Geschenke und Gabentausch im Bereich der ottonischen Königsherrschaft


Examensarbeit, 2009

80 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise

2 GABENTHEORIEN
2.1 Die Gabe als vernachlässigtes Thema der Geschichtswissenschaft
2.2 Die Gabe aus dem Blickwinkel anderer Wissenschaftsdisziplinen
2.2.1 Geben - Annehmen - Erwidern
2.2.2 Redistribution und Formen reziproker Leistungen

3 DER RITUELLE GABENTAUSCH ALS EIN MEDIUM DER SYMBOLISCHEN KOMMUNIKATION IM MITTELALTER

4 REGELN DES GABENTAUSCHS IM BEREICH DER OTTONISCHEN KÖNIGSHERRSCHAFT
4.1 Untersuchungsgegenstand
4.2 Die Quellen und das Problem der Perspektivität
4.3 Methode
4.4 Gabensituationen bei Rangungleichheit der Akteure
4.4.1 Der Ranghöhere reicht die größeren Gaben
4.4.2 Einem Herrscher muss die Möglichkeit eingeräumt werden, aus den dargebrachten Gaben nur Weniges auszuwählen
4.4.3 Die dargebrachten Geschenke für einen König müssen seinem Rang entsprechen
4.4.4 Zuerst schenkt der Rangniedere, worauf die Gegengabe durch den Ranghöheren erfolgt
4.5 Gabensituationen bei Ranggleichheit der Akteure
4.5.1 Zwischen Ranggleichen muss der Gabentausch in allen seinen Teilen balanciert gestaltet werden
4.6 Agonaler Gabentausch
4.6.1 In der Gabe liegt die Möglichkeit zu einer verdeckten Herausforderung und zur Provokation, ein Potenzial, das in agonalen Gabensituationen vielseitig genutzt wurde

5 FAZIT
5.1 Bewertung der Geschenksituation zwischen Boleslaw Chrobry und Otto III. vor dem Hintergrund der gewonnenen Erkenntnisse
5.2 Ausblick

6 QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
6.1 Quellen
6.2 Literatur

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Im Jahr 1000 begab sich der junge Otto III. auf eine Wallfahrt zum Grab seines von den Pruzzen erschlagenen und als Märtyrer verehrten Freundes und Lehrers Adalbert von Prag nach Gnesen. Im Rahmen dieser Reise kam es zu einem für die Geschichtswissenschaft bedeu- tungsschweren Treffen mit Boleslaw Chrobry. Bei seinem Aufenthalt in Polen begründete Otto III. das Bistum Gnesen, wodurch die Kirche im Herrschaftsgebiet Boleslaws die Unabhängigkeit von auswärtigen Met- ropoliten erlangte. Außerdem begegnete der Kaiser dem polnischen Fürsten freundschaftlich, ehrenvoll und partnerschaftlich. Diese Ereig- nisse haben seit dem 19. Jahrhundert sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite zu der Beurteilung geführt, dass in diesem, als „Akt von Gnesen“ in die Geschichte eingegangenen Vorgang, der Beginn der Eigenstaatlichkeit Polens zu sehen sei.

Die Rekonstruktion der damaligen Ereignisse beschäftigt die Ge- schichtswissenschaft seit langem und hat zu Diskussionen geführt. Vor allem die Frage, ob Otto III. während seiner Wallfahrt Boleslaw in den Rang eines Königs erhob, ist kontrovers verhandelt worden.1 Dem ho- hen Stellenwert, den die Ereignisse in Gnesen offensichtlich für die Ge- schichtswissenschaft haben, stehen jedoch die knappen Ausführungen der zeitgenössischen Chronisten bezüglich der Bistumsgründung ge- genüber, die beispielsweise bei Thietmar von Merseburg nur kurz er- wähnt wird. Allerdings beklagt der Geschichtsschreiber resigniert, dass Otto einen „Zinspflichtigen zum Herrn“2 erhoben habe. Erst aus dem 12. Jahrhundert liegt mit dem Bericht des unbekannten Verfassers Gallus Anonymus eine Quelle vor, die sich eingehend mit den Vorgängen aus dem Jahre 1000 befasst.3 Diese Quelle steht in der Forschungskontroverse um den „Akt von Gnesen“ im Mittelpunkt der Debatte.

Am 28. und 29. Januar 2000 fand anlässlich des tausendjährigen Jubi- läums der Begegnung zwischen Otto III. und Boleslaw Chrobry in Berlin eine Tagung von deutschen und polnischen Historikern mit dem Titel „Polen und Deutschland vor 1000 Jahren“ statt. Die Vorträge sind zwei Jahre später in teils erweiterter Form in einem Sammelband4 erschie- nen, welcher zeigt, dass hinsichtlich der Vorgänge in Gnesen weiterhin Gesprächsbedarf besteht und dass vor dem Hintergrund eines in den letzten beiden Jahrzehnten in der Mediävistik gewonnen neuen Blick- winkels sogar neue Bedenken an der Glaubwürdigkeit des Gallus Ano- nymus geäußert werden können. Gemeint ist hiermit die Perspektive, die sich den rituellen Verhaltensmustern, der Symbolsprache und ihren Funktionen in der öffentlichen Kommunikation mittelalterlicher Herr- schaftsträger widmet.5

In seinem Beitrag zum Tagungsbericht über die „Symbolische Kommu- nikation zwischen Piasten und Ottonen“ macht Gerd Althoff auf einige Eigenheiten in der Darstellungsweise des Gallus aufmerksam, die in der angesprochenen Diskussion in Deutschland seiner Ansicht nach bisher außer Acht gelassen wurden.6 Im Mittelpunkt dieser Beobach- tung stehen die Geschenke, die Boleslaw Otto III. dem Bericht des Gal- lus Anonymus zufolge gemacht haben soll. In der Quelle heißt es hierzu:

