Diese Hausarbeit im Fach Pädagogik untersucht die Auswirkungen von schülerzentrierten und lehrerzentrierten Unterrichtseinstiegen auf die Motivation von Schülerinnen und Schülern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich unterschiedliche Einstiegsformen auf Aufmerksamkeit, Spaß, Neugier und Relevanz auswirken und welche Rolle sie für die aktive Beteiligung im Unterricht spielen.
Die empirische Untersuchung wurde in einer 5. Klasse mit 20 Schüler:innen durchgeführt. Über mehrere Stunden hinweg wurden verschiedene Unterrichtseinstiege getestet und mithilfe von Pre- und Posttests sowie ergänzenden Beobachtungen ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen: Schülerzentrierte und handlungsorientierte Einstiege steigern Motivation und Beteiligung deutlich, während lehrerzentrierte Einstiege meist geringere Wirkung entfalten. Besonders effektiv erwiesen sich alltagsnahe Methoden sowie der Einsatz digitaler Tools wie Kahoot-Quizze, die hohe Aktivierung und Lernfreude auslösten.
Die Arbeit verbindet theoretische Modelle der Motivationspsychologie (Smolka, Keller, Deci & Ryan) mit konkreter Unterrichtspraxis und liefert wertvolle Impulse für Lehrkräfte im Referendariat und für die Unterrichtsentwicklung. Sie macht deutlich, dass Motivation im Unterricht kein Zufallsprodukt ist, sondern durch gezielte methodisch-didaktische Entscheidungen aktiv gefördert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Problemstellung
- 1.1 Theoretischer Hintergrund
- 1.1.1 Schülermotivation
- 1.1.2 Voraussetzungen von guten Unterrichtseinstiegen
- 1.2 Zielvorstellung und Leitthesen
- 1.3 Bezug zu den Inhalten der Ausbildung und den Ausbildungsstandards
- 2 Unterrichtspraxis
- 2.1 Bezug zum Fachcurriculum und zum Thema der Unterrichtseinstiege
- 2.2 Lehrer- und Schülerzentrierte Unterrichtseinstiege
- 2.3 Lerngruppenanalyse
- 2.4 Ablauf der geplanten Unterrichtseinstiege
- 2.5 Methodisch-didaktische Umsetzung der Unterrichtseinstiege
- 3 Evaluation und persönliches Resümee
- 3.1 Erhebungsverfahren
- 3.2 Evaluationsverfahren
- 3.3 Darstellung wesentlicher Ergebnisse
- 3.4 Beobachtungen während der Durchführungen
- 3.5 Analyse und Reflexion der Ergebnisse
- 3.6 Persönliches Resümee für die weitere Unterrichtspraxis
- 4 Literaturverzeichnis
- 5 Anhang
- 5.1 Pretestumfrage in der 5. Klasse (selbst erstellt)
- 5.2 Posttestumfrage in der 5. Klasse (selbst erstellt)
- 5.3 Überblick der allgemeinen Stundenverlaufsplanung
- 6 Eigenständigkeitserklärung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Motivation von Schülerinnen und Schülern durch schüler- und lehrerzentrierte Unterrichtseinstiege beeinflusst wird. Das primäre Ziel ist es, die geplante Unterrichtseinheit und den dabei erzielten Wissenszuwachs kritisch zu evaluieren, um daraus fundierte Schlüsse für die zukünftige Unterrichtspraxis zu ziehen und die Erkenntnisse auf die Ausbildungsstandards des IQSH zu beziehen.
