte ihn dort ein. Trotz der relativ kurzen Dauer seines Engagements in diesem Amt vollzog Humboldt einige Maßnahmen, die weit über seine Amtszeit hinaus Bedeutung erlangten. Dabei ist besonders die Errichtung der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (heute: Humboldt­Universität) im Jahr 1810 zu nennen, in der er das Prinzip der Einheit von Lehre und Forschung als deutsche Universitätsidee etablierte. Zudem konzentrierte sich Humboldts Wirken im Bildungswesen auf eine Vielzahl von bildungspolitischen Empfehlungen und Vorschlägen, die er in seiner Amtszeit veröffentlichte.

Nach 1810 widmete sich Wilhelm von Humboldt eher diplomatischen Aufgaben und wurde in zahlreichen außenpolitischen Angelegenheiten als Gesandter Preußens und Kommissionsmitglied eingesetzt. So ist seine Teilnahme an historisch bedeutsamen sowie für die deutsche und europäische Geschichte prägenden Ereignissen wie dem Wiener Kongress 1814/1815 und der deutschen Territorialregulierungskommission in Frankfurt bemerkenswert.

Nach Ende des Jahres 1819 und einigen Differenzen mit dem preußischen Staatskanzler trat Humboldt schließlich aus dem Staatsdienst zurück und widmete sich auf dem Familienanwesen in Tegel bis zu seinem Tod am 08. April 1835 diversen Arbeiten als Schriftsteller.1

3. Wilhelm von Humboldts Bildungsideal

3.1. Ausgangssituation und historische Umstände

Das Denken der Menschen in Europa gegen Ende des 18. Jahrhunderts war von gesellschaftlichem Wandel und dem stetigen Zweifel am Bestehenden geprägt. Die zunehmende Industrialisierung, die zahllosen neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Entwicklungen sowie die literarische und künstlerische Blütezeit sorgten seinerzeit für derart veränderte und unstete Lebensumstände, dass auch die Ausbildung der Menschen und deren Methodik zunehmend zur Diskussion stand. Der Mensch musste zunehmend darauf vorbereitet werden, mit den Entwicklungen und Errungenschaften Schritt zu halten, ohne diesen zugleich unkritisch zu folgen und die Kontrolle über sie zu verlieren. Traditionelle Werte und Ansichten schienen sich dafür nur bedingt zu eignen, da sie in diesem gesellschaftlichen Umfeld selbst kaum mit Stabilität aufwarten konnten. Die aufklärerische Dynamik der Zeit stellte außerdem zuvor feste institutionelle Positionen des Glaubens in Frage.

„Die Religion ist nicht länger eine Angelegenheit der Vernunft, vielmehr eine unbeweisbare Sache des Gemüts, der individuellen Stimmung, der privaten Verzückung. [...] Jedenfalls geben die religiösen Heilslehren keine unbezweifelbaren Grundlagen und keine für alle gültigen Letztbestimmungen mehr her. Tradierte Handlungsschemata verlieren ihre Gültigkeit für die individuelle Lebenseinrichtung.“2

Durch diesen beginnenden Verlust von festen gesellschaftlichen und institutionellen Säulen im Leben der Menschen machte sich verstärkt ein Gefühl der menschlichen Machtlosigkeit im Gefüge einer von Fortschritt und Mechanisierung geprägten Umwelt breit. Allerdings unterschied sich die Wahrnehmung dieses Prozesses zwischen den einzelnen Ständen und Schichten für den Moment doch deutlich, bildungsfernere Gruppen waren erstspätervon derartigen Entwicklungen betroffen.

„In der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts erscheinen in Deutschland mehr Schriften und Aufsätze über Erziehung und Unterricht als in den dreihundert Jahren vorher, und es werden mehr Erziehungsinstitutionen neu gegründet oder reformiert als in jedem vergleichbaren früheren Zeitabschnitt. Insofern kann durchaus behauptet werden, der Fortschritt gehe an der Erziehung nicht vorbei.“3

Das technische und wissenschaftliche Voranschreiten wirkte sich direkt auf die Überlegungen zur geeigneten Erziehung aus. Zunehmend verknüpfte sich die gesellschaftliche Entwicklung mit dem pädagogischen Handeln dieser Zeit. Die Erziehung galt schnell als verantwortliche Größe, wenn es darum ging, positive wie negative Leistungen und Verläufe zu erklären, da das vermeintlich fortschrittliche und selbstbewusste menschliche Handeln auf die Art der Erziehung und die gegebenen pädagogischen Maßstäbe zurückzuführen sein musste. Das Streben nach umfassendem Glück und dem Wohl der Allgemeinheit verursachte in der Folge, dass persönliche Besonderheiten und Individualität in pädagogischen Überlegungen kaum mehr Raum fanden.

Wilhelm von Humboldts erster Hauslehrer, Joachim Heinrich Campe, fasste diese Haltung treffend zusammen:

„Bei der Erziehung (ist) die Vollkommenheit des einzelnen Menschen seiner Brauchbarkeit aufzuopfern.“4

Dieser Position traten Kritiker wie Wilhelm von Humboldt entgegen. Der Gleichschritt, in dem Zeitgeist, Gesellschaft und demnach auch Erziehung sich bewegten, wurde als wenig förderlich eingeschätzt, da die regulierende Funktion, die eine umfassende Erziehung in einer Gesellschaft einnehmen sollte, unter diesen Umständen nicht gegeben war. Der eingeschlagene Weg der Erziehung folgte ausschließlich dem laufenden gesellschaftlichen Entwicklungsprozess und unterstützte damit im Prinzip das sich aus genau diesem ergebende unbehagliche Gefühl, das sich - wie bereits beschrieben - unter den Menschen verbreitete.

„In einer Lebenswelt, in der nahezu alles festliegt, lassen sich die Kenntnisse leicht bestimmen, die Erziehung und Schule vermitteln müssen, damit der junge Mensch in seiner Zeit bestehen kann.

[...]


1 Vgl. zu diesem Abschnitt Knoll/Siebert 1969, S. 7-8.

2 Menze 1975, S. 10.

3 Menze 1975, S. 11.

4 Knoll/Siebert 1969, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Bildungsideal von Wilhelm von Humboldt
Untertitel
Idee, Umsetzung und Aktualität
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Bildung und Erziehung
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V161051
ISBN (eBook)
9783640743056
ISBN (Buch)
9783640743421
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Humboldt, Bildungssystem, Bildungsideal
Arbeit zitieren
Philipp Nawroth (Autor), 2010, Das Bildungsideal von Wilhelm von Humboldt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161051

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