Nachdem nun Boleslaw vom Kaiser so glanzvoll zum König erhoben war, übte er die ihm (von Natur) mitgegebene Frei- gebigkeit dadurch aus, daß er an den drei Tagen seiner Weihe ein Festmahl wie ein König und wie ein Kaiser feierte, an den einzelnen Tagen alle Gefäße und alles Tischgerät auswechselte und noch verschiedenes andere und viel Wertvolleres darreichte. Dann am Ende des Festmahls ließ er Mundschenken und Speiseträger die Gold- und Silberge- fäße - solche aus Holz gab es nämlich nicht -, und zwar Be- cher und Pokale, Schüsseln, Platten und Trinkhörner von al- len Tischen der drei Tage einsammeln und schenkte dies dem Kaiser als Ehrengeschenk, nicht als fürstliche Abgabe. Ähnlich ließ er von den Kammerleuten breite Stoffgewebe und Wandbehänge, Teppiche, Decken, Tischtücher, Handtü- cher und alles, was zur Bedienung dargereicht wurde, ein- sammeln und in die Kammer des Kaisers schaffen. Darüber hinaus verschenkte er auch andere Gefäße in großer Zahl, und zwar solche aus Gold und Silber von unterschiedlicher Arbeit, buntfarbige Mäntel, Schmuckwerke unbekannter Art, Edelsteine, und er zeigte so viel und so Großes solcher Art, daß der Kaiser diese Geschenke für ein Wunder hielt. Die einzelnen Fürsten des Kaisers beschenkte er so großartig, daß er sie aus freundlich Gesinnten als seine besten Freun- de gewann. Wer aber wird imstande sein aufzuzählen, was für Geschenke und wie große er den Vornehmen gab, zumal doch nicht einmal ein einziger Diener von einer so großen Zahl ohne Geschenk nach Hause zurückkehrte? Der Kaiser aber ging mit reichen Geschenken froh in sein eigenes Land zurück, Boleslaw aber erneuerte, nunmehr als König, den alten Zorn gegen die Feinde.7

Diese Geschenkorgie muss laut Althoff verwundern, da sie einigen Prin- zipien der damaligen Geschenkpraxis diametral entgegenstehe.8 Die Flut der dargereichten Gaben hätte in der beschriebenen Form eine hohe symbolische Bedeutung gehabt, da sie der Gewohnheit wider- sprach, dass der Ranghöhere die größeren Geschenke zu geben hatte. Diese Praxis sei bereits durch die Ordinatio imperii belegt, in der Lud- wig der Fromme seinen ältesten Sohn anwies, seine jüngeren Brüder reicher zu beschenken als diese ihn.9 Dass diese Regel auch im 11. Jahrhundert noch bestand hatte, belegt der Verfasser am Treffen von Merseburg, wo Thietmar schreibt:

Am Montage gewann er durch große, dem Könige von ihm und seiner Gemahlin dargebrachte Geschenke sein Wohlgefallen, worauf er durch des Königs Freigebigkeit mit viel größeren und zahlreicheren Geschenken sowie mit dem seit lange von ihm ersehnten Lehen begnadet ward.10

Außerdem kollidierten die Schilderungen bei Gallus Anonymus mit den Aussagen der Quedlinburger Annalen, die berichten, Otto III. habe auf seiner Reise keine Geschenke angenommen.11 Hätte die Geschenksituation tatsächlich in der beschriebenen Art und Weise stattgefunden, so wäre sie, laut Althoff, als Provokation von Seiten Boleslaws gegenüber dem ranghöheren Otto III. aufgefasst worden.

Ein zweites Moment der Darstellung irritiert Althoff, nämlich die Tatsa- che, dass im Bericht des Gallus, dem Sachsen, nicht einmal die Mög- lichkeit eingeräumt wurde, Weniges aus dem reichen Angebot auszu- wählen, ein Recht, das einem so vornehmen Gast hätte zugestanden werden müssen. Stattdessen wurden das Geschirr, die Wandbehänge und Tischtücher von den Bediensteten kurzerhand in die Gemächer des Kaisers geschafft.

Angesichts dieser groben Regelverstöße gegenüber damals üblichen Verhaltens bei der Übergabe von Geschenken und der Schlussszene, in der der Kaiser froh mit den erhaltenen Gaben in sein Land zurückkehrt, sieht Althoff in der Darstellungsweise des Gallus eine Verfremdung, die alles Übliche ins Gegenteil verkehrt und somit bei den Zeitgenossen für Belustigung gesorgt haben müsse.12 Diese Komik sei auch an anderen Stellen der Gallus-Überlieferung zu spüren, was den Verdacht erhärte, der Verfasser habe mit Absicht das Interesse des Publikums an vergnüglichen Geschichten bedient.13

Auf Grund des anekdotisch-unterhaltsamen und groteske Züge aufwei- senden Charakters der Quelle, dessen Ursachen bereits in der oralen Überlieferungstradition zu suchen sein könnten, kommt Althoff ab- schließend zu der Beurteilung, dass es schwer fallen muss, Gallus A- nonymus zur Rekonstruktion des realen Geschehens in Gnesen zu Ra- te zu ziehen. Symbolische Kommunikation sei immer ein Indiz für das Verhältnis zwischen Herrschern, weil gerade hier das beiderseitige Ver- ständnis von Rang sowie die damit einhergehenden Rechte und Pflich- ten gegenüber dem anderen deutlich zum Ausdruck kommen.14 In Gne- sen wurden diesbezüglich alle Register symbolischer Ausdruckskraft gezogen. Deshalb sei es keinesfalls verwunderlich, dass angesichts der Außergewöhnlichkeit der beschriebenen Vorgänge, die sich keinesfalls nur auf die Geschenkpraxis beziehen, sondern den prunkvollen Emp- fang, den barfüßigen Einzug des Kaisers, die Krönung Boleslaws, das Freundschaftsbündnis, den Reliquientausch, das Festmahl sowie das Geleit bis Magdeburg einschließen, heute einige Probleme bei der In- terpretation der Quelle entstehen. Angesichts der Verformungskräfte, die einer langen mündlichen Tradition eigen seien, müsse man von ei- nigen Deformierungen des tatsächlichen Geschehens ausgehen.15

