Die Hausarbeit beleuchtet das Soldatenleben in der Garnison Augsburg zwischen 1871 und 1914 und gibt einen anschaulichen Einblick in den Alltag der Mannschaften. Von den Eintrittsprozeduren und der Uniformierung über Wohnen in den Kasernen, Ausbildung, Arbeit, Lohn und Verpflegung bis hin zu Freizeit, Religion und Militärseelsorge wird das Leben der Soldaten umfassend beschrieben.
Darüber hinaus behandelt die Arbeit das Gesundheitswesen der Garnison sowie Verbote, Arrest und Soldatenverbrechen - Aspekte, die den Alltag abseits von Drill und Pflicht prägten. Damit entsteht ein lebendiges Bild der militärischen Lebenswelt vor dem Ersten Weltkrieg, das für Schüler, Studierende und Geschichtsinteressierte gleichermaßen wertvoll ist.
Inhaltsverzeichnis des Buches
- 1. Einleitung
- 2. Vom Bürger zum Soldat: Eintrittsprozeduren und Uniformierung.
- 3. Beschreibung des Soldatenalltags in Augsburg
- 3.1 Wohnen in den Kasernen.
- 3.1.1 Ulrichskaserne
- 3.1.2 Artillerie-Kaserne.
- 3.1.3 Prinz-Karl Kaserne
- 3.2 Ausbildung und Arbeit
- 3.2.1 Das Exerzieren
- 3.2.2 Das Schießen
- 3.2.3 Die Militär-Schwimmschule...
- 3.2.4 Das Arbeiten in der Kaserne.
- 3.3 Lohn und Verpflegung.
- 3.4 Freizeit.
- 3.1 Wohnen in den Kasernen.
- 4. Das Gesundheitswesen der Garnison
- 4.1 Das Garnisons-Lazarett
- 4.2 Krankheiten der Augsburger Soldaten.
- 5. Die Militärseelsorge
- 5.1 Die Organisation der Militärseelsorge
- 5.2 Religion in der Garnison..
- 5.2.1 Gottesdienste und religiöse Feste.
- 5.2.2 Soldaten und Religion.
- 6. Verbote und Verbrechen
- 6.1 Das Garnisons-Arresthaus..
- 6.2 Verbotene Wirtschaften
- 6.3 Soldatenverbrechen in Augsburg..
- 7. Fazit
- 8. Quellen- und Literaturverzeichnis.
- 8.1 Quellenverzeichnis
- 8.1.1 Ungedruckte Quellen
- 8.1.2 Publizierte Quellen..
- 8.2 Literaturverzeichnis
- 8.1 Quellenverzeichnis
- 9. Anhang
Zielsetzung & Themen dieser Arbeit
Diese Arbeit widmet sich der detaillierten Untersuchung des Kasernenalltags und Soldatenlebens der Mannschaften in der Garnison Augsburg zwischen 1871 und 1914. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie die Soldaten in den Kasernen lebten und ob dabei eine deutliche Disziplinierung der Soldaten erkennbar war.
- Historische Entwicklung der Wehrpflicht und ihre soziale Wirkung.
- Eintrittsprozeduren und Uniformierung als Disziplinierungsinstrumente.
- Alltagsleben der Soldaten, inklusive Wohnverhältnisse, Ausbildung, Lohn und Freizeit.
- Organisation des Gesundheitswesens und typische Krankheitsbilder in der Garnison.
- Rolle und Organisation der Militärseelsorge sowie die Beziehung der Soldaten zur Religion.
