Es gab in der Vergangenheit bereits unterschiedliche Materialien, die einem Bild als Träger dienten. Neben Stein- oder Metallplatten wurden bis in das 17. Jahrhundert in der Malerei zum großen Teil Holztafeln als Bildträger verwendet. Das Gewicht von Holz, wenn es in dünne Scheiben geschnitten ist, relativ gering und bietet einen angemessenen Haftgrund. Ab dem 16. Jahrhundert wurde das Holz als Bildträger aber nach und nach vom textilen Bildträger verdrängt und seit dem 18. Jahrhundert ist dieser der wichtigste in der europäischen Malerei. Ein textiler Bildträger besteht meistens aus Flachs, Leinen, Hanf, Seide oder Baumwolle, der auf einen Holz- oder Keilrahmen gespannt ist. Von einer Leinwand spricht man, wenn der textile Bildträger vor der Bemalung eine adäquate Grundierung erhalten hat. Die Grundierung, die den Bildträger saug- und haftungsfähig macht, besteht in einer klassischen Variante aus einer Vorleimung, einer eigentlichen Grundiermasse, einer
Vorzeichnung und einer Imprimitur. Auch die Malschicht besteht aus mehreren Schichten: Auf eine Untermalung folgt hier klassischerweise ein Zwischenfirnis, die Hauptfarbe, ein weiterer Zwischenfirnis und schließlich eine Lasurschicht, auf die dann die abschließende Hauptfirnisschicht folgt. Bei dieser großen Zahl an Schichten auf dem Bildträger ist es nicht
schwer, sich die Komplexität von möglichen Alterungsschäden an Bildträgern vorzustellen. Man unterscheidet in der Gemälderestaurierung zwischen Schäden, die den Bildträger selbst betreffen, zwischen denen, die durch Schäden am Bildträger, also am Holz oder Textilgewebe, an der aufliegenden Bildschicht entstehen und denen, die durch äußere Einflüsse an der Bildschicht entstehen. Wie alle organischen Stoffe unterliegen Holz und Textilien dem natürlichen Verfallsprozess. Im Folgenden werde ich die häufigsten Formen der
Alterungserscheinungen in einem Überblick darstellen. Dabei wird der Schwerpunkt auf denen der Grundierung und der Mal- und Firnisschicht liegen. Zunächst werden jedoch die Alterungserscheinungen an den hölzernen und textilen Trägern selbst behandelt, da diese die eigentliche Basis der Gemälde bilden und ein Einblick hilfreich ist, um zu einem befriedigenden Gesamteindruck möglicher Schäden zu kommen. Diese Darstellung gibt einen ersten Eindruck der häufigsten und auffälligsten Formen der Alterungserscheinungen an Holz- und Leinwandgemälden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung der Alterungserscheinungen
2.1. Eigenschaften und Schwachpunkte hölzerner Bildträger
2.2. Eigenschaften und Schwachpunkte textiler Bildträger
2.3. Klebstoffe
2.4. Schäden an der Grundierung
2.4.1. Durchscheinen durch Craqueléebildung
2.4.2. Haftungsverlust
2.5. Die Malschicht
2.5.1. Pigmente und ihre Eigenschaften
2.5.2. „Ultramarinkrankheit“
2.5.3. Vergilben
2.5.4. Verbräunen
2.5.5. Krepierung
2.5.6. Ausbleichen
2.6. Die Firnisschicht
2.6.1. Firnis und seine Eigenschaften
2.6.2. Vergilben
2.6.3. Verspröden
2.6.4. Krepierung
2.6.5. Verschmutzung
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Alterungserscheinungen an hölzernen und textilen Bildträgern von Gemälden sowie deren Auswirkungen auf die Malschicht und Firnisschicht. Ziel ist es, ein systematisches Verständnis der chemischen und physikalischen Zerfallsprozesse zu vermitteln, die durch Umweltfaktoren und Materialbeschaffenheit induziert werden.
