Während die Arbeit in der Vergangenheit vor allem der Existenzsicherung diente, gewinnt die Frage nach der beruflichen Sinnerfüllung in der heutigen Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. Insbesondere der Generation Y wird nachgesagt, einer sinnerfüllenden Tätigkeit eine besonders hohe Priorität beizumessen. Die zentralen Herausforderungen für diese Generation liegen im Vergleich zu älteren Generationen in einer Entscheidungsüberforderung, einer geringeren Arbeitszufriedenheit und einem niedrigen Arbeitsengagement, sowie in einem erhöhten Maß an Angstzuständen. In der bestehenden Literatur zur psychischen Flexibilität, einer Fähigkeit, die laut zahlreichen Forschungen den obigen Bedürfnissen und Herausforderungen der Generation Y adressiert, fehlt bislang eine Untersuchung zum beruflichen Sinnerleben, obwohl dies als grundlegendes Bedürfnis der Generation Y gilt. Die vorliegende Arbeit schließt diese Forschungslücke und erforscht den Einfluss der psychischen Flexibilität auf das berufliche Sinnerleben von Berufstätigen der Generation Y. Zusätzlich wird untersucht, ob das Job Crafting als möglicher Handlungsausdruck einer hohen psychischen Flexibilität diesen Zusammenhang vermittelt.
Die hierarchische Regressionsanalyse ergab, dass die psychische Flexibilität einen signifikanten positiven Einfluss auf das berufliche Sinnerleben ausübt. Des Weiteren scheint es von großer Relevanz zu sein, dass Berufstätige ein ausgeprägtes Gefühl von Kohärenz, Bedeutsamkeit, Orientierung und Zugehörigkeit in ihrer beruflichen Tätigkeit erfahren. Besonders auffällig war, dass Mitarbeitende in gemeinnützigen Berufsgruppen sowie Selbstständige einen signifikant positiven Zusammenhang mit dem beruflichen Sinnerleben aufwiesen. Da das Job Crafting in diesen Gruppen keinen relevanten Einfluss aufweisen konnte und die Mediationsanalyse nicht signifikant war, bleibt unklar, welche Faktoren den Einfluss der psychischen Flexibilität auf das berufliche Sinnerleben erklären. Vor diesem Hintergrund wird für zukünftige Forschungsarbeiten empfohlen, zusätzliche Einflussfaktoren wie außerberufliche Aspekte, das individuelle Stressniveau, soziale Einflüsse sowie die Passung zwischen Individuum und Beruf zu berücksichtigen.
Inhaltsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Tabellenverzeichnis
- 1 Abstract
- 2 Einleitung
- 3 Theorie und Ableitung der Hypothesen und Fragestellung
- 3.1 Psychische Flexibilität
- 3.1.1 Kernprozesse der psychischen Flexibilität
- 3.1.2 Psychische Flexibilität und die Akzeptanz-Commitment-Therapie
- 3.2 Berufliches Sinnerleben
- 3.2.1 Prädiktoren beruflicher Sinnerfüllung
- 3.2.2 Berufliche Sinnquellen
- 3.3 Job Crafting
- 3.3.1 Job Demands-Resources Model (JD-R-Modell)
- 3.3.2 Motive für das Job Crafting
- 3.4 Forschungsstand, Hypothesen und Fragestellung
- 3.4.1 Psychische Flexibilität und berufliches Sinnerleben
- 3.4.2 Job Crafting als Mediator
- 3.1 Psychische Flexibilität
- 4 Methodik
- 4.1 Design und Stichprobe
- 4.2 Datenerhebungsinstrumente
- 4.2.1 Soziodemografische Variablen
- 4.2.2 Psychische Flexibilität
- 4.2.3 Sinnerleben im Beruf
- 4.2.4 Job Crafting
- 4.3 Ablauf
- 5 Ergebnisse
- 5.1 Deskriptive Statistik
- 5.1.1 Untersuchungsvariablen
- 5.1.2 Korrelationsanalyse
- 5.2 Multiple Regressionsanalyse
- 5.2.1 Voraussetzungsprüfung der Regressionsanalyse
- 5.2.2 Multiple Regressionsanalyse
- 5.2.3 Mediationsanalyse
- 5.1 Deskriptive Statistik
- 6 Diskussion
- 6.1 Diskussion Hypothese 1
- 6.2 Diskussion Hypothese 2
- 6.3 Diskussion weiterer Ergebnisse
- 6.4 Praktische Implikationen
- 6.5 Limitationen und Ausblick
- 7 Fazit
- 8 Literaturverzeichnis
- 9 Anhang A: Berechnung der optimalen Stichprobengröße
- 10 Anhang B: Fragebogen
- 11 Anhang C: Grafische Darstellung der Untersuchungsvariablen
- 12 Anhang D: Voraussetzungsprüfung
- 13 Anhang E: SPSS Syntax
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit schließt eine bestehende Forschungslücke, indem sie den Einfluss psychischer Flexibilität auf das berufliche Sinnerleben bei Berufstätigen der Generation Y untersucht und die Rolle von Job Crafting als vermittelnden Faktor analysiert. Das primäre Ziel ist es, zu verstehen, welchen Beitrag psychische Flexibilität zur Sinnerfüllung in der Arbeitswelt leistet und ob Job Crafting als Mechanismus diesen Zusammenhang erklärt.