Dass die Überlegungen Althoffs in der jüngsten Forschung nicht unbe- achtet blieben, zeigt ein Aufsatz von Roman Michalowski aus dem Jahr 2006.16 Der Autor sieht sich darin angesichts der Zweifel an der Glaub- würdigkeit des Gallus Anonymus genötigt, seine Auffassung zu vertei- digen, die Quelle sei für seine Untersuchungen durchaus geeignet. Beim Bericht des Gallus Anonymus habe es sich um eine politische Schrift, eine Auftragsarbeit gehandelt, in der Boleslaw III. Schiefmund nach Skandalen - er hatte seinen Bruder Zbigniew geblendet - und sei- ner Exkommunizierung wieder als idealer Herrscher stilisiert werden sollte. Dabei habe das goldene Zeitalter unter Boleslaw Chrobry als Referenzpunkt dienen sollen, worin dessen Monumentalisierung im Be- richt des Gallus begründet sei.17 Die aus heutiger Sicht komischen Ef- fekte resultierten lediglich aus dem Übereifer des Verfassers und seien sicherlich nicht beabsichtigt gewesen. Trotzdem stimmt Michalowski in einem wesentlichen Punkt mit Althoff überein, nämlich darin, dass tat- sächlich Tatsachen durch die Chronik verformt wurden und dies bei der Beurteilung der Ereignisse in Gnesen keinesfalls unbeachtet bleiben dürfe.18

Die Glaubwürdigkeit des Gallus, so Michalowski, hängt jedoch in ho- hem Maße von der Glaubwürdigkeit der von ihm benutzen Quellen ab, denn der Chronist habe immerhin aus einer hundertjährigen Rückschau geschrieben. Was die Überlieferung angeht, aus welcher der Chronist schöpfte, vertritt Michalowski jedoch entgegen der Ansicht Althoffs den Standpunkt, Gallus Anonymus hätte nicht nur auf die orale Tradition zurückgegriffen, sondern ihm hätten sehr wohl schriftliche Überlieferun- gen vorgelegen, nämlich die nicht erhaltene Schrift Liber de passione [Adalberti] martyris, welche die Pilgerreise Ottos III. nach Gnesen zum Thema hatte.19 Dass das Wissen des polnischen Geschichtsschreibers aus einer geschriebenen Quelle stammen müsse, darauf deute sein Detailwissen bezüglich der Pilgerfahrt hin, das in einem krassen Ge gensatz zu den Ungenauigkeiten stünde, mit denen Gallus die übrige Geschichte bezüglich Boleslaw Chrobrys beschreibt. Es besteht laut Michalowski also kein Zweifel daran, dass Gallus über das Treffen in Gnesen gut informiert war. Um dennoch die wenig glaubwürdigen und komisch anmutenden Situationen in der Darstellung des Gallus zu er- klären, bedient sich Michalowski zweier Argumente. Zum einen habe der Chronist die Fakten neu interpretiert, um der Ideologie zu entspre- chen, die er zu verkünden hatte, zum anderen habe er die Nachrichten aus den fernen Zeiten schlicht nicht verstanden oder zu deuten ge- wusst.20 Um seine Annahmen zu belegen, stützt sich Michalowski auf die angebliche Krönungsszene, in der es heißt:

Als der römische Kaiser seinen Ruhm, seine Macht und sei- nen Reichtum betrachtete, sprach er voll Bewunderung: »Bei der Krone meines Reiches, was ich sehe ist größer, als ich durch Erzählen vernommen habe.« Und auf den Rat seiner Magnaten fügte er vor allen hinzu: »Es ziemt sich nicht, daß ein so großer und so bedeutender Mann wie einer von den Fürsten Herzog oder Graf genannt werde, sondern daß er, ehrenvoll mit dem Diadem umwunden, auf einem Königs- thron erhoben werde.« Und er nahm das kaiserliche Diadem seines Hauptes, setzte es zum Freundschaftsbund auf Bo- leslaws Haupt […].21

Diese Textstelle lässt den Leser aufhorchen, da zunächst das Aufset- zen der Krone als Zeichen der Königserhebung gedeutet wird, im Schlusssatz jedoch eine Umdeutung in ein Symbol des Freundschafts- schlusses zwischen den Herrschern erfolgt. Michalowski vermutet, dass die Krönung von der ursprünglichen Textvorlage her gesehen tatsäch- lich das Freundschaftsbündnis spiegeln sollte, Gallus interpretierte sie jedoch als tatsächliche Königserhebung, da ihm die deutschen Quellen nicht bekannt waren, die diesen Vorgang erst für das Jahr 1025 bezeu- gen. Er habe zu dieser Interpretation geneigt, da er damit das Problem gelöst sah, wann und wo Boleslaw zum König erhoben wurde.22 Das Dilemma, in dem sich jetzt der Historiker befindet, besteht darin, dass er um den Zugang des Gallus Anonymus zu glaubwürdigen Quellen weiß, er auf Grund der Verformungen, die dieser anstellte, jedoch seine Aussagen nicht unkritisch hinnehmen kann. An vielen Aussagen des Chronisten könne aber unter Verweis auf die ausgetauschten Reliquien (heilige Lanze und Armreliquie des heiligen Adalbert), die sich belegen lassen, nicht gerüttelt werden.23

Die bei Gallus Anonymus beschriebene Geschenksituation am Hofe Boleslaws bildet für Gerd Althoff den Ausgangspunkt für die Frage, ob die Quelle tatsächlich hinreichend aussagekräftig ist, da hier offensicht- lich unglaubwürdige Verformungen der tatsächlichen Ereignisse vorlie- gen, die sich in einer Geschenkpraxis manifestieren, die allen gängigen Regeln des üblichen und zu erwartenden Verhaltens der damaligen Zeit zuwiderlaufen. Michalowski begegnet dieser These mit dem Hinweis, diese Verformung durch Gallus sei nur eine unter vielen, die dem pro- pagandistischen Programm des gesamten Berichts geschuldet sei. Au- ßerdem sei es Gallus aus der Retrospektive nicht möglich gewesen, seine Vorlagen richtig zu interpretieren.

