Angesichts des gesellschaftlichen Wandels und der Verschiebung von Prioritäten im gesellschaftlichen Leben, welche sich für die Schüler in den Kompetenzen konkretisieren, die im Berufsleben von ihnen gefordert werden, sehen sich die Kultus- bzw. Bildungsministerien in der Pflicht, die schulische Ausbildung um praxisbezogenere Aspekte zu erweitern, um dem Erlernten der Schüler mehr Bezug zum realen Leben zu geben. Im Zuge dieser Entwicklung wird dem Sprachunterricht eine tragende weil interkulturell vermittelnde Rolle zuteil. Der Schüler soll in die Lage versetzt werden, neben seiner Muttersprache nicht nur weitere Sprachen fließend zu beherrschen, sondern sich frei und sicher zwischen beiden Kulturen bewegen und agieren zu können. Dazu ist ein gewisses Maß an Allgemeinwissen über die jeweilige Kultur ebenso vonnöten wie die Fähigkeit, Sachverhalte sprachlich aber vor allem inhaltlich korrekt zu vermitteln. Die Schüler zu Letzterem zu befähigen ist der Grundgedanke, auf Grund dessen die Sprachmittlung Teil des Bildungsplans geworden ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Sprachmittlung / Kulturmittlung?
3. Wozu Sprachmittlung im Gymnasialunterricht?
4. Beispielaufgaben und Problematik der Bewertung
4.1 Beispielaufgabe a: Sommerurlaub
4.2 Beispielaufgabe b: EU
4.3 Beispielaufgabe c: Übersetzungsvarianten
5. Eigene Aufgabe
5.1 Stefan und Alonso
5.2 Lösungsvorschlag
5.3 Bewertung
6. Bibliographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Einbettung sowie die praktische Anwendung der Sprachmittlung als zentrale Kompetenz im gymnasialen Spanischunterricht. Ziel ist es, den Paradigmenwechsel von der klassischen, wortgetreuen Übersetzung hin zur kontextbezogenen Inhaltsvermittlung und interkulturellen Kommunikation zu beleuchten und anhand konkreter Aufgabenformate für den Unterricht zu verdeutlichen.
- Definition und Abgrenzung der Sprachmittlung gegenüber herkömmlichen Übersetzungsmethoden.
- Bedeutung der Sprachmittlung als interkulturelle Schlüsselqualifikation.
- Analyse didaktischer Konzepte zur Bewertung von Sprachmittlungsleistungen.
- Praktische Erprobung und kritische Reflexion anhand von Beispielaufgaben für verschiedene Niveaustufen.
Auszug aus dem Buch
Was ist Sprachmittlung?
Es gilt zunächst, Definitionen zu Unterscheiden: Allgemein fasst man unter dem Begriff des Sprachmittlers die Berufe des Übersetzers und des Dolmetschers zusammen. Dies entspricht natürlich nicht der Definition im schulischen Bereich.
Im gymnasialen Bildungsplan Baden-Württembergs für Spanisch als dritte Fremdsprache wird Sprachmittlung als Kompetenz unter den Kommunikativen Fähigkeiten wie folgt definiert: „Die Schülerinnen und Schüler können in zweisprachigen Situationen, in denen alltägliche oder ihnen vertraute, in Bezug auf den Wortschatz nicht zu schwierige Themen angesprochen werden, die wesentlichen Aussagen in der jeweils anderen Sprache mündlich und schriftlich wiedergeben.“
Die Schüler sollen also im Gegensatz zur früher üblichen Herübersetzung (Übersetzung aus der Fremdsprache in die eigene Sprache) in der Lage sein, in beide Richtungen zu übersetzen, wobei die Übersetzung von der Fremdsprache in die eigene Sprache eher als Übertragung zu bezeichnen wäre. Dass sie, übertragen auf den konkreten Fall des Spanischunterrichts, am Ende der Gymnasialzeit nicht in der Lage sein werden, ebenso deutsche Texte ins Spanische zu übersetzen, wie sie spanische Texte ins Deutsche übersetzen, ergibt sich allein aus der geringeren Stunden- und Schuljahreszahl, die den zweiten und dritten Fremdsprachen eingeräumt wird bzw. zur Verfügung steht. Dennoch wird eine andere Sicht- und Herangehensweise erzielt, wenn nicht von bloßer Übersetzung in eine Richtung die Rede ist. Wichtig ist, dass das Wissen des Schülers als Bindeglied zwischen beiden Sprachen wirken soll, er sich zwischen beiden sprachlichen Welten verhältnismäßig sicher bewegen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert den gesellschaftlichen Wandel und die Notwendigkeit, schulische Ausbildung durch praxisbezogene Sprachkompetenzen wie die Sprachmittlung zu erweitern.
