Diese Arbeit wird sich mit den oben gestellten Fragen beschäftigen, wobei neben dem im Mittelpunkt kreisenden Begriff des Populismus auch immer wieder die ominöse Figur des aktuellen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi mit durchschimmern wird. Anhand seines Auftretens und Handelns, speziell vor vor seiner ersten Amtszeit von 1994, lassen sich eindeutig populistische Züge ablesen. Insbesondere der Aufbau und die Struktur seiner Partei, der Forza Italia, erinnern an die Anfänge des italienischen Faschismus. So genannte Clubs, die überall in Italien entstanden, glichen am ehesten modernen Franchise-Unternehmen denn professionell gegliederten Parteien.1 Insofern wird auch von der kritischen Parteiensoziologie eines Robert Michels zu sprechen sein, um eine etwaige Definition des Begriffs Populismus auch auf seine Standfestigkeit im Bezug auf Syndikalismus hin abzuklopfen. Zum anderen eignet sich dessen Person hervorragend, um zu zeigen, dass das politische Überleben der populistischen Bewegungen fatalistisch an den charismatischen Führer gebunden ist. Geriet also schon das argentinische Regime unter Peron in den Verdacht, quasi-faschistische Strukturen entwickelt zu haben, so ist es doch angebracht, auch Europa nach solchen abzusuchen.2 Deshalb wird sich der zweite Teil der Arbeit mit dem charismatischen Führer innerhalb der populistischen Bewegungen beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Populismus?
3. Populismus und Extremismus: Ein Protest, eine Sprache?
4. Populismus und der charismatische Führer: Eine faschistische Nachbarschaft? Exkurs Italien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Populismus und dessen Schnittmengen mit dem Extremismus, wobei insbesondere die Rolle des charismatischen Führers am Beispiel von Silvio Berlusconi analysiert wird. Ziel ist es, den schwer greifbaren Populismus-Begriff zu klären und zu prüfen, inwieweit moderne populistische Bewegungen faschistische Züge aufweisen oder lediglich ein marketingtaktisches Instrument darstellen.
- Historische und theoretische Grundlagen des Populismus-Begriffs
- Die Korrelation zwischen gesellschaftlichen Krisen, Extremismus und Populismus
- Die Funktion und Notwendigkeit des charismatischen Führers in populistischen Bewegungen
- Italien als Fallbeispiel: Silvio Berlusconi und die Struktur der Forza Italia
- Die Abgrenzung von Populismus und Extremismus in der modernen politischen Landschaft
Auszug aus dem Buch
Populismus und Extremismus: Ein Protest, eine Sprache?
Die Landtagswahlen in Sachsen am 19. September 2004 haben gezeigt, dass sich extreme Linke und Rechte insofern nahe stehen, dass sie sich im gemeinsamen Protest vereinen und somit der Wählerschaft ihr Votum relativ einfach machen wollen: Das Begehren nach einem starken Mann an der Spitze des Staates und die allgemeine Drohung eines unmittelbar bevorstehenden sozialen Abstieges (relative Deprivation). Doch während die deutsche PDS aus der Vergangenheit Profit schlägt, unterscheidet sie sich naturgemäß in ihren „Feindbildern“ von der Rechten. Hingegen bleibt das auslösende Moment das gleiche: Sowohl für populistische Bewegungen als auch für Extremismus im Allgemeinen gelten gesellschaftliche Krisensituationen als Grundvoraussetzung für einen eventuellen elektoralen Durchbruch. Extremismus und Populismus bedingen also der gleichen Faktoren.
Sehr treffend bezeichnet Susanne Falkenberg den Populismus darauf aufbauend als eine abgeschwächte und modernisierte Spielart des Rechtsextremismus, als eine Art „Rechtsextremismus light“. Insofern gilt es zunächst, diesen Begriff zu klären bzw. auf seine stimulierenden Momente einzugehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität des Populismus-Begriffs ein und umreißt die Forschungsfrage anhand historischer Vergleiche sowie der aktuellen Figur des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.
2. Was ist Populismus?: Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene historische und moderne Definitionsansätze des Populismus und hebt dessen anti-elitären Charakter sowie die Bedeutung des fiktiven Volkswillens hervor.
3. Populismus und Extremismus: Ein Protest, eine Sprache?: Hier wird die theoretische Verbindung zwischen Populismus und Extremismus analysiert, wobei Krisensituationen und das Phänomen der relativen Deprivation als zentrale gemeinsame Triebfedern identifiziert werden.
4. Populismus und der charismatische Führer: Eine faschistische Nachbarschaft? Exkurs Italien: Das Kapitel untersucht die Rolle charismatischer Führungspersönlichkeiten und hinterfragt kritisch die Ähnlichkeiten zwischen populistisch organisierten Bewegungen und faschistischen Strukturen am Beispiel der Forza Italia.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Populismus und Rechtsextremismus als Nachbarschaftsphänomene zu verstehen sind, bei denen populistische Stile zunehmend als marketingtaktische Instrumente innerhalb der modernen Demokratie fungieren.
Schlüsselwörter
Populismus, Rechtsextremismus, Silvio Berlusconi, Forza Italia, charismatischer Führer, relative Deprivation, politische Krisen, Massenmobilisierung, Parteiensoziologie, Telekratie, Protestbewegung, Demokratie, Faschismus, Popularkultur, Wahlkampf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des Populismus, dessen theoretische Einordnung und die Frage, wie er sich von anderen politischen Strömungen, insbesondere dem Extremismus, abgrenzen lässt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle charismatischer Führer, die Bedeutung von Proteststimmungen, die Auswirkungen von Krisen auf das Wählerverhalten sowie das politische Marketing in modernen Medien.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob es sich beim modernen Populismus um ein eigenständiges Phänomen handelt oder ob er lediglich eine gefährliche, „light“-Variante des Extremismus darstellt, die stark von der Person des Führers abhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Ansätze aus der Parteiensoziologie und der Extremismusforschung auf aktuelle Fallbeispiele, vorwiegend Italien, anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Definition des Populismus, den psychologischen und gesellschaftlichen Ursachen für populistische Erfolge und einer detaillierten Fallstudie zum Phänomen Berlusconi.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Populismus, Rechtsextremismus, charismatische Führung, relative Deprivation, Protestwähler und politische Transformation.
Inwiefern spielt die Figur Silvio Berlusconi eine Rolle?
Berlusconi dient als zentrales Fallbeispiel, um die Verschränkung von unternehmerischer Macht, medialer Kontrolle und populistischer Agitation in einer modernen Demokratie aufzuzeigen.
Warum wird Populismus teilweise als „Extremismus light“ bezeichnet?
Der Begriff wird verwendet, um auszudrücken, dass Populismus oft die gleichen gesellschaftlichen Krisenphänomene wie Extremismus nutzt, dabei aber meist marketingtaktisch moderater auftritt, wenngleich er antidemokratische Tendenzen begünstigen kann.
- Arbeit zitieren
- Magister Artium Yves Dubitzky (Autor:in), 2004, Zum politikwissenschaftlichen Begriff des Populismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161106