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Die Harris-Linien der Tibien aus Diepensee

Röntgendiagnostische Analyse der spätmittelalterlichen Skelette von Kindern und Jugendlichen

Titre: Die Harris-Linien der Tibien aus Diepensee

Epreuve d'examen , 2006 , 67 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Matthias Felsch (Auteur)

Biologie - Biologie Humaine
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Im Zuge der Arbeit erfolgt die Analyse von Bestattungen von Kindern und Jugendlichen im Spätmittelalter in Diepensee, südlich von Berlin auf dem Ausbaugelände des Flughafens Berlin Brandenburg International. In Diepensee wurde das größte Flächendenkmal des Landes Brandenburg archäologisch untersucht. Hier wurde eine komplette dörfliche Population untersucht und mit anderen Funden in Brandenburg verglichen, um die Lebensbedingungen der Menschen im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, sowie in Stadt und Land während des Spätmittelalters vergleichen zu können. Die Arbeit ist durchgängig illustriert.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
    • 1.1. Einführung
    • 1.2. Darstellung der Geschichte des Dorfes Diepensee
    • 1.3. Beschreibung der archäologischen Grabung und Rekonstruktion des Dorflebens
    • 1.4. Erste anthropologische Untersuchungsergebnisse
    • 1.5. Kinder im Mittelalter
    • 1.6. unspezifische "Stressmarker"
      • 1.6.1. Harris-Linien
      • 1.6.2. weitere unspezifische "Stressmarker"
    • 1.7. Ableitung der Aufgabenstellung
  • 2. Material und Methoden
    • 2.1. Skelettmaterial
    • 2.2. Röntgenologische Untersuchung der Tibien
    • 2.3. Bestimmung des Entstehungsalters der Harris-Linien
      • 2.3.1. Bestimmung des Entstehungsalters von Harris-Linien nach MAAT (1984)
      • 2.3.2. Bestimmung des Entstehungsalters von Harris-Linien nach TEMPLIN (1993)
      • 2.3.3. Anwendung der Methodik zur Bestimmung des Entstehungsalters von Harris-Linien
  • 3. Ergebnisse
    • 3.1. Auftreten von Harrislinien in der untersuchten Population
    • 3.2. Verteilung der Individuen nach der Anzahl der Harris-Linien
    • 3.3. Morbiditätsindex
    • 3.4. Altersverteilung der Harris-Linien
    • 3.5 Beobachtung allgemeiner Phänomene von Harris-Linien
    • 3.6. Zusätzliche Befunde
  • 4. Diskussion
    • 4.1. Verhältnis der Altersverteilung zur Verteilung der Harris-Linien
    • 4.2. Vergleich des Auftretens der Harris-Linien mit weiteren "Stressmarkern"
    • 4.3. Vergleich mit anderen Populationen
      • 4.3.1. Vergleich allgemeiner Daten der einzelnen Populationen
      • 4.3.2. Vergleich der Harris-Linien-Häufigkeit der Population von Diepensee mit weiteren ländlichen Populationen (Treskow und Tasdorf)
      • 4.3.3. Vergleich der Harris-Linien-Häufigkeit der Population von Diepensee mit einer städtischen Population aus dem Spätmittelalter (Bernau)
      • 4.3.4. Vergleich der Harris-Linien-Häufigkeit der Population von Diepensee mit einer ländlichen Population aus der frühen Neuzeit (Tasdorf)
    • 4.4. Rückschlüsse auf den Zustand der Population von Diepensee
  • 5. Zusammenfassung
  • 6. Literaturübersicht
  • 7. Nachweis der Abbildungen und Tabellen

Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, eine detaillierte Untersuchung und Darstellung der Harris-Linien in der Kinderpopulation von Diepensee durchzuführen. Dies basiert auf einer fundierten Auseinandersetzung mit der Methodik der Harris-Linien-Bestimmung. Die Forschungsfragen untersuchen die Nachweisbarkeit, die Verteilung nach Anzahl und Altersstufen, die Korrelation mit dem Sterbealter, die Erklärung der Häufigkeiten, Vergleiche mit anderen Populationen und die Ableitung von Rückschlüssen auf den allgemeinen Zustand der Diepenseer Bevölkerung.

