Erst im Juni fand die 12. Staatenkonferenz zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) bei den Vereinten Nationen in New York statt, die unter dem Motto „Sicherstellung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen in einer sich verändernden Welt durch die Umsetzung der UN-BRK“ statt. Obwohl schon einiges umgesetzt werden konnte, soll für die Zukunft vor allem „die nachhaltige Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt“ im Fokus stehen. Es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern diese Integration in den Arbeitsmarkt und somit die berufliche Teilhabe behinderter Menschen gelingen kann. Im Rahmen dieser Arbeit sollen deshalb die Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten zur Ermöglichung beruflicher Teilhabe, sowie die Möglichkeit einer Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) dargestellt werden.
Damit der Einstieg in die gewählte Thematik gelingen kann, wird in dem nachfolgenden Kapitel 2 eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Behinderungsbegriff erfolgen. Somit wird eine Vermittlung der notwendigen Grundkenntnisse in Bezug zum Verständnis von Behinderung gewährleistet. In Kapitel 3 wird die Bedeutung von Arbeit ausführlich dargestellt, um verdeutlichen zu können, weshalb die berufliche Teilhabe für behinderte Menschen solch eine wichtige Rolle einnimmt. Dabei wird vor allem auf die in Deutschland vorherrschende Form von Arbeit, die Erwerbsarbeit, eingegangen.
Welche Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten zur beruflichen Teilhabe für Menschen mit Behinderung in Deutschland zur Verfügung stehen, wird in Kapitel 4 aufgegriffen. Unterschieden wird dabei zwischen den Möglichkeiten für den allgemeinen, „ersten“ Arbeitsmarkt und dem „geschützten“ Arbeitsmarkt, welcher die Werkstätten für behinderte Menschen meint. Die Unterstützungsmöglichkeiten, die es für den allgemeinen Arbeitsmarkt gibt sind jedoch vielfältig, weshalb im Rahmen dieser Arbeit nur eine Auswahl dargestellt werden kann. Abschließend sollen die vorherigen Darstellungen und Ergebnisse zusammengefasst und die Frage beantwortet werden, welche Möglichkeiten zur Förderung und Unterstützung beruflicher Teilhabe in Deutschland bestehen.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Behinderung – ein Begriffsdilemma
- 3 Die Bedeutung von Arbeit
- 4 Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung zur Teilhabe am Arbeitsleben
- 4.1 Der allgemeine Arbeitsmarkt – Ausgewählte Unterstützungsmöglichkeiten
- 4.2 Der geschützte Arbeitsmarkt – Werkstätten für behinderte Menschen
- 5 Fazit
- 6 Literaturverzeichnis
- 7 Abkürzungsverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben und analysiert die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten, die zur Ermöglichung ihrer beruflichen Integration zur Verfügung stehen. Die zentrale Forschungsfrage ist, welche Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten behinderten Menschen in Deutschland zur Ermöglichung ihrer beruflichen Teilhabe zur Verfügung stehen.
- Definition und Entwicklung des Behinderungsbegriffs
- Bedeutung von Arbeit und Erwerbsarbeit für die gesellschaftliche Teilhabe
- Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
- Die Rolle von Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) als geschützter Arbeitsmarkt
- Konzepte wie Arbeitsassistenz, Unterstützte Beschäftigung und das Budget für Arbeit
- Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention
Auszug aus dem Buch
Behinderung – ein Begriffsdilemma
Im Rahmen dieser Arbeit ist es notwendig, sich mit dem Behinderungsbegriff auseinanderzu-setzen. Bei der Frage nach einer richtigen bzw. politisch akzeptablen Begriffswahl bezüglich der Kategorie „Behinderung“ herrscht eine spannungsreiche Ausgangslage vor. Das Vorherr-schen vielfältiger Begriffsvarianten zeigt zum einen die unbedachte Nutzung des Behinde-rungsbegriffs und zum anderen den Versuch, „ihn möglichst vermeidend zu umschreiben oder ihn vermeintlich politisch so korrekt wie möglich anzuwenden“ (Bretländer, 2015, S. 87).