- Psychische Flexibilität und ihre Kernprozesse
- Berufliches Sinnerleben und seine Quellen
- Job Crafting als proaktive Arbeitsgestaltung
- Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) im beruflichen Kontext
- Empirische Untersuchung bei der Generation Y
- Mediationsanalyse von Job Crafting
Auszug aus dem Buch
Psychische Flexibilität
Der Leitsatz „Don't worry, be happy!“ ist weit verbreitet und tief in der sozialen Konditionierung verankert. Dieser suggeriert die Vorstellung eines kontinuierlichen Zustands von Sorglosigkeit und Glück. Es stellt sich jedoch die Frage, ob ein solcher Zustand realistisch ist und mit der menschlichen Natur vereinbar sein kann. Im Verlauf des Lebens durchläuft jede Person unvermeidlich Erfahrungen, die unangenehme innere Prozesse hervorrufen. Dies ist insbesondere auf die Endlichkeit des Lebens zurückzuführen. Sowohl wir selbst als auch unsere nahestehenden Personen können langfristig weder Krankheiten noch dem Tod entgehen. Die Vermeidung dieser Realität ist daher nicht nur aussichtslos, sondern kann auch zu einer Verdrängung führen, die das psychische Wohlbefinden beeinträchtigt (Elliot et al. 1997).
Die zentrale Frage lautet daher nicht, wie solche negativen Erfahrungen vermieden werden können, sondern wie Menschen mit ihnen umgehen. Forschungsergebnisse zeigen, dass nicht die Häufigkeit oder Intensität negativer Gedanken und Gefühle das Wohlbefinden maßgeblich beeinflusst, sondern die Art und Weise, wie diese inneren Erfahrungen verarbeitet werden (McCracken 1998). Hier setzt das Konzept der psychischen Flexibilität an. Psychische Flexibilität beschreibt die Fähigkeit, sich bewusst und ohne Widerstand auf den gegenwärtigen Moment einzulassen und das eigene Verhalten an persönlichen Werten und langfristigen Zielen auszurichten. Ein psychisch flexibler Mensch kann innere Erfahrungen, einschließlich negativer Gedanken und Emotionen, offen und nicht-wertend beobachten, ohne zu versuchen, sie zu kontrollieren oder zu vermeiden (Hayes et al. 1999).
In der modernen beruflichen Arbeitswelt hat dieses Konzept besondere Relevanz. Mitarbeitende, die ihre unvermeidbaren inneren Prozesse wie stressbedingte Gedanken oder belastende Emotionen annehmen und als natürlichen Bestandteil des Arbeitslebens betrachten, können ihre Energie und Aufmerksamkeit effektiver auf die Bewältigung von Arbeitsanforderungen lenken (Hayes et al. 1999). Anstatt Ressourcen auf die Verdrängung oder Kontrolle dieser inneren Prozesse zu verwenden, wird die vorhandene Energie zur Problemlösung und zur Umsetzung von Aufgaben genutzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Abstract: Dieses Kapitel fasst die gesamte Arbeit zusammen und stellt die Forschungslücke, die Methodik und die Hauptergebnisse der Untersuchung dar.
2 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zunehmende Bedeutung des beruflichen Sinnerlebens für die Generation Y und die damit verbundenen Herausforderungen, die die Grundlage für die Forschungsfrage bilden.
3 Theorie und Ableitung der Hypothesen und Fragestellung: In diesem umfangreichen Kapitel werden die Konzepte der psychischen Flexibilität, des beruflichen Sinnerlebens und des Job Crafting detailliert definiert, theoretisch fundiert und die daraus abgeleiteten Hypothesen und die Forschungsfrage vorgestellt.