  • Röntgendiagnostische Untersuchung von Harris-Linien an Tibien von Kinderskeletten.
  • Analyse des Morbiditätsindex und der Verteilung von Harris-Linien über Altersstufen.
  • Vergleich des Auftretens von Harris-Linien mit anderen unspezifischen "Stressmarkern".
  • Korrelation zwischen Harris-Linien-Häufigkeit, Sterbealter und Lebensumständen.
  • Vergleichende Analyse der Diepenseer Population mit anderen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Populationen.
  • Rückschlüsse auf den allgemeinen Gesundheitszustand der spätmittelalterlichen Diepenseer Kinderpopulation.

Auszug aus dem Buch

1.6.1. Harris-Linien

Harris-Linien sind Zonen verstärkten Wachstums an den Epiphysenfugen von Langknochen, die nach einer Wachstumsverzögerung bei der enchodralen Ossifikation entstehen. Der Name ist auf den Erstbeschreiber (1926, 1933) des Phänomens, den Amerikaner H. Harris, zurückzuführen. Die erst im Röntgenbild sichtbaren Querlinien entstehen durch die verstärkte Einlagerung von Kalk und eine Verdichtung der Substantia spongiosa des Knochens (SCHULTZ 1992). Bei einer Eröffnung des Knochens ist diese Veränderung der Substantia spongiosa als Querlinie zu erkennen (Abbildung 9).

Harris-Linien werden in der Anthropologie gemeinhin als „Stressmarker“ bewertet. Die Ausprägung von Harris-Linien ist vor allem an Tibiae und Femora besonders deutlich (HATCH & HUNT 1981). Das Auftreten der Harris-Linien ist im Regelfall bilateral symmetrisch (VYHNÁNEK & STLOUKAL 1991, HUGHES, HEYLINGS & POWER 1996), es sind jedoch leichte Rechts-Links-Verschiebungen möglich (DRENHAUS 1991).

Meist werden Untersuchungen auf Harris-Linien an Tibien durchgeführt, da im distalen Bereich der Tibia die Ausprägung von Harris-Linien am deutlichsten ist und die Anzahl der Harris-Linien zwischen proximaler und distaler Diaphyse variiert (HUGHES, HEYLINGS & POWER 1996).

Die Ursachen für die Entstehung dieses „Stressmarkers“ können dabei in einer mehrwöchigen Eiweißmangelernährung, einer Avitaminose (vornehmlich Vitamin D-Mangel) oder einer Krankheit liegen. Durch einen Eiweißmangel wird das Wachstum der Langknochen beeinträchtigt, bei einer Erkrankung wird das Wachstum zurückgestellt, um die Infektion besser bekämpfen zu können und Vitamin D ist für den Stoffwechsel der Knochen unerlässlich (HUMMERT & VAN GERVEN 1985). Aufgrund dieser Vielzahl von relevanten Entstehungsursachen sind Harris-Linien als unspezifische Indikatoren einer Belastung des heranwachsenden Organismus zu werten.

Nach CARLI-THIELE (1996) reicht allerdings eine Mangelernährung nicht aus, um zur Entstehung einer Harris-Linie zu führen. Er führt die Entstehung dieser transversalen Linien auf einen Wechsel zwischen adäquater und mangelhafter Ernährung zurück. Bestärkt wird diese These durch einen möglichen höheren Morbiditäts-Index (durchschnittliche Anzahl an Harris-Linien in Bezug zur Anzahl der untersuchten Individuen) in Populationen mit hinlänglicher Ernährungslage im Vergleich mit einer Population in der anhaltende Mangelernährung herrscht (BUIKISTRA & COOK 1980).

Durch den endostalen und subperichondralen Knochenumbau kann es zur Resorption von Harris-Linien bei juvenilen und adulten Individuen kommen (CARLI-THIELE 1996). Deshalb kann bei einem negativen Befund nicht geschlussfolgert werden, dass das Individuum keine Wachstumsverzögerungen in der Ontogenese durchlaufen hat. Allerdings weisen nach GARN & SCHWAGER (1967) Harris-Linien, die in frühster Kindheit entstanden sind eine größere Tendenz zum Erhalt auf, als später entstandene Linien. Der röntgenologische Befund von Harris-Linien wird durch lange Liegezeiten des Knochens im Boden nicht beeinflusst, so weit die Knochensubstanz intakt ist (DRENHAUS 1991).