- Analyse von Verboten, Verbrechen und deren Bestrafung im militärischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Das Schießen
Da der tägliche Dienst stets aus Parademarsch, Ehrenbezeugungen und Wachtdienst bestand, waren Schießübungen eine willkommene Abwechslung für die Soldaten.32 In der Schießausbildung musste der Soldat technische und körperliche Fähigkeiten erlernen. Dies entsprach jedoch meist nur wenig den tatsächlichen Geschehen.33 Die Ausbildung für die Lehre des Schießens musste man in der Militärschießschule abschließen, welche 1872 errichtet wurde und dem Kriegsministerium unterstellt war. Die praktische Schießausbildung erfolgte auf dem Lechfeld in Augsburg. Durch verschiedene Mitteilungen wird das Abhalten von Gefechtsschießen, Sprengübungen, Einzel- & Truppenschießen auf den Übungsplätzen belegt.37 Eine Benutzung des Schießplatzes konnte nicht früher bekannt gegeben werden, da dies von der Witterung abhing.38 Für jedes Jahr sind Regimentsübungen bei Augsburg im August bekannt, in den Monaten August und September Herbstwaffenübungen sowie Brigadeübungen auf dem Lechfeld.39
Das Schulschießen diente zur Vorbereitung für die Ausbildung des gefechtsmäßigen Schießens. Dabei wurden die Soldaten zuerst einzeln ausgebildet, danach kamen sie in eine Gruppe und zuletzt in eine größere Abteilung.40 Bevor der Soldat zum Gefechtsschießen kam, musste er eine Ausbildung im Vorbereitungsschießen ableisten: "Der im Punkschießen ausgebildete Schütze soll in wirksamster und belehrendster Weise für seine Gefechtstätigkeit als Glied einer größeren Abteilung vorbereitet werden."41 Der Soldat sollte als Einzelschütze handeln und schießen, und bei Fehlern sofort eines besseren belehrt werden. Gefordert wurde dabei Selbständigkeit, jedoch ohne selbständiges Handeln.42
Das gefechtsmäßige Schießen galt als wichtigster Punkt der Schießausbildung. Die Soldaten sollten dabei "Schießfertigkeit, Mannszucht und eisernen Willen“44 erlernen. Die Ausbildung als Schütze mit Exerzier- und Platzpatronen musste abgeschlossen sein, bevor mit scharfer Munition geschossen werden durfte.45
Bei der Ausbildung des Einzel-Gefechtsschießens musste der Soldat möglichst viele Scheiben in unterschiedlichen Entfernungen treffen. Was ihn laut Rudolf Krafft jedoch von einem erfolgreichen Schuss ablenkte, waren ihn begleitende Vorgesetzte, sowie ein Spruch, welchen er vor dem Schießen aufsagen musste, wie z. B. "Es erscheint mir ein Reiter, ich schätze die Entfernung auf 500 m, daher nehme ich Visier 500 und halte auf die Brust des Pferdes".47 Die Folge waren ein gescheiterter Schuss und Tadel der Vorgesetzten. Durch die Ermahnung nach dem Scheitern wird besonders hier die Wichtigkeit der Disziplinierung bei der Ausbildung deutlich. Krafft sah eine Verbesserung darin, die Begleitungen und den Spruch vor dem Schuss wegzulassen.48
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Geschichte der Wehrpflicht ein, stellt die Forschungsfrage nach dem Soldatenleben und der Disziplinierung in der Augsburger Garnison von 1871-1914 vor und skizziert den Aufbau der Arbeit.
2. Vom Bürger zum Soldat: Eintrittsprozeduren und Uniformierung: Dieses Kapitel beschreibt die militärischen Eintrittsprozeduren und die Uniformierung der Soldaten als erste Schritte der Disziplinierung und Identitätsberaubung.
3. Beschreibung des Soldatenalltags in Augsburg: Der Abschnitt beleuchtet detailliert die Wohnverhältnisse in den Augsburger Kasernen, die Ausbildung (Exerzieren, Schießen, Schwimmen), die Arbeitspflichten, sowie Lohn, Verpflegung und Freizeitgestaltung als zentrale Elemente der Disziplinierung.
4. Das Gesundheitswesen der Garnison: Es werden das Garnisons-Lazarett und die dortigen Krankheitsfälle der Augsburger Soldaten dargestellt, wobei Präventivmaßnahmen als eine Form der Disziplinierung hervorgehoben werden.