Sicher ist jedoch, dass ein Geschichtsschreiber, will er einen für den Rezipienten glaubhaften Bericht vorlegen, sich im Rahmen des damals Denkbaren bewegen musste. Konstatiert man außerdem, dass sich die Geschenkpraxis bis zum Zeitpunkt, als die Quelle verfasst wurde, be- züglich dessen was diese über das Verhältnis von Schenkendem und Beschenktem aussagt, nicht wesentlich verändert hat, und folgert man daraus, dass Gallus sehr wohl von gewissen Regeln des Gabentauschs wusste, so muss angenommen werden, dass er entweder eine Ge- schenksituation beschreibt, in der sich Boleslaw ganz offensichtlich nicht seinem Rang angemessen verhalten hat, was den nachweisbar guten Beziehungen zwischen Otto III. und Boleslaw nach dem Treffen widersprechen würde, oder die Vermutung Althoffs liegt nahe, dass dem Bericht gewollt ein anekdotenhaft-belustigender Anstrich gegeben werden sollte. Ob und in welchen Teilen an der Glaubwürdigkeit des Berichts des Gallus Anonymus gezweifelt werden muss, kann nicht der Anspruch der vorliegenden Arbeit sein, jedoch wirft die von Althoff an- gesprochene Geschenksituation Fragen auf, denen es sich nachzuge- hen lohnt.

Zunächst muss geklärt werden, ob für den hier betrachteten Zeitraum der ottonischen Königsherrschaft tatsächlich anhand der Quellen Bele- ge für allgemeine Regeln in Bezug auf den Gabentausch bzw. das Schenken zu finden sind. Diese Regeln müssen geordnet und systema- tisiert werden, um dann die Abweichungen vom Bericht des Gallus Ano- nymus aufzeigen zu können. Eine solche Untersuchung bietet sich zum einen an, weil uns eine Vielzahl von Quellenbelegen aus ottoni- scher Zeit vorliegen, die von Gabentausch und Geschenksituationen berichten, die systematische und ausführliche Erfassung von diesbe- züglichen Regelhaftigkeiten aber noch aussteht und von daher aus sich selbst heraus eine nähere Betrachtung wert ist, zum anderen, weil eine solche Untersuchung wiederum auf den Bericht des Gallus Anonymus rückbezogen werden und somit einen kleinen Beitrag zur Diskussion um die Glaubwürdigkeit der Quelle leisten kann.

Gerd Althoff hat in dem oben besprochenen Aufsatz, aber auch an an- derer Stelle, bereits wesentliche Hinweise zu Wesenszügen des mittel- alterlichen Gabentauschs angedeutet, die es genauer zu untersuchen und zu belegen gilt. Die Untersuchung soll jedoch deutlich über das, was im Gallus-Bericht anklingt, hinausgehen. Die Quelle soll gewisser- maßen der Stein des Anstoßes sein, generelle Regeln des Gaben- tauschs in der Ottonenzeit aufzuzeigen, sie soll immer wieder als Be- zugspunkt dienen und schließlich mit den Ergebnissen der Arbeit ver- bunden werden.

1.2 Vorgehensweise

Bevor die Gabe und der Geschenkaustausch im Bereich der ottonischen Königsherrschaft anhand der Quellen untersucht werden kann, sind einige theoretische Vorüberlegungen notwendig.

Eingangs ist es unabdingbar, sich den bisherigen Forschungsstand in Bezug auf das hier behandelte Thema zu vergegenwärtigen. Dabei soll zunächst die bisherige Tätigkeit der Geschichtswissenschaft bzw. Mediävistik auf diesem Gebiet skizziert werden, deren Anteil an den Veröffentlichungen noch eher begrenzt ist.

Andere Disziplinen, wie Anthropologie, Soziologie, Ethnologie, Wirt- schaftswissenschaft und Germanistik, sind hier der Geschichtswissen- schaft voraus und haben grundlegende Ergebnisse geliefert. Daher sol- len in einem nächsten Schritt auch die für die hier behandelte Frage- stellung zentralen Ergebnisse anderer Disziplinen dargestellt werden. Im Vordergrund werden hierbei die Arbeiten von Marcel Mauss und Marshall Sahlins stehen.24 Der Essay „Die Gabe“ von Mauss ist für die Erforschung des Geschenkverhaltens in archaischen Gesellschaften noch immer maßgeblich und seine Rezeption durch nachfolgende Ge- nerationen längst nicht abgeschlossen. Auch die hier angestellte Unter- suchung kommt nicht ohne einen Verweis auf seine Arbeit aus. Die Er- gebnisse von Mauss bilden das Fundament für Sahlins Überlegungen, die jedoch weiter gehen und gewissermaßen die notwendige Fortset- zung dessen Gedankengangs bilden.

Wie bereits angedeutet, wird die Gabe oder das Geschenk in der vor- liegenden Arbeit als ein wesentliches Medium der symbolischen Kom- munikation mittelalterlicher Herrschaftsträger eingeordnet. Diese Per- spektive, die notwendig ist um die Quellen richtig zu verstehen, muss begründet und in Bezug auf das Thema erläutert werden. Hiermit wer- den die theoretischen Überlegungen, die gewissermaßen die gedankli- che Folie für die weitere Analyse bilden, abgeschlossen.