Im alltäglichen Sprachgebrauch hat sich der Begriff „Behinderung“ durchgesetzt und bezeich-net psychische oder physische Eigenschaften oder soziale Verhaltensformen, die als „anders“ oder von der Norm abweichend angesehen werden. Behinderung wird somit als Merkmal einer Person und eher als äußere Eigenschaften und deutlich sichtbare Verhaltensweisen wahrgenom-men. Eine Assoziation mit einem erhöhten Hilfebedarf ist dabei nicht unüblich. Dieser alltags-theoretische Begriff funktioniert jedoch nur im Kontext einer klar definierten Normalität (Sasse & Moser, 2016). Durch die vielfältigen sozialen Milieus und sozioökonomischen Lebenslagen in modernen Gesellschaften werden die Grenzen der Alltagstheorien schnell deutlich: „Sie gel-ten immer nur in dem Rahmen, in dem sich einzelne Personen oder eine Gruppe von Personen mit ihren je eigenen Alltagspraxen und Wertorientierungen bewegen“ (ebd., 2016, S. 139). So-mit haben sich Behinderungsbegriffe, die über den alltagstheoretischen Rahmen hinausgehen, in verschiedenen Teilsystemen moderner Gesellschaften etabliert (ebd.). Zwischen einzelnen Fachgebieten und innerhalb von Fächern können teilweise große Unterschiede im Verständnis von Behinderung vorgefunden werden (Biewer, 2017). Gerade die fachliche und wissenschaft-liche Ebene setzt sich mit der Frage auseinander, wie es gelingen kann „eine bestimmte soziale Gruppe oder einzelne Personen zu identifizieren, kenntlich zu machen, ohne besondere Kenn-zeichen dieser Gruppe oder Person zu benennen, insbesondere dann, wenn eine solche Kenn-zeichnung das Risiko der Stigmatisierung bzw. Diskreditierung birgt“ (Bretländer, 2015, S. 87). Da der Behinderungsbegriff sich erst mit § 39, der Eingliederungshilfe für Behinderte, des An-fang der 1960er Jahre eingeführten Bundessozialhilfegesetz (BSHG) etablierte, kann dieser noch als recht jung bezeichnet werden. Dem Verständnis von Behinderung lag in den 1960/70er Jahren „eine vornehmlich medizinische, defizitorientierte sowie individualistische Sichtweise zugrunde – und die individuelle Schädigung einer Person wurde mit Behinderung gleichge-setzt" (Bretländer, 2015, S. 88). Die Behinderung wird somit „als Merkmal des jeweiligen Men-schen und damit als individuelle Kategorie betrachtet (Biewer, 2017, S. 45). Menschen mit Behinderung wurde in Folge dessen nicht nur Unselbstständigkeit nachgesagt, sondern auch,
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der beruflichen Teilhabe behinderter Menschen ein, beleuchtet die UN-Behindertenrechtskonvention und skizziert die Gliederung der Arbeit, die sich mit dem Behinderungsbegriff, der Bedeutung von Arbeit und verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten befasst.
Behinderung – ein Begriffsdilemma: Hier wird der komplexe und historisch gewachsene Behinderungsbegriff kritisch beleuchtet, wobei unterschiedliche Definitionen aus Alltag, Fachgebieten und rechtlicher Perspektive (z.B. nach WHO und SGB IX) dargestellt werden.
Die Bedeutung von Arbeit: Dieses Kapitel hebt die zentrale Rolle von Arbeit, insbesondere der Erwerbsarbeit, für den sozialen Status, die gesellschaftliche Integration, die materielle Existenzsicherung und das Selbstwertgefühl von Menschen hervor, auch im Kontext behinderter Personen.
Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung zur Teilhabe am Arbeitsleben: In diesem umfangreichen Kapitel werden diverse Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten für behinderte Menschen auf dem allgemeinen und dem geschützten Arbeitsmarkt (WfbM) vorgestellt und diskutiert.