4 Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das Forschungsdesign, die Stichprobe, die verwendeten Datenerhebungsinstrumente zur Messung der psychischen Flexibilität, des Sinnerlebens und des Job Crafting sowie den detaillierten Ablauf der Online-Umfrage.
5 Ergebnisse: Die Ergebnisse der quantitativen Studie, einschließlich deskriptiver Statistiken, Korrelations- und Regressionsanalysen sowie der Mediationsanalyse, werden präsentiert.
6 Diskussion: Hier werden die Ergebnisse interpretiert, in Bezug auf die Hypothesen diskutiert, praktische Implikationen abgeleitet und Limitationen sowie Ausblicke für zukünftige Forschungsarbeiten aufgezeigt.
7 Fazit: Das Fazit resümiert die wesentlichen Erkenntnisse der Studie und betont die zentrale Rolle der psychischen Flexibilität für das berufliche Sinnerleben der Generation Y, während die nicht bestätigte Mediationswirkung von Job Crafting als Anstoß für weitere Forschung dient.
Schlüsselwörter
Psychische Flexibilität, Berufliches Sinnerleben, Job Crafting, Generation Y, Arbeitsengagement, Arbeitszufriedenheit, Akzeptanz-Commitment-Therapie (ACT), Korrelationsanalyse, Regressionsanalyse, Mediationsanalyse, Kohärenz, Bedeutsamkeit, Zugehörigkeit, Orientierung, quantitative Studie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen psychischer Flexibilität und dem beruflichen Sinnerleben bei Mitarbeitenden der Generation Y und analysiert, ob Job Crafting diesen Zusammenhang vermittelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die psychische Flexibilität, das berufliche Sinnerleben, Job Crafting als Arbeitsgestaltungsstrategie und die spezifischen Merkmale der Generation Y in der Arbeitswelt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Einfluss psychischer Flexibilität auf das berufliche Sinnerleben bei der Generation Y zu erforschen und zu klären, inwieweit Job Crafting diesen Zusammenhang erklären kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine quantitative Querschnittsstudie in Form einer Online-Umfrage durchgeführt, ergänzt durch Korrelations-, Regressions- und Mediationsanalysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der psychischen Flexibilität, des beruflichen Sinnerlebens und des Job Crafting, leitet Hypothesen ab, beschreibt die Methodik der Datenerhebung und präsentiert die empirischen Ergebnisse der Studie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie psychische Flexibilität, berufliches Sinnerleben, Job Crafting, Generation Y, Arbeitsengagement, Akzeptanz-Commitment-Therapie und quantitative Forschung charakterisieren diese Arbeit.
Warum ist das berufliche Sinnerleben für die Generation Y besonders relevant?
Der Generation Y wird ein besonders hoher Wunsch nach wertekongruenter, bedeutungsvoller und erfüllender Arbeit zugeschrieben, was die Frage nach dem beruflichen Sinnerleben für diese Altersgruppe zentral macht.
Welche Rolle spielt Job Crafting in der Untersuchung und warum konnte die Mediationshypothese nicht bestätigt werden?
Job Crafting wurde als potenzieller Mediator für den Einfluss psychischer Flexibilität auf das berufliche Sinnerleben untersucht, um zu sehen, ob die aktive Arbeitsgestaltung diesen Zusammenhang vermittelt. Die Mediationsanalyse zeigte jedoch keinen signifikanten indirekten Effekt, was darauf hindeutet, dass andere Faktoren oder Mechanismen relevant sein könnten und der direkte Effekt von psychischer Flexibilität auf das Sinnerleben überwiegt.
Welche praktischen Implikationen ergeben sich aus den Studienergebnissen für Unternehmen?
Unternehmen sollten Maßnahmen zur Stärkung der psychischen Flexibilität ihrer Mitarbeitenden implementieren, die wahrgenommene Bedeutsamkeit der Arbeit fördern und auf eine hohe Person-Job-Passung bereits im Rekrutierungsprozess achten, um das berufliche Sinnerleben der Generation Y zu steigern.
Welche Limitationen weist die Studie auf und welche Empfehlungen werden für zukünftige Forschungsarbeiten gegeben?
Die Studie ist durch ihr Querschnittsdesign limitiert, was keine eindeutigen Kausalaussagen zulässt, und basiert auf Selbstauskünften. Zukünftige Forschungen sollten Längsschnittstudien, objektivere Messmethoden und die Berücksichtigung außerberuflicher Faktoren sowie des Stressniveaus einbeziehen.
- Citation du texte
- Timon Wiebusch (Auteur), 2025, Der Zusammenhang zwischen psychischer Flexibilität und beruflichem Sinnerleben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1611400