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Geschenke und Gabentausch im Bereich der ottonischen Königsherrschaft

Title: Geschenke und Gabentausch im Bereich der ottonischen Königsherrschaft

Examination Thesis , 2009 , 80 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Nico Sudmann (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Zur Vorgehensweise:
Bevor die Gabe und der Geschenkaustausch im Bereich der ottonischen Königsherrschaft anhand der Quellen untersucht werden kann, sind einige theoretische Vorüberlegungen notwendig.
Eingangs ist es unabdingbar, sich den bisherigen Forschungsstand in Bezug auf das hier behandelte Thema zu vergegenwärtigen. Dabei soll zunächst die bisherige Tätigkeit der Geschichtswissenschaft bzw. Mediävistik auf diesem Gebiet skizziert werden, deren Anteil an den Veröffentlichungen noch eher begrenzt ist.
Andere Disziplinen, wie Anthropologie, Soziologie, Ethnologie, Wirtschaftswissenschaft und Germanistik, sind hier der Geschichtswissenschaft voraus und haben grundlegende Ergebnisse geliefert. Daher sollen in einem nächsten Schritt auch die für die hier behandelte Fragestellung zentralen Ergebnisse anderer Disziplinen dargestellt werden. Im Vordergrund werden hierbei die Arbeiten von Marcel Mauss und Marshall Sahlins stehen. Der Essay „Die Gabe“ von Mauss ist für die Erforschung des Geschenkverhaltens in archaischen Gesellschaften noch immer maßgeblich und seine Rezeption durch nachfolgende Generationen längst nicht abgeschlossen. Auch die hier angestellte Untersuchung kommt nicht ohne einen Verweis auf seine Arbeit aus. Die Ergebnisse von Mauss bilden das Fundament für Sahlins Überlegungen, die jedoch weiter gehen und gewissermaßen die notwendige Fortsetzung dessen Gedankengangs bilden.
Wie bereits angedeutet, wird die Gabe oder das Geschenk in der vorliegenden Arbeit als ein wesentliches Medium der symbolischen Kommunikation mittelalterlicher Herrschaftsträger eingeordnet. Diese Perspektive, die notwendig ist um die Quellen richtig zu verstehen, muss begründet und in Bezug auf das Thema erläutert werden. Hiermit wer-den die theoretischen Überlegungen, die gewissermaßen die gedankliche Folie für die weitere Analyse bilden, abgeschlossen.
Der nächste Abschnitt beinhaltet die Analyse der Quellen. Es bietet sich eine kleinschrittige Vorgehensweise an, bei der Hypothesen für regelhaftes Verhalten aufgestellt werden, die sich aus einer ersten Lektüre der Quellen ergeben haben. Diese sollen dann anhand der Quellen überprüft werden. Um Übersichtlichkeit und Systematik zu gewährleisten, sollen die Quellen nicht unter verschiedenen Gesichtspunkten in ihrer Gesamtheit untersucht werden, sondern jeweils nur unter Berücksichtigung der aufgestellten Hypothese.[…]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

1.1 Problemstellung

1.2 Vorgehensweise

2 GABENTHEORIEN

2.1 Die Gabe als vernachlässigtes Thema der Geschichtswissenschaft

2.2 Die Gabe aus dem Blickwinkel anderer Wissenschaftsdisziplinen

2.2.1 Geben - Annehmen - Erwidern

2.2.2 Redistribution und Formen reziproker Leistungen

3 DER RITUELLE GABENTAUSCH ALS EIN MEDIUM DER SYMBOLISCHEN KOMMUNIKATION IM MITTELALTER

4 REGELN DES GABENTAUSCHS IM BEREICH DER OTTONISCHEN KÖNIGSHERRSCHAFT

4.1 Untersuchungsgegenstand

4.2 Die Quellen und das Problem der Perspektivität

4.3 Methode

4.4 Gabensituationen bei Rangungleichheit der Akteure

4.4.1 Der Ranghöhere reicht die größeren Gaben

4.4.2 Einem Herrscher muss die Möglichkeit eingeräumt werden, aus den dargebrachten Gaben nur Weniges auszuwählen

4.4.3 Die dargebrachten Geschenke für einen König müssen seinem Rang entsprechen

4.4.4 Zuerst schenkt der Rangniedere, worauf die Gegengabe durch den Ranghöheren erfolgt

4.5 Gabensituationen bei Ranggleichheit der Akteure

4.5.1 Zwischen Ranggleichen muss der Gabentausch in allen seinen Teilen balanciert gestaltet werden

4.6 Agonaler Gabentausch

4.6.1 In der Gabe liegt die Möglichkeit zu einer verdeckten Herausforderung und zur Provokation, ein Potenzial, das in agonalen Gabensituationen vielseitig genutzt wurde