Der nächste Abschnitt beinhaltet die Analyse der Quellen. Es bietet sich eine kleinschrittige Vorgehensweise an, bei der Hypothesen für regel- haftes Verhalten aufgestellt werden, die sich aus einer ersten Lektüre der Quellen ergeben haben. Diese sollen dann anhand der Quellen üb erprüft werden. Um Übersichtlichkeit und Systematik zu gewährleisten, sollen die Quellen nicht unter verschiedenen Gesichtspunkten in ihrer Gesamtheit untersucht werden, sondern jeweils nur unter Berücksichti- gung der aufgestellten Hypothese. Dies hat für den Leser zur Folge, dass eine Quelle unter unterschiedlicher Fragestellung mehrfach als Beispiel herangezogen wird. Auf diese Weise entsteht ein Regelkatalog, der es ermöglichen soll, die Arbeit im Nachhinein auch nur unter einem bestimmten Gesichtspunkt zu Rate zu ziehen. An den Stellen, die für das Verständnis des Gallus Anonymus wichtig sind, sollen kurze Rück- verweise erfolgen, um für den Leser ein größtmögliches Maß an Nach- vollziehbarkeit zu gewährleisten.

Im Schlussteil sollen die Ergebnisse der Analyse zusammengefasst und die relevanten Ergebnisse auf den Gallus-Bericht bezogen werden.

2 Gabentheorien

2.1 Die Gabe als vernachlässigtes Thema der Geschichtswissenschaft

Bereits 1992 hat Ivan Hlavácek in einem kurzen Beitrag auf die Not- wendigkeit hingewiesen, besonders bezüglich des Mittelalters das Ge- schenk als ein stabiles Phänomen der Geschichte einer systematischen Untersuchung zu unterziehen.25 Allerdings schlägt der Verfasser eine Systematik vor, die nur teilweise die hier behandelte Fragestellung streift. Hlavácek ist vornehmlich an einer Klassifikation der Geschenke nach drei signifikanten Gesichtspunkten gelegen: 1. Hat es sich um zu- fällige Gaben gehandelt oder nicht? 2. Welchen Charakter hatten die Gaben? 3. Wie kostspielig waren die geschenkten Objekte?26 Für den Autor ist klar, dass sich eine solche Untersuchung nicht auf Geschenke des privaten Bereichs, sondern nur auf solche, die dem diplomatischen Verkehr, also den Spitzenkontakten zuzuordnen sind, beziehen kann. Den Sinn einer Systematisierung sieht der Autor vornehmlich in dem Dienst, den die Geschichtswissenschaft auf diesem Gebiet der Kunst- geschichte leisten kann.27 Dass eine Untersuchung der Geschenkpraxis, im Sinne eines regelhaften Vorgangs von symbolischer Bedeutung, Aufschlüsse über das Verhältnis der Beteiligten Personen verspricht, findet jedoch wenig Beachtung. Außerdem bezieht sich Hlavácek offen- sichtlich vornehmlich auf das Spätmittelalter, wo es sich auf Grund der Quellenlage als deutlich einfacher erweist, die Wertstellungen der ver- schiedenen Geschenke genau zu erfassen. Die jüngste umfassende Studie zu dieser Zeit und auf diesem Gebiet stammt von Jan Hirschbie- gel, der den höfischen Geschenkverkehr in Frankreich zur Zeit König Karls VI. (1380-1422) erfasst hat.28 Zwar ist laut Hirschbiegel eine zu- nehmende Bereitschaft in der Mediävistik zu erkennen, sich dem The- ma „Geschenkwesen“ anzunehmen, im deutschsprachigen Raum seien Veröffentlichungen hierzu jedoch noch immer rar.29 Eine ältere Veröf- fentlichung stammt von Meyer30, eine neuere Arbeit beispielsweise von Holzfurtner31, für den Bereich religiöser Schenkungen ist Angenendt32 und hier besonders der Abschnitt „Gabe und Gegengabe“ zu nennen. Die moderne Sichtweise versteht unter Geschenken Zuwendungen, die zumindest vordergründig selbstlos waren, d.h. keine Vorteile für den Schenkenden implizierten. Dies war besonders im hier betrachteten Zeitraum des früheren Mittelalters anders, als Geschenke vielmehr rechtlich-verbindlichen Charakter hatten.33 Hierin ist wohl auch der Grund zu sehen, dass sich besonders die Rechtsgeschichte in der Un- tersuchung des Geschenkwesens hervorgetan hat.34

Schon 1985 hat Althoff darauf hingewiesen, dass besonders für das frühe Mittelalter die „Vorstellung von Gabe und Gegengaben […] für das Funktionieren von sozialen und politischen Beziehungen grundle- gend“35 war. Diese auf Mauss zurückgehende Feststellung ist für die hier im Weiteren angestellten Überlegungen maßgeblich. Eine solche Annahme findet sich auch bei Hannig, der die Kunst, Geschenke zu machen, als wesentlichen Teil der politischen Interaktionsstrategie des früheren Mittelalters ausmacht.36 Mit der Arbeit Hannigs ist die erste von zwei deutschsprachigen Veröffentlichungen angesprochen, die sich konkret und ausschließlich auf die Gabe im früheren Mittelalter bezie- hen. Der zweite, nicht weniger aufschlussreiche Aufsatz stammt von Scheller37, dessen Ausführungen aus zweierlei Gründen für die vorlie- gende Arbeit von zentraler Bedeutung sind. Zum einen, weil er nament- lich die Gabe im Bereich des ottonischen Hofes betrachtet, und zum anderen, weil ausdrücklich die neusten Erkenntnisse hinsichtlich der Erforschung ritueller Verhaltensweisen unter Bezugnahme auf die Ar- beiten Gerd Althoffs einbezogen werden.

Neben den Veröffentlichungen, die sich ausschließlich dem Thema Schenken widmen, liefern auch Arbeiten einen Beitrag zum Verständnis mittelalterlichen Geschenkverhaltens, die dieses Gebiet nur am Rande behandeln. So haben Schramm/Mütherich38 in ihrer Arbeit wichtige Hinweise für regelhaftes Verhalten in Geschenksituationen gegeben und eine Unterscheidung verschiedener Formen des Gebens im Mittel- alter nahegelegt. Mit ihrer Arbeit aus dem Jahr 1987 hat Voss39 gezeigt, dass der Gabentausch wesentliche Funktionen bei Herrschertreffen des frühen und hohen Mittelalters erfüllte und dieser aus dem Zeremoniell solcher Zusammenkünfte nicht wegzudenken war. Analog hierzu stellt nach Epp40 der Austausch von Geschenken einen der Wesenszüge des Rituals frühmittelalterlicher amicitia dar.