Allgemein ist die Anzahl von Harris-Linien bei nichterwachsenen Individuen höher als bei erwachsenen (AUFDERHEIDE & RODRIGUEZ-MARTIN 1998), doch gilt nach MAAT (1984) die alleinige Anzahl der Harris-Linien als nicht aussagekräftig. Nach TEMPLIN (1993) ist die erste Harris-Linie bei zahlreichen Individuen als Geburtsstressmarker zu werten; die Umstellung von der Ernährung durch den Blutkreislauf der Mutter auf eine Ernährung über die Muttermilch stelle für den Säugling einen erheblichen Stressmoment dar. Bedeutsam sind Harris-Linien aufgrund der Datierbarkeit ihres Entstehungsalters. Dadurch lassen sich Aussagen über Störungen der Ontogenese des Individuums machen und innerhalb der Bevölkerung kritische Phasen in der Entwicklung belegen (HÜHNE-OSTERLOH 1989). Einige Autoren betonen bei der Berechnung des Entstehungsalters von Harris-Linien geschlechtsspezifische Unterschiede im Diaphysenwachstum (MAAT 1984). Kontrovers diskutiert ist in der Forschung die Frage, ob die Ausprägung von Harris-Linien einen Einfluss auf das weitere Wachstum der Langknochen hat. Einige Autoren konnten keine signifikanten Unterschiede in der Körpergröße zwischen Individuen mit zahlreichen und denen mit wenigen Harris-Linien feststellen (STEINBOCK 1976). Als Begründung kann hier ein verstärktes Wachstum im Anschluss an die Wachstumsverzögerung dienen. Andere Autoren (z. B. SCHULTZ 1978) fanden bei ihren Untersuchungen bei größeren Individuen eine geringere Anzahl von Harris-Linien. Die aktuellste Studie zu dieser Fragestellung an einer Skelettserie aus Polen von NOWAK & PIONTEK (1996) kommt jedoch zu dem eindeutigen Ergebnis, dass das Auftreten von Harris-Linien keinerlei Einfluss auf das Längenwachstum von Langknochen hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung anthropologischer Funde zur Rekonstruktion vergangener Lebensumstände ein, beschreibt die Besonderheit der Grabung im spätmittelalterlichen Dorf Diepensee und leitet die Forschungsfragen zur Analyse von Harris-Linien ab.

2. Material und Methoden: Dieses Kapitel detailliert das verwendete Skelettmaterial (Tibien von 44 Kinderskeletten), die röntgenologische Untersuchungsmethodik und die angewandten Verfahren zur Bestimmung des Entstehungsalters der Harris-Linien nach Maat und Templin.

3. Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren das Auftreten und die Verteilung von Harris-Linien in der untersuchten Diepenseer Population, den berechneten Morbiditätsindex sowie die Altersverteilung der Harris-Linien und zusätzliche Befunde wie Chondrodystrophie.

4. Diskussion: Die Diskussion setzt die Ergebnisse der Diepenseer Population in Bezug zur Altersverteilung und vergleicht diese mit anderen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Populationen aus der Mark Brandenburg, um Rückschlüsse auf die Lebensumstände zu ziehen.

5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, insbesondere die Rekonstruktion der guten Lebensverhältnisse der Diepenseer Kinder im Spätmittelalter basierend auf dem niedrigen Morbiditätsindex und der Kindersterblichkeit im Vergleich zu anderen Populationen.