5 FAZIT

5.1 Bewertung der Geschenksituation zwischen Boleslaw Chrobry und Otto III. vor dem Hintergrund der gewonnenen Erkenntnisse

5.2 Ausblick

6 QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

6.1 Quellen

6.2 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen des rituellen Gabentauschs im Rahmen der ottonischen Königsherrschaft. Ziel ist es, das hochmittelalterliche Schenkverhalten als zentrales Medium symbolischer Kommunikation und als regelhaftes, soziales Interaktionsinstrument zu systematisieren, um die historische Glaubwürdigkeit spezifischer Quellenberichte kritisch zu hinterfragen.

  • Theoretische Fundierung des Gabentauschs durch ethnologische und soziologische Ansätze (Mauss, Sahlins).
  • Analyse des Gabentauschs als symbolisches Instrument mittelalterlicher Herrschaftskommunikation.
  • Systematisierung der Regeln für Geschenksituationen bei Ranggleichheit und Rangungleichheit.
  • Untersuchung von agonalen Gabensituationen als Sonderform der Provokation und des Wettstreits.
  • Kritische Bewertung des "Akt von Gnesen" anhand der herausgearbeiteten Regelhaftigkeiten.

Auszug aus dem Buch

Nachdem nun Boleslaw vom Kaiser so glanzvoll zum König erhoben war...

Nachdem nun Boleslaw vom Kaiser so glanzvoll zum König erhoben war, übte er die ihm (von Natur) mitgegebene Freigebigkeit dadurch aus, daß er an den drei Tagen seiner Weihe ein Festmahl wie ein König und wie ein Kaiser feierte, an den einzelnen Tagen alle Gefäße und alles Tischgerät auswechselte und noch verschiedenes andere und viel Wertvolleres darreichte. Dann am Ende des Festmahls ließ er Mundschenken und Speiseträger die Gold- und Silbergefäße - solche aus Holz gab es nämlich nicht -, und zwar Becher und Pokale, Schüsseln, Platten und Trinkhörner von allen Tischen der drei Tage einsammeln und schenkte dies dem Kaiser als Ehrengeschenk, nicht als fürstliche Abgabe.

Ähnlich ließ er von den Kammerleuten breite Stoffgewebe und Wandbehänge, Teppiche, Decken, Tischtücher, Handtücher und alles, was zur Bedienung dargereicht wurde, einsammeln und in die Kammer des Kaisers schaffen. Darüber hinaus verschenkte er auch andere Gefäße in großer Zahl, und zwar solche aus Gold und Silber von unterschiedlicher Arbeit, buntfarbige Mäntel, Schmuckwerke unbekannter Art, Edelsteine, und er zeigte so viel und so Großes solcher Art, daß der Kaiser diese Geschenke für ein Wunder hielt. Die einzelnen Fürsten des Kaisers beschenkte er so großartig, daß er sie aus freundlich Gesinnten als seine besten Freunde gewann. Wer aber wird imstande sein aufzuzählen, was für Geschenke und wie große er den Vornehmen gab, zumal doch nicht einmal ein einziger Diener von einer so großen Zahl ohne Geschenk nach Hause zurückkehrte? Der Kaiser aber ging mit reichen Geschenken froh in sein eigenes Land zurück, Boleslaw aber erneuerte, nunmehr als König, den alten Zorn gegen die Feinde.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik des "Akt von Gnesen", Darstellung des Forschungsstands und Vorstellung der Vorgehensweise zur Analyse von Gabenritualen.

2 GABENTHEORIEN: Erläuterung theoretischer Grundlagen des Gabentauschs unter Einbeziehung soziologischer und ethnologischer Konzepte wie Reziprozität, Potlatsch und Redistribution.