5. Die Militärseelsorge: Das Kapitel untersucht die Organisation der Militärseelsorge und die Rolle der Religion im Soldatenleben, wobei betont wird, dass Predigten eher der Erziehung als der direkten Disziplinierung dienten.
6. Verbote und Verbrechen: Dieser Teil beschreibt das Garnisons-Arresthaus, listet verbotene Wirtshäuser auf und erläutert verschiedene Soldatenverbrechen sowie deren Bestrafungen als Mittel zur Stärkung der Disziplin.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Disziplin der Soldaten in allen Aspekten des Kasernenlebens in Augsburg von 1871-1914 allgegenwärtig war, von der Unterbringung über die Ausbildung bis hin zu Verboten und Strafen, und diese als "Misshandlung des Verstandes" interpretiert werden kann.
Schlüsselwörter
Militärgeschichte, Garnison Augsburg, Soldatenalltag, Wehrpflicht, Disziplinierung, Kasernenleben, Ausbildung, Militärseelsorge, Krankheiten, Strafen, 1871-1914, Preußen, Königreich Bayern, Kasernen, Rudolf Krafft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Kasernenalltag und das Soldatenleben der Mannschaften in der Garnison Augsburg während der Friedenszeit von 1871 bis 1914, mit besonderem Fokus auf die Disziplinierung der Soldaten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Einführung in den Militärdienst, die Gestaltung des Soldatenalltags (Wohnen, Ausbildung, Arbeit, Lohn, Freizeit), das Gesundheitswesen, die Militärseelsorge sowie Verbote, Verbrechen und deren Bestrafung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Lebensbedingungen der Mannschaften in den Kasernen Augsburgs zu beleuchten und zu analysieren, ob dabei eine umfassende Disziplinierung der Soldaten erkennbar war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse von Archivmaterialien (Kriegsarchiv München, Stadtarchiv Augsburg) und ergänzender militärgeschichtlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Eintrittsprozeduren und Uniformierung, der detaillierte Soldatenalltag in den Kasernen, das Gesundheitswesen, die Militärseelsorge sowie die Verbote und Verbrechen in der Garnison Augsburg behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Militärgeschichte, Garnison Augsburg, Soldatenalltag, Wehrpflicht, Disziplinierung, Kasernenleben, Ausbildung, Militärseelsorge, Krankheiten, Strafen, 1871-1914.
Welche Kasernen gehörten zur Garnison Augsburg im untersuchten Zeitraum?
Zur Garnison Augsburg gehörten die Ulrichskaserne für die leichte Kavallerie, die Artillerie-Kaserne für die Artilleristen und die Prinz-Karl Kaserne für die Infanterie.
Wie wurden die Eintrittsprozeduren zum Militärdienst beschrieben und welche Funktion hatten sie?
Die Eintrittsprozeduren, die das Abgeben ziviler Kleidung, ein Bad, Haareschneiden und eine ärztliche Untersuchung umfassten, wurden oft als Beraubung der Identität und erste Disziplinierungsmaßnahme der Soldaten beschrieben.
Welche Rolle spielte Rudolf Krafft in der Kritik der damaligen Soldatenverhältnisse?
Rudolf Krafft kritisierte in seiner Schrift "Kasernen-Elend" insbesondere die Disziplinierung als obersten Punkt im Soldatenleben und prangerte die harten Ausbildungsmethoden sowie die schlechten Unterkünfte an.
Gab es eine eigenständige Militärseelsorge in der Garnison Augsburg, und wie wurde die Rolle der Religion wahrgenommen?
Nein, es gab keine eigenen Militärgeistlichen; die Seelsorge war den Augsburger Pfarreien angegliedert. Die Soldaten waren zur Teilnahme an Gottesdiensten verpflichtet, die Predigten dienten jedoch eher der Erziehung zu vaterländischen Werten als der direkten militärischen Disziplinierung.
- Citation du texte
- Carolin Keller (Auteur), 2013, Kasernenalltag und Soldatenleben der Mannschaften in der Garnison Augsburg 1871–1914, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1613026