Der Marxismus in Jorge Amado's "Suor"


Hausarbeit, 2007
19 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

Hauptteil
Der Marxismus
Der historische u. dialektische Materialismus
Politische Ökonomie
Vom Sozialismus zum Kommunismus
Sour und der Marxismus
Die Ladeira do Pelourinho 68 als Mikrokosmos
Die prägnantesten Stellen
Jorge Amado und die Rolle des Erzählers

Schlusswort

Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

Im Rahmen des Seminars „Philosophie in literarischen Werken II“ soll das Thema Marxismus im Roman Suor[1] von Jorge Amado dargestellt werden.

Suor ist einer von fünf Büchern des Bahia-Zyklus, die alle zwischen 1933 und 1937 erschienen sind. Schauplatz ist die Kakaoprovinz Bahia im Nordosten des Landes. Erzählt wird vom Stadt- und Landleben und das alles stets aus einer kommunistischen Perspektive heraus. Dabei nutzte Amado, selbst ein jahrzehntelanger, aktiver Anhänger des Marxismus, vor allem seine ersten Bücher als Forum für sozialistische Ideen.

Es soll nicht die Aufgabe dieser Hausarbeit sein, den Marxismus oder die Art und Weise wie er von Amado im Buch dargestellt wird zu beurteilen. Viel eher soll Suor selbst im Mittelpunkt stehen und darüber hinaus vorhandene Parallelen zum Marxismus gezogen werden. Letzteres ist in seinen Grundzügen dargestellt und je nach Gewichtung im Roman, näher erläutert.

HAUPTTEIL

Der Marxismus

DER HISTORISCHE UND DIALEKTISCHE MATERIALISMUS

Die Grundlage des Marxismus bilden der Materialismus und die Dialektik. Marx und Engels schafften es, beide intellektuellen Verfahrensweisen weiter zu entwickeln und auf die Menschheitsgeschichte anzuwenden. Damit gelang es ihnen eine eigene Form dieser Strömungen zu schaffen und miteinander zu verbinden. Beide sind die grundlegende Philosophie der Arbeiterklasse.

Marx geht beim historischen Materialismus davon aus, dass sich die Geschichte des Menschen durch Klassengegensätze weiterentwickelt hat. Als Beispiele nennt er den Übergang von der Urgesellschaft[2] zur Sklaverei, über den Feudalismus und schließlich zum Kapitalismus hin. In diesen „Entwicklungsstufen“[3] stehen sich immer wieder zwei Parteien gegenüber: die Unterdrückten und die Herrscher. In der Sklaverei waren es die Sklaven gegen die Herren, im Feudalismus die Bauern gegen den Adel und im Kapitalismus das Proletariat gegen die Bourgeoisie.

„Nach Marx sind die unüberbrückbaren Gegensätze zwischen den Klassen […] und ihr Kampf gegeneinander, der Klassenkampf, das eigentliche Entwicklungsgesetz der Menschheitsgeschichte. Dabei stünden sich auf den einzelnen Entwicklungsstufen jeweils eine herrschende Klasse, die über die zum Leben und Arbeiten notwendigen Produktionsmittel verfüge, und die unterdrückte Klassen gegenüber, die in ihren Lebensbedingungen von diesen Produktionsmitteln anhängig seien.“[4]

Mit dem Sieg der Unterdrückten gegenüber den Herrschern, tritt die Gesellschaft in eine höhere Entwicklungsstufe der Geschichte ein und bringt neue ökonomische Veränderungen mit sich.

Beim dialektischen Materialismus nimmt Marx die Dialektik Hegels[5] als Grundlage und geht davon aus, dass die Welt sich aus der objektiven Wahrnehmung, der materiellen Existenz und ihre Entwicklung erklären lässt. Sie ist absolut materialistisch und nicht idealistisch. Auch hier ist grundlegend, dass die menschliche Entwicklung auf Konflikten beruht.

Der Mensch ist ein „Opfer seiner Bedürfnisse“[6] und befriedigt zuerst seinen materiellen Bedarf (d. h. Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung etc.). Um diese zu erfüllen, bedarf es einer wirtschaftlichen Basis, die Marx den Unterbau nennt. Erst wenn diese Basis existiert und gefestigt ist, wendet sich der Mensch der Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion etc. zu, die den Überbau bilden. Der Unterbau bestimmt zu jeder Zeit den Überbau.