2. Was ist Sprachmittlung / Kulturmittlung?: Differenziert zwischen der beruflichen Definition und dem didaktischen Verständnis von Sprachmittlung im gymnasialen Kontext sowie deren Ursprüngen.
3. Wozu Sprachmittlung im Gymnasialunterricht?: Begründet die Relevanz der Sprachmittlung als Methode zur Förderung von Transferleistungen, kreativem Denken und interkulturellem Bewusstsein.
4. Beispielaufgaben und Problematik der Bewertung: Präsentiert verschiedene Aufgabenbeispiele und erörtert die Schwierigkeiten bei der objektiven Leistungsbewertung aufgrund des interpretatorischen Freiraums.
5. Eigene Aufgabe: Stellt eine selbst entwickelte Unterrichtseinheit basierend auf einem Dialog zwischen einem deutschen Schüler und einem spanischen Gast vor, inklusive Lösungsvorschlag und Bewertungshinweisen.
6. Bibliographie: Listet die verwendeten Fachpublikationen und Online-Ressourcen auf.
Schlüsselwörter
Sprachmittlung, Spanischunterricht, Interkulturelle Kompetenz, Übersetzung, Gymnasialunterricht, Kulturmittlung, Bildungsplan, Sprachhandlung, Transferleistung, Kommunikative Fähigkeiten, Sprachgebrauch, Didaktik, Fremdsprachenerwerb, Bewertungsmaßstäbe, Alltagssprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Sprachmittlung als moderne Kompetenz im gymnasialen Spanischunterricht und grenzt diese von traditionellen Übersetzungsmethoden ab.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einordnung der Sprachmittlung, deren didaktische Notwendigkeit sowie praktische Ansätze zur Implementierung und Bewertung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sprachmittlung Schüler dazu befähigt, als Bindeglied zwischen Sprachen zu fungieren und inhaltlich korrekte, situativ angemessene Übertragungen vorzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Lehrplänen, fachdidaktischer Literatur und die praktische Gestaltung sowie Evaluation von Unterrichtsbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition der Sprachmittlung, der didaktischen Begründung für den Unterricht, der Analyse von Beispielaufgaben und der Vorstellung eines eigenen Entwurfs inklusive Reflexion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Sprachmittlung, Spanischunterricht, interkulturelle Kompetenz, Transfer, Kommunikation und didaktische Bewertung.
Wie unterscheidet sich die Sprachmittlung von einer klassischen Übersetzung?
Während die klassische Übersetzung auf die wortgetreue Wiedergabe abzielt, legt die Sprachmittlung den Fokus auf die Vermittlung von Inhalten, den Transfer zwischen Kulturen und die Flexibilität in der Sprachverwendung.
Warum ist die Bewertung von Sprachmittlungsaufgaben so komplex?
Die Bewertung ist schwierig, da Sprachmittlung oft mehrere korrekte Lösungswege zulässt, was einen eindeutigen Bewertungsmaßstab erschwert und eine klare Festlegung der als „wesentlich“ erachteten Inhalte erfordert.
Was beinhaltet der eigene Unterrichtsvorschlag des Autors?
Der Autor entwirft einen Dialog zwischen einem deutschen Jugendlichen und einem spanischen Austauschschüler, in dem beide Sprachen aktiv zur Verständigung genutzt werden, um die Sprachmittlung in einer Alltagssituation zu üben.
- Quote paper
- Patrick Wolf (Author), 2008, Sprachmittlung und ihre Rolle im gegenwärtigen gymnasialen Spanischunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161406