2.2 Die Gabe aus dem Blickwinkel anderer Wissenschaftsdisziplinen

2.2.1 Geben - Annehmen - Erwidern

In der Soziologie wird die Gabe als ein Mittel zur Einleitung, Aufrechter- haltung und Verstärkung von sozialen Beziehungen und zur Beeinflus- sung des eigenen Status innerhalb sozialer Bindungen untersucht.41 Die empirischen Untersuchungen von Marcel Mauss legen die Vermu- tung nahe, dass Verträge sowie Austauschsituationen zwischen Perso- nen und Personenverbänden durch augenscheinlich freiwillige Gaben geregelt werden. Tatsächlich ist es jedoch so, dass Gaben erwidert werden müssen.42 Diese Beobachtung bildet die Grundlage für seine weiteren Forschungen, für welche er die folgenden Fragestellungen formuliert: 1. Welches ist der Grundsatz des Rechts und Interesses, der bewirkt, dass in den rückständigen oder archaischen Gesellschaften das empfangene Geschenk zwangsläufig erwidert wird? 2. Was liegt in der gegebenen Sache für eine Kraft, die bewirkt, dass der Empfänger sie erwidert?43 Um diese Fragen zu klären, beschreibt Mauss Aus- tausch- und Vertragsformen verschiedener archaischer Gesellschaften, um auf diese Weise Rückschlüsse auf die Natur menschlicher Transak- tionen zu ermöglichen. Dieser Vorgehensweise liegt die Annahme zu Grunde, dass die moralischen und ökonomischen Vorstellungen archai- scher Gesellschaften noch immer den Grundstein des Vertragsrechts unserer modernen Gesellschaftsordnungen bilden.44

Der Austausch erfolgt in archaischen Gesellschaften weniger zwischen Individuen als vielmehr zwischen sozialen Gruppen und bezieht sich auf höchst unterschiedliche „Güter“ wie Nahrung, Höflichkeiten, Rituale, Feste, Frauen, Militärdienste, Tänze und Märkte, um nur einige Beispie- le zu nennen. Die beteiligten Gruppen sind dabei, wie Mauss es nennt, in ein „System der totalen Leistung“45 eingebunden. Um dieses Ver- tragsrecht, in dem das Erwidern einer Gabe zwangsläufig geschieht, verstehen zu können, muss man die Leistungen zwischen den Gruppen als ein totales soziales Phänomen begreifen, in dem gleichzeitig morali- sche, rechtliche, religiöse, ökonomische, politische und familiäre Aspek- te komplex und vielschichtig miteinander verbunden sind.46

Am Beispiel des Potlatsch, der wohl das bekannteste System totaler Leistung agonistischen Typs darstellt, wird dieses Prinzip deutlich.47 Der Begriff kommt aus der indianischen Tradition der an der nordwest- amerikanischen Küste Nordamerikas beheimateten Stämme. Bei einem Potlatsch, dem Fest des Schenkens, trafen sich die benachbarten Stämme unter Führung ihres Häuptlings, um als Gruppe Leistungen für die Gegenseite zu erbringen, die nach einer festgesetzten Zeit vom ri- valisierenden Stamm mit Gegengaben übertroffen werden mussten. Ein Ausstieg aus diesem Spiel des wetteifernden Gebens war undenkbar und mit einem vollständigen Gesichtsverlust des Oberhauptes, aber damit auch der gesamten Gruppe verbunden.48 Die Gaben wurden in selbstprahlerischer Weise an die andere Gruppe übergeben.49 Im Pot- latsch kämpft der gesamte Clan unter Vermittlung des Häuptlings um den sozialen Rang.50 Hierzu tragen alle Mitglieder der Gemeinschaft zu den Leistungen, die dem anderen Stamm erbracht werden, ihren Teil bei. Der Häuptling nimmt gewissermaßen bei seinen Verbündeten Kre- dit auf, in dem festen Vertrauen darauf, dass beim nächsten Treffen die Gegenseite größere Gaben erbringt und sich somit ein Ertrag ergibt, der an die Gemeinschaft ausgeschüttet werden kann, um dann von neuem dieses Kapital zur Erbringung noch größerer Gegenleistungen einzusetzen. In diesem System ist jeder der Teilnehmer mal Gläubiger, mal Schuldner, was innerhalb der Gruppen verbindende Wirkung hat.51 Wesentlich für den Potlatsch ist die Verpflichtung, des Gebens für den eigenen bzw. den Rang bestimmter Verwandter.

Es stellt sich jedoch weiterhin die Frage nach der Verbindung zwischen der Gabe und der Verpflichtung diese auch zu erwidern. Hinweise zur Erklärung dieses Phänomens lieferten die Mausschen Untersuchungen der Geschenkpraxis in Polynesien. Er stellte fest, dass die Polynesier Gaben nicht als leblose Objekte verstanden, sondern dass sie glaubten, der den Gaben innewohnende Geist (hau) strebe so lange zum Geber zurück, bis das Gegebene durch eine Gegengabe erwidert sei.52 Per- son und Sache stehen nach dieser Vorstellung in einer engen Verbin- dung. Die Gebergruppe übt durch die Gabe Einfluss auf die Nehmer- gruppe aus. Wird die Gabe nicht erwidert, so kann dies zum Ehrverlust der annehmenden Seite führen.