- Schülermotivation und ihre Einflussfaktoren
- Vergleich von schüler- und lehrerzentrierten Unterrichtseinstiegen
- Empirische Untersuchung im Mathematikunterricht der 5. Klasse
- Methodisch-didaktische Umsetzung verschiedener Unterrichtseinstiege
- Evaluation der motivationalen Wirkung mittels standardisierter Umfragen und Beobachtungen
- Ableitung praktischer Implikationen für eine lernförderliche Unterrichtsgestaltung
Auszug aus dem Buch
Schülermotivation
Wie bereits in der Problemstellung hervorgehoben, ist die Schülermotivation ein zentrales Element für den schulischen Lernerfolg. Nach Krapp und Weidenmann (2006) bezeichnet Schülermotivation die Bereitschaft, sich aktiv, zielgerichtet und ausdauernd mit schulischen Lerninhalten auseinanderzusetzen. Sie stellt eine Grundvoraussetzung für selbstständiges sowie selbstreguliertes Lernverhalten dar und ist somit ein wesentliches Ziel pädagogischen Handelns (Fend, 2006). Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Motivation unterscheiden: Intrinsische Motivation entsteht aufgrund persönlichen Interesses oder individueller Neugier. Extrinsische Motivation hingegen wird durch äußere Einflüsse wie Schulnoten oder Lob erzeugt. Lehrkräfte verfolgen im Unterricht häufig das Ziel, die intrinsische Motivation der Schülerinnen und Schüler zu fördern, da diese langfristig wirksamer ist. Im Vergleich dazu zeigt sich extrinsische Motivation häufig nur kurzfristig (Smolka, 2004). Smolka (2004) identifiziert vier zentrale Dimensionen zur Erfassung der Schülermotivation im Unterricht, die emotionale, wertende und kognitive Aspekte aufgreifen: Aufmerksamkeit, Spaß, Neugierde und Relevanz. Aufmerksamkeit gilt als direkter Indikator für Lernbereitschaft und bezieht sich auf eine aktive sowie konzentrierte Zuwendung zum Unterrichtsgeschehen (Helmke, 2012). Spaß zeigt sich in einer positiven emotionalen Reaktion auf die Unterrichtsmethode oder das aktuelle Thema. Neugierde beschreibt die Bereitschaft, sich kognitiv mit neuen oder überraschenden Inhalten auseinanderzusetzen, z.B. wenn gezielt Wissenslücken thematisiert oder kognitive Konflikte erzeugt werden (Smolka, 2004, S. 72f.). Die Relevanz eines Lerngegenstandes ist subjektiv, kann jedoch durch den gezielten Bezug zur Lebenswelt der SuS durch die Lehrkraft bewusst hergestellt werden. Diese vier Dimensionen der Schülermotivation nach Smolka (2004) bilden die Hauptvariablen dieser empirischen Untersuchung.
Ein guter Unterrichtseinstieg hat nicht nur die Aufgabe, in ein Thema zu begleiten, sondern auch die Motivation der Lernenden zu aktivieren. Um auf die allgemeinen Voraussetzungen von guten Unterrichtseinstiegen einzugehen, soll an dieser Stelle das „ARCS-Modell“ von John Keller (1987) genutzt werden, da dies gut strukturiert ist. Demnach kann eine Lernumgebung nur dann motivierend wirken, wenn vier Voraussetzungen erfüllt sind. Das A steht für Aufmerksamkeit erzeugen (Attention), die der Unterrichtseinstieg hervorrufen soll. Ein Einstieg sollte das Interesse der Lernenden wecken, etwa durch eine ungewöhnliche Frage, ein irritierendes Beispiel oder einen alltagsnahen Impuls, der zum Nachdenken anregt. Hinter R verbirgt sich, warum das behandelte Thema für den Lernenden bedeutsam ist (Relevance) d.h. dem Schüler sollte bewusst sein wo und wie er das Erlernte in realen Situationen in seinem Leben anwenden kann bzw. die Zusammenhänge zum Vorwissen sollen hergestellt werden können. Der dritte Buchstabe steht für Selbstvertrauen (Confidence). Es bezieht sich auf das Vertrauen der SuS in ihre eigene Fähigkeit, die bevorstehenden Aufgaben bewältigen zu können. Ein klar strukturierter, gut dosierter Einstieg kann helfen, Unsicherheiten abzubauen und ein Gefühl von: „Das kann ich schaffen“, zu vermitteln. Das S (Satisfaction) steht für die Lernfreude bzw. Zufriedenheit, die die SuS beim Lernen im Rahmen eines guten Unterrichtseinstieges erfahren. Schon kleine Erfolgserlebnisse oder positive Rückmeldungen zu Beginn der Stunde können eine große Wirkung entfalten (Keller, 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Dieses Kapitel beschreibt die Herausforderung, Schülerinnen und Schüler zu Beginn des Unterrichts für das Thema zu motivieren, insbesondere im Fach Mathematik, und leitet die Forschungsfragen der Arbeit ab, die sich auf schüler- und lehrerzentrierte Unterrichtseinstiege konzentrieren.
2 Unterrichtspraxis: Hier wird der Bezug der Untersuchung zu Lehrplänen und Ausbildungsstandards erläutert, die Unterscheidung zwischen lehrer- und schülerzentrierten Unterrichtseinstiegen vorgenommen und die spezifische Lerngruppe sowie die methodisch-didaktische Gestaltung der geplanten Einstiege analysiert.
