Die Vermittlung eines literarischen Werkes anhand einer Verfilmung im Fremdsprachenunterricht stellt Lehrer und Schüler vor besondere Herausforderungen. Betrachtet man den derzeitigen Einsatz von Literaturverfilmungen im Englischunterricht, so lässt sich leider häufig beobachten, dass der Film im Unterricht lediglich „als Bonbon“ zum Abschluss der Lektüre gezeigt wird, ohne dass auf den Film als solchen näher eingegangen wird. Bevor jedoch geplant wird, einen Film im Unterricht zu zeigen, ist der Lehrer gefordert, sich mit den Möglichkeiten, die der Film bietet, auseinanderzusetzen und Schwierigkeiten im Vorfeld zu erkennen. Eine genaue Analyse des Inhaltes und der ästhetischen Besonderheiten ist daher nötig, denn nur so können die zahlreichen Möglichkeiten, die der Einsatz von Literaturverfilmungen im Englischunterricht eröffnet und auf die in den folgenden Kapiteln eingegangen wird, voll ausgeschöpft werden.
Grundsätzlich stellt sich daher die Frage, welche Ziele sich bei der Arbeit mit einer Literaturverfilmung im Englischunterricht erreichen lassen und wie. Es soll auch betrachtet werden vor welche Herausforderungen die intensive Arbeit mit dem Film den Lehrer einerseits und die Schüler andererseits stellt.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Zur Bedeutung der Literaturvermittlung im Englischunterricht
1.1. Anforderungen des Rahmenlehrplans für das Fach Englisch in der Sekundarstufe II
1.2. Überlegungen zur Literaturvermittlung anhand einer Verfilmung
1.3. Kriterien für die Medienwahl zur Literaturvermittlung
1.3.1. Vermittlung fremdsprachlicher Handlungskompetenzen
1.3.2. Vermittlung von Filmlesefähigkeit
1.3.3. Vermittlung von Medienkompetenz
2. Audiovisuelle Medien im Englischunterricht
2.1. Klärung wichtiger Begriffe
2.2. Die Bedeutung des Mediums Film für Jugendliche
2.3. Filme im Englischunterricht
2.3.1. Der Spielfilm als Gegenstand der Filmanalyse
2.3.2. Typen von Filmen und Möglichkeiten für den Englischunterricht
3. Sachanalyse: Jane Austens Pride and Prejudice
3.1. Jane Austen – Leben und Werk
3.2. Der Roman Pride and Prejudice
3.2.1. Über den Roman
3.2.2. Handlungsgegenstand
3.2.3. Die wichtigsten Figuren
3.2.4. Die zentralen Themen des Romans
3.2.5. Pride and Prejudice als Entwicklungsroman
3.2.6. Das Werk als Grundlage für eine Verfilmung
4. Joe Wrights Verfilmung von Pride and Prejudice
4.1. Die Besonderheiten von Wrights Pride and Prejudice
4.1.1. Die cineastischen Besonderheiten
4.1.2. Die dramatischen Besonderheiten
5. Joe Wrights Film Pride and Prejudice im Englischunterricht
5.1. Gründe für die Wahl des Filmes
5.2. Mögliche Lernziele
5.3. Mögliche Schwierigkeiten bei der Arbeit mit dem Film
5.4. Mögliche Präsentationsformen des Films
5.5. Möglichkeiten der methodischen Vorgehensweise
5.6. Arten der Lernerfolgskontrolle bei der Arbeit mit dem Film
6. Überlegungen zur praktischen Umsetzung
6.1. Das Bedingungsfeld zur Arbeit mit dem Film Pride and Prejudice
6.2. Lernziele der Unterrichtsreihe
6.3. Aufbau der Unterrichtsreihe
6.3.1. Einstiegsphase
6.3.2. Rezeptionsphase / Analyse des Films nach Sequenzen
6.3.3. Bewertung und Kritik des Films
6.3.4. Abschließende Lernerfolgskontrolle / Klausur
6.3.5. Arbeitsblätter
6.4. Ausblick
7. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen beim Einsatz von Literaturverfilmungen im Englischunterricht am Beispiel der Pride and Prejudice-Verfilmung von Joe Wright (2005). Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer dieses Medium effektiv nutzen können, um über die rein unterhaltende Funktion hinaus eine kritische Film- und Medienkompetenz bei Schülern der Sekundarstufe II zu fördern.
- Didaktik der Literaturvermittlung und Filmanalyse im Englischunterricht
- Analyse der soziokulturellen und literarischen Aspekte von Jane Austens Roman
- Untersuchung cineastischer und dramatischer Besonderheiten der Filmadaptation
- Konzeption von Unterrichtseinheiten zur Förderung von Filmlesefähigkeit
- Methoden der Lernerfolgskontrolle und reflektierten Medienarbeit
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Die cineastischen Besonderheiten
Bei der Untersuchung der cineastischen Besonderheiten muss sowohl auf die Bild- als auch auf die Tongestaltung eingegangen werden. Da eine detaillierte Analyse jeder einzelnen Szene des Films den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, soll exemplarisch auf eine ausgewählte Szene verwiesen werden. Anhand dieser sollen die elementaren Kameraeinstellungen und –bewegungen erläutert sowie Bild- und Tongestaltung in einen Zusammenhang gebracht werden.
Im Englischunterricht ist die cineastische Analyse zusätzlich vor ein lexikalisches Problem gestellt. Die Schüler benötigen einen spezifischen Wortschatz, damit sie ihre Beobachtungen über die Bildgestaltung, Kameraeinstellungen und –führung sowie über den Ton äußern können. Auf diesen Aspekt soll im Rahmen der Überlegungen zur praktischen Umsetzung gesondert eingegangen werden.