- Strukturelle Schwachpunkte von Holz- und Leinwandträgern
- Chemische Degradationsprozesse in Pigmenten und Bindemitteln
- Phänomenologie der Firnisalterung und deren optische Konsequenzen
- Einfluss klimatischer Faktoren wie Feuchtigkeit und Licht
- Problematiken der Gemälderestaurierung und Konservierung
Auszug aus dem Buch
2.1. Eigenschaften und Schwachpunkte hölzerner Bildträger
In der Tafelmalerei wurden verschiedene Weich- und Hartholzarten verwendet. Die Auswahl der Holzart spielte bereits eine entscheidende Rolle im Hinblick auf mögliche Alterungserscheinungen. Schon die Schneidetechnik, mit der eine Holztafel zur potenziellen Bildtafel gemacht wurde, legte einen Grundstein für das spätere Schicksal des Gemäldes. Hinzu kam der Faktor der Dichte der Holzart. Da es sich bei Holz um ein natürliches Produkt handelt, besteht es aus Zellen und enthält neben der festen Substanz mehr oder weniger große Hohlräume, woraus sich die spezifische Dichte der Holzart ergibt. Je nach Holzart und Alter eines Baumes variiert diese. Je höher die Dichte ist, desto stabiler und beständiger ist das Holz und damit die Tafel. Hartholz, bei dem die Dichte folglich größer ist als bei Weichholz, ist beständiger als Weichholz, da es weniger stark auf klimatische Schwankungen reagiert, die im Laufe der Zeit sichtbare Schäden verursachen. Holz besitzt des Weiteren Unebenheiten in seiner Struktur, die stärker oder schwächer ausgeprägt sind und die für eine ungleichmäßige Spannungsverteilung sorgen, welche sich im Laufe der Zeit immer ungünstiger auswirkt. Außerdem hat Holz die Eigenschaft, schnell Feuchtigkeit aus seiner Umgebung aufzunehmen und diese auch wieder abzugeben bis jeweils ein Gleichgewicht zwischen Holz und umgebender Luft erreicht ist. Wird Wasser abgegeben, spricht man vom „Schwund“ bzw. „Desorption“ der Holztafel, wird es aufgenommen, spricht man vom „Quellen“ bzw. einer „Sorption“ der Tafel. Durch diese Prozesse variiert die Größe der Tafel, wodurch die aufliegenden Bildschichten geschädigt werden können. Ältere Bildschichten besitzen nicht mehr genügend Elastizität, um das Ausdehnen und wieder Zusammenziehen unbeschadet stand zu halten und wird brüchig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Spektrum der verwendeten Materialien in der historischen Malerei und skizziert die Komplexität der auftretenden Alterungsprozesse an Bildträgern und Farbschichten.
2. Darstellung der Alterungserscheinungen: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Analyse der spezifischen Degradationsphänomene bei Holz- und Textilträgern, der Malschicht (inklusive Pigmentveränderungen) sowie der Firnisschicht.
3. Zusammenfassung: Das Kapitel rekapituliert die Abhängigkeit der Gemäldestabilität von den Materialeigenschaften sowie äußeren Klimaeinflüssen und unterstreicht die Notwendigkeit fachgerechter konservatorischer Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Gemäldealterung, Holztafel, Leinwand, Pigment, Firnis, Craquelée, Bindemittel, Oxidation, Luftfeuchtigkeit, Restaurierung, Konservierung, Bildträger, Materialdegradation, Alterungserscheinungen, Lichtschäden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die vielfältigen Alterungsprozesse und Schadensbilder, die bei Gemälden auf Holz- und Leinwandträgern auftreten können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den physikalisch-chemischen Veränderungen der Trägermaterialien, der Malschicht sowie der schützenden Firnisschicht über die Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über die häufigsten und auffälligsten Schadensursachen und Alterungserscheinungen zu geben, um deren Entstehung besser nachvollziehbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Aufarbeitung basierend auf einschlägiger restaurierungswissenschaftlicher Fachliteratur.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert strukturelle Probleme von Bildträgern, chemische Reaktionen in Pigmenten und Bindemitteln sowie die Alterung von Firnissen durch äußere Umwelteinflüsse.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bildträger, Degradation, Firnisalterung, Pigmentstabilität, Feuchtigkeitsschäden und Konservierung beschreiben.
Wie wirkt sich die Dichte von Holz auf die Alterung eines Gemäldes aus?
Holz mit höherer Dichte (Hartholz) reagiert weniger stark auf klimatische Schwankungen, wodurch die Gefahr von Spannungsrissen in der Malschicht gegenüber Weichholz reduziert ist.
Welche Rolle spielt die „Ultramarinkrankheit“ bei der Malschichtalterung?
Dabei handelt es sich um eine Veränderung des Pigments Ultramarin, bei der die Farbschicht durch das Eindringen von Feuchtigkeit ihre Leuchtkraft verliert und grauweiß erscheint.
- Citation du texte
- Bachelor of Arts Miriam Sowa (Auteur), 2009, Formen der Alterungserscheinungen an Holz- und Leinwandgemälden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161216