Fazit: Das Abschlusskapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und zieht Schlussfolgerungen hinsichtlich der Wirksamkeit der vorhandenen Unterstützungssysteme und zukünftiger Notwendigkeiten zur Stärkung der Teilhabe.
Schlüsselwörter
Teilhabe am Arbeitsleben, Behinderung, Unterstützungsmöglichkeiten, Inklusion, Arbeitsmarkt, Soziale Arbeit, UN-Behindertenrechtskonvention, Erwerbsarbeit, Werkstätten für behinderte Menschen, Arbeitsassistenz, Unterstützte Beschäftigung, Budget für Arbeit, Sozialgesetzbuch IX, Selbstbestimmung, Barrierefreiheit, Rehabilitation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der beruflichen Teilhabe behinderter Menschen und untersucht die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen, um in den Arbeitsmarkt integriert zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Auseinandersetzung mit dem Behinderungsbegriff, die gesellschaftliche Bedeutung von Arbeit, die Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sowie die Funktion und Angebote von Werkstätten für behinderte Menschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Frage zu beantworten, welche Unterstützungsmöglichkeiten behinderten Menschen in Deutschland zur Ermöglichung der beruflichen Teilhabe zur Verfügung stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit den relevanten Begriffen und Konzepten sowie der Darstellung und Auswertung existierender Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten, gestützt auf wissenschaftliche Literatur und rechtliche Grundlagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische und aktuelle Definition von Behinderung, die multifunktionale Bedeutung von Arbeit für Individuum und Gesellschaft sowie detailliert verschiedene Unterstützungsinstrumente wie Arbeitsassistenz, Unterstützte Beschäftigung und das Budget für Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Teilhabe am Arbeitsleben, Behinderung, Unterstützungsmöglichkeiten, Inklusion, Arbeitsmarkt, Soziale Arbeit, UN-Behindertenrechtskonvention, Erwerbsarbeit und Werkstätten für behinderte Menschen.
Wie hat sich das Verständnis von Behinderung historisch entwickelt?
Das Verständnis von Behinderung entwickelte sich von einer medizinischen, defizitorientierten und individualistischen Sichtweise in den 1960/70er Jahren hin zu einem sozialkonstruktivistischen und später einem bio-psycho-sozialen Modell, welches Kontextfaktoren und Wechselwirkungen stärker berücksichtigt.
Welche Rolle spielen Kontextfaktoren im bio-psycho-sozialen Modell der Behinderung?
Im bio-psycho-sozialen Modell der Behinderung stehen Kontextfaktoren (Umweltfaktoren und personenbezogene Faktoren) im Mittelpunkt. Sie bestimmen maßgeblich, ob bestimmte Aktivitäten ausgeübt werden können und wie die Funktionsfähigkeit eines Menschen mit Gesundheitsproblemen interagiert.
Was sind die Hauptunterschiede zwischen dem allgemeinen und dem geschützten Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung?
Der allgemeine Arbeitsmarkt ermöglicht eine reguläre Erwerbsarbeit, die jedoch für Menschen mit Behinderung hohe Zugangsbarrieren aufweist. Der geschützte Arbeitsmarkt, wie Werkstätten für behinderte Menschen, bietet angepasste Beschäftigungsverhältnisse, die oft nicht der Existenzsicherung dienen, aber Teilhabe und soziale Anerkennung ermöglichen.
Wie unterscheiden sich die Formen der persönlichen Assistenz?
Persönliche Assistenz lässt sich in die arbeitgeberorganisierte und die selbstorganisierte Assistenz unterteilen. Bei der selbstorganisierten Assistenz gibt es wiederum das Arbeitgebermodell (der Assistenznehmer fungiert selbst als Arbeitgeber) und das Dienstleistungsmodell (Assistenz wird als Dienstleistung eingekauft).
- Citation du texte
- Anonyme,, 2019, Welche Unterstützungsmöglichkeiten stehen behinderten Menschen zur Ermöglichung der beruflichen Teilhabe zur Verfügung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1611872