3 DER RITUELLE GABENTAUSCH ALS EIN MEDIUM DER SYMBOLISCHEN KOMMUNIKATION IM MITTELALTER: Einordnung des Schenkens als rituelle Handlung, die soziale Machtverhältnisse und Rangordnungen innerhalb der mittelalterlichen Gesellschaft öffentlich kommuniziert.

4 REGELN DES GABENTAUSCHS IM BEREICH DER OTTONISCHEN KÖNIGSHERRSCHAFT: Detaillierte Herleitung der Spielregeln für Geschenksituationen, differenziert nach Rangungleichheit, Ranggleichheit und agonalem (herausforderndem) Austausch.

5 FAZIT: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Anwendung der identifizierten Regeln auf den Bericht des Gallus Anonymus, um dessen Glaubwürdigkeit kritisch zu bewerten.

6 QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten mittelalterlichen Quellenberichte und der wissenschaftlichen Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Gabentausch, Ottonische Königsherrschaft, Symbolische Kommunikation, Reziprozität, Rituale, Mittelalter, Boleslaw Chrobry, Otto III., Potlatsch, Rangordnung, Herrschaftskommunikation, Schenken, Amicitia, Agonaler Gabentausch, Politische Interaktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Schenkwesen im ottonischen Mittelalter und wie dieses als rituelles Mittel diente, um politische Beziehungen und Rangordnungen zwischen Herrschern zu festigen oder herauszufordern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie des Gabentauschs, der symbolischen Kommunikation in der Ottonenzeit sowie der Analyse historischer Quellen hinsichtlich der Spielregeln für Geschenksituationen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, ein System von Regeln für den mittelalterlichen Gabentausch zu identifizieren, um damit die Glaubwürdigkeit des Berichts von Gallus Anonymus über den "Akt von Gnesen" kritisch zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-kritische Quellenanalyse angewandt, die durch soziologische und ethnologische Theorien zum Schenkverhalten (insbesondere von Marcel Mauss und Marshall Sahlins) theoretisch gerahmt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Einordnung des Gabentauschs in die symbolische Kommunikation und eine systematische Untersuchung von Fallbeispielen, unterteilt in Situationen von Rangungleichheit, Ranggleichheit und agonalem (konflikthaftem) Schenken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Gabentausch, Reziprozität, Symbolische Kommunikation, Rituale, Ottonische Königsherrschaft, Agonaler Gabentausch und Amicitia.

Warum erscheint die bei Gallus Anonymus beschriebene Szene aus Sicht des Autors so unglaubwürdig?

Die Szene verstößt laut Analyse gegen das Prinzip, dass der Ranghöhere die größeren Gaben geben muss, und ignoriert zudem das Recht des Herrschers, aus den Gaben eine Auswahl zu treffen, was die Schilderung eher als anekdotische Übertreibung erscheinen lässt.

Welche Rolle spielt der Begriff "Agonaler Gabentausch"?

Dieser Begriff bezeichnet Situationen, in denen Geschenke bewusst zur Provokation oder zur Infragestellung von Rangpositionen eingesetzt wurden, wobei oft die üblichen Regeln des rituellen Schenkens gebrochen wurden.

Was bedeutet "Reziprozität" im Kontext dieser Studie?

Reziprozität beschreibt die zwingende Erwartung, dass eine Gabe erwidert werden muss, um soziale Bindungen, Verträge oder Friedensbündnisse aufrechtzuerhalten oder zu bekräftigen.

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Details

Title
Geschenke und Gabentausch im Bereich der ottonischen Königsherrschaft
College
University of Münster
Grade
1,7
Author
Nico Sudmann (Author)
Publication Year
2009
Pages
80
Catalog Number
V161274
ISBN (eBook)
9783640751884
ISBN (Book)
9783640752331
Language
German
Tags
Ottonen Boleslaw Chrobry Otto III. Geschenk Gaben Gabentausch Mittelalter Ritual Symbolische Kommunikation Gerd Althoff Reziprozität Nico Sudmann Marcel Mauss Gallus Anonymus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nico Sudmann (Author), 2009, Geschenke und Gabentausch im Bereich der ottonischen Königsherrschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161274
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