Der Film beginnt mit einer Anfangseinstellung (opening / establishing shot) mit Normalsicht (eye-level shot). In der Totalen (long shot) ist eine Landschaft im Morgengrauen zu sehen, eine weite Wiese, am Ende ein paar Bäume. Zu hören ist das Zwitschern einer Amsel, die Sonne geht hinter den Bäumen auf und zusammen mit dem Titel Pride and Prejudice wird Klaviermusik eingespielt. Der erste Schnitt erfolgt nach einer knappen Minute, es folgt eine Nahaufnahme (head and shoulder close-up) von Elizabeth, die ein Buch lesend, über eine Wiese spaziert. Nach zwei weiteren Einstellungswechseln erfolgt eine Totale auf Elizabeth, die nun nicht mehr lesend auf das Bennet-Haus zu geht. Ein weiterer Schnitt, und die Kamera folgt Elizabeth in einer Halbnahen (medium shot) um das Haus herum. Zunächst folgt kein Schnitt mehr (steady shot), die Kamera verlässt Elizabeth hinter dem Haus und begibt sich in das Haus hinein.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Filmanalyse im Englischunterricht und stellt die Forschungsfrage nach den Lernzielen und methodischen Herausforderungen bei der Arbeit mit Literaturverfilmungen.
1. Zur Bedeutung der Literaturvermittlung im Englischunterricht: Dieses Kapitel erörtert den Wandel der Literaturvermittlung im Fremdsprachenunterricht und verknüpft sie mit den Kompetenzanforderungen aktueller Rahmenlehrpläne.
2. Audiovisuelle Medien im Englischunterricht: Hier werden zentrale Begriffe der Mediendidaktik definiert und die Bedeutung des Mediums Film als Gegenstand aktiver Analyse sowie als pädagogisches Instrument dargelegt.
3. Sachanalyse: Jane Austens Pride and Prejudice: Dieses Kapitel bietet eine fundierte Analyse des Romans, seiner Figuren, Themen sowie seiner Funktion als Entwicklungsroman und Vorlage für dramatische Umsetzungen.
4. Joe Wrights Verfilmung von Pride and Prejudice: Die Filmadaptation wird hinsichtlich ihrer cineastischen und dramatischen Besonderheiten untersucht, wobei der Fokus auf Kameraarbeit, Musik, Schauspiel und szenischer Gestaltung liegt.
5. Joe Wrights Film Pride and Prejudice im Englischunterricht: Dieses Kapitel überträgt die theoretischen Erkenntnisse in die Unterrichtspraxis, definiert konkrete Lernziele und diskutiert verschiedene Methoden der Filmpräsentation und Erfolgskontrolle.
6. Überlegungen zur praktischen Umsetzung: Hier wird ein konkretes Konzept für eine Unterrichtsreihe skizziert, das von der Einstiegsphase bis zur abschließenden Klausur reicht und Arbeitsmaterialien für die Filmanalyse bereitstellt.
7. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass die intensive Auseinandersetzung mit Literaturverfilmungen eine lohnenswerte Bereicherung darstellt, sofern sie von einer reflektierten Medienarbeit begleitet wird.
Schlüsselwörter
Literaturvermittlung, Filmanalyse, Englischunterricht, Pride and Prejudice, Jane Austen, Joe Wright, Medienkompetenz, Filmlesefähigkeit, Filmdidaktik, Sekundarstufe II, Cineastik, Dramaturgie, Literaturverfilmung, Unterrichtsplanung, Bildungsroman.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Literaturverfilmungen als anspruchsvolle didaktische Werkzeuge im Englischunterricht eingesetzt werden können, um über die reine Unterhaltung hinaus Kompetenzen in der Filmanalyse zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Filmdidaktik, der Analyse von Jane Austens Roman Pride and Prejudice sowie der Untersuchung der filmischen Umsetzung durch den Regisseur Joe Wright.
Welches ist das primäre Ziel der Unterrichtsreihe?
Das Hauptziel ist die Förderung der sogenannten Filmlesefähigkeit, damit Schüler in die Lage versetzt werden, filmische Gestaltungsmittel bewusst zu erkennen und kritisch zu reflektieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt Literatur- und Medienanalyse, um filmische Techniken wie Kamerabewegungen, Licht und Schnitt mit den literarischen Vorlagen in Bezug zu setzen und didaktisch aufzubereiten.
Was wird im praktischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der konkreten Unterrichtsplanung, der Vorstellung von Arbeitsblättern zur Filmanalyse und der methodischen Gestaltung verschiedener Unterrichtsphasen anhand des ausgewählten Films.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Literaturvermittlung, Filmlesefähigkeit, cineastische Aspekte, didaktische Reduktion und die Förderung von Medienkompetenz.
Warum wird speziell das Beispiel "Pride and Prejudice" gewählt?
Der Roman bietet durch seine zeitlosen Themen wie Liebe und soziale Konventionen einen hohen Motivationsfaktor für Jugendliche, während der Film von Joe Wright eine ästhetisch reiche Vorlage für die Analyse cineastischer Mittel bietet.
Wie unterscheidet sich die im Buch vorgeschlagene Arbeit mit Filmen vom gewöhnlichen "Filmegucken"?
Die Arbeit plädiert für eine aktive, analytische Auseinandersetzung mittels gezielter Arbeitsaufträge und der Nutzung von Terminologie der Filmanalyse, anstatt den Film lediglich passiv zu konsumieren.
- Citation du texte
- Silvia Hennig (Auteur), 2009, Literaturverfilmungen im Englischunterricht - Möglichkeiten und Herausforderungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161257