Freiheit oder Tod? Der Versuch eines Neuanfangs
"Hör es, Kaiser der Germanen!
Uns erschrecket kein Despot.
Deine Schmeichler, Priester und Ulanen
Mögens lesen, was auf unsern Fahnen
Wehet: Freiheit oder Tod!"
Aus: Schneider, Eulogius: Der Franke an den biederen Deutschen
Ende des 18. Jahrhunderts begann für die deutschen Aufklärer eine neue Epoche – eine Zeit des Neudenkens. Anstoß war die Revolution in Frankreich. Von dort übertrug sich die Idee der Notwendigkeit einer Veränderung der sozialen und politischen Verhältnisse. Entwickelt und verbreitet von einigen Gruppierungen, die sich als „Deutsche Jakobiner“ zusammenfassen lassen. Ideologisch natürlich orientiert an den französischen Vorreitern und Vorbildern. Diese Epoche der deutschen Revolutionäre endete Anfang des 18. Jahrhunderts und war damit eine kurze, aber für die später folgende Vormärzepoche sehr wichtige und prägende Zeit. Doch wie haben die Jakobiner in Deutschland ihre Ideen an das Volk weitergegeben? Mit welchen Mitteln versuchten die Revolutionäre die breite Masse zu überzeugen?
In dieser Hausarbeit sollen zunächst ein paar wichtige Hintergrundinformationen die damalige Situation umreißen und mit einer Definition zum Begriff der Revolutionsrhetorik die jakobinische Rhetorik eingeführt werden. Mit welchen Mitteln die Jakobiner ihre Ideen verbreiteten und welche Funktionen damit verfolgt wurden soll im Hauptteil dieser Arbeit folgen. Ob die jakobinischen Revolutionäre mit ihrer Revolutionsrhetorik erfolgreich waren, soll im Schluss geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. FREIHEIT ODER TOD? DER VERSUCH EINES NEUANFANGS
2. ALLGEMEINES ZU REVOLUTIONSRHETORIK
2.1 Begriff „Revolution“
2.2 Kurze Definition von „Revolutionsrhetorik“
3. JAKOBINISMUS IN DEUTSCHLAND
3.1 Jakobiner in Frankreich – Die Vorgeschichte
3.2 Kurze Historie zu Jakobinern in Deutschland
3.3 Definition des deutschen Jakobinismusbegriffes
3.2 Weitere Inhalte des deutschen Jakobinismus
4. DIE RHETORIK DER DEUTSCHEN JAKOBINER
4.1 Die Formen der Veröffentlichung
4.1.1 Zeitschriften und Journale
4.1.2 Flugschrift
4.1.3 Politische Rede
4.1.4 Feste
4.1.5 Theater
4.2 Spezielle literarische Formen jakobinischer Revolutionsrhetorik
4.2.1 Katechismus
4.2.2 Gespräch und Rollenspiele
4.2.3 Schauspiel
4.2.4 Lyrik
4.2.5 Fabel
4.2.6 Reisebericht
4.3 Beispiele
4.3.1 Rede
4.3.2 Fabel
4.3.3 Theater
4.4 Die wichtigsten rhetorischen Strukturelemente und ihre Funktionalisierung
5. DER ERFOLG DER JAKOBINISCHEN REVOLUTION UND IHRER RHETORIK
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die rhetorischen Strategien und literarischen Mittel, mit denen deutsche Jakobiner am Ende des 18. Jahrhunderts versuchten, ihre revolutionären Ideen in die breite Bevölkerung zu tragen und die politischen Verhältnisse zu verändern.
- Historische Einordnung des Jakobinismus in Deutschland
- Definition und Merkmale der Revolutionsrhetorik
- Analyse verschiedener literarischer Agitationsformen (z.B. Katechismen, Theater, Lyrik)
- Untersuchung der rhetorischen Wirksamkeit und der Herausforderungen bei der Mobilisierung der Massen
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Gespräch und Rollenspiele
Die dialogische Struktur wurde bereits im Punkt zuvor erwähnt. Das „Gespräch spielt in der jakobinischen Rhetorik überhaupt eine zentrale Rolle“22. Allerdings bediente man sich ihrer auch in vielen anderen literarischen Formen. Die einfache dialogische Struktur wie in einem Gespräch bot natürlich durch die freiere Form auch mehr Möglichkeiten. Hier hielt man sich nicht an die starre Aufbauform mit Frage und Antwort und vereinfachte den ungeübten Lesern das Lesen.