Ähnliche Denkmuster finden sich auch im alten germanischen Recht wieder, wo die gegebenen Dinge so lange in Verbindung mit ihrem Besitzer gedacht blieben, bis diese durch Gegengaben erwidert wurden oder der Vertrag erfüllt worden war.53

Auch Claude Lévi-Strauss folgt der Ansicht von Mauss, indem er an- nimmt, dass durch das Geben von Sachen eine Seelenbindung zwi- schen Personen hergestellt wird, die darauf beruht, dass beide Seiten einen Teil ihrer Persönlichkeit hergeben. Durch diesen Persönlichkeits- austausch sei es schließlich möglich, einen synthetischen Prozess zu initiieren, bei dem eine andere Person zum Partner wird und auch der Gegenstand eine neue Qualität erhält.54 Denn die Beziehung zu ande- ren verleihe letztendlich dem jeweiligen Objekt seinen Wert.

[...]


1 Beispielhaft seien hier folgende Veröffentlichungen genannt: Fried, Johannes, Otto III. und Boleslaw Chrobry. Das Widmungsbild des Aachener Evangeliars, der „Akt von Gnesen“ und das frühe polnische und ungarische Königtum. Eine Bildanalyse und ihre historischen Folgen, Wiesbaden 1979. Fried vertritt die Meinung, dass Boleslaw tat- sächlich in Gnesen zum König gekrönt wurde; Althoff, Gerd, Otto III., Darmstadt 1996. Althoff bezweifelt, dass eine Königserhebung stattgefunden hat und zeigt, dass die Vorgänge die Vermutung nahe legen, dass es sich in Gnesen um ein Freundschafts- bündnis gehandelt haben könnte; Görich, Knut, Eine Wende im Osten: Heinrich II. und Boleslaw Chrobry, in: Schneidmüller, Bernd/Stefan Weinfurter (Hrsg.), Otto III. - Hein- rich II. Eine Wende?, Sigmaringen 1997, S. 95-167. Görich weist hier in Fußnote 301 auf die Veröffentlichungen in Bezug auf die Forschungsdiskussion um die angebliche Königskrönung Boleslaws hin; Hlawitschka, Eduard, Kaiser Otto III., „der Jüngling, der Großes, ja sogar unmögliches ersann“, in: Schr. d. Sudetendeutschen Akad. d. Wis- senschaft und Künste 20, (Vorträge und Abh. aus geisteswissenschaftlichen Berei- chen) München 1999, S. 29-74. Hlawitschka äußert sich ablehnend zu Frieds These.

2 Zit. Thietmar von Merseburg, Chronik, nach der Übersetzung von J. C. M. Laurent, J. Strebitzki und W. Wattenbach neu übertragen und bearb. von Robert Holtzmann, Mitteldeutscher Verlag 2007, Buch V, Kapitel 10, S. 102.

3 Vgl. Gallus Anonymus, Chronik und Taten der Herzöge und Fürsten von Polen, ü- bers., eingeleitet und erklärt von Josef Bujnoch (Slavische Geschichtsschreiber 10), Graz u.a. 1978, Buch I, Kapitel 6, S. 55-59.

4 Borgolte, Michael (Hrsg.), Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den "Akt von Gnesen" (Europa im Mittelalter. Abhandlungen und Beiträge zur historischen Komparatistik 5), Berlin 2002.

5 An dieser Stelle sei vorläufig nur auf einen maßgeblichen Titel verwiesen: Althoff, Gerd, Die Macht der Rituale. Symbolik und Herrschaft im Mittelalter, Darmstadt 2003.

6 Vgl. Althoff, Gerd, Symbolische Kommunikation zwischen Piasten und Ottonen, in: Borgolte, Michael (Hrsg.), Polen und Deutschland vor 1000 Jahren. Die Berliner Tagung über den "Akt von Gnesen" (Europa im Mittelalter. Abhandlungen und Beiträge zur historischen Komparatistik 5), Berlin 2002, S. 303.

7 Zit. Gallus Anonymus, I, 6, S. 55-59.

8 Vgl. Althoff, Piasten und Ottonen, S. 303 f.

9 Vgl. Ordinatio imperii, in: Geschichte in Quellen. Mittelalter: Reich und Kirche, bearb. von Wolfgang Lautemann, Bd. 2, München 31989, S. 107-110.

10 Zit. Thietmar VI. 91, S. 164.

11 Vgl. Althoff, Piasten und Ottonen, S. 304 Fußnote 31.

12 Vgl. Althoff, Piasten und Ottonen, S. 304.

13 Ebd., S. 305 f.

14 Ebd., S. 307.

15 Ebd., S. 308.

16 Vgl. Michalowski, Roman: Polen und Europa um das Jahr 1000. Mit einem Anhang: Zur Glaubwürdigkeit des Berichts von Gallus Anonymus über das Treffen in Gnesen, in: Ranft, Andreas (Hrsg.): Der Hoftag in Quedlinburg 973. Von den historischen Wurzeln zum Neuen Europa, Berlin 2006. S. 51-72.

17 Vgl. Michalowski, Polen und Europa, S. 69.

18 Ebd., S. 70.

19 Ebd., Beweise für diese Annahme liegen nach Michalowski bei Labuda vor: Labuda, Gerard, Studia nad początkami państwa polskiego [Studien zu den Anfängen des polnischen Staates], Bd. 1, Uniwersytet Adama Mickiewicza, Historia 139, Posen 1987.

20 Vgl. Michalowski, Polen und Europa, S. 70.

21 Zit. Gallus Anonymus, I, 6, S. 57f.

22 Vgl. Michalowski, Polen und Europa, S. 71.

23 Ebd., S. 71f.

24 Vgl. Mauss, Marcel, Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften, Frankfurt a.M. 1990; Sahlins, Marshall, On the Sociology of Primitive Exchange, in: Banton, Michael (Hrsg.), The Relevance of Models for Social Anthropo- logy, London 1965.

25 Vgl. Hlavácek, Ivan, Überlegungen zum Geschenkwesen im Mittelalter, Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 2 (1992), S.12-15.