3 Evaluation und persönliches Resümee: In diesem Kapitel werden die Verfahren zur Erfassung der motivationalen Wirkung der Unterrichtseinstiege vorgestellt, die wesentlichen Ergebnisse der empirischen Untersuchung präsentiert und diese im Kontext der Unterrichtspraxis und den formulierten Thesen reflektiert.
4 Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet alle in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen gemäß den gängigen Zitierrichtlinien auf.
5 Anhang: Der Anhang enthält ergänzende Materialien, wie die Pre- und Posttestumfragen, die für die Datenerhebung verwendet wurden, sowie einen Überblick über die allgemeine Stundenverlaufsplanung der untersuchten Einheit.
6 Eigenständigkeitserklärung: Dieses Kapitel ist eine formale Erklärung der Autorin oder des Autors, die bestätigt, dass die Arbeit eigenständig verfasst wurde und alle verwendeten Quellen ordnungsgemäß zitiert sind.
Schlüsselwörter
Schülermotivation, Unterrichtseinstiege, Lehrerzentriert, Schülerzentriert, Mathematikunterricht, Lerngruppe, Empirische Untersuchung, Pädagogik, Lernbereitschaft, Relevanz, Aufmerksamkeit, Neugierde, Aktive Beteiligung, Didaktik, Schulische Praxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von schüler- und lehrerzentrierten Unterrichtseinstiegen auf die Motivation und Beteiligung von Schülerinnen und Schülern im Mathematikunterricht einer 5. Klasse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Schülermotivation, die Gestaltung von Unterrichtseinstiegen, der Vergleich unterschiedlicher didaktischer Ansätze (schüler- vs. lehrerzentriert) und deren Evaluation im Kontext schulischer Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit die Motivation der Schülerinnen und Schüler durch schüler- bzw. lehrerzentrierte Unterrichtseinstiege beeinflusst wird, und daraus Schlüsse für die unterrichtliche Praxis zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Untersuchung, bei der quantitative Daten mittels standardisierter Pre- und Post-Umfragen (Ratingskalen) sowie qualitative Daten durch teilnehmende Beobachtungen erhoben und ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit behandelt die theoretischen Hintergründe von Schülermotivation und guten Unterrichtseinstiegen, die konkrete Umsetzung verschiedener Unterrichtseinstiege in der Praxis, die Analyse der Lerngruppe sowie die Darstellung und Reflexion der wesentlichen Evaluationsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Schülermotivation, Unterrichtseinstiege, Lehrerzentriert, Schülerzentriert, Mathematikunterricht, Empirische Untersuchung, Lernbereitschaft und Didaktik.
Welche Rolle spielt das ARCS-Modell von Keller für gute Unterrichtseinstiege?
Das ARCS-Modell von John Keller dient als Rahmenwerk, um die allgemeinen Voraussetzungen für motivierende Unterrichtseinstiege zu strukturieren. Es betont die Bedeutung von Aufmerksamkeit (Attention), Relevanz (Relevance), Selbstvertrauen (Confidence) und Zufriedenheit (Satisfaction) für eine lernförderliche Umgebung.
Wie wurden die unterschiedlichen Unterrichtseinstiege konkret umgesetzt und unterschieden?
Die Arbeit untersuchte verschiedene Einstiegsformen wie "Selbst messen gehen" (schülerzentriert/handlungsorientiert), "Kahoot-Quiz" (lehrerzentriert mit aktivierenden Elementen), "Umrechnung von Längen" (lehrerzentriert), "Das Zeitgefühl" (schülerzentriert), "Die Zeitdetektive" (schülerzentriert/handlungsorientiert) und "Fehlerfuchs" (schülerzentriert), die jeweils didaktisch begründet sind.
Welche Rolle spielen digitale Medien wie Kahoot! bei der Schülermotivation?
Der Einsatz von Kahoot! als lehrerzentrierter Einstieg mit aktivierenden Elementen zeigte überraschend hohe Motivationswerte. Dies deutet darauf hin, dass digitale Medien die intrinsische Motivation und das Engagement der Lernenden stark fördern können.
Was sind die Hauptergebnisse bezüglich der Wirkung schüler- und lehrerzentrierter Einstiege?
Die Ergebnisse bestätigen weitgehend, dass schülerzentrierte und insbesondere handlungsorientierte Unterrichtseinstiege die Motivation und Beteiligung der Lernenden nachweislich fördern. Lehrerzentrierte Einstiege zeigten insgesamt niedrigere oder gar rückläufige Motivationswerte, mit der Ausnahme des Kahoot-Quiz.
- Citation du texte
- Lena Vogel (Auteur), 2025, Schülermotivation: Vergleich von schüler- und lehrerzentrierten Unterrichtseinstiegen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1612519