Die Bildtheorie in Wittgensteins „Tractatus logico-philosophicus“


Seminararbeit, 1992

7 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Was ist ein Bild?
2.1 Bild – Ein Modell der Wirklichkeit
2.2 Bild – Eine Tatsache
2.3 Bild – Ein logisches
2.4 Bild – Gedanke
2.5 Bild – Satz
2.6 Was keine Bilder sind

3. Was bildet das Bild ab?
3.1 Wirklichkeit
3.2 Tatsache
3.3 Logik
3.4 Gedanke
3.5 Satz
3.6 Sinn

4. Wie stellt das Bild das Abgebildete dar?
4.1 Die allgemeine Form der Abbildung
4.2 Die abbildende Beziehung
4.3 Die Form der Darstellung
4.4 Die allgemeine Bildtheorie (ganz praktisch)
4.5 Die Bildtheorie angewandt auf Beispiele
4.5.1 Das Bild der Wirklichkeit
4.5.2 Das Bild der Tatsachen
4.5.3 Das logische Bild

5. Wahr oder falsch? Das ist hier die Frage

6. Anmerkungen

7. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Ob die Bildtheorie im TLP (Anm. 1) in der Tat – so wie manche Autoren behaupten – „ein Schlüssel zur Gesamtauslegung“ (Anm. 2) des ersten philosophischen Werkes von Ludwig Wittgenstein ist, sei dahingestellt. Tatsache scheint jedoch, dass die findigsten Köpfe des Menschengeschlechtes die Kluft zwischen der Welt und dem Bild, das wir uns von ihr machen, schon seit Äonen zu überwinden suchen. Was Wunder, dass Wittgenstein sich im TLP zunächst um die gesamte Wirklichkeit, die die Welt ist (TLP 1 bis 2.063), kümmert und sich sodann um das Bild davon bemüht ( TLP 2.1ff). Welche Erkenntnisse uns die Wittgensteinsche „Logisch-philosophische Abhandlung“ diesbezüglich liefern kann, soll mit vorliegender Arbeit – ohne Anspruch auf atomistische Feinheiten – skizziert werden.

Es beginnt wie die Arbeit auf einer Baustelle. Zunächst finden Vermessungen statt, wird die Baugrube ausgehoben, trudeln Stück für Stück die Materialien und Werkzeuge ein (siehe 2ff und 3ff). Dann werden die Baupläne studiert, wird nochmals alles durchdacht (siehe 4. bis 4.4), bis schließlich das Bauwerk wächst (siehe 4.5ff) und endlich fertig wird (siehe 5.). Was zunächst wie Chaos wirkt, findet seine Ordnung.

2. Was ist ein Bild?

Was versteht Wittgenstein unter einem Bild? Für ihn sind Bilder beispielsweise nicht nur Gemälde, Zeichnungen oder Fotografien, sondern auch Landkarten, Plastiken, dreidimensionale Modelle – „Wie wenn im Pariser Gerichtssaal ein Automobilunglück mit Puppen etc. dargestellt wird“ (Anm. 3) – und überdies Partituren und Schallplattenaufzeichnungen (Anm. 4, siehe auch TLP 4.013ff ). Im TLP bietet er mehrere Definitionen, die sich wohlgemerkt gegenseitig nicht ausschließen, sondern, wie wir sehen werden, zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Zunächst geht es darum, fast unkommentiert zu sammeln, was Wittgenstein im TLP als Bild bezeichnet (siehe 2.1ff). Hernach wollen wir wissen, was ein Bild abbilden kann (siehe 3ff). Zweck der Übung ist, die entscheidenden Stellen (die Baumaterialien) übersichtlich zu ordnen.

2.1 Bild – Ein Modell der Wirklichkeit

Zunächst bezeichnet Wittgenstein das Bild als ein Modell der Wirklichkeit

(TLP 2.12).

2.2 Bild – Eine Tatsache

Das Bild ist aber auch eine Tatsache (TLP 2.141).

2.3 Bild – Ein logisches

Überdies ist jedes Bild auch ein logisches (TLP 2.182).

2.4 Bild – Gedanke

Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke (TLP 3). Und wenn wir die Gesamtheit der wahren Gedanken betrachten, dann sehen wir ein Bild der Welt (TLP 3.01).