26 Ebd., S. 13f.

27 Ebd., S.15

28 Vgl. Hirschbiegel, Jan, Étrennes: Untersuchungen zum höfischen Geschenkverkehr im spätmittelalterlichen Frankreich der Zeit König Karls VI. (1380-1422), München 2003.

29 Ebd., S.9ff.

30 Vgl. Meyer, Richard M., Zur Geschichte des Schenkens, in: Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 5 (1897) S.18-29.

31 Vgl. Holzfurtner, Ludwig, Schenker und Schenkergruppen im Hohen Mittelalter. Sozialgeschichtliche Studien an Hand bayrischer Traditionsbücher, in: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 54 (1991) S. 299-323.

32 Vgl. Angenendt, Arnold, Geschichte der Religiosität im Mittelalter, Darmstadt 1997 besonders S. 373-378.

33 Daher wäre es auch sprachlich korrekt erst ab dem 19. Jahrhundert, als sich das Schenken zunehmend in den privaten Bereich verlagert von Geschenken und für den Zeitraum davor von Gaben zu sprechen. Der Einfachheit halber werden die Begriffe hier jedoch synonym gebraucht.

34 Hier seien nur exemplarisch zwei Lexikonartikel genannt: Schwab, Dieter, Art. „Gabe“, in: HRG, Bd. 1, 1971, Sp. 1364-1366.; Hagemann, Hans-Rudolph, Art. „Gabe“, in: LexMA, Bd. 4, 1989, Sp. 1065.

35 Zit. Althoff, Gerd, Heinrich der Löwe und das Stader Erbe, in: DA 41 (1985) S. 100.

36 Vgl. Hannig, Jürgen, Ars donandi. Zur Ökonomie des Schenkens im früheren Mittelalter, in: van Dülmen, Richard (Hrsg.), Armut, Liebe, Ehre. Studien zur historischen Kulturforschung, Frankfurt am Main 1988, S. 11-37.

37 Scheller, Benjamin, Rituelles Schenken an Höfen der Ottonenzeit zwischen Ein- und Mehrdeutigkeit. Formen und Funktionen des Austausches im früheren Mittelalter, in: Ewert, Ulf Christian/Stephan Selzer, Ordnungsformen des Hofes, Kiel 1997, S. 56- 66.

38 Vgl. Schramm, Percy Ernst/ Florentine Mütherich, Denkmale der deutschen Könige und Kaiser. Ein Beitrag zur Herrschergeschichte von Karl dem Großen bis Friedrich II. 768-1250, Bd. 1 (Veröffentlichung des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München 2), München 21981.

39 Vgl. Voss, Ingrid, Herschertreffen im Frühen und Hohen Mittelalter. Untersuchungen zu den Begegnungen der ostfränkischen und westfränkischen Herrscher im 9. und 10. Jahrhundert sowie der deutschen und französischen Könige vom 11. bis 13. Jahrhun- dert, Köln 1987.

40 Vgl. Epp, Verena, Rituale frühmittelalterlicher amicitia, in: Althoff, Gerd (Hrsg.), Formen und Funktionen öffentlicher Kommunikation im Mittelalter, Stuttgart 2001, S. 11-24.

41 Vgl. Rost, Friedrich, Theorien des Schenkens. Zur kultur- und humanwissenschaftlichen Bearbeitung eines anthropologischen Phänomens, Essen 1994. S. 36.

42 Vgl. Mauss, Die Gabe, S. 17; Die Mausssche These, dass Gaben erwidert werden müssen hat oft zu der Annahme geführt, dass er davon ausgehe selbstlose Geschenke ohne versteckte Absichten seien unter keinen Umständen möglich. Da seine Untersuchungen jedoch dem Vertragsrecht zuzuordnen sind, wo derartige Geschenke keine Rolle spielen, tauchen sie auch nicht in seiner Arbeit auf.

43 Ebd., S. 18.

44 Vgl. Rost, Theorien, S. 37.

45 Zit. Mauss, Die Gabe, S. 22.

46 Ebd., S. 17.

47 Ebd., S. 20ff.

48 Vgl. Rost, Theorien, S. 37.

49 In seiner schärfsten Ausführung konnte es vorkommen, dass die Gaben sogar vor den Augen aller Beteiligten vernichtet wurden.

50 Vgl. Berking, Helmuth, Schenken. Zur Anthropologie des Gebens, Frankfurt a. M./New York 1996 S. 64f.

51 Vgl. Mauss, Die Gabe, S. 77ff.

52 Ebd., S. 31ff. Gegen diese These wendet sich Sahlins, der keinen Hinweis darauf findet, dass das hau zum Geber zurückstrebe. Parry unterstützt die hingegen die An- sicht von Mauss indem er auf da germanische Pfand (wadium) hinweist. Vgl. Sahlins, Marshall, The Soirit of the Gift. Une Explication de Texte, in: Pouillon P./P. Maranda (Hrsg.), Echanges et communications, Bd. 2, Paris 1970, S. 1002. ; Parry, Jonathan, The Gift, the Indian Gift and the ´Indian Gift`. in: Man (N.S.) 21 (1986), S. 456f.

53 Vgl. Rost, Theorien, S. 41f. vgl. auch oben Fußnote 48.

54 Vgl. Lévi-Strauss, Claude, Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft, Frankfurt am Main 21984. S.148.

Ende der Leseprobe aus 80 Seiten

Details

Titel
Geschenke und Gabentausch im Bereich der ottonischen Königsherrschaft
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
80
Katalognummer
V161274
ISBN (eBook)
9783640751884
ISBN (Buch)
9783640752331
Dateigröße
785 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ottonen, Boleslaw Chrobry, Otto III., Geschenk, Gaben, Gabentausch, Mittelalter, Ritual, Symbolische Kommunikation, Gerd Althoff, Reziprozität, Nico Sudmann, Marcel Mauss, Gallus Anonymus
Arbeit zitieren
Nico Sudmann (Autor), 2009, Geschenke und Gabentausch im Bereich der ottonischen Königsherrschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161274

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