Schlüsselwörter

Harris-Linien, Tibia, Spätmittelalter, Diepensee, Kinder, Skelettmaterial, Röntgenologie, Paläopathologie, Stressmarker, Morbiditätsindex, Wachstumsverzögerung, Mangelernährung, Infektionskrankheiten, Archäologie, Anthropologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der röntgendiagnostischen Analyse von Harris-Linien an Schienbeinen (Tibien) von Kinder- und Jugendskeletten aus dem spätmittelalterlichen Dorf Diepensee, um Rückschlüsse auf die Lebensbedingungen der damaligen Bevölkerung zu ziehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen die Paläopathologie, die Anthropologie mittelalterlicher Kinderpopulationen, die Methodik der Harris-Linien-Bestimmung und den Vergleich von Lebensbedingungen historischer Populationen anhand von "Stressmarkern".

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, Harris-Linien in der Kinderpopulation von Diepensee detailliert zu untersuchen, ihre Verteilung und Korrelationen zu analysieren und dies mit anderen Populationen zu vergleichen, um den allgemeinen Zustand und kritische Phasen der Entwicklung der Diepenseer Bevölkerung zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet primär die röntgenologische Untersuchung von Tibien zur Identifizierung von Harris-Linien und zur Bestimmung ihres Entstehungsalters unter Anwendung der Methodik nach Templin (1993).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Ergebnisse des Auftretens und der Verteilung von Harris-Linien, den Morbiditätsindex sowie eine ausführliche Diskussion dieser Befunde im Vergleich zu anderen ländlichen und städtischen Populationen aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter wie Harris-Linien, Tibia, Spätmittelalter, Diepensee, Kinder, Skelettmaterial, Röntgenologie, Paläopathologie, Stressmarker und Morbiditätsindex charakterisieren die Arbeit.

Was sind Harris-Linien und wie entstehen sie?

Harris-Linien sind Zonen verstärkten Wachstums an den Epiphysenfugen von Langknochen, die nach einer Wachstumsverzögerung während der enchondralen Ossifikation entstehen. Sie sind im Röntgenbild als Querlinien durch verstärkte Kalkeinlagerung sichtbar und gelten als unspezifische Indikatoren für physiologischen Stress.

Warum ist die Diepenseer Kinderpopulation für diese Studie von besonderer Bedeutung?

Die Diepenseer Kinderpopulation ist von besonderer Bedeutung, da hier ein komplettes spätmittelalterliches Dorf mit einem vollständigen Gräberfeld ergraben werden konnte, was eine umfassende Analyse der gesamten Kinderpopulation ermöglichte und einzigartige Einblicke in ihre Lebensverhältnisse erlaubt.

Welche Rückschlüsse konnten bezüglich der Lebensumstände der Diepenseer Kinder gezogen werden?

Basierend auf einem vergleichsweise niedrigen Morbiditätsindex und der niedrigsten Kindersterblichkeit unter den Vergleichspopulationen, wird geschlussfolgert, dass die Lebensverhältnisse der Diepenseer Kinder im Spätmittelalter als ausgesprochen gut anzusehen waren.

Wie unterscheidet sich die Harris-Linien-Häufigkeit in Diepensee im Vergleich zu städtischen und frühneuzeitlichen Populationen?

Diepensee weist einen deutlich niedrigeren Morbiditätsindex im Vergleich zu städtischen (Bernau) und frühneuzeitlichen ländlichen (Tasdorf) Populationen auf. Dies deutet auf weniger physiologischen Stress und bessere Lebensbedingungen in Diepensee hin, insbesondere im Abstillalter und beim Übergang zur Arbeit.

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Résumé des informations

Titre
Die Harris-Linien der Tibien aus Diepensee
Sous-titre
Röntgendiagnostische Analyse der spätmittelalterlichen Skelette von Kindern und Jugendlichen
Université
Free University of Berlin  (Institut für Anthropologie)
Note
1,3
Auteur
Matthias Felsch (Auteur)
Année de publication
2006
Pages
67
N° de catalogue
V1611181
ISBN (PDF)
9783389156643
ISBN (Livre)
9783389156650
Langue
allemand
mots-clé
Harrislinien Grabung Diepensee Berlin Brandenburg Mittelalter Spätmittelalter Archäologie Anthropologie Population Röntgen-Analyse Pest Krankheiten Tod
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Matthias Felsch (Auteur), 2006, Die Harris-Linien der Tibien aus Diepensee, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1611181
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Extrait de  67  pages
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