2.5 Bild – Satz

Schließlich ist der Satz ein Bild der Wirklichkeit (TLP 4.01).

2.6 Was keine Bilder sind

Keine Bilder der Wirklichkeit sind allerdings Tautologie und Kontradiktion. Sie stellen keine mögliche Sachlage dar. Denn jene lässt jede mögliche Sachlage zu, diese keine (TLP 4.462).

3. Was bildet das Bild ab?

Wir wissen nun, was das Bild ist. Es ist demnach ein Modell der Wirklichkeit, eine Tatsache, logisch, der Gedanke (in Form eines logischen Bildes der Tatsachen), der Satz. Was bildet das Bild aber ab, was stellt es dar? Schauen wir, was Wittgenstein im TLP dazu sagt.

3.1 Wirklichkeit

Das Bild kann jede Wirklichkeit abbilden (TLP 2.171). Auch bildet das Bild die Wirklichkeit ab, indem es eine Möglichkeit des Bestehens und Nichtbestehens von Sachverhalten darstellt (TLP 2.201).

3.2 Tatsache

Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten (TLP 2). Tatsachen sind also das Bestehen von Sachverhalten. Nun stellt das Bild die Sachlage im logischen Raume, das Bestehen und Nichtbestehen von Sachverhalten vor (TLP 2.11). Das Bild stellt also eine mögliche Sachlage im logischen Raume dar (TLP 2.202). Demnach enthält das Bild die Möglichkeit der Sachlage, die es darstellt.

3.3 Logik

Jedes Bild ist auch ein logisches (TLP 2.182) und das logische Bild kann die Welt abbilden (TLP 2.19). Was das Bild mit dem Abgebildeten gemeinsam hat, ist die logische Form der Abbildung (TLP 2.2). Doch dazu später mehr.

3.4 Gedanke

Wir haben schon gelesen, dass das logische Bild der Tatsachen der Gedanke ist (TLP 3). Das heißt, grob gesagt: Wenn wir denken, dann machen wir uns Bilder. Also: „'Ein Sachverhalt ist denkbar' heißt: Wir können uns ein Bild von ihm machen.“ (TLP 3.001) Die Tatsachen, dass die Welt in Tatsachen zerfällt (TLP 1.2), und dass die Tatsache das Bestehen von Sachverhalten ist

(vgl. TLP 2), und dass „denkbare Sachverhalte“ ein Bild vorstellen (TLP 3.01), schließen mit ein, dass die Gesamtheit der (wahren) Gedanken ein Bild der Welt sind (TLP 3.01). Den Begriffen „wahr“ und „falsch“ werden wir uns später noch zuwenden.

3.5 Satz

Ein Bild der Wirklichkeit ist der Satz (TLP 4.01) „Der Satz, das Bild, das Modell, sind im negativen Sinne wie ein fester Körper, der die Bewegungsfreiheit der anderen beschränkt; im positiven Sinne, wie der von fester Substanz begrenzte Raum, worin ein Körper Platz hat.“ (TLP 4.463) Im Übrigen ist ein Satz immer ein vollständiges Bild (TLP 5.156).

3.6 Sinn

Nebenbei bemerkt: „Was das Bild darstellt, ist sein Sinn.“ (TLP 2.221)

[...]

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Details

Titel
Die Bildtheorie in Wittgensteins „Tractatus logico-philosophicus“
Hochschule
Universität Hamburg  (Philosophisches Seminar )
Autor
Jahr
1992
Seiten
7
Katalognummer
V161078
ISBN (eBook)
9783640743117
ISBN (Buch)
9783640743490
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Nach den Richtlinien des Philosophischen Seminars wurde die erfolgreiche Teilnahme durch das einheitliche Prädikat "mit Erfolg" bescheinigt. Noten nach der herkömmlichen Skala wurden nicht vergeben.
Schlagworte
Ludwig Wittgenstein, „Tractatus logico-philosophicus“, Bildtheorie, Herbert Hofmann, Wirklichkeit, Logisch-philosophische Abhandlung
Arbeit zitieren
Herbert Hofmann (Autor:in), 1992, Die Bildtheorie in Wittgensteins „Tractatus logico-philosophicus“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161078

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