„Um mit den Menschen ‚ins Gespräch‘ zu kommen, mußten die Jakobiner allerdings zunächst einmal an sich selber arbeiten: Es sei „nicht so leicht [...] auch populair zu schreiben“, so Wedekind 23. „Ich suche das zu lernen, weil ich sonst wenig nutzen würde, und ich bitte andere, daß sie es auch bald lernen und es mir zuvor thun mögen.“ Seine Texte waren daher „klar gegliedert, [...] in einfacher Syntax und unprätentiöser Sprache, immer wieder mit Zwischenfazits und Rückbezügen aller Art“24.
Zusammenfassung der Kapitel
1. FREIHEIT ODER TOD? DER VERSUCH EINES NEUANFANGS: Einführung in die Epoche der deutschen Aufklärer unter dem Einfluss der französischen Revolution und Fragestellung zur Vermittlung jakobinischer Ideen an das Volk.
2. ALLGEMEINES ZU REVOLUTIONSRHETORIK: Definition des Revolutionsbegriffs und der Revolutionsrhetorik mit Fokus auf Redekunst, Pathos und rhetorische Mittel zur Beeinflussung des Publikums.
3. JAKOBINISMUS IN DEUTSCHLAND: Darstellung der Vorgeschichte in Frankreich und der spezifischen historischen Bedingungen sowie Probleme für den Jakobinismus in Deutschland.
4. DIE RHETORIK DER DEUTSCHEN JAKOBINER: Detaillierte Untersuchung der verschiedenen Veröffentlichungsformen und spezifischer literarischer Elemente, die von den Jakobinern zur Agitation genutzt wurden.
5. DER ERFOLG DER JAKOBINISCHEN REVOLUTION UND IHRER RHETORIK: Reflektion über die begrenzte unmittelbare Wirkung im Vergleich zu Frankreich und die langfristige Bedeutung der Jakobiner für das Selbstverständnis des späteren Vormärz.
Schlüsselwörter
Jakobinismus, Deutschland, Revolutionsrhetorik, Aufklärung, Französische Revolution, Agitationsliteratur, Politische Rede, Flugschrift, Rhetorische Mittel, Demokratisierung, Vormärz, Politische Emanzipation, Theater, Volksaufklärung, Gesellschaftsordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die rhetorischen Methoden und literarischen Ausdrucksformen, die deutsche Jakobiner nutzten, um ihre politischen Ziele und Vorstellungen einer revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft im späten 18. Jahrhundert zu verbreiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Geschichte des deutschen Jakobinismus, die Definition der Revolutionsrhetorik sowie eine systematische Einteilung und Analyse der verschiedenen Medien und Textgattungen, die zur politischen Beeinflussung eingesetzt wurden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, mit welchen spezifischen Mitteln die deutschen Jakobiner versuchten, die breite Masse zu erreichen und zu überzeugen, und wie erfolgreich diese rhetorischen Bemühungen tatsächlich waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und geschichtswissenschaftliche Analyse, die Fachliteratur sowie historische Quellen (Aufrufe, Flugschriften, Theaterstücke) heranzieht, um die jakobinische Kommunikationspraxis zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Veröffentlichungsformen (Zeitschriften, Reden, Theater) und speziellen literarischen Elementen (Katechismen, Fabeln, Reiseberichte) sowie deren rhetorische Strukturelemente wie Metaphorik und dialogische Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Jakobinismus, Revolutionsrhetorik, Agitation, politische Emanzipation, Partizipation und literarische Praxis.
Warum war die dialogische Form bei den Jakobinern so beliebt?
Die dialogische Form, wie etwa im Katechismus oder Gespräch, ermöglichte einen vertraulicheren Kontakt zur Leserschaft und machte komplexe revolutionäre Inhalte durch die vertraute Struktur von Frage und Antwort leichter zugänglich.
Inwiefern nutzten die Jakobiner religiöse Formen?
Da die Bevölkerung stark christlich geprägt war, nutzten die Jakobiner liturgische Formen und Anleihen an die Bibel, um ihre neuen Ideen in ein bekanntes und autoritätsgeladenes Gewand zu kleiden und so die Akzeptanz zu erhöhen.
Wie unterschied sich die Situation der Jakobiner in Deutschland von der in Frankreich?
In Frankreich war die Revolution bereits vollzogen, während die deutschen Jakobiner mit schwierigen Rahmenbedingungen (Zersplitterung, fehlendes revolutionäres Zentrum, langsames Bürgertum) kämpften und die Revolution an der Basis erst einleiten mussten.
Wie bewertet der Autor den Erfolg der deutschen Jakobiner?
Der Erfolg wird als verspätet gewertet, da die theoretische Arbeit und die Programme der Jakobiner erst ein halbes Jahrhundert später im Vormärz auf fruchtbaren Boden fielen und die dortigen Akteure als ihre Erben gelten können.
- Citar trabajo
- Yasmine Schöttle (Autor), 2006, Revolutionsrhetorik - Jakobiner in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161329