Marx formuliert es im Vorwort seines Werkes „Zur Kritik der politischen Ökonomie“ folgendermaßen:

„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwenige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt. Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“[7]

POLITISCHE ÖKONOMIE

Mit dem dialektischen Materialismus hatte Marx eine allgemeine Gesellschaftstheorie und mit dem historischen eine allgemeine Geschichtstheorie aufgestellt. Da eine Gesellschaft - nach dem dialektischen Materialismus zu folge – von den wirtschaftlichen Verhältnissen abhängig ist, war nun der nächste wichtige Schritt, die ökonomischen Vorgänge im Kapitalismus zu untersuchen. Dabei ging er davon aus, dass die Produktion unter allen Bedingungen in einer Gruppe stattfindet. „Arbeit ist die Tätigkeit des gesellschaftlichen Menschen.“[8] Eine Produktion kann also nur erfolgen, indem die Menschen zusammenwirken und ihre Tätigkeiten gegeneinander austauschen.

Im Kapitalismus stehen sich die Bourgeoisie (Kapitalisten) und das Proletariat (Arbeiter) gegenüber. Erstere sind die Besitzer aller Produktionsmittel und die wirtschaftlich sowie politisch herrschende Klasse. Das Proletariat ist dazu gezwungen, seine Arbeitskraft an den Kapitalisten zu verkaufen, um überleben zu können. Dieser erarbeitet nach Marx einen größeren Wert, als er in Form von Gehalt ausgezahlt bekommt. Dadurch entsteht der so genannte Mehrwert. Diesen Mehrwert „eignen sich die Kapitalisten unentgeltlich an, da ihnen als Eigentümer der Produktionsmittel das Produkt des Produktionsprozesses gehört.“[9] In einer marxistischen Gesellschaft sind die Produktionsmittel gesellschaftliches Eigentum und die Arbeitskraft gehört den Arbeitern selbst.

Der Kapitalismus brachte mit der Industrialisierung eine extreme hohe Produktionssteigerung mit sich. „Dies geschieht jedoch auf Kosten des Proletariats, das nur im notwendigsten Maße entlohnt wird. Urbanisierung, Armut, Krankheit und ein Gefühl der Entfremdung zeichnen demnach die Angehörigen des Proletariats aus.[10] Hinzu kommt noch, dass der Kapitalismus dazu neigt, die Produktion und die Aneignung von Mehrwert extrem auszudehnen.

Arbeit ist also Überlebensnotwendig. Durch den technischen Fortschritt und der Rationalisierung, ist der Mensch dazu gezwungen sich den Maschinen in gewisser Weise anzupassen. Kann er das nicht, so kann er auch nicht diese Tätigkeit nicht ausführen. Dieses System lässt die Arbeiter „zu einem bloßen Objekt der Verwertung des Werts degradieren, ihre Persönlichkeit deformieren und ihr Leben nur gelten lassen, solange es für die Produktion des Mehrwerts notwendig ist.“[11]

VOM SOZIALISMUS ZUM KOMMUNISMUS

Schafft das Proletariat über die Bourgeoisie zu siegen, so wird die Phase des Sozialismus eingeleitet, die jedoch nur eine Zwischenstufe zum Kommunismus ist. „Entscheidende Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung“[12] ist der Klassenkampf. Ohne ihn lässt sich die Revolution der Proletarier gegen die Bourgeoisie nicht vollziehen. Er ist in drei Grundformen eingeteilt: den ökonomischen, politischen und den ideologischen Kampf.

[...]


[1] zu Deutsch: Das Mietshaus

[2] in der es diese Gegensätze, laut dem Marxismus, noch nicht gab

[3] Meyers Lexikonredaktion (Hrsg.): Meyers Jugendlexikon. Meyers Lexikonverlag, Mannheim 1991, S. 367

[4] Ebd.

[5] These – Antithese – Synthese: die Dialektik geht davon aus, dass die Wirklichkeit aus Widersprüchen besteht. Erst aus diesen Widersprüchen kann die objektive Realität entstehen. Nach Marx existiert diese objektive Realität, die vom menschlichen Bewusstsein unabhängig ist, wirklich.

[6] www.stamokap.org/marxismus.html (abgerufen am: 02/12/06)

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Engels, Friedrich; Karl Marx: Manifest der kommunistischen Partei. Dietzverlag, Berlin 1967, S. 56

[11] www.stamokap.org/marxismus.html (02/12/06)

[12] Meyers Lexikonredaktion (Hrsg.): Meyers Jugendlexikon. Meyers Lexikonverlag, Mannheim 1991, S. 367

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Marxismus in Jorge Amado's "Suor"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für romanische Sprachen und Literaturen)
Veranstaltung
Philosophie in literarischen Werken II
Note
1.7
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V161328
ISBN (eBook)
9783640766642
ISBN (Buch)
9783640767090
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jorge Amado, Suor, Das Mietshaus, Marxismus, Bahia-Zyklus, Literaturwissenschaft
Arbeit zitieren
Magister Artium Fernanda Menezes Dias (Autor), 2007, Der Marxismus in Jorge Amado's "Suor", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161328

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